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Und schwöre: Kämpfst du jetzt mit mir In ehrlich-heilig-treuem Bunde Wider der Götter Ungebühr, Dann wird mein Szepter über Nacht Aus dem Olymp hiehergebracht! Wo’s +Kraft+ braucht, da lass’ +uns+ nur walten! +Dir+ bleibt der +kluge Ratschlag+ vorbehalten.
+Wiedehopf+:
Wohlauf! Wohlan! Jetzt gilt’s nicht, schläfrig umzublicken Und, winkt uns Nike, einzunicken: Jetzt heißt es: hurtig drauf und dran!
(zu den beiden Athenern):
Doch tretet erst in meine Klause .. ’s ist freilich Reisig bloß und Stroh im Hause .. Wie heißt ihr denn — — wenn’s euch geruht?
+Ratefreund+:
+Ich+ Ratefreund, +der+ Hoffegut.
+Wiedehopf+:
So seid mir beide hoch willkommen!
+Ratefreund+:
Wir danken dir.
+Wiedehopf+:
Und geht hinein.
+Ratefreund+ (etwas geziert):
Wenn du uns bei der Hand genommen.
+Wiedehopf+ (tut’s):
Wohlan!
(sie gehen auf den Busch zu)
+Ratefreund+ (sich nochmals umwendend):
Halt halt! Mir fällt was ein: Ihr +fliegt+ ... Wie kommen wir da mit Und haben keine Flügel nit?
+Wiedehopf+:
Ganz einfach.
+Ratefreund+:
Denk’ an jenen Bund, So zwischen Adler und Fuchs bestund! Er war dem Fuchsen nit gesund!
+Wiedehopf+:
I wo! — Ich hab’ ein Wunderkraut; Euch wachsen Flügel, wenn ihr’s kaut.
+Ratefreund+:
Hinein denn! (zu zwei Theaterdienern, auf die Töpfe und Spieße weisend):
Schafft den Krempel fort!
+Chorführer+:
He! Hollahe, du! Auf ein Wort!
+Wiedehopf+:
Was soll’s?
Chorführer:
Führ’ du hinein die zweie Und atze sie ... +Uns+ aber laß, Daß unser Herz sich ihrer freue, Die Sängerin der süßen Schreie, Die Freundin derer vom Parnaß.
+Ratefreund+:
Tu ihnen doch die Liebe an, Heiß’ aus dem Rohr das Vöglein gahn!
+Hoffegut+:
Auf daß auch wir uns dran erlaben!
+Wiedehopf+:
Wenn ihr’s denn wollt, so sollt ihr’s haben.
(zärtlich lockend):
Prokne, komm’ vor, zeig’ dich, du Meine!
(Die Nachtigall tritt auf, reich geschmückt, mit einer Flöte und einer langschnäbligen Vogelmaske überm Kopf)
+Ratefreund+:
Wie schön das Vöglein ist, beim Zeus! Wie gliederzart, wie blank und weiß!
+Hoffegut+:
Dürft’ ich nur zwischen ihre Beine!
+Ratefreund+
Wie eine Jungfer, eine feine, Ist sie geputzt und hergericht’t!
+Hoffegut+:
Am liebsten küßte ich die Kleine!
+Ratefreund+:
Narr! Siehst den Bratspießschnabel nicht?
+Hoffegut+:
So wie die Schale von dem Ei Schält man ihn ab (hebt ihr die Maske auf) und ist so frei (küßt sie).
+Wiedehopf+:
Fort, fort jetzt!
+Ratefreund+:
Also denn: es sei!
(Wiedehopf, Ratefreund und Hoffegut gehen ab)
Zwischenakt.
Chor der Vögel, die Nachtigall, Chorführer
+Chor+:
Du Gute, du! Du Braune mein! Du allerliebstes Vögelein! Sangesgenossin früh und spat, Gespielin du und Kamerad! O Nachtigall! Nun bist du nah, Nun bist du da Und bringst mir wundersüßen Schall. Laß hell die Flöte jubilieren, Selig im Frühlingsüberschwall, Ehe wir unsre Jamben dumpf skandieren.
(Die Nachtigall spielt auf der Flöte eine jubelnde Weise)
+Chorführer+ (an die Zuschauer gewendet):
Auf, Männer, deren Sein im Dunkeln ruht! Raschwelkes Laub! Ein Nichts in eurer Blöße! Flügelbeschnittne Eintagsmückenbrut! Wankende Schattenträume! Erdenklöße! Blickt her zu uns, die wir unsterblich sind! Nie alternd leben wir in Luft und Wind, Wo unser ewiger Geist nur Ewiges spinnt. Vernehmet überirdischer Dinge Mär Von Vogelart und von der Götter Größe, Von Flüssen, von des Chaos wüstem Meer, Wie sie voreinst entstanden und woher. Und ging euch auf der Rede Sinn und Seim, Dann geiget euren Philosophen heim!
Im Anfang war das Chaos und das Dunkel. Schwarz starrten Erebos und Tartarus. Nicht Luft noch Erde gab’s noch Sterngefunkel. Aber im tiefsten Schlund der Finsternus, Mit düstren Fittigen, brütete die Nacht, Bis sie das Ur-Ur-Windei fertig bracht’. Daraus sah man im Ringellauf der Zeiten Den immer sehnsuchtsvollen Eros gleiten, Ein auf dem Rücken goldgeflügelt Kind Und flink und hurtig wie ein Wirbelwind. Der tät im weiten Tartarus inzwischen Sich mit dem nachtbeschwingten Chaos mischen Und zeugte so und heckte +unsre+ Art, Die dann +zuerst+ ans Licht befördert ward.
Unsterbliche Götter waren unbekannt, Eh’ Alles Eros durcheinanderrührte. Indem sich eins nun mit dem andern band, Erstanden Himmel, Meere, festes Land, Erstand der ewigen Götter selige Würde. Drum sind +wir+ älter als die Götterschaar. Und daß wir Eroskinder, das ist klar: Wir +fliegen+ doch und sind zu allen Stunden, Bei Tag und Nacht, den Liebenden verbunden. So mancher schöne Knabe, dem das Spiel Mit heißverliebten Männern nicht gefiel, Ward schließlich mürb. +Wir+ brachten sie ans Ziel, Wenn sie ihm eine Wachtel, einen roten Fasan, ein Gänschen, einen Hahnen boten.
Was immer groß euch dünkt, ihr Menschenkinder, Da stecken +wir+ mit unsrer Macht dahinter. Wir künden euch den Frühling, Sommer, Winter. Der Kranich, wandert er nach Afrika, Krächzt niederwärts: die Zeit der Saat ist da! Dem Schiffer sagt er: tu dein Ruder fort Und ruh’ dich aus im winterlichen Port! Dem Dieb: Web’ einen Mantel für die Brust, Daß du, wird’s kalt, dir keinen stehlen mußt. Schickt sich der Geier an, nach Haus zu kehren Im jungen Lenz, so heißt’s: die Schafe scheren. Die Schwalbe singt: versetz’ den Winterkragen, Nun ist die Zeit, sich sommerlich zu tragen.
+Wir+ sind euch, wenn die Zukunft reden soll, Delphi, Dodona, Ammon und Apoll. Drum fragt erst +uns+, dann mögt ihr eure Sachen: Handel, Erwerb und Hochzeit, fertig machen. — — — — — — — — — — — — — — — — Sofern ihr +uns+ als Götter anerkennt, Kommt jedes Ding zu seinem guten End’. Auch laufen wir nicht mißgelaunt davon, Sitzen nicht stolz wie Zeus im Wolkenthron: Nein, immer seht ihr uns bei euch verweilen, Um alle Erdengüter auszuteilen, Euch selber und dem Sohn und Sohnessohn! Heil, Leben, Jugend, Lachen, Tänze, Frieden, Ja ... Vogelmilch sogar wird euch beschieden. Ihr schwimmt in Glück und Überfluß ... zum Lohn!
+Chor+ (von der Nachtigall auf der Flöte begleitet):
Wie oft, du bunte Muse schattiger Haine, Sangen wir hell in dunkler Schlucht Oder am sonnigen Höhenraine, Wo wir der Eschen Dickicht aufgesucht, Pan und der Berge Mütterchen zu preisen, Heiliger Reigentänze hehre Weisen! .. Draus Dichter, die wie Immlein uns umflogen, Ambrosischer Lieder süßen Honig sogen!
+Chorführer+ (gegen die Zuschauer):
Herauf zu +uns+, wer hier im Publikum Sein Leben ruhsam abzuspinnen trachtet: Was man bei euch verbietet und verachtet, Das nimmt euch bei den Vögeln keiner krumm. Gilt’s +euch+ als Schmach, den Vater durchzubläuen: Bei +uns+ pflegt man den Akt zu benedeien. Man stößt und schlägt und reizt ihn voller Zorn: „He, alter Gockel, hebe deinen Sporn!“ Gebrandmarkt bleibt, lief Einer bei euch weg. +Wir+ sind nicht so; uns heißt er „bunter Scheck“. Erstrebt ein Sklave Bürgerrecht und Ahnen, So hilft er sich und nimmt statt ihrer ... Hahnen. Öffnet Verrätern Einer Tor und Türen, Tut er’s als Spatz und läßt sie ... einspazieren.
+Chor+ (von der Nachtigall auf der Flöte begleitet):
An buschigen Ufern, dem Apollo klagend, Sitzen die Schwäne oft in langer Reih’, Rauschend die wuchtig-weißen Schwingen schlagend. Durch Sommerwolken aufwärts dringt ihr Schrei. Es lauscht das Wild ... Des Meers bewegte Glieder Bettet das lichte Himmelsblau zur Ruh’. Der Götter Haus erdröhnt; sie staunen nieder. Aber der Musen Herz ergreift’s im Nu: Sie jauchzen mit den Grazien dawider.
