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im Felsen »in welcher die Apostel das Glaubensbekenntniß verfaßten;« in der Mitte eines andren, von jungen Oelbäumen und Granatengebüsch umgebenen Feldes die Stätte »da der Herr den Jüngern Sein Gebet lehrte;« noch weiter abwärts am Berge stehet zur Rechten des Weges ein in Trümmer verfallenes Kirchlein, das die Kaiserin Helena an jenem Punkte begründete, »wo Christus beim Anblick jener Stadt weinete,« welche auf die Lockstimme der mütterlich erbarmenden Liebe nicht hören noch achten wollte.

Wir waren jetzt hinabgekommen zu dem Thale Josaphat, durch welches das Bette des Kidron seinen Verlauf nimmt; zu jenen Grabmählern, welche gleich denen in Petra fast ganz aus der Masse des nachbarlichen Felsens ausgehauen sind. Dieses Thal der Gräber und der Schatten, dem sich während der Frühstunden hinter dem Oelberg, während der Nachmittagsstunden hinter dem Morija die Sonne verbirgt, hat auf mich unter allen Punkten der nächsten Umgegend der Stadt den ernstesten Eindruck gemacht; daselbst weilte ich später oft und lange, wenn die Sonne über die Höhen in Westen hinüber war, und fühlte mich jedesmal in meinem Innersten von »Gedanken an das Ende« durchdrungen. Hier sind seit Jahrhunderten die meisten Grabstätten der Israëlitischen Bewohner von Jerusalem; ihnen gegenüber unmittelbar an der Stadtmauer hin, welche die Ostseite des Morija umgiebt, Grabstätten der Türken. Von den Denkmälern aus Felsen, welche uns auch durch ihre Form an mehrere von jenen erinnerten, die wir in Petra sahen, wird das eine das in thürmchenartiger, runder Spitze endigt, gewöhnlich für Absaloms, ein andres dessen gemauerter Obertheil von vierseitig pyramidalem Umriß ist für Josaphats Grab, ein drittes für das des Zacharias gehalten und in der Nähe von diesem wird eine Grotte gezeigt, in welcher Jacobus und mit ihm noch etliche Jünger bei der Gefangennehmung des Herrn sich verbargen. Bei dem gewöhnlich sogenannten Grabmale des Absalom sieht man ganze Haufen von Steinen, welche die Türken dahin warfen mit Aussprechen eines Fluchs gegen Absalom und gegen Jeden der seinen Eltern ungehorsam ist[141].

Auf diese westlichen Abhänge des Oelberges und auf Josaphats Thal lässet die Weissagung der Propheten ein Licht fallen, das seit langer Zeit die Aufmerksamkeit des in alle Länder zerstreuten Volkes, mitten im nächtlichen Dunkel seines Weges auf sich lenkte, und Tausende der gläubigen Israëliten noch in ihren alten Tagen nach Jerusalem zog, damit ihre Gebeine dort im heiligen Thale zu den Gebeinen der Väter gesammlet würden. So verkündet einer der Propheten, der den Zeiten der ersten Erfüllung, da der Heiden Trost kam, schon nahe stund, daß der Herr, wenn er kommen wird mit allen Heiligen ein Richter und Helfer, stehen werde auf dem Oelberg[142] und ein heiliger Seher des früheren Jahrhunderts weissaget von einem Tage der großen Entscheidung im Thale Josaphat[143]. Und so glaubt das merkwürdige Volk dem die Weissagung zunächst galt, daß der Schauplatz des großen Gerichts der Völker und Menschen hier im Osten des Morija im Thale des Kidron seyn werde. Aber nicht allein die Israëliten, sondern auch die Mohamedaner und selbst ein großer Theil der Orientalischen Christen hegen von dieser Stätte eine gleiche Erwartung. Die Bekenner des Islam verehren dort, auf Morijas Höhe, bei der Moschee Aksa, welche südwärts von der des Omar liegt einen Stein, auf dem der Prophet sitzen werde an jenem großen Tage, wenn er mit Jesus dem Propheten zugleich die Völker richtet. Es zeigt sich in Ismaëls Volk bei jeder Gelegenheit eine Beachtung des prophetischen Wortes, das den Kindern Abrahams nach dem Fleisch, wie jenen nach dem Geiste gegeben war, zugleich aber ein Bestreben das lebendige Wasser das aus dem Quell hervorkommt nach ihrer Cisterne zu leiten und dann zu behaupten hier, nicht am Quell, der ohne Aufhören fließet, sey der Ursprung des klaren Bornes. Endlich so erinnern viele Christen des Orients, wenn sie das Thal Josaphat so hoch beachten, außer den Stellen des Propheten an die Worte der Engel bei der Auffahrt des Herrn[144], indem sie zu dem ~Wie~ sich ein ~Wo~ hinzudenken. Und lassen wir immer das Sehnen des kindlichen Glaubens, der den Gedanken des Wiedersehens zuversichtlich festhält, hinausschauen auf den Weg da die Mutter ihm entschwand; hoffend daß auf demselben Wege sie auch einmal zurückkehren werde.

Ganz nahe bei Absaloms und Josaphats Grabmale führt eine steinerne Brücke über das hier tief in den Felsen gegrabene Bette des Kidron. Von ihr sollte Christus durch seine Dränger -- die Kriegsknechte und Juden, in der Nacht seiner Gefangennehmung hinabgestoßen worden seyn. Von hier führt der steinige Weg sehr steil hinan nach der südöstlichen Ecke der Stadt, dann minder beschwerlich und zum Theil eben, an der Südseite der Mauer herum nach dem Zionsthor, zur vermutheten Stätte von dem Haus des Hohenpriester Hannas. Wir behielten für den heutigen Vormittag die Richtung nach Westen bei und vorläufig zeigte unser Führer uns in der Ferne, am jenseitigen Abhange des Gihonthales die Grabstätte der Pilger, welche für den Töpferacker oder Blutacker der heiligen Schrift gehalten wird[145], so wie nahe am Zionsthor, zu unsrer Linken, auf der Höhe des Zionsberges, welche jetzt außerhalb der Stadtmauern liegt, die Stätte da Kaiphas Palast, und jenseits derselben jene wo das Haus stund, in welcher Christus der Herr das letzte Osterlamm mit seinen Jüngern genoß und das Abendmahl einsetzte. Wir hatten jetzt die südwestliche Ecke der Stadt erreicht, von wo der Weg bergab gehet bis er sich zuletzt wieder nach dem Bethlehemsthore hinanziehet. Es war eben Mittag als wir in unser stilles Pilgerhaus zurückkamen; mit solchem Gefühle als den Gast und Fremdling in einer Stadt anwandelt, in welcher theure, vorhin noch nicht gesehene Freunde wohnen, wenn er nun endlich die geistig längst Gekannten, leiblich aber Unbekannten mit eignen Augen gesehen und mit der eignen Hand begrüßt hat.

In einer der früheren Nachmittagsstunden machte ich einen Besuch im griechischen Kloster, in welches ich durch Empfehlungen des griechischen Patriarchen in Kairo eingeführt war. Auch hier fand ich die freundlichste Aufnahme und genoß von dem platten Dache der griechischen Kirche, welche mit der des heiligen Grabes (wie ich dieß später beschreiben werde) vereint ist, eine herrliche Aussicht über die Stadt und ihre Umgegend. Es war noch zeitig am Tage; es zog mich hin nach der Ostseite der Stadt, zu dem kleinen, meist aus Schutthaufen gebildeten Hügel, der jenseits der Stätte von Pilatus Palast neben dem sogenannten Hauße der heiligen Anna, in der Nähe der Stadtmauer beim Stephansthore sich findet. Diesen hatte ich mir heute als einen Punkt der nächsten, deutlichsten Aussicht nach der Höhe des Morija und zugleich nach dem Oelberg bemerkt. Hier konnte ich die Sonne ruhig untergehen und den Abend dämmern sehen, ohne fürchten zu müssen, daß man mich beim Schließen der Thore aus der Stadt aussperre. Denn dieser Ort, den ich von nun an öfter am Abend besuchte, und auf welchem ich gewöhnlich auch bei der Heimkehr aus dem Thale Josaphat und vom Oelberg noch einige Augenblicke verweilte, gewährt, obgleich er innerhalb des Thores liegt, durch seine Höhe und Stellung an der Mauer alle die Vortheile der Aussicht, welche ein außerhalb der Stadt gelegener Punkt darbieten kann. Zugleich ist es hier so still und einsam, daß die Betrachtung durch Nichts gestört wird; denn nur selten ließ am Saume des Schutthügels ein alter Türke mit seiner Ziege sich sehen, welcher mitten unter den Trümmern ein armseliges Hüttlein bewohnt. Eine einsame, schlanke Palme beschattet an der Südseite des Hügels die alte Stadtmauer; das genügsame Gewächs der amerikanischen Felsenwüsten, so wie unsrer südeuropäischen Lavafelder: die Opuntienfeige mit ihren stachlichen, dickfleischigen Blätterstämmen hat hin und wieder über den Schutt und Staub sich ausgebreitet. Nur einige Schritte gegen Nordwest senkt sich der Hügel gegen das nun auch in Trümmer liegende Gebäude hinab das zuletzt noch Moschee, in früheren Jahrhunderten aber eine Kirche war, welche die christliche Andacht über der Stätte errichtete, wo nach der Sage die Eltern der erwählten Jungfrau ein Haus bewohnten[146]. Vor zwanzig Jahren fand Otto von Richter in der anfänglichen Kirche und nachmaligen Moschee einen Pferdestall; als wir es sahen war das alte Gemäuer von allem Leben verlassen, ein Ort der Todtenstille. Unten am Boden führen Stufen nach einer Grotte hinab, die vormals auch den Uebungen der Andacht geweiht war. Denn wie die Feier der alten Mysterien, welche meist, mit mehr oder mindrer Deutlichkeit auf die Zukunft Dessen hinwiesen, der den ersten Vätern verheißen war, so hatte auch die Gottesverehrung der frühesten, christlichen Jahrhunderte, vorzüglich die abgelegene Tiefe und Stille der Grotten zu ihrer Bergungsstätte gewählt.

Dort bei dem verfallenden Gemäuer, auf dem Grabhügel des Getrümmers, in welchem der älteste Schutt der Zerstörung unter dem einer späteren, dieser unter dem einer noch jüngeren begraben liegt, stund ich und überblickte die Stadt, welche mehr als jede andre der Erde ein großer Gottesacker, eine Stadt der Gräber genannt werden kann, unter denen ~eines~ ist das auch die andern alle vermag zu Kammern den Friedens zu machen. Wie viel des Staubes auf den hier mein Fuß tritt ist wohl gewöhnlicher Staub, wie viel davon ist Asche des Menschengebeines! Als dort auf Morijas Höhe der Vater der Gläubigen, im festen Vertrauen, daß Der, welcher die That ihm selber befahl, auch aus den Todten wieder erwecken könne[147], den Sohn der Verheißung darbrachte, da waren von nun an Zions Höhen zu einem Garten geweiht den die Hand des Gärtners mit Balsambäumen und Gewürzkräutern, von andrer Kraft denn jene auf Gileads Auen, bepflanzte; der Berg Zion war bald selber zu einem schönen Zweige geworden, dessen das ganze Land sich tröstete[148]; denn aus Zion brach an der Glanz Gottes; hier war die Stätte von welcher des Herrn Wort ausgieng, denn es war erwählet zu einer Wohnung des Herrn und Seiner Herrlichkeit; zu einem Quell aus dem das Heil aller Völker kam. Aber obgleich der Grundstein der Herrlichkeit Zions von einer Hand gelegt war, deren Werke nie vergehen noch veralten[149], mußte doch alles Das was durch Kraft des Menschen auf und an dem Grundstein erbauet war, Verwandlungen erleiden wie ein Gewand; dort jene Moschee Sackhara, welche der Chalife Omar im Jahr 637 an der Stätte des Salomonischen Tempels erbauete steht nun schon 12 Jahrhunderte lang unzerstört da, während die Dauer des ersten Tempels der von Davids und Assaphs Gesängen wiederhallete, noch lange nicht an die Hälfte dieser Jahre reichte, und auch der zweite, zuletzt von Herodes so prachtvoll geschmückte Bau in welchem Der erschien, welcher größer war denn der Tempel[150], noch nicht halb so alt ward als das buntstreifige Werk des Islams schon jetzt ist. Denn der farbige Schimmer wird auch von jenen Augen denen das klare Sonnenlicht wehe thut, leicht ertragen; der reine Glanz Gottes aber der von Zion ausgieng (Ps. 50, V. 2) reizte die im Dunkel geborene Natur zur heftigen Abwehr; der balsamische Duft der einsamen Lilie erschien den Meisten als ein Geruch des Todes zum Tode. Darum ist keines der größesten Völker der Erde das seine Hand nicht gelegt hätte an Jerusalem und seinen Muth nicht gekühlet an Zion; seitdem Israël den Fels seines Heiles verlassen hatte war es ein Ziel der Geschosse aller Feinde, ein Feld das zertreten ward von Allen, welche der Weg der Kämpfe daran vorüberführte. Wenn die Trümmer, welche hier, die einen über die andern hingestreut liegen auferstehen und zeugen könnten, wie viele verschiedene Hände ihrer Erbauer und Bewohner so wie ihrer Zerstörer würden sie nennen! Und dennoch bestehet der Grundstein, den der Herr selber auf Zion legte annoch unverrückt und fest, und würde dies bleiben auch wenn die Grundvesten der Erde vergiengen.

Das vergoldete, buntfarbige Dach der Moschee des Omar schimmerte im Strahl der Abendsonne; hehrer jedoch denn die farbigen Ziegel erglänzte der nahe Oelberg. Jetzt aber neigte sich die Sonne zum Untergang am Hügel der Gräber der Richter; es war Zeit an den Heimweg zu denken, denn von hier bis zum Lateinischen Kloster betrug die Entfernung fast 20 Minuten, und ich war in der Stadt noch Neuling. Ich kam noch während der Dämmerung in unser Pilgerhaus zurück, wo man meiner nicht ohne einige Besorgniß gewartet hatte.

Wenn uns in den Zeiten der Kindheit der liebe, heilige Christabend irgend eine besonders erfreuende Gabe brachte, fiel uns wohl in der Nacht, wenn die Lichter längst verlöscht waren, der Gedanke ein, daß wir die schöne Gabe noch von dieser oder jener Seite nicht recht betrachtet hatten, und wir konnten kaum den Morgen, mit seinem klaren Scheine erwarten, um das neue Besitzthum mehr und besser zu beschauen. So ergieng es mir in Jerusalem, das mit jedem neuen Blicke den ich darauf richtete, den Wunsch ~noch mehr~ zu sehen, immer tiefer aufregte. Ich hatte am 31sten März kaum den Morgen erwarten können; denn heute war es unser Vorsatz ganz allein, Schritt vor Schritt theils das schon Gesehene noch einmal zu betrachten, theils aber Neues zu beschauen. In Begleitung zweier der jungen Freunde (des +Dr.+ Roth und des Herrn Franz) machte ich mich frühe, bald nach Sonnenaufgang auf um die Stadt von außen am ganzen Umfange ihrer Mauern zu umgehen. Wir betrachteten zuerst noch innerhalb des Thores von neuem, jenseits der niedren Mauer, zur Rechten des Weges, die kleine, meist verschüttete Cisterne, welche den jetzigen Pilgrimen als Teich der Bathseba gezeigt wird. Ihrer Bauart und der Masse ihrer Mauerstücke nach scheint sie allerdings zu den Werken (wenn auch nicht zu den ansehnlicheren) des alten jüdischen Jerusalems gehört zu haben; ganz in ihrer Nähe jedoch ziehet ein andres Bauwerk die Aufmerksamkeit mächtiger an sich, an welchem der Adel einer ehrwürdig alten Abkunft unverkennbar deutlicher erkannt wird. Dies ist die Davidsburg oder das Pisanerkastell, vor allem aber ihr mächtig starker Thurm. Es liegt in ihr, die einstmals, zu den Zeiten Kaiser Friedrichs +II.+, auch ein Besitzthum des deutschen Ritterordens war, anjetzt der Kern der Aegyptischen Besatzung; denn durch ihre Lage wie durch ihre Festigkeit beherrscht diese Akropolis die ganze übrige Stadt. Mag es seyn, daß an den obersten Theil selbst des Thurmes, und noch mehr an die Mauern und Burggräben der übrigen Citadelle die Zerstörer und Wiedererbauer sehr verschiedner Zeiten ihre Hand angelegt haben; gewiß scheint es, daß die riesenhaften Werkstücke der unteren Mauer, namentlich des Davidsthurmes, seitdem sie die ersten Erbauer aufeinander fügten, unangetastet in der alten Lage blieben, und daß diese daher wohl als noch fortwährende Zeugnisse der Kraft des Jüdischen Herrscherreiches, zu Davids und Salomons Zeiten gelten können. Titus befahl nach Josephus Aussage, bei der Zerstörung Jerusalems, das man zum Andenken an die fast unüberwindliche Festigkeit der Stadt drei Thürme der alten Mauern: den Hippikus, Phasaëlus und Mariamne stehen lasse. Der Lage nach entspricht vollkommen der Thurm Davids dem Hippikus; und noch jetzt passet Josephus Beschreibung, nach welcher die unteren Werkstücke bei einer zwanzig Ellen großen Länge, eben so großen Breite und einer fünf Ellen betragenden Höhe so fest und dicht zusammengefügt waren, als seyen sie aus einem Stücke gehauen, auf den unteren Theil dieses Thurmes.

