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Doch rede! Hast mir vielleicht was Nützes abgesehn? Geheime Kräfte, die ich blöde Nit konnt’ erspähn? So künde, was dir aufgefallen! Es soll das Glück, das du verheißt, Auf mich und dich, auf +beide+ niederfallen. Was trieb dich her? Was sinnt dein Geist? Wir halten den Vertrag .. Sprich du nur dreist!

+Ratefreund+ (großartig):

Bei Gott, schon schwillt in mir ein Wort Und gährt und treibt in einem fort Und sprengt mir schier die Wände. Ich +muß+ es kneten und ich +kann’s+ ..

(gegen einen Sklaven):

He, einen Kranz! Und Wasser für die Hände!

+Hoffegut+:

Gibt’s was zu schmausen? Oder wie?

+Ratefreund+ (zu Hoffegut):

Nein .. Schon seit langem drängt’s mich hie, Ein wahrhaft großes Wort zu künden, Ein in sich selbst gefestetes, Saftstrotzendes, gemästetes, Um ihre Seelen zu entzünden.

(zum Chor):

.. Was tut ihr Vögelein mir leid, Daß ihr nicht mehr, wie früher, Könige seid!

+Chorführer+:

+Wir+ Könige? Ja über wen?

+Ratefreund+:

Über alles, was ist: über mich, (auf Hoffegut deutend) über +den+, Ja selbst über Zeus ... Ihr habt +ältere+ Ahnen Als Kronos oder die Schaar der Titanen. Ihr wart — +vor der Erde+!

+Chorführer+:

Der Erde?

+Ratefreund+:

Jawohl.

+Chorführer+:

Das hört’ ich nie noch, beim Apoll!

+Ratefreund+:

Warst eben faul in der Schülerzeit! Dir ward der Äsop nicht eingebläut! Da steht von der Haubenlerche zu lesen, Daß sie der erste Vogel gewesen. Noch +vor+ der Erde ... An einer Seuchen Tät ihr der Vater stracks erbleichen. Und weil’s noch keine Erde gab, Kam er fünf Tage nicht ins Grab, Bis daß sie ihm in ihrer Not Den eigenen Kopfbusch als Ruhstatt bot. — — — — — — — — — — — — — — — — Weil ihr also +vor+ Göttern und Erde wart, Dünkt’s euch da nicht die rechte Art, +Ihr+, als die +ältesten+, wäret die Herren?

+Hoffegut+:

Laß dir nur gleich einen +Schnabel+ stehn! .. Bloß wird sich Zeus dagegen sperren, Vorm Eichelspecht ins Ausgeding zu gehn!

+Ratefreund+:

Daß die Vögel und nit die Götter vor Zeiten Uns Menschen lenkten und betreuten, Dafür sind der Exempel viel. Erst nenn’ ich euch zu solchem Ziel Den +Hahn+ ... Er hätt’ den ersten Platz Als Herr der Perser aufzuweisen, Noch vor Darius und vor Megabaz .. Daher sie ihn den Perservogel heißen.

+Hoffegut+:

+Drum+ stelzt er wie ein grimmer Schach Und hat ein’n Spitzhut auf dem Dach!

+Ratefreund+:

So mächtig war er, stolz und groß, Daß jetzt noch in der Frühe, kräht er bloß, Ein jeder flugs zum Tagwerk zieht: Der Häfner, Gerber und Kupferschmied, Der Schuster, Bader und der Melber, Der Leyerschilderdrechsler selber .. Und auf Sandalen schreiten alle sacht Hin durch die Nacht.

+Hoffegut+:

Ein’n wullenen Mantel, daß ihr’s wißt, Hab ich durch diesen Vogel eingebüßt. Zur Kindstauf’ hätt’ man mich gebeten. Ich trank mir Einen an, bevor Die andern Gäste schmausen täten .. Und döselt’ ein ... Die Hähne krähten. „’s ist Morgen!“ denk’ ich, eil’ ans Tor .. Da haut mich einer hinters Ohr. Ich fall’ .. Ich schreie mordio! .. Mein Mantel war schon anderswo!

+Ratefreund+:

Der +Griechen+ König war der Weih.

+Chorführer+:

Der Griechen?

+Ratefreund+:

Ja. Er tät sie lehren, Daß es am Platz und nötig sei, Als König ihn im Staube zu verehren.

+Hoffegut+:

Beim Dionys, ich hab’s erlebt! .. Ich seh’, wie einer ob mir schwebt .. Fall’ offnen Maules aufs Gesäß .. Da rutscht mir aus der Backenhöhle Ein Groschen meuchlings in die Kehle .. Ich fand’s nicht zweck- und wunschgemäß!