+Chorführer+ (wiederum gegen die Zuschauer):
Flügel zu rühren macht das Leben freier! Wär’ zum Exempel einer hier beschwingt Und hätte satt das tragische Geleier, Weil ihm der Hunger in den Därmen singt: Zum Frühstück flög’ er heim und hinterher Nähm’ er die komische Muse als Dessert. Wenn’s einen andern plötzlich zwackt und klemmt, Dann bläst er’s nicht verschämt ins Unterhemd: Er schwingt sich auf, lädt’s anderweitig nieder Und kommt gelüftet und erheitert wieder. Sieht ein Galan den Eh’mann seiner Buhle Behaglich hier im Senatorenstuhle, Gleich fliegt er weg, mit Fittichen ausstaffiert, Und kehrt zurück, nachdem er sich lustiert.
Nicht wahr, ihr müßt die Kunst des Fliegens loben: Sie hilft hinauf und sie erhält uns oben. Stolz fliegt zu Roß vor den Schwadronen her So mancher, der ein hohler Schwadroneur!
Zweiter Akt
Erste Szene
Ratefreund, Hoffegut, Chorführer, Chor der Vögel
Ratefreund und Hoffegut treten, grotesk mit Federn besetzt, hinter einem Busch vor.
+Ratefreund+ (mustert lachend den Hoffegut):
Herrjeh, beim Zeus, da schaut bloß +Den+! Hab’ nie ein’ größern Spaß gesehn.
+Hoffegut+:
Was freut dich so?
+Ratefreund+:
Dein Schwingenpaar! Gleichst einem Gänsebild fürwahr, Wie’s kleine Kinder kritzekratzeln.
+Hoffegut+:
Und du, mein Lieber, ganz und gar Den rundum tonsurierten Atzeln.
+Ratefreund+:
So geht’s, wenn man sich resigniert Mit +selbst+gewachsnen Federn ziert!
+Chorführer+:
Was tun wir itzt?
+Ratefreund+:
Fürs erste braucht Die Stadt einen +Namen+, hoch erlaucht Dann gilt’s, den Göttern Opfer spenden.
+Chorführer+:
Ist dir ein Name schon bewußt?
+Hoffegut+ (vorschnell):
Wenn wir sie einfach +Sparta+ nennten?
+Ratefreund+:
Potz Herakles, das fehlte just! Wir sind von minder rauher Art: +Hier+ wird geschmaust und nit +gespart+!
+Hoffegut+:
Ja wie denn sonst?
+Chorführer+:
Geh, bläh’ dich! Leim’! Aus luftigen Höh’n und Wolkenzügen, Läßt sich da nichts zusammenfügen?
+Ratefreund+ (nach einigem Besinnen):
Wie wär’s mit ... Wolkenkuckucksheim?
+Chorführer+:
Großmächtig! Prächtig! Hei, juchhu! Ein herrlich Wort erfandest du!
+Hoffegut+:
Ist das dieselbe Wunderstadt, Wo Prahlhans seine Schätze hat?
+Ratefreund+:
Jawohl ... und wo auch die Giganten Durch Göttermut ein schmählich Ende fanden!
+Chorführer+:
Ein fetter Brocken, meiner Treu! .. Wer meinst du, daß ihr Schutzgott sei? Wem werden wir die Weihgewänder schenken?
+Hoffegut+:
Athene bleibt’s doch, sollt’ ich denken.
+Ratefreund+:
Ob’s einer Stadt ersprießlich geht, Drin waffenstarr ein +Gottweib+ steht Und mancher +Mann+ die Spindel dreht?!
+Chorführer+:
So sag’, wer unsre Mauern hüte?
+Ratefreund+:
Ein +Vogel+ sei’s, aus persischem Geblüte, Den alle rings als Helden preisen Und drum des Ares Küchlein heißen.
+Hoffegut+:
Der +Hahn+ als Schutzgott scheint mir nütze: Er liebt die hohen Auslugsitze!
+Ratefreund+ (zu Hoffegut, in die Hände patschend):
Flugs jetzt und in die Luft hinauf! Trage den Maurern Steine zuhauf! Den Kittel aus! Mach’ Mörtel an Und laß den Kübel weiter gahn! Stell’ Posten auf! Fall’ leiterab Und auf das Feuer Obacht hab’! Rühr’ deine Wächterschelle brav Und schlaf’ dabei den Maurersschlaf! Ein’ Boten schick’ ins Götterreich, Ein’ andern zu den Menschen gleich Und alle beide dann zu mir!
+Hoffegut+ (wehleidig):
Daß dich der Henker! .. +Du+ bleibst hier ..!
+Ratefreund+ (ungeduldig):
So folg’ mir doch und sei nicht träge! Wenn +du+ nicht mittust, bring’ ich nichts zuwege.
(Hoffegut geht ab)
Ich aber will zum ersten Male Den neuen Göttern Opfer breiten. Ein Priester soll den Umzug leiten. (rufend): Weihwasser, he, und Opferschale! (Ab)
+Chor+:
Rauscht Beifall zu mit blanken Schwingen! Laßt uns den Göttern Opfer bringen! Ein Festzug walle Schritt vor Schritt! Durchschneidet einem Lamm die Kehle! Stimmt an die pythischen Choräle! Und Bruder Rabe dudle mit!
Zweite Szene
(Ein Festzug, mit Musikanten, dem Priester und Ratefreund an der Spitze, tritt auf; ein Rabe bläst schrill und falsch die Flöte.)
+Ratefreund+ (fährt den Raben an):
So gib’s doch auf, dich zu gehaben! Ich hörte viel, was mich entsetzt. +Doch+ nie solch flötengellen Raben!
(zum Priester):
Priester, ans Werk, und opfre jetzt!
+Priester+:
Wohlan ... Wo sind die Opfergaben?
(Ein Knabe überreicht ihm Korb und Weihwasser) Mit feierlicher Monotonie:
Fleht zu der Vogelherdbeschützerin, Zum Habicht fleht, der überm Hause wacht, Zu den olympischen Vögeln all und Vögelinnen!
+Chor+ (respondierend):
Sei mir gegrüßt, Herr, Sunionhabicht du!
+Priester+:
Und fleht zum pythischen und delischen Schwan, Zu Mutter Leto aus dem Wachtelland, Zur bunten Distelfinkin Artemis!
+Ratefreund+:
Auch Disteln sind kein übles Jagdrevier!
+Priester+:
Zum phrygischen Weinbergspatz, zur Straußin fleht, Die aller Wesen große +Mutter+ ist!
+Ratefreund+:
So wie der Strauß, der Krieg, der Dinge +Vater+.
+Priester+:
Fleht, daß sie uns, den Wolkenkuckucksheimern, Schutz und Gesundheit allezeit verleihn, Uns und den Bundesfreunden!
+Ratefreund+ (belustigt):
I du mein!
+Priester+:
Fleht zu der Vogelhelden Sippen auch, Zum Purpurhuhn, zum Specht, zur kropfigen Gans, Zum Feuerkopf, zum Pfau, zum Auerhahn, Zu Ente, Trappe, Eule, Meise, Mönch, Zum Geier fleht, zum Adler und zum Reiher ..
+Ratefreund+:
Hör’ auf, zum Kuckuck, du verrückter Schreier! Was lädst du denn zum Opfermahl Den Adler und den Lämmergeier?
(auf das Opfer deutend):
Ein +einziger+ fräß das rattenkahl! Fahr’ ab mit deinen Priesterkränzen! Ich will das Opfer schon allein kredenzen!
(Er reißt dem Priester die Opfergeräte aus der Hand; dieser geht ab)
+Chor+:
Von neuem singt den Göttern Psalmen, Indes die Opferfeuer qualmen Und heilig Wasser niedertaut! Doch darf uns nur ein +Einziger+ hören, Weil, was wir bieten und bescheren, Nichts weiter ist als Horn und Haut!
+Ratefreund+:
Itzt betend, opfernd aufgeschaut!
(schickt sich an, das Opfer darzubringen)
Dritte Szene
Ein Bettelpoet, die Vorigen
+Bettelpoet+
(langmähnig, schmutzig und abgerissen, tritt schlotternd auf):
Sing’, Muse, mit verzücktem Reim Vom seligen Wolkenkuckucksheim!
+Ratefreund+:
Was kommt denn da für ein Gestell! Wer bist du! Sag?
+Poet+:
Ich? ... Honighell Und süß rinnt meiner Lieder Quell. Ich bin ein flinker Knecht der Musen (sehr geziert) ... Um gleichsam auf Homer zu fußen ...
+Ratefreund+:
Ein Knecht? Mit +diesem+ Lockenschwall?
+Poet+:
Nicht so ... Vielmehr .. Wir Dichter all Sind flinke Knechte hehrer Musen ... Um gleichsam auf Homer zu fußen ...
+Ratefreund+:
Flink? .. Flickbedürftig scheinst du eh’r! — Aber, Poet, was treibt dich her?
+Poet+:
Auf euer Wolkenkuckucksheim Macht’ ich so manchen süßen Reim Und viele schöne Reigensänge, Jungfrauenchöre, Bardenklänge! ..
+Ratefreund+:
I was, so viele? Und seit wann?
+Poet+:
Lang, lang sing’ ich die Stadt schon an.
+Ratefreund+:
Wie? Hab ich nicht das Kind erst eben Getauft und ihm den Namen ’geben?
+Poet+:
O ... blitzschnell wie ein Pferdehuf Flog zu mir her der Muse Ruf. — Du aber, der die Stadt erschuf, Gib mir, was dein geneigter Geist Dich mir von dir zu geben heißt.
+Ratefreund+:
Dies Übel läßt nicht mit sich spaßen, Wenn wir kein Trinkgeld springen lassen.
(Zu einem Diener):
Du hast ein Hemd und auch ein Koller. Tu eines ab und gib’s dem Roller!
(Reicht’s dem Poeten):
So, nimm das Wams und hüll dich drein. Dich friert ja bis ins Mark hinein.