Gleich neben der Nordseite des Kastelles öffnet sich das Bethlehemsthor, welches nach ~v. Raumers~ Vermuthung dem Thalthore des alten Jerusalems entspricht[151]. Fast unmittelbar vor dem Thore und noch mehr vor der Mauer der Burg beginnt die Senkung des Abhanges gegen das Thal Gihon, so daß man wohl den Grund begreift, aus welchem Graf Raimund, dem bei der ersten Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer diese Gegend zur Stätte des Angriffes bestimmt war, von hier sich hinweg zog an die südwärts gelegene, ebnere Höhe des Berges Zion[152].

Wir hatten beschlossen den Umgang um die Stadt zuerst nach Norden, von da gegen Osten zu machen, und von dort, vorüber an der Südseite, zum Punkte des Ausganges zurückzukehren. Von dem Bethlehems Thore aus bildet die Mauer eine gerade gegen Westen vorspringende, scharfe Ecke, als hätte hier die Macht der Mohamedanischen Gewalthaber sich wie eine durchbohrende Waffe gegen die Abendländer wenden wollen. Die jetzige Mauer der Stadt, ein Bauwerk des Türkischen Sultans Suleiman, im Jahre 1534 vollendet, hat eine ziemlich gleichmäßige Höhe von etwa 36 Par. Fuß, über welche in fast symmetrischen Abständen die viereckten Thürme, zum Theil bis zur dreifachen Höhe hervorragen; die Dicke der Mauer misset zwischen drei bis vier Fuß, wir bestiegen jedoch ihre obere Breite nur in der Gegend des Stephansthores und bei den Ruinen der St. Johanniskirche.

Von der westlichen Spitze des Mauernumfanges wendeten wir uns zuerst zu dem nur wenig entfernten, oberen Teiche des Gihon, der sich jetzt eben so, wie der untere ganz ohne Wasser fand, denn der Regen war in diesem Frühling sparsamer denn sonst gefallen. Jener obere Teich liegt auf dem hier allmählich, in der Richtung des Weges nach Ramla und Jaffa ansteigenden Berges Gihon, der sich mit seinem östlichen Ende innerhalb der Mauern herein in die Stadt fortsetzt, wo auf seiner äußersten Höhe noch das Lateinische Kloster, an seinem Abhange die heilige Grabeskirche erbaut ist. Von dem Gihons Teiche kehrten wir zurück zu der Nähe der Mauern, welche einer Belagerung durch die jetzigen Geschütze des Krieges gar bald erliegen würden, und zu dem Wege, welcher nahe an den meist ausgefüllten, fast unkenntlichen Gräben herumführt. Jerusalems Macht die vormals in so trotzender Gestalt dem angreifenden Feind ins Auge sahe, ist seit einer Reihe von Jahrhunderten, unter der Türkischen Herrschaft in einen tiefen Schlaf gesunken; die Schläferin würde nicht im Stande seyn auch nur die feindliche Fliege von ihrer Stirn hinweg zu treiben, noch ungleich weniger den angreifenden Löwen. Von Nordwest gegen Nord legt sich an die Mauern der Stadt eine nur gegen das Damaskusthor ein wenig eingetiefte Hochebene an, die weiter in Norden von Hügeln begränzt und von Oelbaumpflanzungen so wie von grünenden Aeckern bedeckt ist. Hier breitete sich weithin der Umfang jenes Theiles der alten, durch Titus zerstörten Stadt aus, welchen Agrippa +I.+ mit Mauern umfaßte; wo man nördlich von den jetzigen Mauern sich hinwendet, da tritt man, bis zu einem Abstand von etwa 1200 Schritten auf den Boden der damaligen Vorstadt Bezetha. Die Heere der Kreuzfahrer fanden indeß den äußeren Umriß Jerusalems schon dem jetzigen ziemlich ähnlich. Dort am nordwestlichen und nördlichen Rande, von wo allein der damaligen Belagerungskunst der Angriff möglich war, fanden sich die Schaaren der Streiter aufgestellt. Namentlich hatte sich die Gegend der Mauer, nahe bei der jetzigen Nordwestecke der Stadt der Heldenfürst, ~Gottfried von Bouillon~ anfangs zum Punkt des Angriffes erlesen, später aber die nordöstliche Ecke die gegen das Kidronthal hinliegt. Hier wurde auch am 15. Juli des Jahres 1099 die Stadt erstürmt, an der Nordseite selber aber die Mauer zuerst gebrochen. Der christliche Pilgrim, wie jeder Mensch, welcher hoffet und weiß daß ~der Geist~ die Thaten des Lebens thut, nicht das Fleisch, kann nicht an dieser Stätte vorbei gehen, ohne im Andenken an jenen Tag freudig bewegt zu werden. Hinter den festen Doppelmauern der Stadt fanden sich sechszig Tausend, welche zum blutigen Widerstand bereit waren, sie hatten Lebensmittel, vor Allem Wasser in Fülle, und sonst Alles was zur Abwehr des Angriffes der Feinde nöthig erschien, stund ihnen zu Gebote. Diesen gegenüber stellte sich außer den Mauern das Heer der Wallfahrer auf, dessen Zahl im Ganzen vierzig Tausend nicht überstieg, wovon aber mehr denn die Hälfte des Kampfes nicht fähig war. Denn diese Hälfte bestund aus Frauen, abgelebten Greisen, Kranken und kraftlosen Bettlern; Viele waren nur hieher gekommen um bei dem Grabe des Erlösers das eigene Grab zu finden. Aber auch unter der andern Hälfte, die am Angriff der festen Stadt thätigen Antheil nahm, fanden sich nur zwölf bis dreizehnhundert eigentliche Krieger, die andern Alle waren unvollkommen bewaffnete Bürger und Geistliche, welche vormals noch nie das Geschäft des Krieges geübt hatten. War doch dieses Häuflein nicht einmal fähig die Stadt eigentlich zu umlagern, sondern nur die Nordseite und die Gegend nach Westen so wie die Höhe des Zion verwahrt zu halten und den Oelberg einigermaßen zu bewachen, während der größere Theil der Mauern und mehrere Thore dem Feinde frei blieben. Dazu litt die arme Schaar der Kämpfer des Kreuzes an allen Lebensbedürfnissen Mangel, vornämlich an Wasser, welches in dieser heißesten Zeit des Jahres am dringendsten begehrt wurde. Ohnehin ist der Schatz des Wassers den Jerusalem besitzt, wie wir nachher sehen werden, ein geheimnißvoller und verborgener, und seine Fülle ergießt sich nur innerhalb der Mauern, während die Umgegend eine meist wasserlose Einöde ist; damals hatten aber die Saracenen auch die wenigen Brunnen und Cisternen in der Nähe der Stadt verstopft und verschüttet und wenn von Zeit zu Zeit die Quelle Siloah das nöthige Wasser gegeben hätte, oder wenn sich in Osten der Stadt, am Brunnen des Elisa und bei Bethanien eine Erquickung dieser Art zeigte, da lauerten die Feinde im Hinterhalt, so daß jeder Tropfen des Getränkes mit Blut erkauft werden mußte. So starben die Lastthiere des Heeres großenteils am Durste dahin und selbst von den Wallfahrtern erlagen Viele diesem Elend; Manche, eines solchen Lebens satt, nachdem sie im Jordan gebadet und bei Jericho Palmenzweige genommen, verließen das Heer der Kämpfer und kehrten über Joppe heim, zu den Bequemlichkeiten des Vaterlandes.

Dennoch war, mit der freilich von Tag zu Tage sich verkleinernden Zahl der Treuen auch der Glaube vor den Mauern Jerusalems stehen geblieben, welcher da noch hoffte, wo Nichts zu hoffen schien. Und obgleich die Feinde auf ihren Mauern täglich des Haufens der Wahnsinnigen spotteten, die fast ohne Wurfmaschinen und Belagerungszeug, ja wie der erste, ihnen wie Tollwuth erscheinende Anlauf[153], bei welchem die äußere Mauer an einem Punkte niedergestürzt war, gezeigt hatte, selbst ohne Sturmleitern eine solche Stadt bedroheten, blieb die Stimmung der Belagerer dennoch, jenem Spott gegenüber, eine Stimmung des Ernstes, welcher weiß was er will und was er thut.

Noch am achten Juli, als die Schaar der Christen in frommer Bewegung einen Umgang um die Stadt, im Gewand der Büßenden hielt, verhöhnten vor ihren Augen die Feinde auf den Mauern das sichtbare Abbild alles Dessen was Jenen heilig war; selbst am dreizehnten, am Tage welcher dem vorangieng, der zum Sturm bestimmt war, schien es, wenn die Christen nicht Flügel erhielten, unmöglich, daß einer von ihnen über die hohen Mauern käme. Und auch dann, als in der Nacht den Herrführern und Rittern, in Gemeinschaft mit den andern Streitern es gelungen war, die einzelnen Theile der Belagerungswerkzeuge mühselig aus der Ferne herbeizuschleppen und zusammenzusetzen; auch dann als am 14ten Juli ein ernstlicherer Angriff bei der Nordwestecke der Stadt beginnen konnte, schien das Erringen des Zieles noch gar weit hinausgerückt. Denn wie ein Steinwurf nach dem Alpengipfel, der von dort ein Herabstürzen der Lawinen erregt, wurde jeder durch Wollsäcke und schräge Balken unwirksam gemachte Stoß der Wurfmaschinen auf die Mauern von diesen aus durch eine Fluth von brennenden Stoffen, welche das Belagerungszeug entzündeten, so wie durch geschleuderte Steinmassen und Geschosse beantwortet, die zehnfältig, statt der Wunden welche einzelne der Belagerten empfiengen, den Tod zurückgaben. So gieng die Sonne über dem Kampfe unter, ohne daß in andern Augen, als in denen des Glaubens ein Sieg möglich erschien. Ja selbst am 15ten, am Tage des Sieges, als Tankreds Schaaren schon die Mauern der Nordseite (beim damaligen Stephansthore) durchbrochen hatten, schien in den Stunden des Vormittages die Hülfe, die nicht aus der Kraft des Fleisches kommen konnte, noch so fern, daß die Fürsten, wenigstens für heute, den Rückzug der beschädigten Maschinen von den Mauern beschlossen. Denn das Volk der Belagerten hat sich an diesem Tage wie mit Kräften der Hölle bewaffnet; Ströme von brennenden Flüssigkeiten ergoßen sich auf die Stürmenden und ihre Werkzeuge; flammende Balken, entzündet von einem Feuer, das nur von Weinessig gelöscht werden konnte, stürzten wie ein brennender Wald über die Mauern herunter, und wenn auch die sogenannten Hexen, welche von den Mauern herab dem Zeuge der Christen fluchten durch einen wohlberechneten Steinwurf, der einige von ihnen zerschmetterte, dem Heere der Wallfahrer zum Spott wurden, so waren diese dennoch auch ihrerseits es dem Feinde, als sie entmuthigt und trauernd in die armseligen Gezelte zurücktraten. Da ward, in der Stunde, in welcher man den Herrn ans Kreuz erhöhete, Gottfried, der Held, als er seine Augen aufhub nach dem Oelberge, wie durch eine Erscheinung aus der andern Welt, die der Glaube zuweilen »schauet« von neuem zum Kampf ermuthigt, und siehe eine Macht Gottes war mit ihm und den Seinen: ein heftiger Nordwind entzündete plötzlich die wohlverwahrten Wollsäcke der Mauern, welche endlich einmal von den Bränden der Belagerer getroffen waren, und vertrieb durch den heftigen Rauch die Feinde von den Mauern; die schrägen Balken, die bis dahin ein Schutz der Stadt gewesen, wurden jetzt ein Befestigungspunkt der Fallbrücken, welche die Christen von ihren hölzernen Thürmen herabließen; nur noch kurze Frist der heftigen Mühen und das Ziel war errungen; die Stadt, in welcher einst das Blut floß, durch welches der schwerste der Kämpfe entschieden, der höchste der Siege gewonnen ward, fand sich wieder in den Händen Derer, denen dieses Blut heilig war.

Der Lohn des leiblichen, noch mehr aber des geistigen Ausruhens, nach solchem Kampfe, war überschwenglich groß; in der Stadt fand sich Alles, dessen die Seele, Alles auch dessen der arme, von Sehnsucht und unsäglicher Mühe ermattete Leib bedurfte und begehrte. Jerusalem ward von Neuem die Stadt eines Königes, dem es ein Ernst war in allen Geboten und Gesetzen des Herrn zu wandeln, untadelich. Aber nur wenig Monate und dieser König ward hinweggenommen; nur wenig Menschenalter und der, wie es schien so fest auf Glauben gegründete Herrscherthron ward umgestoßen.

Wie kam es, daß dieses Reich eines neuen, christlichen Jerusalems so bald endete?

Die Natur antwortet uns hierauf, in einem ihrer unverbrüchlichsten Gesetze. Der Löwe kann sich nicht vermählen mit dem Wolfe; und ob auch das edle, geflügelt schnelle Streitroß mit dem unedleren langsamen Lastthier sich vermischte, so werden doch die Kinder solcher ungleicher Ehe selber keine Kinder haben; ein Geschlecht solcher chimärenartiger Formen pflanzet sich nicht fort. Die Thaten und die Herrschaft der Franken in Jerusalem waren zum Theil aus einem fast eben so ungleichen Elternpaar hervorgegangen als Löwe und Wolf es sind; der Vater war allerdings bei Vielen der Glaube von göttlicher Abkunft, die Mutter aber war zum großen Theil jene arme, unlautere, fleischliche Selbstsucht, die von ungöttlicher Herkunft ist und deren Werken der Christenglaube der späteren Jahrhunderte, der zur Selbsterkenntniß kam, sich schämet[154]. Wäre dort die Omarsmoschee, so lange sie im christlichen Königreich Jerusalem Kathedrale des Patriarchen war, wäre die Kirche des heiligen Grabes von jener Zeit an bis auf unsre Tage ein Buch gewesen, darinnen Alles verzeichnet stünde, was hier von Christen geschehen, nicht nur in der unsichtbaren, verborgenen That des Herzens, sondern selbst in der sichtbaren der fleischlichen Werkzeuge, sie würden von Vielen, welche das Buch läsen, nicht mehr Tempel einer göttlichen Weisheit genannt werden können. Mancher Leser der Schrift der Wände würde die größere Zahl der Schaaren, welche hieher kamen, um, wie sie sagten anzubeten den Rathschluß einer ewigen Weisheit, der da will daß allen Menschen geholfen werde, fragen, mit den Worten des Apostels Jacobus[155]: »Wer ist weise und klug unter euch? Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke, in der Sanftmuth und Weisheit. Habt ihr aber bittren Neid und Zank in eurem Herzen; so rühmet euch nicht und lüget wider die Wahrheit. Denn das ist nicht die Weisheit die von oben herab kommt; sondern irdisch, menschlich und teuflisch. Denn wo ~Neid und Zank~ ist, da ist Unordnung und eitel böses Ding[156]. Die Weisheit aber von oben her ist aufs erste keusch, darnach friedsam, gelinde, lässet ihr sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unpartheiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird gesäet im Frieden denen, die den Frieden halten.« Paulus der Apostel, wenn er eben dieselbe Frucht beschreibt[157], nennet sie als »Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit.« Diese Frucht wuchs freilich nur sehr sparsam auf Golgathas Felsen als Christen mit weltlicher Macht ihn beherrschten. Aber dennoch bleibt es dabei, der Duft von Zions Lilie war nicht Allen die ihn einathmeten ein Geruch des Todes zum Tode, sondern Manchen, und nicht Wenigen, ein Geruch des Lebens zum Leben.