+Ratefreund+:

In +Ägypten+ und im +phönikischen+ Land Das Regiment beim Kuckuck stand. Und wenn der Kuckuck „Kuckuck!“ rief, All Volk ins Feld zur Ernte lief.

+Hoffegut+:

Daher kommt wohl das Sprüchel gar: Hinaus, zum Kuckuck, du beschnittne Schaar!?

+Ratefreund+:

So wohlbegründet war ihr Gubernieren, Daß in jedwedem Königshaus, Bei Agamemnon und bei Menelaus, Ein Vogel auf dem Szepter saß Und, ließ die Majestät sich schmieren, Mit von der milden Gabe aß. — — — — — — — — — — — Doch am erstaunlichsten ist +das+: Selbst Zeus, der itzt die Welt regiert, Ein’ Adler auf dem Haupte führt, Als Zeichen für sein Königtum. Sein Töchterlein hat eine Eule; Apoll, dem Diener, ward ein Falk zu teile ..

+Chorführer+:

Wohlwohl. Sag bloß: wozu? warum?

+Ratefreund+:

Damit, wenn einer das Gekröse Beim Opferfest nach altem Brauch In seines Gottes Hand ergösse, Der zugehörige Vogel auch, Und zwar +vor+ Zeus, das Opfermahl genösse. .. Kein Mensch einst bei den +Göttern+ schwur: All-alle bei den +Vögeln+ nur. Sie nannten euch früher heilig und groß, Itzt aber Sklaven und Tölpel bloß. Sie werfen nach euch und schießen euch, Als wäret ihr tollen Hunden gleich. In jedem Tempel und Gotteshaus Legen sie Schlingen und Netze aus, Ruten mit Leim, Garne, Geflechte, Drin eure Art sich fangen möchte. Greifen, verhandeln euch in Massen. Ihr müsset euch betasten lassen. Und wenn es ihnen dann gefällt, Werdet ihr nicht als schlichter Braten Des Mittags auf den Tisch gestellt: Sie wandeln euch zu Würzsalaten. Sie machen euch mit Öl und Käse, Mit Essig und mit Knöblich räse; Mischen dazu eine fette, süße Leckere Brühe und gießen diese Über euch aus, siedheiß, zum Spaß, Als wäret ihr ein stinkend Aas!

+Chor+ (klagend):

Genug, genug der trüben Mär Brachtest du her! Wie geht uns unsrer Väter Schmach, Die herbe, Das feig verscherzte Ahnenerbe, Wie geht’s uns nach! .. +Dich+ aber schickt ein Dämon gut, Ein freundlicher, uns zu befreien. +Dir+ wollen wir uns willig weihen Und unsre Brut!

+Chorführer+:

Sag an: Was tun? .. Das Leben ist nichts wert, Wenn uns die Herrschaft nimmer zugehört!

+Ratefreund+:

Für’s erste: So erbauet euch +Ein+ Vogelstadtbild. Dann ummauert Die Luft rundum, das Zwischenreich, Mit Backsteinwällen, mächtig hoh’n, Wie einst vor Zeiten Babylon.

+Hoffegut+:

Wie lang dies Riesenwerk wohl dauert?!

+Ratefreund+:

Und ist der Wunderbau vollend’t, Verlangt von Zeus das Regiment! Und wenn er nein sagt und sich wehrt, Wird ihm der +heilige Krieg+ erklärt. Verboten wird den Göttern allen, Durch euer Land gesteiften Speers zu wallen, Die frech voreinst auf solchen Flügen Die Semele und andere bestiegen. Und wagen sie sich gleichwohl dran, So hängt der Latte ein Sigillum an, Auf daß sie’s nimmer machen kann.

Den +Menschen+ kündet nebenher, Daß +euer+ Reich itzt kommen wär’. +Euch+ müßten sie opfern und erst hernach Den Göttern, wie das früher geschach. Ein’m jeden Gott wird unverweilt Der passende Vogel zugeteilt. Wer Aphroditen Opfer beut, Dem Bleßhuhn Waizensamen streut. Wer dem Poseidon Schafe schlacht’t, Hab’ auf das Entenfutter acht. Und wer was weiht dem Herakles, Der Vielfraßmöve nit vergeß’ Und ihrer röschen Honigkuchen. Will einer König Zeus versuchen Mit einem Bock, der denke doch: Zaunkönig steht nit minder hoch, Ist wohl gar höher noch zu achten. Man muß ihm eine Hodenmucke schlachten ...

+Hoffegut+ (lachend:)

Ein Muckenschlachtfest! I du mein! Da fahr’ doch gleich der Donn’rer drein!

+Chorführer+:

Werden wir aber für +Götter+ gelten, Da wir doch fliegen? Nicht für +Kräh’n+?