+Poet+ (freudig bewegt):
Nicht ohne Sympathie empfängt Die Muse das, was man ihr schenkt. Vernimm dafür des Pindar Weisen.
+Ratefreund+:
Der Mensch ist nimmer loszueisen!
+Poet+:
Es irrt ein Mann im Skythenland. Wer wob ihm wohl das Leibgewand? Ein Wams läuft ruhmlos ohne Hemd.
(Den Ratefreund anstoßend):
... Verstehst du mich?
+Ratefreund+:
Potz, wie verschämt! So willst du also auch das andre?
(zum Diener):
Schnell, gib dem Dichter, was ihn grämt.
(Wirft dem Poeten das Hemd zu):
Fang’ auf und zieh dir’s an und .. wandre!
+Poet+:
Ich geh ja schon ... Zu Hause dann Dicht’ ich die Stadt von neuem an: Sing’, Muse du auf goldnem Throne, Die Stadt der frostig-kalten Zone, Allwo ich Schnee und Früchte sah ... Trala lala lala lala. (tänzelt ab)
+Ratefreund+ (ihm mit der Peitsche nachwinkend):
Dein Unterzeug hast du gewonnen Und bist noch grad dem Frost entronnen! Wer hätt’ gedacht, daß dieser Hund Uns also rasch erschnüffeln kunnt’!
(zum Sklaven):
Von neuem bring’ das heilige Naß!
(Der Opferkrug wird ihm gereicht):
Neigt euch in Andacht!
Vierte Szene
+Wahrsager+ (dazwischentretend):
Laß, laß, laß!
+Ratefreund+:
Wer bist denn du?
+Wahrsager+:
Ich sage wahr.
+Ratefreund+ (die Peitsche hebend):
Bald sagst du: weh!
+Wahrsager+:
Du scherzest gar? Mit Göttlichem wird nicht gefackelt! Ein uralt Seherwort orakelt Von Wolkenkuckucksheim.
+Ratefreund+:
Warum Bliebst du, eh’ daß ich’s baute, stumm?
+Wahrsager+:
Der Götter Wille wollt’s nicht leiden.
+Ratefreund+:
So magst du uns denn +jetzt+ bescheiden.
+Wahrsager+ (aus einer Papierrolle ablesend):
Aber behausen dereinst die Wölfe mit schwärzlichen Krähen Jenes Gebiet, das zwischen Korinth sich und Sikyon breitet ...
+Ratefreund+:
Was gehn mich die Korinther an?
+Wahrsager+:
Die +Luft+ meint der prophetische Mann!
(im Lesen fortfahrend):
Dann so gilt es, Pandoren ein lichtweiß Böcklein zu opfern. Doch wer als erster sich naht, mein göttlich Orakel zu künden, Selbigem schenket ein reines Gewand nebst neuen Sandalen.
+Ratefreund+:
Wie? Was? Sandalen überdies?
+Wahrsager+ (ihm die Papierrolle hinweisend):
Da, nimm und lies ...!
(fortfahrend):
Schenkt ihm die rundliche Schale und füllt ihm die Hand mit Gekröse.
+Ratefreund+:
Wenn der Prophet sich nur nicht stieß!
+Wahrsager+ (wie oben):
Da, nimm und lies ...! Handelst du so, wie ich heische, dann wirst du, göttlicher Jüngling, Flugs im Gewölk ein Adler ... Sofern du’s aber verweigerst, Wirst du nicht Turteltaube noch Adler werden noch Baumspecht.
+Ratefreund+:
Ja, ist das richtig und gewiß!
+Wahrsager+:
Da, nimm und lies ...!
+Ratefreund+:
Wie anders lautet doch der Rat, Den mir Apollo selbst verschrieben hat!
(Tut, als wenn er vom Peitschenstecken ablese):
Naht dir ein hergelauf’ner, ein ungerufener Schwätzer, Der die Opfernden stört und sich Gekröse erbettelt, Selbem verzwiebele, was zwischen Schultern und Schenkeln sich breitet.
+Wahrsager+ (empört):
Ist Lästerung und Ärgernis!
+Ratefreund+ (ihm die Peitsche zeigend):
Da, nimm und lies!
(wie oben):
Schone des Frevelnden nicht, und wär’s ein Adler in Wolken, Wär’s ein pfiffiger Pfaff, ja wär’s der größte Prophete.
+Wahrsager+ (verdutzt):
Ja, ist das richtig und gewiß?
+Ratefreund+:
Da, nimm und lies! Und jetzt zum Kuckuck! (zieht ihm mit der Peitsche eins über)
+Wahrsager+:
Weh mir, oh!
+Ratefreund+:
Hinaus! Orakle anderswo!
(Wahrsager rennt von der Szene)
Fünfte Szene
+Meton+, der Astronom und Geometer, tritt hochgestiefelt auf, mit einer Meßstange, Winkelmaßen und einem Riesenzirkel beladen:
Ich komm’ zu euch ...
+Ratefreund+:
Ein neues Übel! Woher des Weges wallt dein Stiebel? Was willst denn +du+? Was ist dein Plan? Welch hoher Ratschluß treibt dich an?
+Meton+:
Die Luft will ich quadrangulieren Und sie in Tagwerk’ segmentieren. Das Seine mess’ ich jedem zu ..
+Ratefreund+:
Potztausend auch, wer bist denn du?
+Meton+:
Ich? +Meton+. Meines Geistes Kraft Rühmt Hellas und die Nachbarschaft.
(Beginnt mit seinen Geräten zu wirtschaften)
+Ratefreund+:
Was nimmst du da in deine Hände?
+Meton+:
Das sind die Luftmeßinstrumente.
(eifrig):
Der Luftraum ähnelt doch, nicht wahr, Der Käseglocke auf ein Haar?
(lebhaft gestikulierend):
Ich nehme nun dies Lineal, Gekrümmt für den besondren Fall, Und setze drauf den Zirkel ein, Hier oben, sieh! ... Verstehst du?
+Ratefreund+ (kopfschüttelnd):
Nein.
+Meton+:
Hernach so zieh’ ich eine Grade Und mach’ den Zirkel zum Quadrate. Der Marktplatz soll inmitten sein, Viel grade Gassen führen drein. ’s ist wie ein Stern, ganz akkurat: Die Strahlen laufen allseits grad, Und doch — er selbst ist eine Sphäre ...
+Ratefreund+:
Ein zweiter Thales! ... Aber höre!
+Meton+:
Was gibt’s
+Ratefreund+:
Ich mein’ es gut mit dir. Drum troll’ dich sacht. (eindringlich) Geh’, folge mir!
+Meton+:
Droht ein Verdruß?
+Ratefreund+:
Du sollst es wissen: Wer fremd ist, wird hier rausgeschmissen, So wie in Sparta. Es gährt im Volke. Am Himmel steht eine Prügelwolke.
+Meton+:
Seid ihr in Zwist?
+Ratefreund+:
Nicht daß ich wüßt’!
+Meton+:
Ja was denn sonst?
+Ratefreund+:
Beschlossen ist, All Schwindlerpack hinauszufegen.
+Meton+ (ängstlich):
Da will ich mir doch überlegen ...
+Ratefreund+:
Tu’s nur, beim Zeus; bloß weiß ich nicht, Ob’s dazu nicht an Zeit gebricht.
(Schlägt ihn mit der Peitsche):
Guck’ her, da prasselt schon der Regen!
+Meton+:
O weh mir, weh!
+Ratefreund+:
Ich sagt’s ja lange! Nun zirkle dich weiter mit Winkeln und Stange!
(Meton eilt ab)
Sechste Szene
Ein +Zöllner+, prunkhaft gekleidet, tritt auf:
Wo sind die athenischen Syndici?
+Ratefreund+:
Was für ein Sardanapal naht hie?
+Zöllner+:
Ich komm als Zöllner in eure Stadt, Weil mich das Los getroffen hat.
+Ratefreund+:
Als Zöllner? Wer entsandte dich?
+Zöllner+ (ein Papier vorweisend):
Hier dies Diplom beglaubigt mich.
+Ratefreund+:
Bist du geneigt, wenn wir dir zollen, Dich ohne Umschweif heimzutrollen?
+Zöllner+:
Und ob! ... ’s ist Volksversammlung heut, Da hab’ ich ein Geschäft bereit Für meinen persischen Satrapen.
+Ratefreund+ (zieht ihm mit der Peitsche eins über):
So nimm und lauf’! Hier ist der Zoll!
+Zöllner+ (auffahrend):
Ich frage, was das heißen soll?!
+Ratefreund+ (peitscht ihn nochmals):
Bring’s deinem persischen Satrapen!
+Zöllner+ (gegen das Publikum):
Ihr zeuget mir: mich peitschte +Der+, Als ob ich kein Beamter wär’!
+Ratefreund+:
Wirst du dich jetzt wohl +selbst+ verfrachten?
(peitscht ihn hinaus)
Da schicken sie schon Zöllner her, Noch eh’ wir Götteropfer brachten!
Siebente Szene
Ein Händler mit Volksversammlungsbeschlüssen, einen dicken Zettelpacken unterm Arm und eine Ausruferschelle schwingend, tritt auf.
+Händler+ (feierlich vorlesend):
Falls aber ein Wolkenkuckucksheimer sich der Beleidigung eines Atheners schuldig machen sollte ...
+Ratefreund+:
Was weißt denn du für schlimme Mär?
+Händler+:
Ich bring’ euch Volksbeschlüsse her, Gesetze, nagelneu und frisch. Nur eingekauft!
+Ratefreund+:
Lies deinen Wisch!
+Händler+ (vorlesend):
Es erscheint geboten, daß die Wolkenkuckucksheimer sich der nämlichen Maße, Gewichte und Volksversammlungsbeschlüsse bedienen wie die Eulenhuter ...