Wir wenden uns von neuem, von der Betrachtung des vormaligen zu der des jetzigen Jerusalems.

Nur nach Osten hin bildet der Umfang der Stadt, dem hier der Bergabhang gegen das Kidronthal die natürliche Begränzung giebt, eine fast gerade Linie; von Westen nach Norden und von da gegen Osten zieht sich die Mauer in einer bogigen Richtung herum. Diese Seite ist die längste von allen, denn nach Maundrells Messung, welche wir in dem Verhältniß der einzelnen Strecken richtig fanden, wiewohl wir meist eine geringere Zahl der Schritte herausbrachten[158], beträgt der äußere Weg von der Nordwest- zur Nordostecke 1435 Schritte (der Umfang der ganzen Stadt 4630). Dennoch hat auch diese lange Seite nur ~ein~ offnes Thor: das Bab es Scham oder Damaskusthor, weil das weiter nach Nordosten gelegne Herodesthor, das von den Kreuzfahrern des Mittelalters das St. Stephansthor genannt war, seit den letzten Unruhen in Syrien verschlossen ist. Jenseit des Damaskusthores führt ein Seitenweg zu jener Grotte, in welcher Jeremias, so erzählt die Ueberlieferung, seine Klagelieder schrieb. Ein Türke hat bei jener Felsenkluft seinen Garten angelegt, dessen Zugang wir heute verschlossen fanden, weshalb wir erst später das Innre betraten. An einem der benachbarten Felsen trafen wir unsern Reisegefährten, den Maler Bernatz, mit dem Aufnehmen seiner nördlichen Ansicht von Jerusalem beschäftigt.

Vor den andern allen erscheint die Ostseite der Stadt als die interessanteste und bedeutungsvollste. Hier hat die Natur selber der bauenden Menschenhand ihre Gränze gesteckt, darum ist dort der Umriß der jetzigen, neuen Stadt noch der nämliche denn jener der ältesten, zur Zeit der Zerstörung durch Nebucadnezar, und der alten, zur Zeit des Titus war. Das alte Jerusalem hatte an seiner Ostseite, deren Länge gegen tausend Schritte misset, vier Thore: das Fischthor nahe an der Nordostecke der Mauern, dann das Schafthor, welches dem jetzigen Stephansthor entsprochen zu haben scheint, hierauf, jenseits der beiden Mauerthürme Mea und Hananeel das Roß- oder Kerkerthor, am Morija, dessen vermuthliche Gegend bei dem jetzt zugemauerten, goldnen Thore gesucht werden muß, endlich am weitesten nach der Südostecke hin das Wasserthor[159]. Dagegen besitzt die jetzige Stadt auch an dieser Seite nur ein einziges offenes: das sogenannte Stephansthor.

So wie man um die Nordostecke herum kommt hat man die nahe, freie Aussicht nach dem herrlichen Kidronthale und dem grünenden Abhange des Oelberges. Noch vor dem Stephansthore kommt man an einer brunnenartigen, anjetzt wasserleeren Cisterne vorüber. Jenseits des Thores ist die Stadtmauer so nahe an den gähen Abhang vorgerückt, daß nur ein schmaler, unebener Saum, neben dem Tempelberg hin, für die Türkischen Grabstätten übrig bleibt. Hier ist das goldne Thor, das die Türken zumauern ließen, weil einer ihrer vermeintlichen Seher der Zukunft weissagete, daß einst, an einem Freitage, ein Held und König der Christen durch dieses Thor seinen Einzug halten werde. Da herein nahm vormals am Palmsonntage, die Prozession der Christen, an ihrer Spitze der Patriarch ihren Weg und nicht ohne Grund der Wahrscheinlichkeit lässet die christliche Ueberlieferung das goldne Thor jenem entsprechen, durch welches auch Christus der Herr unter dem Hosiannarufen der Seinigen hinanzog zum Tempel. Er selber, mit dem festen, unverwandtem Hinblicke auf eine andre Erhöhung und auf eine andre Krone denn die war, welche das freudige Zujauchzen seiner Jünger meinte; den Meisten und Mächtigsten im Volke der Allerverachtetste, und dennoch, das durfte und sollte die Schaar der Kleinen und Armen ohne Scheu bekennen, ein König, welcher dazu geboren und in die Welt gekommen war, daß er die Wahrheit zeugte.

Schon in der Nähe des goldnen Thores, noch mehr aber an der Südseite der Stadt, bemerkt man an dem untern Theile der Mauer riesenhafte Werkstücke, welche ohnfehlbar von ungleich früheren Bauleuten gebrochen und behauen wurden, als die der jetzt bestehenden Mauern waren. Die ganze Länge der Südseite der Stadt, von der südöstlichen, bis zu der, jenseit des Zionsthores gelegnen südwestlichen Ecke, beträgt über 1200 (nach Maundrell 1290) Schritte und auch an dieser ganzen Seite findet sich jetzt nur ~ein~ offenes, das schon erwähnte Zionsthor, weil die Pforte, am sogenannten Mistthore, seit den letzten Unruhen verschlossen ist. Hier nach Süden hat, eben so wie nach Norden der Umriß und die Ausdehnung der Stadt, wenn man ihren jetzigen Zustand mit dem älteren, zur Zeit der Zerstörung durch Titus vergleicht, sehr bedeutende Veränderungen erlitten. Von der heutigen Südgränze Jerusalems zog sich vormals an den Abhängen des Zion wie des Morijaberges ein unterer Theil der Stadt hinab, bis zur Gegend der Quelle Siloah; Titus ließ nach Eroberung des Tempels die Häußer dieses unteren Stadttheiles abbrennen, ohne deshalb von hier in die obere Stadt eindringen zu können, weil der Berg Zion noch von einer besondren Mauer fest umschlossen war[160].

Die Aussicht, an einigen Punkten der nächsten Umgegend der südlichen Mauer ist eine der schönsten, welche man bei Jerusalem finden kann. Nahe vor sich erblickt man die Kuppel der großen Moschee, noch näher an der Stadtmauer erhebt sich das schöne Gebäu des vormaligen Christentempels, welcher der Darstellung Marias im Tempel gewidmet, jetzt aber zur Aksa-Moschee geworden ist. In Nordosten erhebt sich der Oelberg, in Osten siehet man, unten, am jenseitigen Abhang des Josaphatthales das Dorf Siloah; im Süden das tiefe Kidronthal und die fernen Höhen an denen der Weg nach St. Saba vorbeigeht; im Westen das Ben Hinnomthal mit der Menge seiner Grabeshöhlen[161].

Das Tyropöonthal, welches selbst innerhalb der alten Stadt den Morijaberg deutlich von dem Zion abgränzte, ist auch jetzt, wenigstens außerhalb der Mauern noch erkennbar; als eine Schlucht, in welcher der Weg von der Gegend des Mistthores hinab gen Siloahs reinen Quell verläuft. Jenseits dieser Schlucht, bei der sich so manche Erinnerungen des Reinen und Unreinen aus der Geschichte Jerusalems vermischen; da wo jetzt Dornengesträuch auf dem Haufen der zertrümmerten Marmorsteine wächset, erhub sich, wetteifernd an Pracht mit dem Bruchion zu Alexandria des Herodes Pallast. Gärten und schattige Baumanlagen, abwechslend mit gemauerten Wasserteichen umgaben das prunkende Gebäu, aus dessen einem Flügel man Alles sehen konnte was in dem gegenüber gelegnen Tempel auf Morija vorgieng, bis die Juden diese Aussicht durch eine hohe Mauer verbauten. In dem Pallaste selber fanden sich Säle, vom Golde glänzend, in denen für hundert Gäste Raum und königliche Bewirthung gegeben war. Und siehe, da auf derselben Höhe des Zion, außerhalb der dreißig Fuß hohen Mauern des Königspallastes, stund ein andres Haus mit einem gepflasterten Saale, in welchem zwar nicht hundert Gäste nach königlicher Weise, wohl aber zwölf, unter denen nur einer des Mahles unwürdig, von dem »Fürsten der Könige auf Erden« mit einem Brod und einem Weine bewirthet wurden, gegen welche Indiens und Yemens Gerichte nur Staub und Asche sind. Es war dort keine Mauer vorgebaut, wie vor dem Tempel auf Morija; Herodes hätte sehen dürfen was geschahe, aber das Auge des Idumäers hätte nicht verstanden was da vorgieng und verstehet dieses bis auf den heutigen Tag noch nicht, denn die Decke hängt nicht vor dem offenkundigen Geheimniß, sondern vor dem Auge des Schauenden. Der Pallast des Herodes mit den Gebäuden des Agrippa, sammt allen Cisternen und Gärten die sie umgaben, sind bis auf jede Spur verschwunden; ihrer gedenket nur ein längst verstummter Augenzeuge: der Jüdische Geschichtsforscher Josephus, und keiner der vorüberziehenden Pilgrime fragt nach der Stätte wo die Hunderte der Gäste des Herodes mit ihrem Könige zu Tische lagen. Nach der Stätte aber des Haußes, da Christus mit seinen Jüngern das letzte Osterlamm aß und das Abendmahl feierte, fragt die Liebe auch des spät gebornen Geschlechtes noch mit sehnendem Verlangen, und Der, welcher die Liebe und das kindliche Vertrauen der Einfalt nicht verachtet, wird dafür gesorgt haben, daß in vielen Menschenherzen, welche dort im Hauße des Abendmahls auf Zion Sein gedachten, eine Thüre sich aufthat, durch welche Er selber eingieng um mit dem beseligten Herzen das Abendmahl zu halten.

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Wir wendeten uns jetzt, von der südwestlichen Ecke der Stadt wieder zur Westseite, nach unsrem heimathlichen Bethlehemsthor. Diese westliche Seite der Stadt hat die geringste Ausdehnung, obgleich man um sie zu umgehen, wegen der Unebenheiten des Bodens, der von der Südwestecke abwärts fällt, von da bis zum Thore gegen 480 (nach Maundrell 500) von hier bis zur vorspringenden Nordwestecke fast 390 (nach Maundrell 400) Schritte zu machen hat. Auf dem Hinabweg nach dem Thore sahen wir an der Seite des Weges viele jener bunten (namentlich roth und weiß gefärbten) Marmorsteine, durch welche die Umgegend von Jerusalem sich auszeichnet. Er gleicht jenem hochgeachteten Marmor, den die Alten nach Adonis nannten. Und so kamen wir denn abermals mit sehr beschwerten Taschen, aber mit leichten, sehr fröhlichen Herzen in unser Pilgerhaus.

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Die guten Väter des griechischen Klosters, an die wir von Kairo aus, wahrscheinlich zur Bewirthung empfohlen gewesen, hatten uns, ich weiß nicht warum? gar zu freigebig beschenkt, mit zwei Lämmern, einem großen Krug voll trefflichen Weines, einem Hut Zucker und sehr vielen Broden. Ich machte am Nachmittag dort einen Besuch und brachte dem Kloster ein entsprechendes Gegengeschenk an Geld, weil eine andre Art der Entgegnung nicht zu finden war. Wir freuten uns abermals an der alterthümlichen Pracht des Klostergebäudes und an der Schönheit des Gartens, wie an all jenen Vorzügen, welche dieses Kloster durch seine Nähe an der Kirche des heiligen Grabes und durch seine unmittelbare Verbindung mit dem Dache dieses Gebäudes hat.

Die Kirche wurde heute früher als gewöhnlich geöffnet; wir hatten Zeit das Innre, in der sonderbaren Zusammenfügung seiner Theile, ganz ruhig zu betrachten. Für viele meiner Leser hat mir mein Reisegefährte und Freund, der Maler Bernatz, durch die Herausgabe seiner Zeichnungen die Mühe eines genaueren Beschreibens erspart[162], nicht aber für alle. Ich gebe demnach hier wenigstens die Hauptumrisse.

Wenn dieses Gebäude der bedeutungsvollsten Kirche der Christen, den tiefen Eindruck, den sein Besuch auf so viele Seelen machet, nur der äußren Symmetrie und architektonischen Schönheit seines Innren verdanken müßte, dann wäre es übel mit ihm bestellt; die Besuchenden würden sehr wenig befriedigt seine Hallen verlassen. Es sind, wie wir schon oben sahen, drei verschiedne, und nicht in gerader Linie liegende, älteste Christenkirchen, welche seit den Zeiten des Fränkischen Königthumes zu einem Ganzen verschmolzen wurden: die Kirche des heiligen Grabes, die hiervon südöstlich stehende Kirche der Kreuzigungsstätte und die in Ost gegen Süd gelegene meist unterirdische Kirche der Kreuzesfindung. Aber mit der Aufnahme dieser drei Kirchen unter ein gemeinsames Dach war die Aufgabe der späteren christlichen Bauleute noch nicht vollkommen gelöst; sie mußten auch die in Norden gelegne Kapelle, welche die Stätte bezeichnete, da der auferstandne Herr am ersten der Maria Magdalena erschien, dem übrigen Tempel anfügen und einem Chor der Armenier seinen Raum im Innren der Mauern anweisen. So erinnert dann das Ganze an ein Gehäufe von verschiedenartigen Krystallen, daran jüngere auf ältere, jeder nach eignem Gesetz der Gestaltung, sich angefügt haben.

Wenn man zu einer der beiden Thüren des Einganges, der nach Süden liegt, (es ist der einzige den die Kirche hat) hereintritt, sieht man, jenseits der viereckten Säule, gerade vor sich die Marmorplatte, welche den Pilger an die Salbung des Herrn, nach der Abnahme vom Kreuze erinnern soll. Zur Rechten (in Osten) von dieser steigt man auf 18 Stufen hinan zu der Kapelle der Kreuzigung auf Golgathas Fels; in den Fels selber unter der Kreuzigungsstätte, ist von ebener Erde aus die Kapelle des Evangelisten Johannes eingehauen. Eine Spalte im Felsen, die man auch oben, neben dem Orte bemerkt, da Christi Kreuz stund, setzt hinab in die Tiefe der unteren Grotte fort und wird als ein Zeugniß des Erdbebens betrachtet, das bei Christi Tod das Land erschütterte. Vor der Kapelle des St. Johannes war sonst ein Anbau, in welchem die steinernen Särge der beiden ersten christlichen Könige von Jerusalem, des Gottfried von Bouillon und Balduins +I.+ stunden. Als die wilden Horden der Charismier im Jahre 1244 an der Kirche des heiligen Grabes ihre zerstörenden Gräuel übten, da öffneten sie auch die Gräber der christlichen Könige von Jerusalem und andrer vornehmer Pilger und verbrannten die noch übrigen Gebeine[163]; schon damals hatten deshalb diese Stätten aufgehört Gräber jener Heldenkönige zu seyn; nun aber sind, seit dem neuen Kirchenbau der griechischen Christen auch die Inschriften der Gräber dem äußren Auge verschwunden, nicht aber dem innren, welches dieselben mit unverlöschbaren Zügen dem Heldenbuche der Geschichte eingeschrieben findet.