+Hoffegut+:

Nun muß ich deine Einfalt schelten! Hast du des +Hermes+ Flügel nie gesehn? Er +fliegt+, als Gott, wie andre Götter mehr: Goldflüglig hebt sich +Nike+ von dem Sitze, Und +Eros+ fliegt .. Von +Iris+ sagt Homer, Sie sehe wie ein schüchtern Täubchen her. Und schickt uns +Zeus+ nicht die beschwingten Blitze?

+Chorführer+:

Wenn sie uns aber doch verkennten Und die +Olympier wahre+ Götter nennten?

+Ratefreund+:

So sollen Spatzen ohne Zahl Und andre Picker ihre Fluren füllen. Die ernten alles nackt und kahl ... +Demeter+ mag dann ihren Hunger stillen.

+Hoffegut+:

+Die+ wird sich hüten, wird sich drehn!

+Ratefreund+:

Und Raben sollen niedergehn, Um ihren Ochsen, die am Pflug sich placken, Und ihrem Vieh die Augen auszuhacken ... Dann mag +Apollo+ gegen bar — Was tut er nicht um Honorar? — Sie heilen!

+Hoffegut+ (schickt sich an, wegzulaufen):

Ich will nur gleich mein Rinderpaar verkeilen ...

+Ratefreund+:

Wenn +euch+ jedoch für Gott und Welt Und für Poseidon, Kronos, Leben Ihr gläubiges Gemüte hält, Dann sollt ihr ihnen +alle+ Güter geben.

+Chorführer+:

Wie? Nenne mir der Güter eins.

+Ratefreund+:

Dann sind Heuschrecken nimmer die Verderber Des eben aufgeblühten Weins: Sie würgt +ein+ Fähnlein Eulen ab und Sperber. Ameisen auch und Wespen nagen Nimmer die süße Feige an: +Ein+ Drosselhaufe nimmt sie all am Kragen, Fein säuberlich und Mann für Mann.

+Chorführer+:

Wie aber soll’n wir ihnen +Gold+ bescheren, Darnach sie alle sich verzehren?

+Ratefreund+:

Dem, der die Vögel nach Gold befrägt, Werden köstliche Gruben aufgedeckt. Will einer um Gewinn verreisen: +Sie+ wern sich als Propheten weisen. +Kein+ Schiffer stirbt ..

+Chorführer+:

Wie kann das sein?

+Ratefreund+:

Stets spricht ein seherisch Vögelein: Fahr’ nicht, ’s gibt Sturm! Fahr’ zu, ’s bringt ein!

+Hoffegut+:

Ich kauf’ ein Schiff, will Seefahrt treiben. Mag nimmermehr bei euch verbleiben.

+Ratefreund+:

Auch wissen die Vögel alle Plätze Vergrabner alter Silberschätze Und zeigen sie auf ... Drum heißt’s im Lied: „Mein Schätzel bloß ein Vöglein sieht ..“

+Hoffegut+:

Flugs geb’ ich meinen Schifferkahn Für eine wackre Schaufel dran Und fang’ nach Geld zu graben an.

+Chorführer+:

Wie machen wir aber die Menschen +gesund+? Das liegt doch in der +Götter+ Händen.

+Ratefreund+:

Wem’s wohl geht, der ist frisch und rund. Wer’s übel treibt, muß übel enden.

+Chorführer+:

Wie werden sie +alt+? Auch diese Gabe Wohnt im Olymp. Bringt man sie gar Als kleine Kinder schon zu Grabe?

+Ratefreund+:

Da hat es keinerlei Gefahr: Die Vögel legen ihnen im Nu Noch dreimal hundert Jahre zu.

+Chorführer+:

Woher?

+Ratefreund+:

Aus eigenem Gehalt: Die Krähe wird fünf Menschenleben alt!

+Hoffegut+ (gegen die Zuschauer gewendet):

Ei ja! +Die+ hab’ ich doch noch lieber Zu Königen als Zeus, den Wolkenschieber!

+Ratefreund+:

Und ob! Wir brauchen ihnen mitnichten Steinerne Tempel aufzurichten, Mit güldenen Toren. Denn sie wohnen Im Strauchwerk und in Eichenkronen. Die Allerheiligsten und Besten Verehrt man unter Ölbaumästen. Man wird nicht mehr nach Delphi wallen Und nicht mehr opfern Ammon zu Gefallen. Nein. Aufrecht, Körner in der Hand, Treten wir an den Beerenstand. Wir flehn im Schatten der Oliven: Gebt uns aus eurer Schätze Schrein! Und kriegen gleich, um was wir riefen, Wenn wir ein bischen Waizen streun.

+Chorführer+ (begeistert):

O bester Greis! So wird zum Freund der Feind! Von nun ab bleib’ ich ewig dir vereint!

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