+Ratefreund+:
Dich bring’ ich gleich zum Heulen, Luder!
(peitscht ihn)
+Händler+:
Oho!
+Ratefreund+:
Fort mit Gesetz und Schein, Sonst geb’ ich dir was Bittres ein! Gleich heut’ noch!
(jagt ihn hinaus)
Achte Szene
+Zöllner+ (wieder auftretend):
Ratefreund, wir treffen Von wegen Torts, der mir geschah, Uns nächsten Monat vor den Schöffen!
+Ratefreund+:
Wahrhaftig! Bist du auch noch da?
+Händler+ (wieder auftretend):
Sofern jedoch Einer den Beamten die Tür weist und sie nicht aufnimmt, gemäß den Bestimmungen des Gesetzes ...
+Ratefreund+:
O jeh, auch du?
+Händler+ (drohend):
Ich will dich knuten! Du sollst zehntausend Drachmen bluten!
+Ratefreund+:
Versuch’ erst meine Peitschenschnur!
(peitscht ihn hinaus)
+Zöllner+ (höhnisch):
He, weißt du noch, wie du bei Nacht Des Hermes Säule vollgemacht?
(rennt weg)
+Ratefreund+ (hinter ihm her):
Pfui Kuckuck! Drauf! ... Wo blieb er nur? — — — — — — — — — — — — — — — — Jetzt aber fort vor allen Dingen, Das Götteropfer darzubringen!
(Mit seiner Begleitung ab)
Zwischenakt
Chor der Vögel. Chorführer
+Chor+:
Schon opfern +uns+ mit heißem Flehen, Uns, die wir Alles lenken, Alles sehen, Die Menschen rings ... Der Erdenplan Ist unsren Augen untertan. Wir schirmen wohlbegrünte Fluren Vor jener Brut von Kreaturen, Die, was da aufzukeimen wagt, Im Boden grimmen Mauls zernagt Oder auf Bäumen heimisch ist, Wo sie die süßen Früchte frißt, Oder duftender Gärten Pracht Mit eklem Schmutz zu Schanden macht. Was immer kreucht und nagt, krepiert, Wenn unsereins die Schwingen rührt.
+Chorführer+ (gegen die Zuschauer):
Kund und zu wissen gibt man heutzutage: Wenn einer den Diagoras erschlage, Den Götterleugner, krieg’ er ein Talent. Der selbe Ehrensold wird +dem+ versprochen, Der einen der Tyrannen abgestochen (Als wär’s mit ihnen nicht schon lang zu End’!)
So künden und verheißen denn auch wir Dem ein Talent, der einen Finkler tötet, Weil er auf uns, die Vogelgötter, flötet; Und wer ihn lebend bringt, kriegt ihrer vier, —Ihn, der die Finken aneinander bandelt Und sieben um ein Groschenstück verhandelt! Ihn, der die Drosseln aufbläst und verklopft Und durch die Amselnasen Federn stopft Und Tauben fängt, die nun vergittert hocken, Um durch ihr Gurren andre anzulocken!
Drum höret wohl: wer Vögel zieht und quält Und im Geflügelhof gefangen hält, Der geb’ sie frei! Sonst lochen wir ihn ein. Dann mag er selber Menschenköder sein!
+Chor+:
Was sind wir Vögel von beglückter Art! Im Winter bleibt ein Mantel uns erspart. Uns hitzet nicht Der Sonne weithinglühend Angesicht. Im Wiesengrund, in kühler Blätter Hut, Hausen wir um die Zeit der Mittagsglut, Wenn allwärts die Zikade, gotterfüllt Und sonnetrunken, ihre Lieder schrillt. Grottengewölbe tun sich winters auf, Da bergen wir mit Nymphen uns zuhauf Und warten Der Myrtenzweige, in der Grazien Garten, Der lenzgebornen, lichten, jungfernzarten.
+Chorführer+ (gegen die Zuschauer):
Ein Wort an euch, die ihr uns kritisiert: Verleiht ihr +uns+ des Sieges Ehrenkrone, Dann werden euch der Schätze mehr zum Lohne, Viel mehr noch, als sie Paris heimgeführt. Für’s erste — jeder Richter wünscht sich’s ja — Sind immer Silbereulentaler da ... In eurer Tasche Nest sind sie zuhaus Und hecken junge Silberlinge aus. Fürs zweite wohnt ihr wie in Tempeln schier: Ein Adler sitzt ob jedes Hauses Tür. Wollt ihr ein Ämtchen, auf Profit bedacht: Ein Habicht zeigt, was man für Klauen macht. Lud man euch wo zu einem Essen ein: Gleich wird ein Vogelkropf zuhanden sein. So ihr euch aber +wider uns+ entscheidet, Sei euer Haupt mit einem Mond bekleidet, Aus Blech, wie man die Göttersäulen schützt. Wer +keinen+ trägt, büßt’s, wenn er weißbemantelt Erhobnen Hauptes durch die Gassen wandelt: Von allen Vögeln wird er vollgesprützt!
Dritter Akt
Erste Szene
+Ratefreund+ (kehrt vom Opfern zum versammelten Chor zurück):
Die Opferzeichen lauten gut. ... Noch aber ward kein Mann gesichtet, Der uns vom Mauerbau berichtet.
(auslugend):
Da keucht wer an und schnauft und tut ...
Zweite Szene
Die Vorigen. Erster Bote
+Erster Bote+ (hereineilend):
Wo ist ... wo ... wo ... wo ist ... wo ... wo ... Wo ist der Führer der Genossen?
+Ratefreund+:
Hier.
+Erster Bote+:
Unser Werk ist abgeschlossen. Die Mauer steht!
+Ratefreund+:
Des bin ich froh!
+Erster Bote+:
Ein nobel und erstaunlich Werk! Drauf könnten der von Prahlenberg Und Junker Hans von Prunkenhausen, Jeder mit einem Wagen groß Und Gäulen wie das troische Roß, Flott aneinand vorübersausen.
+Ratefreund+:
Potz Herakles!
+Erster Bote+:
Ja, und wie hoch! Ich maß sie eben selber noch: Einhundert Klafter sind’s!
+Ratefreund+:
Herrjeh! Wer bracht’ sie also in die Höh?
+Erster Bote+:
+Allein+ die Vögel. Es schaffte dran Kein Maurer noch Steinmetz noch Zimmermann. Han alles mit eigenen Händen vollend’t, Daß man sich baß erstaunen könnt’! Der Kraniche viel erschienen da, Wohl dreißigtausend, aus Afrika Und trugen übers weite Meer Grundsteine in ihren Kröpfen her. Die wurden vom Vogel Schnabelbreit Zurechtbehauen und ausgeglichen. Die Störche haben die Ziegel gestrichen, Gar an die zehentausend Leut’. Das Wasser schleppten die Taucher zuhauf Und andre Wasservögel hinauf.
+Ratefreund+:
Wer aber schaffte den Lehm herbei?
+Erster Bote+:
Das tat mit Kübeln die Reiherei.
+Ratefreund+:
Wie brachten die da den Lehm hinein?
+Erster Bote+:
Hier galt es freilich, gerissen sein: Mit ihren Füßen, patschig und bloß, Schaufelten ihn die Gänse los Und füllten die Kübel bis oben an.
+Ratefreund+:
Was so ein Fuß nicht leisten kann!
+Erster Bote+:
Und Enten kamen hochgeschürzt Eifrig mit Backsteinen angestürzt. Speißbuben gleich, hinten die Kelle, Trugen die flinken Schwalben den Lehm Im Schnabel endlich an Ort und Stelle.
+Ratefreund+:
Wer da noch Tagelöhner nähm’! — — — Doch weiter: Wer machte das Fachwerk bereit?
+Erster Bote+:
Schlauspechte waren die Zimmerleut’. Sie meißelten mit der Meisen Geschlecht Scharfschnäblig Gerüste und Balken zurecht. Und war ein Klopfen und Dröhnen hier Als wie auf einer Schiffswerft schier. Nun ist das rings mit Toren versehen, Dran allwärts Wächter und Posten stehen. Die Runden schreiten. Die Schelle gellt. Auf den Türmen sind Feuerzeichen bestellt ... Genug ... Ich eile, mich zu baden. Du magst das Weitre +selbst+ beraten.
(ab)
+Ratefreund+
(steht mit übergeschlagenen Armen in Gedanken versunken)
+Chorführer+:
Was stehst du da? Dich wundert gar, Daß also rasch die Mauer fertig war?
+Ratefreund+ (kopfschüttelnd):
Ich staune, ja. Und das mit Fug! Hört sich’s doch wahrhaft an wie Lug und Trug!
(sich umblickend):
Aber wer rennt von dort zurück? Ein Wächter? Waffentanz im Blick?
Dritte Szene
Die Vorigen. Zweiter Bote
+Zweiter Bote+ (hereinstürzend):
Auf auf! Auf auf!
+Ratefreund+:
Was willst denn du?
+Zweiter Bote+:
Uns fiel ein grausam Schicksal zu! Der Götter einer, von denen um Zeus, Flog trotz der Dohlen, Der Tageswächter, just verstohlen Durchs Tor in unseren Lüftekreis!
+Ratefreund+:
Den Frevler soll der Henker holen! Wer ist der Gott?
+Zweiter Bote+:
Wir wissen’s nit .. Nur daß er auf Flügeln die Luft durchschnitt.
+Ratefreund+:
Habt ihr ihm denn nicht unverwandt Die Grenzbereiter nachgesandt?
+Zweiter Bote+:
Freilich, unsern Habichttroß: Dreißigtausend Schützen zu Roß! Und hinterher, Die ganze krumme Klauenwehr: Geier und Weih, Turmfalke, Aar und Nachtkauz dabei. Nachrauscht ihrer Schwingen Brausen und Wucht Dem Gott, der zu entrinnen sucht ... Hat sich gewiß nit weit verflogen. Steckt irgendwo schon in der Näh’ ..