Die Kapelle der Kreuzigungsstätte ist 45 Bayerische Fuß lang und 30 Fuß breit: ihre beiden, massiven Gewölbe mögen wohl zu den frühesten Werken der christlichen Baukunst gehören. Noch unverkennbarer jedoch als an der Golgathaskirche ist die uralte Abkunft an dem Bauwerk der Kapelle der heiligen Helena. Auch diese liegt eigentlich außerhalb des Kirchenschiffes des Haupttempels und nicht einmal genau in der Linie der Längenausdehnung jenes Schiffes, sondern um einige Grade von Ost nach Süden gerückt. Wie die Kapelle der Kreuzigung über, so liegt die der heiligen Helena unter dem ebenen Boden der Kirche. Die gerade Linie der Entfernung von der Treppe zu Golgatha, bis zu dem Eingang zur Helenenkapelle misset gegen 110 Fuß; man steigt auf 21 Stufen zu dieser hinab; sie bildet ein ziemlich vollkommnes Quadrat von 45 Fuß Durchmesser; an der südöstlichen Ecke steigt man auf 11 Stufen zu dem brunnenartigen Raum hinab der als Ort der Kreuzfindung verehrt wird.

Die Hauptkirche selber umfasset das Gewölbe, welches über dem heiligen Grabe sich erhebt, und das Chor der Griechen. Seit dem Brande vom Jahr 1807 hat das erstere einige, obwohl unbedeutende Veränderungen erlitten, indem z. B. statt der vormaligen runden, viereckte Säulen die hohe Kuppel tragen, durch deren Mitte von oben das Licht hereinfällt. Auch im Griechenchore erhebt sich eine hochgewölbte Kuppel über dem unten am Boden angedeuteten Punkte, der als die Mitte ~des Ganzen~ bezeichnet wird, und eben diese beiden Kuppeln sind es, welche schon von Ferne her das Dach der heiligen Grabeskirche kenntlich machen. Beide Rotonden sind übrigens weder an Durchmesser noch an Höhe sich gleich; denn der innre Durchmesser der Grabesrotonde, ohne den Anbau der Hallen ist 78, jener der andern 45 Fuß groß. Hierdurch erhält auch das Hauptschiff der Kirche, dessen ganze innre Länge von West nach Ost, von der äußersten Wand der Hallen am Umfang der Grabesrotonda, bis an die Linie des Einganges zur Helenenkapelle 240 Bayerische Fuß misset, eine ungleiche Breite von 78 bis 105 Fuß; wenn man jedoch den nicht zum eigentlichen Kirchenschiff gehörigen Anbau, seitwärts der Kreuzigungskapelle, vom Eingang der Kirche in Süden, bis zu der Thüre des kleinen, geschlossen Hofes in Norden mit in Anschlag bringt, dann empfängt allerdings, wie ~Otto v. Richter~ dies beschreibt, das Innre des Gebäudes eine (freilich sehr unregelmäßige) Art von Kreuzform, deren kürzerer (Quer-) Balken 140 Fuß lang ist.

Das Licht, welches oben durch die Oeffnung der Kuppel der größeren Rotonda hereinfällt, beleuchtet zunächst das gerade unter dieser Mitte stehende, heilige Grab, das wie ein Kirchlein im Kleinen von Marmor, in der größeren Kirche dastehet. Der äußere Umfang mag anfangs auf einen nicht unbedeutenden Raum der beiden, im Innren enthaltnen Kapellen schließen lassen, denn der Durchmesser des nach Westen etwas rundlich (fünfeckig) zulaufenden Quadrates misset gegen 30 Fuß. Dieser Raum wird jedoch großentheils durch die unverhältnißmäßig dicken Mauerwände ausgefüllt, so daß für die innerste, eigentliche Grabeskapelle nur ein Räumlein von 7 Fuß Länge und 6 Fuß Breite; für die Engelskapelle ein Quadrat von zehn Fuß Durchmesser übrig bleibt. Dagegen misset die Dicke der südlichen Wand der kleinen Grabeskapelle vierzehn, die der nördlichen gegen eilf Fuß. Schon aus diesen Verhältnissen wird es leicht zu errathen, daß die scheinbaren Mauern nicht von gewöhnlicher Art, sondern daß sie (nach S. 507) Ueberreste des alten Felsen sind, von welchem die Grabeshöhle umschlossen war. Vorzüglich gilt dies von der eigentlichen Grabeskapelle, die ein zugehauenes, von außen und innen mit Marmorplatten ausgekleidetes Stück Kreidefels ist, während die vordere Kapelle nur zum Theil Felsen, zum Theil aber ein alter Anbau aus Backsteinen ist, den die spätere Zeit eben so wie die innerste mit Marmor belegt hat. Mit einem besondren patriotischen Wohlgefallen bemerkt der deutsche Pilgrim an dem Zeichen des Wappens, daß der neue Aufbau des heiligen Grabes seit dem Brande von 1807 großenteils und zunächst ein Werk des Oesterreichischen Kaiserhaußes ist; auch von den goldnen Lampen, welche bei Tag und Nacht das heilige Geheimniß des Grabes beleuchten, sind die meisten eine Gabe unsres edlen Kaiserhaußes.

Bisher hatten die drei mächtigsten Kirchengemeinschaften der jetzigen Christenheit des Orients: die der Lateiner, der Griechen und Armenier sich in die drei Kirchlein getheilt, welche unter die gleichsam politische Gewalt des gemeinsamen Obdaches der heiligen Grabeskirche zusammengefaßt sind. Die Armenier besorgten die Obhut der Helenenkapelle, die Griechen die der Kreuzigungskirche, die Lateiner hatten den Aufbau und die Erhaltung der heiligen Grabeskapelle übernommen. In neuester Zeit sind unsre armen Landsleute, die Lateiner, abermals in großer Gefahr, die Obhut des letzten Räumleins der von ihren Vorfahren wiedererkämpften Kirche zu verlieren.

Von den eben genannten drei vornehmsten Christengemeinschaften des westlichen Asiens und seiner nachbarlichen Inselnwelt hat jede einzelne eine Anzahl der beständigen Hüter in der Kirche des heiligen Grabes aufgestellt, welche da bei Tag und bei Nacht des Gottesdienstes warten. Die Griechen haben an der Südseite der Kirche einen Anbau, in welchem dreißig ihrer Geistlichen beständig haußen, die Lateiner in Norden, wo zwölf Minoriten ihren Aufenthalt haben; fünfzehn Armenische Geistliche finden ein Räumlein in einer Art von Chor am Innren der Südseite und auch von den armen Kopten wohnen zwei Repräsentanten ihrer Gemeinschaft an der Westseite des heiligen Grabes, bei dem Grabe des Nikodemus. Alle diese Bewohner der kleinen, nur durch Mauern von Menschenhand zusammengefügten Kirchenhallen sind, so lange ihr Hüteramt währt, gewissermaßen in einer Gefangenschaft der Türken. Ihre kleinen Klosterhallen haben nur nach innen, zur Kirche, einen Ausgang und Eingang, nicht nach außen, nach der Stadt hin; zu dieser öffnen ihnen in den meisten Monaten des Jahres täglich nur einmal die Türkischen Thürhüter den Zugang, und dieß nur auf kurze Zeit; die armen Gefangenen im dumpfigen Gemäuer werden von ihren Mutterklöstern aus, die in der Stadt sind, täglich zu bestimmten Stunden durch eine kleine Oeffnung, welche an den Thüren angebracht ist, mit Speise und Trank versorgt.

Von den Hütern der heiligen Grabeskirche hinweg, wenden wir uns zu den äußerlichen Bewahrern und Inhabern eines andren, noch früher gegründeten und weiter umfaßenden Baues, als jener des ehrwürdigen, mittelalterlichen Gebäudes ist; zu den Bewahrern des alten Bundes, den Gott mit Israël schloß. Es mag als ein nicht unbedeutendes Anzeichen einer großen, geistigen Bewegung in diesem merkwürdigen Volke erscheinen, daß so zahlreiche Schaaren desselben in unsern Tagen nach Palästina ziehen. Diese Auswandrungen geschehen nicht mit großem Aufsehen und äußerem Gepränge, sondern ganz in der Stille deßhalb mit glücklicherem Erfolg; die Auswandrer, welche als Fremdlinge kommen, werden, namentlich unter der sie vielfach begünstigenden Aegyptischen Herrschaft, leichter denn alle sonstige Ankömmlinge einheimisch, weil sie in Alles sich fügen, auch mit dem ärmsten Hüttlein und geringsten Stück Landes zufrieden sind und einen Fond der vertrauenden Liebe zu der neuen Heimath mitbringen, welcher ihren Unternehmungen ein glückliches Gedeihen giebt. Die in Jerusalem Wohnenden sind freilich meist sehr arm, und da weder Handel noch Gewerbe sie nährt, großenteils nur auf die Unterstützungen angewiesen, die sie von ihren Glaubensgenossen in Europa zugesendet bekommen. Richardson und Scholz[164] geben die Zahl der in Jerusalem wohnenden Juden auf 10000 an, uns versicherten jedoch mehrere zuverläßige hiesige Israëliten, daß sie nur gegen 6000 betrage. Zwar hat nun die letzte Pest wieder eine große Zahl der auch im engsten, niedrigsten Raum der Stadt zusammengedrängten Israëliten hinweggerafft, dennoch glaube ich nicht zu viel zu sagen, wenn ich die Juden als das reichliche Drittel der Gesammtzahl der hiesigen Bewohner angebe[165]. Freilich hat diese große Menschenschaar nur den kleinsten Theil (kaum 1⁄20) der Stadt inne und erregt unter allen das wenigste Aufsehen, während die Mohamedaner, deren Zahl mit dem Aegyptischen Militär sich auf 9000 belaufen mag, den größesten Theil der Gassen einnehmen und am meisten ins Auge fallen. Das kleinste Häuflein bilden im Verhältniß zu den andern beiden Religionsgenossen die Christen, denn ihre Zahl übersteigt, außer der österlichen Zeit schwerlich 3500; doch gehören ihren Gemeinschaften, vor allen den Armeniern sehr große weit ausgedehnte Räume der Stadt an. So mag die ganze Summe der Einwohner ohne das Militär über 17000, mit diesem über 18000 betragen; eine Zahl, welche für eine Stadt, deren Umfang noch jetzt über fünf Viertelstunden Weges misset, nicht groß genannt werden kann.

Wir hatten schon in Bayern einen Brief bekommen, an einen jetzt in Jerusalem wohnenden Israëliten, den Rabbiner Bergmann aus Würzburg. Der gefällige Mann hatte uns mit mehreren seiner Glaubensgenossen, welches lauter deutsche Landsleute waren, schon in unsrem Pilgerhauße besucht; wir beschlossen ihm heute, weil es noch früh am Nachmittag war, einen Gegenbesuch zu machen. Um zu der Judenstadt zu kommen steigt man von der Gegend der Grabeskirche abwärts nach dem großen, aus mehreren Reihen der Läden und Kaufhäußer gebildeten Marktplatz oder Bazar. In den kleinen, vielfach gewundnen und zickzackartig durch einander verlaufenden Gäßchen, in welche man südwärts und südostwärts vom Bazar eintritt, möchte es schwer seyn ohne einen Führer sich zurecht zu finden. Gewöhnlich sind mehrere Häußer und Häußchen von einem gemeinsamen Hofraum umschlossen, der, mit all seinen vielen Bewohnern, einer kleinen Stadt gleicht. Wäre Jerusalem an allen Stellen seines Flächeninhaltes, selbst nach Ausnahme des großen Platzes der Moschee, eben so bevölkert, wie hier im Judenquartier, dann könnte es weit über hunderttausend Einwohner beherbergen.

In der Familie wenigstens unsers Israëlitischen Landsmannes wurde es uns recht wohl; mit der äußren Reinlichkeit herrschte hier innre Lauterkeit und anspruchslose Zufriedenheit; ich lernte an Herrn Bergmann und den Seinigen solche Menschen kennen, denen das Bürgerrecht im Lande der Väter schon in ihrem Innren verliehen ist. Wir konnten heute nur kurze Zeit bleiben, da wir die fromme Sitte und Stille des mit Sonnenuntergang beginnenden Sabbathes im Hauße des gewissenhaften, ernsten Rabbiners durch unsren Besuch nicht stören wollten. Dagegen wiederholten wir später unsern Besuch öfter und ich lernte hier, so wie durch die Gegenbesuche in unserm Pilgerhauße mehrere der ausgezeichnetsten und gelehrtesten deutschen Rabbiner von Jerusalem kennen. Ich fasse das, was diese Bekanntschaft mir zu bemerken gab, schon hier kurz zusammen.

Im Allgemeinen darf man den deutschen, nach Palästina ausgewanderten Israëliten das Zeugniß geben, daß der Zug der sie dahin führte ein sehr achtenswerther, Theilnahme erregender war. Es sind die Hoffnungen Israëls, der noch immer fortbestehende Glaube an das ihren Vätern gegebene Wort der Verheißung, was ihnen den Muth verlieh alle Vortheile und Bequemlichkeiten des Vaterlandes zu verlassen und sich freiwillig in ein Loos der harten Entbehrungen und mannichfaltigen Gefahren zu begeben. Unter ihnen fand ich nicht bloß eine große Zahl vorzüglich gelehrter, sondern auch frommer Männer, welche durch eifrigen Gottesdienst und anhaltendes Gebet bei Tag und Nacht zu dem Troste Israëls zu gelangen hoffen und dieses Trostes als eines nahen warten. Auch der Freund jener tieferen Erkenntnisse, welche durch uralte Ueberlieferung bis zu den jetzt lebenden Israëliten gekommen sind, namentlich der kabbalistischen Studien, würde unter den gelehrten Rabbinern von Palästina Meister treffen, deren Belehrung ihm von höchstem Werthe seyn könnte. Was jedoch höher zu schätzen scheint denn Alles: man findet unter den Israëliten von Palästina so Manche, welche mit Ernst in den Propheten und andren Schriften des alten Bundes forschen und diese von Herzen lieb haben.

Der treffliche Beurtheiler von Lord Lindsays Reiseberichten in einer vielgelesenen englischen Zeitschrift[166] macht die Bemerkung: »daß vor allen andern Ländern unser deutsches Vaterland der Sitz- und Ausgangspunkt jenes modernen, liberalen Judaismus sey, an welchem der eigentliche, göttlich prophetische Charakter des altgläubigen Judenthums sich ganz verwischt hat. Mit dem Glauben an einen göttlichen Ursprung der Verheißungen und Zeugnisse des alten Bundes, fällt dann auch die Hoffnung auf eine göttliche Wiederbelebung des erstorbenen Stammes hinweg; an ihre Stelle ist das Streben nach einer politischen Regeneration, auf dem natürlichen Wege der jetzigen, Europäischen Völkerbewegungen getreten. Während deshalb der altgläubige Israëlit noch immer fortfährt zu Gott zu beten, daß der Stern Jacobs über seinem Volke aufgehen, daß der Trost Israëls erscheinen möge; während sein großes Festgebet mit den Worten schließet: »Jahr das da kommt, o führe uns nach Jerusalem,« entfernte dagegen der neuere Liberalismus aus seiner Liturgie die Bitte um die Zukunft des Mesias und um die Wiedererlangung Dessen das den Vätern versprochen und bisher ein Ziel des fortwährenden Heimwehes des in alle Länder der Erde zerstreuten Volkes war[167].« Aber so richtig auch das Negative erscheinen mag, was in jener Bemerkung über den modernen, deutschen Judaismus liegt, der jene göttlichen Wahrheiten verkennt und verläugnet die selbst dem Talmud noch als feste Basis unterlagen, so darf dennoch auf der andren Seite nicht übersehen werden, daß, wie der Verfasser zugleich bemerkt, der geistige »Aussatz« der falschen Freiheit und des Unglaubens nicht das ganze, sondern nur einen Theil des Israëlitischen Volkes ergriffen habe[168]. Namentlich in Deutschland, wo diese Art der Gegensätze auch nach andern Seiten hin in ihrer größten Schärfe sich hervorzurufen und zu bestärken pflegt, ist zugleich der alte Glaube der Väter und das Aufmerken auf das Wort der Verheißungen in einer Stärke und Lebendigkeit wieder erwacht wie kaum anderswo. Die meisten jener Israëliten, die in unsern Tagen im Glauben und fester Hoffnung daß der Herr sich Zions einst wieder erbarmen werde, nach Palästina zogen, kamen aus dem Lande in dem nach der Aeußerung unsers edlen Engländers, der moderne Judaismus entsprang, welcher solcher Hoffnung spottet, und aus jenem »in welches die Ansteckung zunächst sich verbreitete«: aus Deutschland und aus Polen.