+Ratefreund+:
So greift zu Schleudern und zu Bogen! Ihr Knappen alle, aufgezogen! Los! Schießt! Schlagt! ... Eine Schleuder, he!
+Chor+ (aufgeregt durcheinanderlaufend):
Nun hebt ein grimmes Kämpfen an: Hie Götterreich! Hie Vogelbann! Habt alle Acht Auf den umwölkten Lüfteschacht, Um jeden Gott, der ihn durcheilt, zu fahen! Späht rund herum! Höret ihr nahen Rauschender Schwingen lautes Gesumm?
Vierte Szene
Iris, die Götterbotin, in einem weiten, sich segelförmig bauschenden Gewand und mit einem beitrandigen Sonnenhut, erscheint durch die Luft.
+Ratefreund+:
Halt du! Wohin? Wohin der Fahrt? He! Stad! Ein bischen abgehißt! Wer bist du? wer? Und welcher Art? Woher? Gesteh’s, woher du bist?
+Iris+:
Von den Olympischen komm’ ich her.
+Ratefreund+:
Wie heißt du? Strohhut? Segelboot?
+Iris+:
Iris die Schnelle.
+Ratefreund+:
Sackerlot! Bist gar ein Götterbüttelkahn?
+Iris+ (kopfschüttelnd):
Wie soll ich dieses Wort verstahn?
+Ratefreund+ (sich an die Vögel wendend):
He, ihr, packt sie denn keiner an? Von unten her? Ein Taubenstößer?
+Iris+ (entrüstet):
+Mich+ packen? Wie?
+Ratefreund+ (höhnisch):
’s wird immer besser!
+Iris+:
Mir kommt’s als barer Unsinn vor!
+Ratefreund+:
In unsre Mauern durch welches Tor Kamst du herein, du Bummelant?
+Iris+:
Weiß Gott, mir ist kein Tor bekannt.
+Ratefreund+ (zu den Vögeln):
Habt ihr’s gehört, wie sie sich ziert?!
(zu Iris):
Hast du die Dohlenwächter passiert? Han dir die Störche den Paß visiert?
+Iris+:
Was soll das?
+Ratefreund+:
Hat man dich ... signiert?
+Iris+:
Bist du verrückt?
+Ratefreund+:
Hat dich keiner gerempelt, Kein Vogeloberst, und ... gestempelt?
+Iris+:
Nein, Bester, das ist keinem geglückt! +Mir+ hat noch niemand was aufgedrückt!
+Ratefreund+:
Da fliegst du also heimlich und stumm In der fremden Stadt und dem Chaos herum?
+Iris+:
Wo sollt’ ein Gott denn anders schweben?
+Ratefreund+:
Was weiß ich ... bloß grad +hier+ nicht eben!
+Iris+:
Du tust mir Unbill an.
+Ratefreund+:
Oho! Nein, dich traktiert man +füglich+ so. Du büßtest den Frevel mit dem Leben, Ging’ es nach Recht und Billigkeit.
+Iris+:
Wider den Tod bin ich gefeit!
+Ratefreund+:
Du müßtest gleichwohl Tods erbleichen! ... Das wär’ ein Unfug sondergleichen, Säßen zwar +wir+ auf dem Weltenthron, +Ihr+ aber triebet mit uns Hohn! ... Nein nein. Das Blatt hat sich gewend’t. +Wir+ sind die Stärkern, — sapperment! ... Sag’, +wohin+ schiffst du durch die Luft?
+Iris+:
Zu den Menschen, wohin mich der Vater ruft. Sie sollen opfernd die +Götter+ achten Und Stiere an den Altären schlachten, Auf daß der Fettdampf aufwärts brenn’ ...
+Ratefreund+:
+Wie+ sagst du? +Welche+ Götter denn?
+Iris+:
Welche? Nun +uns+ doch im Himmelszelt!
+Ratefreund+:
Ja, seid ihr +Götter+?
+Iris+:
Wer sonst auf der Welt?!
+Ratefreund+:
Die +Vögel+ sind itzt zu Göttern bestellt! +Ihnen+ gebührt der Opferpreis! +Ihnen+, nicht aber dem Zeus — — beim Zeus!
+Iris+:
Reiz’ nicht der Götter Wut! Genug! ... O Tor! Du Tor! .. Damit nicht Dike Mit Zeusens grimmem Rachepflug Dich und dein schlimm Geschlecht zerknicke! Und dich und deines Hauses Sitz Einäschre mit dem ... Bärlappblitz!
+Ratefreund+:
Hör’ du, laß ab von deinem Tosen! Sei mäuschenstill! Bild’st du dir ein, Mir schlug’ das alsbald in die Hosen? Nein, nein! Paß auf, ich setze dem Vater Zeus, Wenn er sich nicht zu ducken weiß, Als glimmenden Span Auf Haus und Hallen den roten Hahn! Und schick’ ihm gleich noch obendrein Gigantenfeuervögel hinein, Mehr denn sechshundert an der Zahl! ... Ein +einz’ger+ Gigant genügte einmal! — — Du selber aber, die Dienerin, wirst, Wenn du nicht nachläßt und parierst, — Und mag dich’s noch so sehr verdrießen — Alsbald die Schenkel spreizen müssen Und spüren, daß ich alter Knabe Noch Kräfte wie drei Kriegsschiffsschnäbel habe!
+Iris+:
Daß du zerplatztest, Schwätzer du!
+Ratefreund+:
Marsch, fort da! Heb’ dich weg im Nu! (in die Hände patschend) Huschhusch! Huschhusch!
+Iris+:
Gib du nur acht, Wie dich mein Vater mürbe macht!
(fliegt weg)
+Ratefreund+ (ironisch):
O weh! Da fliegt das Jüngferlein! Die äschert sich wohl einen +Jüngeren+ ein!
+Chor+:
Nun haben wir die Stadt verschlossen Für alle Götter, zeusentsprossen. Nie steigt mehr zum Himmel nach altem Brauch Der Menschen heiliger Opferrauch!
Fünfte Szene
Ratefreund. Chor. Herold
+Ratefreund+:
Mich wundert, wo der Bote weilt, Der zu den Sterblichen gegangen. Ob er wohl nimmer heimwärts eilt?
+Herold+ (mit einem goldenen Kranz hereinstürzend):
O Ratefreund, du seliger Held! Ruhmreichster du, weisheitumfangen! Geriebenster der ganzen Welt! Du Glorienschein! Dreifach Beglückter!
(atemlos gegen das Publikum):
Blast doch ein!
+Ratefreund+:
Was bringst du?
+Herold+:
Hier den Kranz von Gold, Den dir, der Weisheit feinster Blume, Die Ehrfurcht aller Völker zollt!
+Ratefreund+:
Wie käme ich zu solchem Ruhme?
+Herold+:
O du, der in der Luft die Stadt, Weithin berühmt, begründet hat! Weißt nicht, wie sie die Menschen ehren Und wie sie sich nach ihr verzehren? Eh’ daß sie stund, tät ihnen allen Bloß +lakedämonische+ Art gefallen: Da hätt’ sich keiner die Haare gestutzt, Litten Hunger, waren verschmutzt, Trieben’s wie Sokrates aller Enden Mit dicken Stöcken in den Händen.
Jetzt ist das anders: wir +Vögel+ hier Sind ihr Exempel und einzig Pläsier. Beginnt die Sonne ihren Lauf, Fliegen sie aus den Nestern auf, Lassen sich all auf den Buchmarkt herab Und weiden, wie wir, die Blätter ab. Ja, sie treiben die Vogelei So öffentlich und ohne Scheu, Daß viele darob Vogelnamen, Je nach Wesen und Art, bekamen. Vor lauter Vogelschwarm hinwieder Singen sie nur noch +Vogel+lieder, Darin etwan ein Schwälbchen schwirrt, Ein Gänsrich, eine Ente wackelt Oder die Turteltaube girrt. Selbst bloß von +Flügeln+ wird gefackelt, Oder wie zierlich ein +Fläumlein+ flirrt! So steht das dort ... Bald kommen mehr Denn zehentausend zu uns her. Die wollen Schwingen und krumme Klauen. Du magst nur flugs nach Federn schauen!
+Ratefreund+ (zu einem Sklaven):
Da heißt es, hurtig drauf und dran! So eile dich, hol’ Körbe, Züber, Und füll sie all mit Federn an!
(zu einem zweiten Sklaven)
Du aber, Manes, brings herüber! Ich will die Kommenden empfahn.
Sechste Szene
Chor. Ratefreund. Sklave
+Chor+:
Bald sieht man rund Menschenbewandelt alle Pfade. O daß das Schicksal uns begnade! Dann segnet Liebe unsern Bund!
(Der Sklave geht stumm und langsam mit Körben voll Federn ab und zu)
+Ratefreund+ (fährt ihn an):
He, schneller, sag’ ich!
+Chor+:
Scheint es nicht Ergötzlich, sich hier anzubauen, Wo Liebe wohnt und Weisheit spricht, Wo Grazien herniederschauen Und friedvoll strahlt der Ruhe Angesicht?
+Ratefreund+ (zum Sklaven):
Wie träg du bist! Rührst du dich, Wicht?!
+Chor+:
Er soll sich mit den Federn sputen! Hussah! Hussah! Befeure ihn mit Peitsch’ und Ruten! Lahm wie ein Esel trabt er ja!
+Ratefreund+:
Dem faulen Manes eilt es nicht!
+Chor+:
Schaff’ Ordnung in den Federnhaufen: Hierher, was melodeit, Dorthin, was prophezeit, Und da, was auf den Wässern leit. Kommen dann die Menschen gelaufen, So kannst du ohne viel Bedenken Jedem das rechte Gefieder schenken.
+Ratefreund+ (zum Sklaven):
Beim Waldkauz, du, jetzt hab’ ich’s satt! Wer war noch je so lahm und lendenmatt!
(prügelt ihn hinaus)
Siebente Szene
Ein +Vaterschläger+ tritt singend auf:
Wenn ich ein Adler wär’ Und auch zwei Flügel hätt’, Weit übers blaue Meer, Über der Wogen Bett Flög’ ich daher!
+Ratefreund+:
Der Bote hat uns nicht belogen: Schon kommt ein Adlersänger angezogen.
+Vaterschläger+:
Ah! Oh! Nichts Süßres gibt es als zu fliegen! O Vogelart und Vogelweben! Ich will mich in den Lüften wiegen! Mich treibt +ein+ Ziel: Mit +euch+ nach +euren+ Satzungen zu leben!
+Ratefreund+:
Nach welchen? Denn wir haben viel.
+Vaterschläger+:
Nach allen! ... Aber doch zumeist, Weil ihr +den+ preist, Der seinen Vater würgt und beißt.
+Ratefreund+:
Das Küchlein, ja, dünkt uns ein Held, Wenn es sich wider den Gockel stellt.
+Vaterschläger+:
Drum eben tut mir’s nach euch not. Mich drängt’s, den Vater totzuhacken Und seine Habe einzusacken.
+Ratefreund+:
Aber wir haben ein Gebot In den alten Storchengesetzen: „Ernährte seine Jungenschar Der Vater Storch, bis sie flügge war, Sollen ihn auch die Jungen ätzen“.
+Vaterschläger+:
Das wär’ mir ein sauberer Reiseprofit: Nun füttr’ ich gar noch den Vater mit!
+Ratefreund+:
So ist das nit. Du kamst mit freundlichen Gebärden, Magst drum ein Waisenvogel werden. Merke dir aber, junger Fant, — Ich lernt’s in meinen Kindertagen —: Du sollst den Vater nimmer schlagen!
(reicht ihm Schild, Speer und Helm):
Nimm diesen Flügel da zur Hand! Der scharfe Sporn, die Helmbuschzier Machen dich zum Hahnen schier. Steh’ Posten, baue Wäll’ und Gräben, Ernähre dich von deinem Sold Und laß den guten Vater leben! ... Und da du so ein Schlachtebold —: In Thrakien wird es Arbeit geben!
+Vaterschläger+:
Weiß Gott, das hört sich löblich an! ... Ich tu’s!
+Ratefreund+:
So hast du klug getan!
(Vaterschläger ab)
Achte Szene
Der Dithyrambendichter +Kinesias+, lang, dürr, säbelbeinig, tritt singend auf:
Hierhin und dorthin, leicht beschwingt, Bis zum Olymp mein Flügel dringt. Der Lieder Fittich darf nicht rosten ...
+Ratefreund+:
Das wird ein Fuder Federn kosten!
+Kinesias+:
Auf Leib und Seele voll Verlaß, Bewandl’ ich itzt die neusten Pfade ...
+Ratefreund+:
Willkommen denn, Kinesias, Du Lindenblütenlimonade! Was schwingt und penduliert dein Bein Krummsäbelig zu uns herein?
+Kinesias+ (verzückt):
O süßes Nachtigallenflöten! Ich wollt’, ich wär’ ein Vögelein!
+Ratefreund+:
Laß das Gezirp! ... Was ist vonnöten!
+Kinesias+:
Beflügle mich! Ich will empor! In alle Höhen will ich steigen! Nach neuen Versen jagt mein Ohr Im Wirbelwind und Flockenreigen.
+Ratefreund+:
Die fängst du dir im Wolkenduft?
+Kinesias+:
Ja, unsre Kunst hängt in der Luft! Was blendet mehr im Festgedicht Als Ätherblau und Himmelsprächte Und Flügelschlag und Sammetnächte?! ... Paß auf, wie so ein Dichter spricht ...
+Ratefreund+:
Neinnein, neinnein! Beileibe nicht!
+Kinesias+:
Beim Herakles, jawohl! ... Wir schreiten Selband durch aller Lüfte Weiten: Siehst du die flinken Schatten gleiten Der Vögel mit gerecktem Hals?
+Ratefreund+:
Stopp, stopp!
+Kinesias+:
Beim Tanz des Wogenfalls Möcht’ ich des Windes Atem sein ...
+Ratefreund+ (mit der Peitsche drohend):
Dir geb’ ich was für Winde ein!
+Kinesias+:
So furch’ ich, bald gen Süd gewiegt Und bald an Boreas geschmiegt, Des hafenlosen Äthers Acker ...
(Währenddes hat ihn Ratefreund rundum mit Federn besteckt. Er sieht erstaunt an sich herab):
Potz Blitz, das heiß’ ich klug und wacker!
+Ratefreund+ (zieht ihm eins über):
Was meinst du zu dem „Flügelschlag“?
+Kinesias+ (entrüstet):
Das mir, dem größten der Choregen, Um den sie sich zu balgen pflegen?!
+Ratefreund+:
Du bleibst wohl gar bei uns im Hag Und leitest Vogelreigentänze In dem Bezirk der Stummelschwänze?
+Kinesias+ (mit stolzer Verachtung):
Ich sehe, du verspottest mich. Doch laß ich nimmer nach, bis ich Auf Flügeln durch den Äther glänze!
(säbelt hoheitsvoll ab)
Neunte Szene
Ein +Sykophant+, in einem dünnen zerrissenen Mantel, tritt auf und murmelt vor sich hin:
Was? Ein paar Vögel, buntgescheckt? ... Ob’s da was fleckt?
(laut zu Ratefreund):
He, +Schwalbe+, flügelflink und bunt!
+Ratefreund+:
Das Übel will sich noch nicht legen. Schon wieder naht ein Zwitschermund!
+Sykophant+:
Noch einmal: Schwalbe, flink und bunt!
+Ratefreund+ (halb für sich):
So singst du wohl des Mantels wegen? +Der+ brauchte +mehr+ — mit Reverenz —: +Ein+ Schwälbchen macht noch keinen Lenz!
+Sykophant+ (barsch):
Wer hängt den Gästen Flügel um?
+Ratefreund+:
Hier, ich! Doch sag: wozu? warum?
+Sykophant+:
Ich brauche Flügel. Basta! Schrumm!
+Ratefreund+:
Willst dir ein Mäntelchen ... erschweben?
+Sykophant+:
Bewahr mich Gott ... Aufpasser bin ich Und Sykophant ...
+Ratefreund+ (ironisch):
+Die+ Kunst soll leben!
+Sykophant+:
Und Geldprofit aus Händeln spinn ich. Drum Flügel her! Daß ich als Sbirre Die Kolonien rings umschwirre!
+Ratefreund+:
Greifst du’s geflügelt schlauer an?
+Sykophant+:
Nein. Dem Piratenvolk entrinn’ ich. Und mit den Kranichen sodann Zieh ich nach Hause voller Hast, Im Kropf Prozesse als Ballast.
+Ratefreund+:
So jung und treibst solch übles Spiel?
+Sykophant+:
Was soll ich sonst? Ich kann nicht +graben+
+Ratefreund+:
Bei Gott, es gibt noch andres viel, Um sich in Ehren zu gehaben. +Recht handeln+ tut dem Menschen not; +Rechtshändel+ sind kein Lebensbrot!
+Sykophant+:
Narr, fackle nicht und gib mir Schwingen!
+Ratefreund+:
Mit meinen +Worten+ tu ich’s ja.
+Sykophant+:
Mit +Worten+ sollte dirs gelingen?
+Ratefreund+:
Dazu sind doch die Worte da.
+Sykophant+:
Wieso?
+Ratefreund+:
Warst du denn nie am Ort, Wenn überall in den Baderstuben Die Väter schwatzten von ihren Buben: „Des alten Reiterhauptmanns Wort Beflügelt den Meinen zum Pferdesport.“ Oder: „Er hat’s mit dem Schauspielhaus! Der gute Junge fliegt hoch hinaus!“
+Sykophant+:
So schaffen also Worte Flügel?
+Ratefreund+:
Ich sag’ es ja: Durch +Worte+ hebt Der Geist sich über Tal und Hügel, So daß der Mensch in Lüften schwebt. .. Auch ich will dich mit nützen Lehren Zu einem ehrlichen Handwerk bekehren.
+Sykophant+:
Ich +mag+ nicht.
+Ratefreund+:
Bist du so verrannt?
+Sykophant+:
Ich bin es der Familie schuldig .. Mein Ahnherr schon war Sykophant. Drum rasch, sonst werd’ ich ungeduldig: Gib mir ein federleicht Gewand Vom Habicht oder vom Kondor, So flieg ich über Meer und Land Und lade die Provinzler vor. Stehen sie +hier+ vor dem Richter dann, Flattr’ ich zurück, so rasch ich kann.
+Ratefreund+:
Aha ... mhm ... nicht wahr, das heißt: Eh’ sie von Hause Abschied nahmen, Ist ihr Prozeß schon ~ex~ und Amen.
+Sykophant+:
Ja.
+Ratefreund+:
Kommen sie dann angereist, Fliegst du dorthin, woher sie kamen, Und räuberst ihre Kassen leer.
+Sykophant+:
Jawohl! ... Das ist ein Hin und Her. Es täte not, man wär’ ein Kreisel.
+Ratefreund+:
Ein Kreisel ... hm ... das trifft sich grad:
(weist ihm die Peitsche):
Hier hast du Flügel aus Doppelspagat!
+Sykophant+:
Weh mir — das ist ja eine Geißel!
+Ratefreund+:
Nein, Flügel sind’s .. Nun magst du tanzen!
(drillt ihn mit der Peitsche im Kreis herum)
+Sykophant+:
O weh!
+Ratefreund+:
Flieg auf von hier, Bandit! Du schuftiger Advokatenranzen!
(Sykophant entflieht)
(zu den Sklaven):
Wir gehen ... Nehmt die Federn mit!