Merkwürdiges Erwarten eines neuen, großen Tages der Geschichte, welches auf einmal so viele Völker: Beduinen und Türken, Israëliten und Christen in Süden wie im Norden bewegt!

Sonnabends am 1sten April sahe ich, wie ich dieß öfters that, den Morgen, stehend auf dem platten Dache des Haußes, über Jerusalem erwachen. Ein Morgenroth, so purpurglänzend wie man es nur selten in der Heimath sieht, zog über den Oelberg, und gieng herauf aus der Wüste des Kidronthales, »wie ein gerader Rauch, wie ein Geräuch von Myrrhen und Weihrauch[169].« Die Luft war mit dem Geruch der blühenden Orangen und Gewürzkräuter aus den benachbarten Gärten erfüllt; ein erfrischender Wind bewegte die Wipfel der Zypressen. Auch die Seele fühlte sich bewegt und doch noch lange nicht so wie sie es hier, am lang ersehnten Ziele der Pilgerreise hätte seyn sollen. Ja, »stehe auf Nordwind und komme Südwind und wehe durch meinen Garten, daß sein Balsam sich ergieße.«

Unser aufopfernd gütiger Führer der Pater Vicar kam um 8 Uhr, um uns von neuem zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zu geleiten. Der Himmel hatte sich mit Regenwolken bezogen, die jedoch so leicht und dünn waren, daß sich, so erwünscht dieß dem Lande gewesen wäre, kein reichlicher Erguß von ihnen erwarten ließ, wir beschloßen daher dennoch unsre Wanderung nach dem Berge Zion anzutreten.

In die Citadelle konnten wir nur im Vorübergehen einen Blick werfen. Leider war der hohe Offizier an den ich von Kairo aus empfohlen war, verreist und kehrte während unsers ganzen hiesigen Aufenthaltes nicht nach Jerusalem zurück, wodurch uns manche Vergünstigung entgieng, auf die wir gehofft hatten. Uebrigens hätte uns auch weniger das über der Erde stehende Gebäude der Davidsburg interessirt, als jener unterirdische der Grüfte und Gänge, von welchem wir verschiedene Berichte vernahmen. Desto ungehemmter jedoch durften wir uns in dem mächtig großen Klostergebäude der Armenier umsehen. Zu diesem gehört nicht ein Gebäude allein, sondern eine große Menge, der von der hohen, gemeinsamen Ringmauer umfaßten Häußer und Höfe, und der Raum den die Ringmauer umfaßt ist so groß daß die ganze vormalige Reichsstadt Neresheim darinnen bestehen könnte. Einige der Höfe, mit den vielen kleineren und größeren Pilgerhütten, welche auf ihnen stunden, glichen schon jetzt durch die Schaaren der Wallfahrer, die zum Fest gekommen waren, einem kleinen Heerlager; in der eigentlichen Zeit des Festes soll sich die Zahl der Gäste in diesem Kloster so vermehren, daß der Umfang desselben, so groß er auch ist, sie nicht alle beherbergen kann. Denn zur Osterfeier des Jahres 1834 waren nach der Versicherung unsers Führers, aus allen Gegenden des Morgenlandes zwischen acht und neuntausend Armenische Pilgrime gekommen. Deshalb haben auch die Väter dieses reichesten Klosters des Morgenlandes[170] darauf Bedacht genommen durch den Ankauf von ganzen Plätzen und neuen Anbau von Häußern und Höfen ihren Gästen noch mehr Bequemlichkeit zu gewähren. Uebrigens hatten diese schon bisher im Armenischen Kloster es besser als in jedem andren Kloster der übrigen christlichen Gemeinschaften; denn viele Pilgerfamilien bewohnten ein besondres kleines Haus, oder nahmen wenigstens eine jener bequemen Wohnstätten (Kammern) ein, deren in den verschiednen Gebäuden zusammen über tausend seyn sollen. Und dabei gleichen die Vorhöfe des Klosters einem kleinen Markt, wo jene Familien, welche selber für ihre Beköstigung sorgen wollen, Lebensmittel in Menge zum Verkauf finden; für die Uebrigen sorgen die wohlbestellten Küchen des Klosters, in denen man auch auf das Bedürfniß der Armen hinreichend Rücksicht nimmt. Mir that es wohl eine christliche Pilgerherberge und Pilgerheimath von solcher Größe und solchem Wohlstand zu sehen. Bei einer der Kapellen des Klosters wird die Stätte, da Christus vor Hannas den Hohenpriester geführt war, in einer andern Kirche die der Enthauptung des Apostels Jacobus verehrt.

In der großen Kirche verweilten wir mit besondrer Aufmerksamkeit. Ihre innren Reperaturen und Ausschmückungen waren erst vor Kurzem vollendet, namentlich die Malereien, die ein Armenischer Künstler gefertigt hat. Ich hätte Manchen meiner Europäischen Landsleute an meine Seite gewünscht, welcher sich die Anfänge und die Entwicklung der Kunst etwa so wie die eines Handwerkes oder wie die Fertigkeit im Blasrohrschießen denkt. Hier in dem reichen Kloster der Armenier sind dem Kindheitszustande der Kunst dieselben äußren Hülfsmittel geboten wie einst in den ersten Jahrhunderten der christlichen Herrscherreiche, ja wie in den reichsten Zeiten der Italiänischen und Niederrheinischen Freistaaten. Und dennoch wird man in all' diesen überreich mit Gold belegten, in die theuersten Farben gekleideten Bildern des Armenischen Künstlers vergeblich auch nur nach einem einzigen, entferntesten Zuge jenes geistigen Lebens suchen, welche die christliche Kunst der frühesten Jahrhunderte, lange vor Cimabue, so oft ihren Werken aufgeprägt hat. Wenn jener gute Mann, der die Armenische Kirche neu bemahlt hat, ja wenn eine ganze Schule von seines Gleichen Jahrhunderte lang auf solchem Grunde fortbauete und dabei die Fertigkeit im Zeichnen und Farbengeben bis aufs Höchste brächte, würden dennoch ihre Arbeiten als etwas kraft- und wesenloses erscheinen, so lange nicht jene Kraft der Begeisterung und des innren Lebens zurückkehrte, welche auch zu solchem Werke die Meister der alten Zeiten regte und bewegte.

Wir traten jetzt hinaus ins Freie, vor das Zionsthor, auf die Höhe des Berges Zion, auf welcher das Haus eine Stätte hatte, in welchem der Herr das Abendmahl stiftete. Die Sonne brach durch das Gewölk hindurch, aus dem sich kurz vorher ein leichter Regen ergossen hatte; das Grün der Felder und der Bäume glänzte erfrischter und kräftiger. Man zeigt auf dem Zion das »Haus des Kaiphas« das an jenen großen Augenblick erinnert, in welchem Christus, Er, der künftige Richter aller Geschlechter der Erde, vor dem Gericht der Sünder stund, und mitten in Schmach und Banden sich bekannte als den Sohn Gottes, sitzend einst, zu der Rechten der Kraft. Die Armenier haben die Stätte des Hohenpriesterhaußes mit einer »Kirche des Erlösers« überbaut, während die Türken an die Stätte jenes Haußes, da Er, der wahre Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks sein hohepriesterliches Gebet sprach, eine Moschee gestellt haben. Der Eintritt in den Saal des Abendmahles ist gegen eine kleine Abgabe an den Türkischen Thürhüter jedem Fremden gestattet; dagegen ist der Zutritt namentlich zu den unterirdische Gewölben, welche die Sage für die Gräber Davids und mehrerer der ältesten Könige Juda's erklärt, selbst den Mohamedanern sehr erschwert. Der Christ verweilt indeß gern in den oberen Räumen die von einem Lichte der heiligsten Tage Jerusalems beleuchtet sind; denn in demselben Hauße, in welchem durch das Geheimniß des Abendmahles die arme Natur des Menschen des Göttlichen theilhaftig geworden, waren die Apostel am Tage der Pfingsten einmüthig bei einander, als jenes Brausen vom Himmel geschahe, gleich eines gewaltigen Windes und das ganze Haus erfüllete; als ausgegossen ward über sie Alle der Geist des Herrn. Schon damals waren außer den eilf Jüngern auch die heiligen Frauen »und Maria die Mutter Jesu, und seine Brüder«[171] hier versammelt gewesen in Gebet und Flehen, bis zur Stunde der großen Vollendung der Verheißungen. Die Ueberlieferung der christlichen Jahrhunderte läßt jedoch dieselbe Stätte noch einmal zu einem Orte des einmüthigen Beisammenseyns in der Stunde einer andern Vollendung werden; denn hier soll sie, die Erkohrene der Frauen gestorben, in der Nähe des Haußes nach Jesu Tod und Himmelfahrt ihre Wohnung gewesen seyn. Klopstock in seinem Mesias muß die Sage von dieser Wohnung des Friedens in der Nähe der Stadtmauer, von wo auch der Weg gen Emmaus in seinem Anfange überblickt wird, vor Augen gehabt haben; ich gedachte hier gern der Gesänge der Sionitin, obgleich kein Saitenspiel der Erde die Töne des Liedes nachzuhallen vermag, das dort auf Zion in der Seele des Pilgers erwacht.

Als nach den Zeiten der Kreuzzüge auch das letzte, mit vielem Blut erkaufte Flecklein des heiligen Landes den Christen wieder entrissen war; als der Weg des Pilgers nach Jerusalem und dem Jordan, so wie der Aufenthalt in der einst werthen Stadt den meisten Christen wie ein sichrer Gang zum Tode erschien; da wohnte hier auf dem Zion, mitten unter den Trümmern, ein wehrloses Häuflein der Jünger des heiligen Franziskus, das in seinem armen Hauße die Pilgrime, die den Zug noch wagten, aufnahm und ihrer pflegte. Schon einmal hatte man diese Herbergsväter der Lateinischen Pilger von ihrem Obdach vertrieben, da bewohnten sie lange Zeit die Felsengrotten, die am Abhange des Felsens, dem Blutacker (Hackeldema) gegenüber liegen. Im Jahr 1561 nahmen ihnen die Türken das Kloster und die uralte Christenkirche des Coenaculums gänzlich, und die armen Väter haben seitdem an dem Zion kein andres Recht mehr als da ihre Todten, auf dem alten Kirchhof der Lateiner zu bestatten. Nicht weit davon haben die Armenier ihren Gottesacker, gegen die Stätte vom Haus der Maria hin.

Von der Anhöhe des Zion steigen wir über die Felder, aus deren Erdreich sehr häufig die Trümmer der vormaligen Stadt hervorblicken, hinab nach der Gegend in welcher die Wasserleitung aus Salomons Brunnen, jenseits Bethlehem ihren Verlauf (durch irdene Röhren) hin nach dem Morija nimmt; dem Sammelpunkte vieler unterirdischer Zuströmungen. Auf unsrem Wege, in der Ebene der Wasserleitung gegen die Mauern der Stadt, kamen wir an jener Felsengrotte vorüber, welche von der Ueberlieferung als die Stätte bezeichnet wird, da Petrus die Untreue seines sonst so feurigen Herzens bitterlich beweinte.

Eine Regenwolke die über Gihons Berg herabzog fieng an sich zu ergießen; uns wäre dieses keine Nöthigung zur Heimkehr gewesen, wohl aber war sie es unserm besorgten Führer, der uns versicherte, daß Fremden, die des hiesigen Klimas noch ungewohnt seyen, ein so plötzliches Naßwerden durch Regen öfters Erkrankungen brächte. Wir eilten nach dem Zionsthore und fanden am Eingang zum großen Garten der Armenier ein Obdach. Doch nach wenig Minuten war der Regen vergangen und die Sonne schien wieder klar und hell. Unter den Thorhallen des Klosters sahen wir noch die buntfarbigen Schaaren der Armenier und ihrer verschleierten Frauen, welche da die kleinen Kunstwerke der Stadt: Kruzifixe und Paternoster, auch Kleidungsstücke und Eßwaaren kauften und verkauften. Eine Familie mit vielen Kindern, welche eben erst eingewandert zu seyn schien in die Stadt, erquickte sich an der Ruhe und dem Genuß des frischen Brodes und Wassers; wir aber am Anblick so vieler still vergnügter Gesichter.

Der Sonnabend Nachmittag ist für mich von jeher der Anfang des Sabbathes; eine Zeit des Ausruhens und der Stille; er war mir dieß in Jerusalem in ganz besondrem Maße. Zuerst ein Stillstehen auf meinem Lieblingsplätzlein, jenseit des Bogens des Ecce homo und der Trümmer der Antoniaburg, auf dem Hügel des Schuttes innerhalb dem Stephansthore. Mehrere der Begleiter hatten diese Aussicht auf den nahen Morija und über die Häußer der Stadt hin noch nicht gekannt; ihnen zeigte ich sie heute. In dem jetzigen Jerusalem läuten keine Glocken den morgenden Sonntag ein, der Wechsel der einzelnen Stunden und Wochen hat hier keine Stimme; man darf den Ausrufer der Zeiten des Gebetes dort am Minaret neben der Moschee des Morija nicht fragen: wann werden wohl die Tage enden, während denen das innre Chor des Tempels, der freilich nur im Abbild uns sichtbar ist, dahingegeben ward den Heiden, daß sie ihn zertreten zwei und vierzig Monden lang?

Zum Thore des Ostens hinaus giengen wir jetzt hinab gegen den Garten Gethsemane; die Begleiter verweilten im Thal und Bette des Kidron, die Hausfrau und mich verlangte es den Vorabend des Sabbathes auf dem Oelberg zu feiern. Selbst die Wüste und der öde Fels waren durch den heutigen Regen getränkt mit Strömen der Lust und des Wohlgefallens, noch mehr aber der grünende Teppich des Oelberges. Mich wandelte, als ich da hinanstieg gegen den Gipfel ein ähnliches Gefühl an, wie etwa sonst an einem Himmelfahrtsabend des lieben, christlichen Vaterlandes, wenn die Kräfte des angehenden Sommers den grünenden Hügel anrühren, daß aus Wald und Gebüsch ein Regen des Blüthenstaubes sich ergießet und das Feld der blühenden Aehren seinen Duft giebt. Wenn ich in der theuren Heimath zuweilen an einem solchen Vorabend des Himmelfahrtstages, den Fußtritten eines eben vorübergezogenen Gewitters nachgieng, und die Donner im Wald und Gebirge schwiegen; aus dem Thale stieg wie von einem Altar, dessen Opfer eben vollendet ward, ein leichter Hauch des Wasserdampfes auf; wenn dann in meinem Innren, zugleich mit den Blumen des Feldes, die arme Lilie des Thales sich aufthat, die ein Gärtner vor langer Zeit dahin pflanzte und seitdem treulich pflegt, da sehnte ich mich oft nach deinem Anblick du Oelberg, nach deinem Anblick mit eignen, leiblichen Augen, nach deiner Berührung mit eigner, leiblicher Hand, und nun darf ich dich sehen und anrühren.

Wir traten heute nicht in das Innre der Auffahrtskirche, welches verschlossen schien, sondern nur auf die Felsenaltane der freien Höhe mit ihrer Aussicht nach dem Pisga und Jordan, in Josaphatsthal wie über die Stadt »des großen Königes;« denn diesen Tempel darf keine Menschenhand verschließen. Vorüber an den Gräbern der Propheten, am dritten (südlichsten) Höhenpunkt des Oelberges, den Salomo »aus Liebe zu den fremden Frauen« zu einem Berg des Aergernisses für sein ganzes Volk und für alle künftige Zeiten entstellte, nachdem wir da die gefallenen Säulen und Cisternenartigen Grüfte betrachtet, stiegen wir hinab nach dem Thale Josaphat. Dem Thale des Ernstes und der Stille, in welchem es, so schien es wenigstens mir, der Seele des Pilgrims und Fremdlings auf Erden zu jeder Zeit leichter werden müßte denn anderwärts, den reinen Grundton ihres Innren wieder zu finden, und dem verstimmten Instrument des Herzens den verlorenen Wohllaut wieder zu geben. Wir und unsre Begleiter fanden uns da mit dem eifrig zeichnenden Maler Bernatz zusammen. Die Schatten aber des Morija breiteten ihre Flügel immer weiter über den Abhang des Oelbergs hinüber; es war Zeit an den Eingang ins Thor zu denken, damit uns dieses nicht für die ganze nächste Nacht verschlossen würde.

Mehr als bei jedem andern früheren Tage (doch der spätern gab es noch einige welche diesem wenigstens glichen) möchte ich vor der Beschreibung des ersten Sonntages in Jerusalem meine Leser fragen: wer wohl von ihnen schon in Jerusalem, wer in Bethanien war? Ich meine nicht gerade mit dem äußren, leiblichen, sondern mit dem innren Menschen. Denn an solche Orte, welche uns, wenn wir sie nun leiblich betreten, noch mitten in der Zeit einen rechten Vorschmack gewähren sollen von dem Seyn im Heim der Ewigkeit, muß schon der Geist vorausgegangen seyn und Wohnung da gemacht haben. Auch ich war im Geiste schon oft in Bethanien gewesen, bei den Seelen, die der Herr lieb hatte, darum bewegte mich der leibliche Anblick mit so unbeschreiblicher Gewalt; mir kamen, schon beim Hineintreten in das Thal, wie eine Schaar guter Engel, jene Stunden entgegen, die ich im Geiste hier verlebt hatte.

Wir hatten uns am Morgen mit einer Gemeinde der Christen zur Freude an dem Herrn und an Seinem Namen versammlet; dann in der Grabeskirche bei Gethsemane an der Andacht der Mitpilger erbaut. Die Ueberlieferung der ersten Jahrhunderte, und wem sollte sie, der das Bewegen einer Mutterliebe versteht, die über alle Liebe der andern Mütter der Erde war, nicht ehrwürdig seyn, erzählt, daß sich »Maria, die Mutter Jesu« die Nähe der Stätte, da Christus, bei Gethsemanes Felsen den Kampf mit dem Tode kämpfte, zur Ruhe des Grabes erlesen habe. Die Kirche die hier steht, großentheils unterirdisch, erinnert an den letzten Schlummer der Auserwählten der Frauen, wie des treuen Pflegvaters Joseph, und Joachims und Annas. Aus dieser Grabeskirche, in welcher selbst die Türken ihre eigenen Gebetsstätten haben, wendeten wir uns zum Wege, neben dem Kidronthale hin, nach Bethanien, in welchem Lazarus wohnte mit Maria und Martha, seinen Schwestern. Der Weg, es ist derselbe, der, wie ich später erfuhr, zu der Gegend von Jericho führt, durchschneidet jene Thalschlucht die vom Kidron am südlichen Abhange des Oelberges hinansteigt nach der vormaligen Stätte von Bethphage. Hier stehen Häußer, von Bäumen umgeben; wir hielten jene schon für Bethanien, von einigen uns begegnenden Pilgrimen aber belehrt, setzten wir, nach kurzer Ruhe, unsre Füße weiter. Nur noch eine kleine Anhöhe war zu ersteigen, da sahen wir links vom Wege das Dörflein, das selbst noch in seiner jetzigen Gestalt als einer der lieblichsten Orte des Landes erscheint. Es liegt seitwärts von der Heerstraße, im Schutze der Berge, umgeben von hohen Bäumen, die gegen Westen hin einen Wald der Gärten bilden. In ihrem dichten Schatten grünen der Fels und die Haufen der Trümmer. Da, wo wir nahe bei der Straße, welche nach Jericho führt, im Schatten eines Baumes stunden und hineinblickten in das Dorf der Gärten, weilte vielleicht der Herr, als Martha ihm entgegen eilte und dem zu spät gekommnen Helfer die Worte eines Glaubens zurief, welcher in der Prüfung treu geblieben war[172]. Freilich gleichet das zertrümmerte Gemäuer, das wie man glaubt zu Lazarus Hauße gehörte, selber schon einem Todtenmahle, und noch mehr soll die tiefe Felsenkammer[173], in die man nahe bei der kleinen Moschee den Pilgrim, als zu »Lazarus Grabe« hinabführt, diesen mit Gedanken an den Tod erfüllen, aber dieser Gedanke hat hier eine andre Gestalt gewonnen als seine gewöhnliche ist. Denn in Bethanien war es ja, wo der Erlöser aus des Todes Nacht und Banden als Sieger auf dem Staube des Grabes stund, und sich kund gab als die Auferstehung und das Leben[174], auch ist nur ein kurzer Weg aus dem Thale hinan zu dem Hügel des Triumphes und der Auferstehung.

Diesem armen Dörflein muß noch jetzt ein Reiz innenwohnen der es zu einem Lieblingsort der fremden Pilgrime macht. An keinem andren Orte der Umgegend von Jerusalem sahen wir so viele Wallfahrter aus den verschiedensten Gegenden des Morgenlandes einträchtiglich versammlet als hier. Im Schatten der Bäume und Felsen saßen Eltern und Kinder, Freunde bei Freunden, oder auch Unbekannte bei Unbekannten und genoßen die leiblichen Erquickungen, die ihnen das kleine Arabische Dorf zu ihrem Mittagsmahle bieten konnte. Wir giengen den Fußweg nach dem Oelberg hinauf. Der krank aussehende Jüngling, welcher neben dem vom Alter gebeugten Greise, abgesondert von den andern Pilgrimen, im Schatten eines Wallnußbaumes ruhete, sollte er uns vielleicht an jenes Krankseyn vor Liebe erinnern, von welchem ein heiliges Buch redet? In der That, hier an diesem Orte, wo das Andenken an das Geschehene Ihn, den Freund der Freunde, in einer so nahe erfaßbaren Gemeinschaft mit den Menschen erblickt, die Er lieb hatte[175], wäre die Anwandlung eines solchen Krankseyns leicht möglich. Ja, »wer ist dein Freund, o Menschenseele; wer ist dein Freund vor andern Freunden, daß du ihn so ersehnest?« Der Name meines Freundes ist eine ausgeschüttete Salbe, die das Sterbende belebt; Seine Liebe ist besser denn des Lebens Lust; mächtiger denn des Todes Schmerz; Er ist der Freude Quell, des Lebens Brunn, ein Fels daran das Sehnen auf immer ruht, denn siehe in Ihm ist Alles, »was man je begehrt. Ein solcher ist mein Freund; mein Freund ist ein solcher, ihr Töchter Jerusalems.«

Der Anblick einer alten, verfallenen Ritterburg, in deren Mauern einst große, gute Helden bei den Ihrigen ausruheten von des Kampfes Mühe, und Kräfte sammleten zu neuen Kämpfen, hat für den Wandrer, der unten im Thale, am Bache vorbeigeht und hinaufschaut nach den Trümmern, etwas Rührendes; wie sollte es nicht viel mehr der Anblick von Bethaniens alten Gemäuern für den Pilger haben, der aus dem Thale hinaufsteigt gegen den Oelberg. Die Stunden des Ausruhens in Lazarus und Marthas und Marias Hauße, dort unten am Fuße des Hügels, sind längst vorübergezogen, die Liebe aber, die sich da zu dem Geschlecht der sterblichen Menschen gesellte, wohnet noch immer über dem Thale wie über den Hügeln; denn sie gründet tiefer als die Tiefe, spannet höher als die Höhe und ist bleibender denn Thal und Hügel.

Wenn man von Bethanien hinansteigt, den nächsten, geradesten Weg nach Jerusalem, der über die Mitte des Oelberges führt, kommt man über einen schmalen Bergrücken, der den Hügel von Bethanien mit dem Oelberg verbindet. Zu seiner Rechten wie zur Linken senkt sich der Abhang nach den Nachbarthälern hinab. Hier an diesem Bergsattel lag Bethphage; aus seinem von der ursprünglichen Stätte ganz verschwundnen, oder mit Gras bewachsnen Trümmern ist vielleicht ein Theil der steinernen Hütten der Araber erbaut, die sich, wie Schwalbennester im Vorhofe eines Tempels, unterhalb der Auffahrtskirche angesetzt haben. Es war fast Mittag da wir auf der Höhe aller Höhen ausruheten. Ein andres Ausruhen ist freilich das auf dem Oelberg, an einem Frühlingstage, im Anblick von Josaphatsthal und von Jerusalem, als jedes, noch so leiblich erquickende auf einer blumenreichen Alpenwiese, von der man hinabschaut nach dem See und den grünenden Auen; dennoch wird noch ein seligeres Ausruhen seyn, das den Pilgrim und Fremdling der Erde, wenn er den rechten Weg dahin fand, auf einer Höhe des mühsamen Ansteigens erwartet, von welcher jenes Jerusalem geschauet wird, das nicht irdisch sondern himmlisch ist.

Auch im Pilgerhauße, bei unsern Freunden, ruhte es sich gut. Am Nachmittag machten wir uns, mit den Reisegefährten vereint, auf den Weg nach der südwärts gelegnen Umgegend der Stadt. Wir hatten zuerst bei dem sogenannten Teiche des Ezechias verweilt. Dieser ist eine Cisterne, welche in ihrem festgemauerten Behältniß andres nichts denn Regenwasser aufnimmt und nach unten keinen Abfluß, von oben her keinen andren Zufluß hat als den vom Regen. Das Wasser war mit grünlichen Conferven bedeckt; an seinem niedern Stande konnte man erkennen, daß in diesem Jahre der Frühlingsregen sparsamer geflossen war denn sonst. Neben dem Teiche zeigen sich die Lauben und Hallen eines Türkischen Kaffeehauses.

Wir sollten heute ein lebendigeres, frischeres Wasser sehen als das der Cisternen; unser Weg gieng nach dem in vielfachem Sinne wunderbar zu nennenden Quell Siloahs, im Süden der Stadt. Hinaus zum Stephansthore, dann an Gethsemane vorüber nahmen wir unsre Richtung über die Grabstätten der Juden nahe bei jenem Felsen, da nach der Sage Judas Ischarioth sich erhieng, nach dem armseligen Dörflein Siloah. Seine Hütten und überbauten Höhlenkammern sind von Arabern bewohnt; der schmale Weg neben den Wohnungen beugt sich bald aufwärts am steilen Abhange, bald wieder abwärts. Jenseit des Dorfes und südwärts von ihm, im Kidronthale ist die vermuthliche Stätte, an welcher dem Moloch ein Altar gebaut war, bei dem Israëls weit verirrte, abtrünnige Väter ihre Kinder durchs Feuer gehen ließen; noch mehr südwärts findet sich der mehr denn hundert Fuß tiefe Brunnen des Nehemia, der in der Zeit des Herbstregens überschwillt; in seiner Nähe sind gemauerte, teichartige Wasserbehältnisse, die jetzt ohne Wasser waren. Hier ist der Punkt wo das Thal des Kidron und des Gihon sich vereinen. Wir wendeten uns wieder aufwärts gen Norden; zu unsrer Linken, am Felsenabhange Ben Hinnom, nahe bei dem Todtenacker der Pilgrime blieben uns die Grabeshöhlen mit Spuren alter Malereien an ihren Wänden. Noch weiter aufwärts an der Westseite des Kidron erlitt Jesaias der Prophet, auf Befehl des Tyrannen den Martertod, und nahe dabei waren des Königes Gärten.

Ein klares Bächlein, hier in der wasserarmen Umgegend von Jerusalem ein seltner, dem Auge wohlthuender Anblick, fließt nahe bei dem vermuthlichen Grabmahle des von Gott begeisterten Sehers vorüber. Hier waren Arabische Frauen mit Waschen beschäftigt, weiterhin aber genossen, im grünen Grase gelagert, christliche Pilgrime die Ruhe des Sonntages. Das Bächlein kommt aus dem Teiche und Quell Siloah, in jener Bergschlucht, die sich zwischen dem südwestlichsten Abhange des Morija und dem südöstlichsten des Zionberges hineinzieht. Wenn man dort auf den steinernen Stufen hinabsteigt und hier wie weiter nordwärts in der engen Felsenkluft das klare Wasser dem Fels entquellen sieht, da stehet man an dem einen, letzten Ende eines unterirdischen Baues von Jerusalem, welcher bisher den Forschungen der neueren Zeit noch unzugänglicher war als die unterirdischen Räume und verschütteten Gänge der Aegyptischen Pyramiden, obgleich er an Bedeutung den Katakomben des alten Romes nichts nachgiebt. An der südöstlichsten Ecke der Stadt, auf der für Christen so schwer erreichbaren, hochummauerten Fläche des Morija oder des jetzigen Berges der Omar-Moschee, nicht fern von jenem Felsensteine, auf welchem einst nach der Sage des Islams Mohamed sitzen wird, wenn er mit Christus die im Thale Josaphat versammelten Todten richtet, zeigt sich der Eingang zu mächtig weiten Gewölben und Gängen der Tiefe, von denen auch anderwärts unter den Trümmern der alten Stadt Spuren gefunden werden. Auch wir hörten, wie Monro[176], von jenen Gewölben unter dem Tempelberge, welche von Tausenden der Säulen getragen würden; von den Wasserbehältnissen die mit ihnen in Verbindung stehen, vor allem aber von dem zwischen der Omar- und Aksamoschee gelegnem Brunnen, in welchem lebendiges Wasser quillt. Von dem unterirdischen Jerusalem, dessen Centralpunkt zwar unter dem Tempelberg war, das aber seine Gänge nach allen Richtungen hin unter der Stadt, ja bis vor die Mauern fortsetzte, erzählen die Schriftsteller des Alterthumes[177]. Jene Bauwerke der Tiefe waren auch den späteren Jahrhunderten nicht ganz unbekannt, obgleich ihnen ein großer Theil derselben unter dem Schutt und den Trümmern verschlossen blieb[178]; erst die kleinliche Eifersucht der Türken hat es der wissenschaftlichen Forschung unmöglich gemacht in jenes Geheimniß der Tiefe einzudringen. Da bei der Belagerung der Stadt durch Titus der nahe Untergang derselben als unvermeidlich vor Augen lag, hatten ganze Schaaren der Belagerten in den unterirdischen Gängen und Gewölben der Stadt sich und ihre Schätze verborgen; unter den Versteckten war auch Simon von Gerasa, einer der Führer der Rotten; dieser war bis unter den Tempelberg gekommen, wo die Qual des Hungers ihn wieder heraustrieb ans Tageslicht, in die Hände der Feinde[179]. In der frühern Zeit jener Belagerung waren die Juden öfters durch solche unterirdische Gänge hervorgebrochen aus der Stadt und hatten die Römer, wenn diese Wasser holen wollten, bei Siloah überfallen, bis Titus die Ausgänge verstopfen ließ. Ein großer Theil der unterirdischen Gewölbe war zu Behältnissen des Wassers bestimmt, dessen Quellen Hiskia bei dem oberen Teich des Gihon (und an der Nordseite der Stadt?) in der Tiefe abgefangen und vor allem unter den Tempelberg geleitet hatte, unter welchem, in einem Umfange von fünf Stadien ein Wasserbehältniß am andern sich fand[180]. Im Tempel drang, aus Oeffnungen, welche den opfernden Priestern bekannt und durch sie wieder verschließbar waren, das Wasser, so oft diese wollten, in Menge hervor[181]. Könnte man Siloahs zuweilen reichlicher, dann wieder sparsamer fließendem Quell nachgehen bis zu den Räumen der Tiefe aus denen er hervorkömmt, dann würde man wahrscheinlich durch ihn noch jetzt zu den uralten Wasserbehältnissen unter dem Morija und von da hinan in die Felsengründe des Gihon geführt werden. Es sind dieselben Mittel gewesen, durch welche die Artesischen Brunnengräber noch jetzt ein dürres Land mit Wasser versorgen, die von den Herrschern des alten Jerusalems, namentlich von dem wahrhaft weisen Könige Hiskias angewendet wurden, als sie die Stadt innerhalb der Mauer, nach Tacitus Ausdruck, zu einem beständigen Quell des Wassers umschufen, während die Landschaft rings umher, mit Ausnahme des Abflusses am Siloah, ohne Quell und Brunnen, ein, ohne Hülfe der Stadt unbewohnter Boden ist.