(alle ab)
Vierter Akt
Erste Szene
+Prometheus+ kommt vermummt, geduckt und vorsichtig umherschauend mit einem großen Schirm hereingeschlichen:
Zeus wird mich doch nicht sehen? ... Nein? (ruft halblaut): He, Ratefreund!
+Ratefreund+ (hinter einem Busch vortretend):
Ei ... was ist +das+? Ein Tiefvermummter?
+Prometheus+:
Siehst du was? Schleicht einer der Götter hinter mir drein?
+Ratefreund+:
Bewahre, nein ... Wer bist denn du?
+Prometheus+:
Sag’ an, wie hoch ist’s wohl am Tage?
+Ratefreund+:
Nachmittag kaum ... Wer bist denn du?
+Prometheus+:
Ist’s schon am späten Nachmittage?
+Ratefreund+:
Du kommst mir herzlich albern für!
+Prometheus+:
Schläft Zeus? ... Hat er die Wolkentür Weit offen oder zugeschoben?
+Ratefreund+ (drohend):
Wart, alter Freund, jetzt komm’ ich dir!
+Prometheus+ (sich enthüllend):
So sei die Maske abgehoben!
+Ratefreund+ (in freudiger Aufregung):
Sieh da! ... Prometheus! ... Freund!
+Prometheus+:
Pss — — sst! Sei still und brüll’ nicht so!
+Ratefreund+:
Was ist?
+Prometheus+:
Psst! Nenn’ mich nicht beim Namen! Leis! Ich bin verloren, sieht mich Zeus.
(reicht ihm den Schirm)
Da ... nimm den Schirm ... und spann ihn auf, Daß mich die Götter nicht erspähen! ... Ich künde dir der Dinge Lauf, Wie sie da droben vor sich gehen ...
+Ratefreund+:
Haha! ... Das hast du gut gemacht Und prometheisch vorbedacht! So duck’ dich flink und sorg’ dich nit!
+Prometheus+:
Hör’ an!
+Ratefreund+:
Nun denn?
+Prometheus+:
Zeus ist ... fallit!
+Ratefreund+:
Seit wann?
+Prometheus+:
Seit ihr die Luft besitzt. Kein Mensch will mehr die Götter ehren. Es steigt kein süßer Fettdampf itzt Mehr zu uns auf von den Altären. Wir müssen fasten allesamt. Und von der Hungerswut entflammt Brüllen die groben Barbarengötter Und drohen dem Zeus mit Kriegsunwetter, Wenn man nicht flugs die Schranken hebe Und freie Hackfleisch-Einfuhr gebe!
+Ratefreund+:
+Barbarengötter+? Gibt’s denn das? Die stammen wohl vom Boreas?
+Prometheus+:
+Tartaren+ sind es, rauh behaart ...
+Ratefreund+:
Ah! ... Hackfleisch auf Tartarenart!
+Prometheus+:
Vorzüglich! ... Aber was ich sage: Von Zeus und den Tartaren naht Eine Gesandtschaft dieser Tage, Die große Friedenspläne hat. +Ihr+ aber — hörst du — tut nicht mit, Wenn er sich sträubt, daß ihr befehligt, Und seine +Basileia+ nit Hals über Kopf mit dir vereh’licht.
+Ratefreund+:
Wer ist’s?
+Prometheus+:
Ein Mädchen wunderhold, Das Zeusens Donnerkeil verwaltet Und über alle Dinge schaltet: Über Vernunft, Gesetz und Zucht, Schiffswerfte, Schimpf- und Scheltesucht, Zahlmeisterei und Richtersold ...
+Ratefreund+:
Der alles durch die Finger rollt?
+Prometheus+:
Jawohl ... Und gibt er dir das Mädchen, Hast du die ganze Welt am Fädchen ... Drum kam ich her und tat dir’s kund, Weil zu den Menschen stets mein Sinnen stund.
+Ratefreund+:
Ja ... bratenlos wär’ unser Leben, Hätt’st du uns nicht das Feuer geben!
+Prometheus+:
Den Göttern allen bin ich feind!
+Ratefreund+:
Das geht im Austausch, wie es scheint. Der reinste Timon!
+Prometheus+:
Nun aber weg! Reich’ mir den Schirm, daß mich der Alte, Sieht er’s, für einen Jungferndiener halte!
(schleicht geduckt hinaus)
+Ratefreund+ (wirft ihm einen Feldstuhl nach):
Paßt der nicht auch für diesen Zweck?
Zweite Szene
+Poseidon+ mit dem Dreizack, +Herakles+ mit Löwenfell und Keule und der +Barbarengott+ oder Tartar, mit einem dicken Prügel, den Mantel verkehrterweise über der linken Schulter zusammengeknüpft, treten auf.
+Poseidon+:
Da liegt das Wolkenkuckucksnest, Wohin sie uns zu gehen hießen!
(den Tartaren anfahrend):
Was machst denn du? ... Der Bursche läßt Von +links+ den Mantel niederfließen! Gleich hängst ihn +rechts+!
(Der Tartar hängt den Mantel nach der anderen Seite, aber so, daß er nunmehr vorn auf dem Boden schleppt)
Unseliger du! Deckst dir wohl einen Klumpfuß zu? ... Das hat man von der Demokratie! Selbst Götter küren +diesen+ hie!
(Versucht, ihm den Mantel richtig umzuhängen):
So halt’ doch still! Sonst geht’s dir übel, Barbarengötter-Oberrüpel! ... Nun, Herakles, was machen wir?
+Herakles+ (mit wildem Augenrollen):
Ich sagt’s ja eh’: der Kerl muß hangen, Der uns durch Mauern abgesperrt!
+Poseidon+:
Ja ... aber, Freund, wir sind doch hier, Um Friedenspakte zu erlangen.
+Herakles+:
Drum ist er +doppelt+ hängenswert!
+Ratefreund+, der sich den Anschein gibt, als sehe er die Götter nicht, hat inzwischen durch einen Sklaven etliche gerupfte Vögel herbeibringen lassen. Zum Sklaven:
Die Käseraspel! Majoran! Und Käse! ... Schür’ die Kohlen an!
(in die Hände patschend)
Huß! huß!
+Poseidon+ (vortretend):
Drei Götter bieten Heil und Gruß!
+Ratefreund+ (wirtschaftet weiter, ohne sich stören zu lassen):
So ... und nun reib’s mit Ingwer ein!
+Herakles+ (tritt neugierig schnüffelnd näher):
Was mag das für ein Kernfleisch sein?
+Ratefreund+ (ohne aufzuschauen):
Vögel ... Empörer ... Apostaten ... Werden jetzt zur Strafe gebraten.
+Herakles+ (lüstern):
Und vorher fügst du Ingwer zu?
+Ratefreund+ (blickt auf, tut erstaunt):
Ah! ... Herakles! ... Was treibst denn du?
+Poseidon+:
Wir kommen, die Händel beizulegen ... Göttergesandte ... des Friedens wegen ...
+Ratefreund+ (den Sklaven anfahrend):
Kein Tropfen Öl ist mehr im Krug!
+Herakles+ (ekstatisch):
Ja ... Vögel sind nie fett genug!
+Poseidon+:
Uns bringt der Krieg kein’ Vortel nit. +Ihr+ aber, wenn wir Freunde wären, Solltet den Regen nie entbehren Und alleweil an vollen Pfützen Halkyonische Tage versitzen ... Für all das han wir Vollmacht mit.
+Ratefreund+:
Auch +uns+ bedünkt der Krieg nicht nötig. +Wir+ haben niemals angefangen! Wenn wir nur unser +Recht+ erlangen, Sind wir zum Frieden gern erbötig: Den Vögeln, wie vor alter Zeit, Muß Zeus das Szepter wiedergeben. Dann wollen wir in Eintracht leben ...
(mit einladender Gebärde):
Ihr Herrn, das Frühstück steht bereit.
+Herakles+ (begeistert):
+Mir+ leuchtet’s ein ... +ich+ bin’s zufrieden.
+Poseidon+:
Einfältiger Tor und Magenknecht! Bringst deinen Vater ums Herrenrecht?
+Ratefreund+:
Wieso? ... Regieren wir hienieden, Werdet auch ihr euch höher recken. +Jetzt+ duckt sich vor euch das Menschengeschlecht Meineidig hinter Wolkendecken. Wenn wir uns aber verbündet haben Und einer beim Zeus flucht oder beim Raben: Gleich fliegt ihm der Rabe heimlich ins Haus Und hackt dem Frevler die Augen aus.
+Poseidon+:
Da stimm’ ich, beim Poseidon, zu!
+Herakles+:
Mir paßt’s nicht minder.
+Ratefreund+ (zum Tartaren):
Was meinst du?
+Tartar+ (unwirsch):
Lat mi in Ruh.
+Ratefreund+:
Siehst wohl? Auch ihm will’s so behagen! ... Nun laßt euch noch was andres sagen: Ein Mensch in Not hat einen zarten Schafhammel einem Gott gelobt ... Dann drückt er sich ... der Gott kann warten! ... Und unser Hammel ... wird verkloppt! — +Wir+ aber treiben die Forderung ein!
+Poseidon+:
Wie?
+Ratefreund+:
Zählte der Kerl die Gülden sein Und dehnt er dann im Bad die Glieder, Gleich flitzt die schlaue Elster nieder Und — wuppdich — an den Kassenschrein, Daß sie den Kaufpreis +zweier+ Schafe Für den geprellten Gott erraffe!
+Herakles+ (enthusiastisch):
Man +muß+ das Szepter +euch+ verleihn!
+Poseidon+:
So frag’ auch den Tartaren.
+Herakles+:
Gut. —
(versetzt ihm einen Rippenstoß)
Wie wär’s mit Prügeln, du Kalfakter?
+Tartar+ (mit dem Knüppel drohend):
Ick klopp dir Pelz mit Bakel ut!
+Herakles+:
Das sei just +seine+ Meinung, sagt er.
+Poseidon+:
Schön ... paßt’s euch, mein’ auch +ich+: er nimmt’s!
+Herakles+ (zu Ratefreund):
Du ... also mit dem Szepter stimmt’s!
(Alle schicken sich an, zum Frühstück zu gehen)
+Ratefreund+:
Halt ... eben fällt mir noch ’was ein: Die +Hera+ mag dem Zeus verbleiben; Doch soll er mit dem Töchterlein, Mit +Basileia+, mich beweiben.
+Poseidon+ (wendet sich unmutig ab):
Du scherzest ... gib dir keine Mühe! Wir gehn nach Haus!
+Ratefreund+:
+Mir+ ist’s egal!
(hinausrufend):
Koch, würz nur ja die Bratenbrühe!
+Herakles+ (zu Poseidon):
Wie komisch bist du auf einmal! Ein Krieg um +eines Weibes+ willen!
+Poseidon+ (unschlüssig):
Was machen wir in diesem Fall?
+Herakles+:
Wir wollen seinen Wunsch erfüllen!
+Poseidon+:
Du Jammerlappen! Merkst du nicht, Wie er dich zu betrügen trachtet? Schad’st dir ja selber, armer Wicht! ... Wird Zeus einmal vom Tod umnachtet, Laß dich bloß schnurstracks auch begraben, Wenn +die+ hier erst die Herrschaft haben! ... +Dein+ ist, wenn Zeus stirbt, alles, was Er je an Macht und Geld besaß.
+Ratefreund+:
O weh ... wie täuscht dich der Sophist! Komm her ... ich will dir was vertrauen!
(den Herakles beiseite ziehend):
Du darfst nicht auf den Oheim bauen! Was er vom Erbe fackelt, ist Für dich — den Bastard — ein Geschwätze! +Dich+ trifft es +nichts+ — nach dem Gesetze.
+Herakles+:
Ein +Bastard+ ich?
+Ratefreund+:
So ist’s, jawohl. Die dich gebar, gilt nicht für voll. Wie erbte anders sonst Athene, Die Tochter, hätt’ er richtige Söhne!
+Herakles+:
Wenn aber gleichwohl dem +Bastard+ Das Vatergut verschrieben ward?
+Ratefreund+:
Da sei getrost und guter Ruh: So was läßt das Gesetz nicht zu. ... Er, der dich aufhetzt, — s’ist zum Lachen! — +Poseidon+ wird dir’s strittig machen, Weil er’s als +Bruder+ reklamiert ... Hör’ an, wie Solon dekretiert:
Der Bastard hat, sofern eheliche Kinder vorhanden sind, keinerlei Erbfolgerecht. Sind eheliche Kinder nicht da, so fällt das Vermögen an den nächsten Verwandten des Vaters.
+Herakles+ (verblüfft):
Da fällt mir also gar nichts zu?
+Ratefreund+:
Weiß Gott, nein ... Aber +eins+ noch, du: Hat dich der Vater sozusagen Bereits ins Stammbuch eingetragen?
+Herakles+ (noch mehr verdutzt):
Nein ... ’s hat mich auch schon längst erstaunt.
+Ratefreund+:
Was stierst du aufwärts mißgelaunt? ... Geh, halt’s mit uns! Ich will dich krönen Und mittelst +Vogelmilch+ versöhnen ...
+Herakles+:
Gut also ... ja ... ich geb’ sie dir. Top!
+Ratefreund+ (zu Poseidon):
Was sagst du?
+Poseidon+:
Ich protestier’!
+Ratefreund+:
So kommt’s auf den Tartaren an ...
(sich an diesen wendend):
Wie stellst denn +du+ dich?
+Tartar+ (grinsend, mit fistliger Stimme):
Swalbele ... quitt ... Hei sall det moje Maidje han Und grote Konigin ... kiwitt ...
+Herakles+:
Das heißt: wir sollen sie ihm geben.
+Poseidon+:
Nein, nein, so ist das nicht gemeint. Er schwalbenzwitschert, wie mir scheint.
+Ratefreund+:
Nun ja doch ... Schwalben ... Vögel ... eben!
+Poseidon+:
So schließt +ihr+ Frieden und Verträge, Indes ich mich aufs Schweigen lege.
+Herakles+ (freudig zu Ratefreund):
Schön ... was du forderst, wird gebilligt! Nun steig mit uns ins Himmelreich, Hol’ dir die Basileia gleich Und alles, was wir dir bewilligt!
+Ratefreund+:
Wie gut, daß ich die Vögel just Zu meiner Hochzeit schlachten mußt’!
+Herakles+ (sich die Finger leckend):
Was meint ihr, wenn ich hier verbliebe Und mir die Zeit am Spieß vertriebe? +Ihr+ könnt’ ja gehn ...
+Poseidon+:
+Das+ paßte dir! Du drehst den Spieß aus Freßbegier. ... Kommst nicht mit uns?
+Herakles+:
Ist mir zu weit!
+Ratefreund+ (hinausrufend):
Man bringe mir das Hochzeitskleid!
Poseidon, der Barbarengott und Ratefreund ab
Herakles pirscht sich an die gerupften Vögel heran
Fünfter Akt
Erste Szene
Bote. Chor der Vögel
+Bote+ (hereineilend):
Euch geht doch alles mehr als glücklich aus, Euch, die ihr selig in den Lüften wohnt! Empfangt den Herrscher im beglückten Haus!
Heller erglänzend als der blanke Mond Und lichter strahlend als die Sonnenscheibe, So nahet er Mit seinem unaussprechlich schönen Weibe Und trägt den Blitz, des Zeus beschwingten Speer! Durch alle Lüfte Dringt ein unnennbar liebliches Gedüfte, Und Weihrauchwolken ziehen hin und her ...
Da ist er selbst, auf güldenem Gespann! Nun stimmt beglückte, heilige Chöre an!
Zweite Szene
Ratefreund kommt auf einem Prunkwagen hereingefahren, als Zeus kostümiert, den Blitzstrahl schwingend; neben ihm steht Basileia. Die Vögel rennen in freudiger Erregung durcheinander.
+Chorführer+:
Reiht euch und reckt euch hoch! Zurück! Umfliegt den Seligen in der Runde!
Der Chor ordnet sich in zwei halbkreisförmigen Halbchören an
+Ganzer Chor+:
O überschwänglich hohes Glück! Heil dieser Stadt! Heil dieser Stunde! Heil diesem Bunde! Lasset uns ihn, der die Vögel erhoben, Mit bräutlichen Liedern preisen und loben, Ihn selbst und die Maid Basileia!
+Erster Halbchor+:
Zu Gottkönigs Thron, der in Wolken blaut, Brachten sie Hera, die himmlische Braut, Die Schicksalsschwestern, und jubelten laut:
+Ganzer Chor+:
Hymen, o Hymenaios!
+Zweiter Halbchor+:
Und der blühende Eros im goldnen Gewand Straffte die Zügel mit nerviger Hand, Da Zeus mit der seligen Hera sich band.
+Ganzer Chor+:
Hymen, o Hymenaios!
+Ratefreund+ (nach allen Seiten huldvoll grüßend):
Das Lied, der Worte Sinn, der Chor Dringt mir zu hoher Lust ins Ohr. Nun aber rühmet mir die vollen Unwetter, die zur Erde rollen! Gebt Zeusens Blitzen auch ihr Teil Und seinem grimmen Donnerkeil!
+Ganzer Chor+:
O golden blitzender, herrlicher Strahl, Unsterbliche, feurige Lanze des Zeus! Ihr Donnerschläge durch Berg und Tal Mit Dröhnen und Krachen und Regengeschmeiß! Er schwingt euch jetzt in allmächtiger Hand! Er herrscht mit euch über Meer und Land Und mit Basileia als Unterpfand!
Hymen, o Hymenaios!!
+Ratefreund+ (steigt vom Wagen herab):
Ihr Freunde, folgt dem Hochzeitszug, Befittichte Geschlechter ihr! Zu Zeus aufschweben wir im Flug, Das Brautbett zu besteigen!
(zu Basileia):
Reich’ mir die Hand, Glückselige du! Umfasse meine Flügel hier! Wir tanzen immer, immerzu! Hoch schwing’ ich dich im Reigen!
(tanzt mit ihr hinaus)
+Chor+ (hinterdreintanzend):
Tralalala ... Hebt euch im Takt! Dem Sieger Heil! Dem Höchsten Heil, Der über alle Götter ragt!
Nachwort
Die aristophanischen „Vögel“ in die Atmosphäre etwa des Hans Sachs zu rücken, mag manchem als ein zu mißbilligendes Unterfangen vorkommen, so befremdlich und stilwidrig, wie wenn einer versuchte, sich mit Mozart auf der Ziehharmonika auseinanderzusetzen. Vielleicht versöhnt aber doch das +laute Vorlesen+ einigermaßen mit der von mir gewählten Form; die erstrebte Wirkung freilich dürfte der Schaubühne vorbehalten bleiben und ohne musikalische Unterlage kaum zu erreichen sein.
— Es handelt sich keineswegs um eine sehr freie „Bearbeitung“: der griechische Text ist nach zwei Ausgaben (von Th. Rock und Th. Bergk) ernsthaft Zeile für Zeile zu Grund gelegt worden.
Um allerdings die Komödie für die Heutigen lebendig zu machen, mußte die und jene aktuelle Anspielung wegfallen; auch drei kleinere Chorlieder des dritten und vierten Aktes, im Original von einer geheimnisvollen Schönheit und Bildkraft, sind aus diesem Grund nicht mit aufgenommen worden.
~Dr.~ +Owlglaß+
Von Dr. Owlglaß gemeinsam mit E. Hegaur verdeutscht, erschien bei Albert Langen in München:
Rabelais, Gargantua und Pantagruel
+Druck von Poeschel & Trepte in Leipzig+
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