So lebt die Macht und Herrlichkeit des alten Jerusalems, auch leiblich, eben so wie geistig, noch in der verborgenen Tiefe fort; dieser entquillt noch immer, auf geheimnißvollem Wege, ein lebendiges Wasser, welches die Durstenden tränkt. Und mag die Wurzel des vom Wetter zertrümmerten Baumes immerhin von Haufen des Schuttes bedeckt und begraben seyn, wenn sie nur lebt, wird sie wohl dereinst mit neuen Sprossen aus dem Grabeshügel der Trümmer hervorbrechen und dastehen vor den Augen der Völker »auserwählt wie die Sonne, schrecklich wie die Heerschaaren.« Davids Grab wie Salomons, und das Geheimniß jener Gruft, das nach einer alten Sage fortwährend noch die höchsten Heiligthümer des ersten Tempels verwahrt, werden wenigstens im geistigen Sinne sich aufthun; der Quell des Erkennens Dessen der war und ist und seyn wird, soll dann ein offener Born seyn, aus welchem alle Heiden und Völker Kräfte des Lebens schöpfen umsonst.

Wie schön war doch noch der Sonntag Abend im Thale Ben Hinnom, das wie ein Feld des Auferstehens fröhlich grünte und blühete. Schaaren der Pilgrime, mit ihnen die weißgekleideten, verschleierten Frauen und Jungfrauen zogen mit uns hinan zum Thore. Dieses waren die äußren, sichtbaren Begleiter. Die innren aber und unsichtbaren, welche die Seele heute mit sich hineinnahm in das Schweigen und Ausruhen der Abendstunden, das waren Bewegungen und Gefühle wie sie, in solcher Art und Gestalt nur ein Frühlingssonntag in Bethanien und Ben Hinnoms Thale wecken kann.

Der Morgen am Montag, den dritten April, hauchte kühl über die Berge her; selbst nach Sonnenaufgang zeigte das Thermometer nur 6 Grad Reaumur. Bald aber wachte über Zion der Frühling mit seiner belebenden Wärme wieder auf; wir begaben uns hinaus zum Damaskusthore, nach der nördlichen Umgegend der Stadt. Ein kleiner Flug von Aasgeiern (wir sahen diese »Adler« öfters über Jerusalem und seine Nachbarhügel versammlet) schwebte über die Trümmerhaufen nach Süden hin; diese Befreundete des Todes und der Verwesung finden da fortwährend eine Fülle des Todten und Erstorbenen. Und nicht jener Vogel der Leichname allein, sondern Alles was das Auge auf der Nordseite außerhalb den Stadtmauern siehet erinnert an Zerstörung. Zwischen den Pflanzungen der Feigen-, Maulbeer- und Oelbäume, die nach dieser Seite hin häufig sind, bemerkt man ganze Haufen von aschfarbigem Schutte, wie von einer alten Brandstätte; die Mauern der Olivengärten bestehen zum Theil aus Trümmern behauener Steine und da wo der Regenbach oder eine grabende Menschenhand den Grund entblößte sieht man auch größere Werkstücke, die jedoch nur selten in ihrer ursprünglichen Lage eines auf dem andern geblieben, sondern von den vielmals wechslenden Zerstörern und Wiedererbauern der Stadt wenigstens auseinander gerissen, wenn auch nicht hinweggeschleppt sind. Denn so viel auch Byzantiner und Sarazenen, Franken und Türken an dem späteren, noch jetzt vorhandenen Jerusalem bauten, so viele Steine Omar zu seiner Moschee, Suleiman zu Mauern und Thürmen verbraucht hatten, so fanden doch beide den größten Theil dieses Baumaterials schon im innren Kreise der Stadt. Dagegen blieb von der 25 Ellen hohen und 10 Ellen dicken Mauern, von den 90 Thürmen, worunter der bedeutendste der 70 Fuß hohe Psephinus war, womit Agrippa +I.+ die hier im Norden der jetzigen Stadt weithin sich erstreckende Neustadt Bezetha an ihrem Umfange schützte, noch eine solche Menge der Steine unter dem Graus der Verwüstung liegen, daß, wenn man sie ausgrübe der Stoff noch zu manchem Mauernbau gefunden würde. Wie Gräber einer Zigeunerhorde, wo der Staub das verscharrte Gebein nur seicht bedeckte und von hungernden Thieren oft durchwühlt wurde, erscheinen diese unregelmäßigen, nun zu Oelgärten gewordenen Schutthügel von Bezetha.

Wir waren heute ohne Führer aus dem Kloster gegangen; ein junger Türke den wir auf dem Felde fanden und darum ansprachen, ließ sich willig finden uns nach den Gräbern der Könige und der Richter zu geleiten, wozu jedoch noch ein Andrer gewonnen werden mußte, dem als Eigenthümer des Grundstückes das Recht des Herumführens zustehet. Von dem Thurme Psephinus, welcher eine Aussicht über die Gebirge und Ebenen bis an den Saum des Mittelmeeres und an die Gränzen »Arabiens« gewährte, konnten wir keine sichre Spur entdecken. Wir hätten seine Stätte wahrscheinlich weiter westwärts von den Gräbern der Könige suchen sollen. Diese (die vermuthlichen »Königshöhlen« des Josephus) finden sich eine Viertelstunde Weges nordwärts vom Damaskusthore, ganz nahe an der Straße die nach Bir und Sichem (Naplus) führt. Man tritt zuerst in einen Vorhof der ausgehauenen Felsen, der durch eine Thür verschlossen werden kann. An der südlichen Felsenwand des Vorhofes zeigt sich eine prachtvolle Halle, mit Dorischem Frontispiz; verziert mit den halberhabenen Bildwerken der Rosen und Weinranken. Im Osten der Halle ist der Eingang zum Innren der Grabeskammern. Das Hineindringen in dieses Innre ist, wenigstens in dem Zustand in welchem wir das Bauwerk fanden, mit großer Beschwerde verbunden; wir mußten auf Händen und Füßen, auf dem Bauche liegend hineinkriechen in den ersten Saal. Unsre Türken hatten uns die mitgebrachten Lichter angezündet; sie selber bemühten sich nicht mit dem Hineinkriechen, sondern blieben, Tabak rauchend, im Hofraume sitzen. Von dem ersten, zwanzig Fuß im Gevierte messenden Saale führt eine Thüre auf bequemere Weise in eine andre Kammer, welche an ihrer Nord- und Südseite auf jeder an drei Grabeshallen gränzt. So kommt man noch in mehrere Kammern von deren oberen Reihen man an einigen Punkten hinabsteigen kann in die tiefer gelegnen. Manche Zugänge zu den untersten Theilen mögen durch die Trümmer, vielleicht auch durch Mauerwerk verborgen seyn, doch hat das Auge schon hinlängliche Beschäftigung an dem, was offen vor ihm daliegt. Die kunstreichen, halberhabenen Arbeiten der Wände, die sonderbaren zum Theil gestürzten und zerbrochnen, inwendig hohlen Säulen; die aus dem Felsenstein selber gehauenen, einen halben Fuß dicke Thüren, die ehedem, mit der Decke und dem Boden der Kammern durch eigenthümliche Angeln zusammengefügt waren und an diesen sich herumdrehen ließen, welche aber jetzt aus dieser Verbindung gerissen am Boden liegen, sind sämmtlich Gegenstände, der Beachtung werth. Von etlichen steinernen Särgen werden in einer der tieferen Kammern noch die Bruchstücke gesehen, an denen sich eine vormalige Größe derselben erkennen lässet, die das Hineinschaffen durch die engen Thüren unmöglich machte; sie mußten innerhalb der Grabeskammern aus dem Felsen selber gehauen worden seyn. Diese Grabeskammern mit allen den Werken von Stein die in ihnen enthalten sind, erinnern mich an Nichts ihnen Aehnliches das ich früher oder später auf meinen Reisen gesehen; es scheint sich in ihnen der Charakter einer andern Baukunst zu offenbaren als jene der Aegypter, der Griechen und Römer war. Doch vergleicht sie Richardson mit den alten Grabeskammern auf Malta und bei Syrakus. Auch die sogenannten Gräber der Richter (des Sanhedriums), zu denen wir nordwärts von jenen der Könige, jenseits einer kleinen Moschee kamen, tragen eine eigenthümliche (altjüdische) Form, die ihnen die Hand ihrer unbekannten Erbauer aufprägte; auch sie erinnern weder an Aegypten noch an Griechenland, eher aber an Petra. Die Eingänge zu diesen Grabeshöhlen, welche jetzt den Hirten zum Bergungsort dienen, sind am Abhange eines Hügels, in den Felsen gehauen, und lassen einen bequemen Zutritt zu.

Wir traten wieder hinaus auf die Straße von Damaskus, welche in ziemlich gerader Richtung nach Norden verläuft. Hier entließen wir unsre Führer, von denen jetzt keine weitren Aufschlüsse über die Gegend zu erwarten waren, und giengen hinaus nach der Stätte des alten Gibea Sauls oder Benjamins, welche fast anderthalb Stunden weit von der Stadt abliegt. Stünde sein Name nicht mit Schrecken erregenden Zeichen im Buch der Geschichte geschrieben, dann würde keine Kunde dieses Ortes bis zur jetzigen Zeit gekommen seyn, denn außer einer gestürzten Säule, zur Linken der Straße und außer einigen von Menschenhand behauenen Stufen, an dem allmälig ansteigenden Felsenhügel, findet sich keine Spur der Stadt. Nordwärts von der Gegend des alten Gibea zeigen sich zwei kegelförmig-spitzig ansteigende Felsenhügel, welche schon von ferne durch ihre ausgezeichnete Form dem Auge auffallen. Sie liegen nahe und fast ostwärts von dem Dorfe Schafat. Zwischen beiden Hügeln führet ein schmales, jetzt grün bewachsenes Thal hin; der eine der pyramidalen Hügel stehet in Süden, der andre in Norden des Thales. Wir bestiegen den südwärts (gegen Gibea und Jerusalem) gelegenen. Auf seiner Höhe fanden wir eine tiefe, gemauerte Cisterne und mehrere Ueberreste alter Befestigungswerke, auch am östlichen Abhange, an welchem eine durch Menschenhand geebnete Felsenplatte hervortritt, stehen alte feste Gemäuer. Die Nachbarschaft dieser beiden Hügel, die von Ost oder Westen gesehen wie die Spitzen zweier Thürme eines altgothischen Domes, oder wie die Zelte zweier Heerführer einander gegenüberstehen, ist sehr bedeutungsvoll. Hier in Süden erscheint Gibeas Stätte wie ein verödetes Feld, über welches der Eroberer seinen Pflug gezogen hat; dort in Nordwest blicket von der waldbewachsnen Höhe Rama Samuelis mit majestätischem Ernst hernieder; in Norden öffnet sich das Felsenthal von Michmas; im Kreise der hohen Bäume, einladend zu ihrem Schatten, liegt in West zum Süd das freundliche Schafat.

Während wir auf dem Hügel stunden kam ein großer, für diese Gegend ungewöhnlich schöner Hirtenhund von der Heerde aus dem grünenden Zwischenthal und nahete sich der Cisterne, in der man in großer Tiefe Wasser bemerken konnte. Das arme Thier lief ängstlich an dem Mauernrand des Wasserbehältnisses hin und roch hinab zum Wasser, es sahe uns, wie Hülfe flehend an; wir aber hätten selber kein Mittel gewußt etwas zu schöpfen. Wahrscheinlich haben die Hirten der Nachbarschaft irgendwo im Felsen einen Schöpfeimer mit seinem Seile verborgen, dessen sie sich nach Bedürfniß bedienen; die nächste Umgegend aber, dies bewies das hier wohlbekannte, durstende Thier ist ohne Bach und Quell.

Bei der Lage der beiden zuckerhutförmigen Felsenhügel hier zwischen Gibea und Michmas war es uns nicht ganz zu verdenken, wenn wir an die zween spitzigen Felsen Bozez und Senne dachten, welche Jonathans Heldenthat im Buch der Geschichte Israëls verherrlichte[182]. Die Philister diesseits dem Engthale von Michmas (von welchem wir später reden werden) hatten sich auf dem nördlichen Blachfeld gelagert, das durch das seichte Thal zwischen den beiden Hügeln von Gibeas Fläche abgegränzt ist und die Warte ihres Lagers stund auf dem nördlichen Felsenhügel. Darum konnten die Wächter zu Gibea Benjamin es sehen, daß der Haufe der Feinde zerrann und zerschmissen ward[183].

Einige der jungen Freunde schlugen ihren Weg ostwärts, nach der Gegend ein, von welcher der Winterstrom des Kidron seinen Lauf nimmt, ich, von Herrn Mühlenhof begleitet, nachdem ich noch vergeblich mich bemüht hatte einige deutliche Spuren von Gibea Benjamin aufzufinden (denn die Trümmer von behauenen Steinen in einem benachbarten Felde konnten nicht als solche deutliche Spuren gelten) schlug den geraden Weg nach der Stadt ein. Auch von Anathoth dem Geburtsort des Jeremias, der nach Hieronymus etwa eine Stunde Weges von Jerusalem in Norden lag[184], deutet kaum ein zurückgebliebenes Gemäuer die Stätte an.

Bei Gelegenheit eines Besuches, den wir am Nachmittag unsren Landsleuten, den Deutschen Juden machten, versuchte ich es zum ersten Male etwas weiter gegen Morija, an den Platz der Omar- und Aksamoschee vorzudringen und auch ostwärts von der Citadelle unter den zum Theil mit Gärten bepflanzten Trümmerhaufen die Stätte der beiden mächtigen Thürme der innren Mauer: Phasaëlus und Mariamne aufzusuchen. Der Weg der letzteren Forschungen hat keine Schwierigkeit, wenn er auch heute mich nur zu wenig sichren Wahrnehmungen führte. Auch zu jenen Trümmerhaufen und alten Gemäuern, welche in den Höfen und Gärten der Türkischen Häußer liegen, öffnet ein freundliches Wort oder ein kleines Trinkgeld den Zugang. Ungleich mehr jedoch ist die Annäherung an den Platz der Omarmoschee erschwert. Ich war heute ganz allein, denn so glaubte ich würde ich weniger gehindert seyn, bis in den bedeckten Gang vorzudringen, der auf Siebers Karte von Jerusalem als Xystus bezeichnet, auf Catherwoods Grundriß jedoch als bedeckter Bazar (unter +q+) benannt ist. Hier hatte ich das wahrhaft prachtvolle Gebäude der Omarmoschee unmittelbar und ganz nahe vor Augen. Einige Aegyptische Soldaten, die mir dort begegneten, ließen mich ruhig meines Weges gehen, schon war ich, nach meinem Bedünken bis jenseits der Hälfte des Ganges gekommen, da traf ich auf einige Türken, unter denen ein ältlicher, der seiner Kleidung nach von vornehmeren Stande war, mir zuwinkte, ich solle umkehren. Ich blieb stehen bis jene an mich kamen, da bedeutete er mich nochmals, mit großer Freundlichkeit, daß es Christen nicht erlaubt sey diesen Weg zu gehen. So kehrte ich denn für heute um, betrachtete jedoch, denn dieß wehrte mir niemand, lange stillstehend, vom Eingang der bedeckten Hallen aus und durch sie hindurch die Stätte da einst Jehovas Herrlichkeit thronte.

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Dienstags den vierten April führte uns der freundliche Pater Vicar abermals zu mehreren, bisher noch nicht gesehenen Merkwürdigkeiten der Stadt. Zuerst zu dem alten Gemäuer eines schmutzigen, von Arabern bewohnten Haußes, in welchem den Pilgrimen das Gefängniß gezeigt wird, da Petrus zwischen zwei Kriegsknechten an Ketten gebunden lag, und aus welchem der Engel des Herrn, die Ketten lösend und die eiserne Thür öffnend ihn hinausführte[185]. In dem Kloster der Kopten, das wir von hier aus besuchten, sieht es etwas ärmlich aus. Nicht ohne besondre Theilnahme betrachtet der Pilgrim aus den christlichen Ländern des Westens die Ueberreste des nahe an der Ostseite der heiligen Grabeskirche gelegenen, alten, ehrwürdigen Haußes der Johanniterritter. Unter den dickstämmigen Feigenbäumen erhebt sich das zerrissene Gemäuer des vormaligen Glockenthurmes, dessen längst verstummte Glocken, an denen keine Hand des Feindes sich vergriff, seit Jahrhunderten unter den Trümmern und Schutt vergraben liegen. Das Armenhaus der Lateiner macht durch seine Reinlichkeit, durch die verständige Anordnung seiner Pfleganstalten und den Fleiß seiner jüngeren Bewohner einen freundlichen Eindruck. Von noch andrer Art mag freilich jener gewesen seyn, den ein Pilgrim der früheren Jahrhunderte empfand, wenn er die Pilgerherberge und das Hospital betrat, welche die Kaiserin Helena zur Aufnahme und Pflege der nach Jerusalem kommenden christlichen Fremdlinge erbauen, und mit dem Nöthigen ausstatten ließ. Die gewesene Pilgerherberge liegt innerhalb, das Hospital nordöstlich außerhalb dem jetzigen Bazar der Stadt, und das letztere ist seit mehreren Jahrhunderten zu einem Verpflegungshauße der armen Türken geworden, die, gleich den Christen, ein Zug der Verehrung zu der heiligen Stätte hieher führt, an welcher der Tempel stehet, »da Dem, welcher in seinen Hallen betet, eine Gewährung Dessen zugesagt ist, das er bittet[186].« Wir sahen in den unteren Räumen mehrere große, metallene Kessel, davon der eine von uns gemessene gegen fünf Fuß im Durchmesser hatte; diese und andre Geräthschaften sollen noch ein Vermächtniß der mütterlichen Vorsorge der frommen Kaiserin für die Armen und Hungernden seyn. Die Türken, welche da am Boden saßen, und auf die Mahlzeit, die man eben bereitete, warteten, schienen beides zu seyn, und die jetzigen Miethleute des Haußes bewahren ja vielleicht nur, mit ehrenwerther Sorgfalt, das anvertraute Gut den rechtmäßigen, jetzt aber in einem Untersuchungsprozeß der Schulden begriffenen Erben auf. Wir kletterten nach allen Richtungen auf dem alten Gemäuer des großentheils leer stehenden, mächtig großen Gebäudes herum, und erfreuten uns namentlich an dem Anblick von Tauben, mit rosenrothem Gefieder des Halses und der Brust, welche in den Löchern der Mauern nisten.

Von dem Gebäude des Spitales brachte unser Führer durch eine Seitengasse uns herüber nach der via dolorosa. Ich bewunderte öfters die Weisheit, mit welcher der wohlunterrichtete Mann uns Fremdlinge auf einzelne Sehenswürdigkeiten hinwies. Dort, so sprach er, bei dem bunt bemahlten Hauße, haben unsre Väter an das Haus des reichen Prassers und des armen Lazarus gedacht; hier, sagen Einige, soll der Pallast des Herodes gestanden seyn. An der angeblichen Stätte des letzteren vorbei giengen wir hinan zu jenem Hauße, bei welchem man den Pilgrim, als sey er hier unter dem vormaligen Obdache Simon des Pharisäers, der den Herrn bat, daß er mit ihm äße, an die rührend schöne Geschichte der Sünderin, Maria Magdalena erinnert, welche Seine Füße mit ihren Thränen netzte, mit ihrem Haare trocknete, dann salbete mit Salben und von Ihm, dem Herzenskündiger Vergebung empfieng, so wie die Fülle des seligsten Friedens[187]. Das Haus, mit der längst verfallenen Magdalenenkapelle ist jetzt im Besitz eines arbeitsamen Türken, der die Andacht der Christen in seinem Hauße gerne zuläßt und duldet.

Wir näherten uns hierauf bei dem Besuch einer alten christlichen St. Johanniskirche, in deren oberen Stockwerk Korn aufgehäuft lag, den Mauern der Stadt, deren Zinnen wir weiterhin auch betraten. Die Aussicht über die Stadt und ihre Umgegend ist an einem der nachbarlichen Punkte sehr beachtenswerth. Von hier, an der Mauer hin, zum Damaskusthore hinaus, besuchten wir die »Grotte des Jeremias,« eine Felsenhalle von 70 Fuß Länge und Breite, bei einer Höhe von 40 Fuß. Das Felsendach wird durch einige mächtige Säulen getragen; vor der Grotte hat sich der jetzige Türkische Besitzer in dem verschlossenen Garten wie es scheint eine Familiengrabstätte angelegt. Das ganze Aussehen, sowohl der sogenannten Jeremiasgrotte als mancher andrer benachbarter Eintiefung in die Felsenwände lässet auf eine künstliche Entstehung durch die Menschenhand schließen. Hier und noch mehr am Gihon und in seinem Thale scheinen die meisten jener Steinbrüche gewesen zu seyn, aus denen die Bauleute des ältesten Jerusalems ihre so oft aus einander gerissenen und neu zusammengefügten Bausteine entnahmen.

Auf dem Hügel, jenseits der Jeremiasgrotte, wird die Stadt von der Nordseite in ihrer ganzen Ausdehnung überblickt. Nicht fern von hier, so erzählt die Sage, war der Ort wo der Hohepriester Jaddus in hohenpriesterlichen Gewand, hinter ihm der Zug der andren Priester in weißen Kleidern Alexander dem Großen, der gekommen war die Stadt zu züchtigen, entgegentraten. Und siehe der große König, welcher, ohne dieß zu wissen, auch durch sein Tagwerk, dem König der Könige den Weg bahnen sollte[188], ward bei dem Anblick tief erschüttert. Denn zu Dium in Macedonien war der Hohepriester, so wie ihn jetzt das wache Auge sahe, dem Alexander im Traumgesicht erschienen, hatte ihn zum Beginn des Heldenlaufes nach Asien ermahnt und den Sieg verheißen. Und der »Welteroberer,« der vor keiner Macht der Welt sich gebeugt, neigte sich hier voll Ehrfurcht vor einer Gewalt, die im Verborgenen die Geschichten der Völker und ihrer Reiche lenkt und führet[189]. So waltete ein Schrecken von Gott über deinen Mauern Jerusalem, der nicht Sanheribs Macht allein, sondern die aller deiner Feinde hinwegscheuchte, so lange noch in dir Treue wohnten und Glauben, nach Jehovahs Bunde. Du, vor allen Städten der Erde, solltest den Völkern es bezeugen was ein Volk sey und vermöge, dem der Herr sein Gott ist und was aus demselben werde, wenn es seinen Fels verlassen und wenn Jehovahs Schutz und Aufsehen von ihm gewichen.

Auf dem Rückwege erzählte uns unser Führer noch Einiges von den Begebenheiten des letzten Aufstandes der Araber gegen Ibrahim Pascha. Der damalige Gouverneur war ein Sohn des Anführers der feindlichen Haufen; auf sein Anstiften wurden diese bei Nacht durch das Stephansthor eingelassen, später gab man vor sie seyen durch alte, unterirdische Gänge hineingekommen. Das damalige Benehmen des Landvolkes der Umgegend, so wie der mohamedanischen Bewohner der Stadt gegen die hiesigen Fränkischen Christen gab einen Beweis von der Achtung und Liebe, welche diese, weder durch Gaben noch durch Ansehen, sondern bloß durch die stille Gewalt ihres Benehmens bei den jetzigen Bewohnern Palästinas sich erworben haben.

Die späteren Stunden des Tages brachte ich an der Ostseite der Stadt zu, anfangs allein, dann innerhalb dem Stephansthore, an meinem Lieblingsplatze (nach S. 527) in der Gesellschaft des hier zeichnenden Maler Bernatz. Mein Auge ruhete bald am Oelberge, bald auf Morija und auf der Gihonshöhe mit ihrem Tempel. Die erste Woche in Jerusalem gieng eben jetzt zu Ende; mir war es als hätte ich schon seit Jahren hier gewohnt und die Sonne aufgehen sehen über dem Oelberge, untergehen über dem Gihon. Ich war an der kleinen, steinernen Treppe hinangestiegen zu einem der niedreren Thürme der Mauer, aus dessen Lücke ich hinabschauen konnte nach dem im abendlichen Schatten ruhenden Gethsemane. Ein Gefühl des Friedens durchdrang meine Seele, es war als wollte der Gedanke in mir laut werden: »hier sey deine Heimath.« Da tönten mir lauter als jener Gedanke die Worte eines Liedes des seligen Terstegen in mein innres Ohr:

»Noch weiter« heißt des Christen Losungswort Kein Pilger bleibt am fremden Ort. Was kann die Sichtbarkeit dir geben Dein Heim ist Gott und ewig Leben. -- Zu dem das sein ist sehnt der Geist sich hin; Ach daß ich nicht schon fertig bin.

Ja, deine einst sichtbare Herrlichkeit, du hehrer Morija ist vergangen bis auf einen Schatten, dem der Pilger sich nicht einmal nahen darf; vorlängst schon hat man in deinem Heiligthum die Stimme vernommen: »Lasset uns von hinnen ziehen.« Und du Zion stehest verwaiset, denn das Scepter des äußren Königthumes ist von Juda dahingenommen und entwendet; deine Königshäuser sind zu Schutthaufen geworden. Und wenn auch das Vergängliche nicht vergangen, das Sterbliche nicht gestorben wäre, so bliebe deine Herrlichkeit dennoch nur ein Vorbild und Schatten des Urbildes das nie veraltet. Darum, so erquicklich auch der Schatten, ist es doch das Licht was allein das Auge vergnügt; nicht Sein Zelt, Ihn selber sucht die Seele und es bleibt bei den weitren Worten jenes Liedes:

-- -- -- du Schönheit alt und neu Dich lieb ich, mach zum Tod mich treu: Ich überlaß mich Deinem Leiten Bis in die frohen Ewigkeiten.

Die Sonne war schon untergegangen, da wir uns aufmachten von unsrem Orte, und, den Schmerzensweg (die +via dolorosa+) hinan, durch die stillen, menschenleeren Gassen heimzogen in unser Pilgerhaus. Morgen, sobald man das Thor öffnete, wollten wir eine Wandrung antreten nach Bethlehem; darum begaben wir uns zeitig zur Ruhe, in deren äußere Erquickungen auch eine innre Ruhe ihre belebenden Kräfte ergoß.

Berichtigung.

Der bei weitem größeste Theil der grünen Steinart, die nach S. 301 am Eingang des Thales Hebron im Sienit vorkommt ist ~Pistazit~.

Fußnoten:

[1] M. v. +~E. W. Lane~: an account of the manners and customs of the modern Egyptians Vol. 1. p. 83.+, ein Werk dem ich bei der spätern Überarbeitung dieser Briefe zum Drucke, so wie als Wegweiser durch die mir bei meinem Eintritt noch so neue Welt des Lebens der Aegypter sehr viel verdanke.

[2] M. s. den ersten Band S. 493.

[3] Von der seltsamen Anwendung der Krücken beim Gottesdienste der Kopten werde ich noch später reden.

[4] So wie Jesus bei den Mohamedanern als einer ihrer sechs Propheten und zwar als der größeste nächst Mohamed geehrt ist, so steht auch Maria, seine Mutter, bei ihnen in hoher Achtung.

[5] Dieses Mistkäfergericht (vom +Scarabaeus sacer+) wird für ein Mittel gegen die Magerkeit, ja selbst gegen die Unfruchtbarkeit gehalten.

[6] Ein berühmtes Gericht, das man am 10ten Tage des Moharrem in Menge bereitet, ist auch das Hubub: gekochte Waizengraupen mit Honig und Zucker, oder Reis mit Nüssen, Mandeln, Rosinen u. f.; Rosenwasser ist fast überall dabei.

[7] Auch die ersten Menschen stellt sich der Moslim wenigstens so hoch als einen Palmenbaum, d. h. gegen 60 Fuß vor.

[8] Ein Theil der Gassen hat nur von der einen Seite einen Eingang, nach der andern hin aber keinen Ausgang.

[9] Pflegt doch in Kairo Jeder, der noch an der alten Sitte hält, wenn er Gähnen muß zu sagen: »Ich suche Zuflucht bei Gott, gegen Satan den Verfluchten,« weil er fürchtet der böse Geist möchte ihm in den aufgesperrten Mund fahren; wenn einer nießt sagt er: »Preiß sey Gott« die Anwesenden: »Gott erbarme sich deiner« (Rachem kum Allah) worauf jener wieder antwortet »Gott schütze uns und schütze euch.«

[10] Das gewöhnliche Abschreiblohn ist sehr gering. Fünf Doppelblätter Papier, das meist aus Venedig kommt und in Aegypten geglättet wird, bilden einen Karras oder Lage. Für das Vollschreiben einer solchen mit einer Schrift ohne Vokalpunkte bekommt der Abschreiber aufs Höchste 30 Kreuzer rheinisch; mit Vocalpunkten das Doppelte.

[11] Noch ein weitrer Grad dieser Höflichkeit ist der, wenn man die rechte Hand erst an die Lippen, dann an die Stirne legt.

[12] Dieser Polizeibeamtete hatte die Aufsicht über das Innehalten der festbestimmten Preise, so wie des richtigen Maaßes und Gewichts. Er übte sein Amt mit solcher Grausamkeit, daß er einen Nudelverkäufer, der, vielleicht aus Versehen, etliche Heller mehr für seine Waare genommen hatte, als gesetzt war, auf ein heiß gemachtes Nudelnblech setzen und dazu noch auspeitschen; einem Metzger, der beim Abwiegen einige Loth Fleisch zu wenig gegeben hatte, eben so viel dem Gewicht nach aus seinem Rücken herausschneiden; Bäckern, welche das Brod zu leicht gemacht die Nasenscheidewand mit einem Stück Eisen durchbohren und das Brod daran hängen ließ, wobei die so Gemißandelten den heißen Sonnenstrahlen ausgesetzt dastehen mußten. Die gelindeste Aeußerung seines Zornes gegen Schuldige und Unschuldige war die, daß er ihnen die Ohrläppchen abschneiden ließ.

[13] Einer meiner Freunde versuchte, mit Vorsicht übrigens, mehrere Arten, ohne etwas Weitres, als eine schnell vorübergehende Betäubung zu empfinden.

[14] Diese, wie andre Moscheen der Stadt, besaß vormals auch sehr ansehnliche geistliche Fonds, welche jetzt eingezogen sind, weil die Regierung die Verwaltung derselben übernommen hat.

[15] So heißt die schneidend scharfe Brücke, welche nach der Lehre des Islams mitten über die Gehennem oder Hölle hinüber führt. Die Seelen der Verstorbenen müssen, auf ihrem Wege zum Paradiese da hinüber und die Bösen fallen bei dieser Gelegenheit hinab.

[16] Von jedem Palmbaum werden 11⁄2 Piaster gesetzliche Abgaben erhoben; dieser Gesamtbetrag dieser Abgaben beläuft sich auf 1,200,000 Gulden rheinisch.

[17] Achmed Ibn Taylun, der Kalif, welcher die Moschee erbauen ließ, hatte, so erzählt man, im gedankenlosen Spiel der Hände ein langes Stück Pergament spiralförmig aufgerollt; sein ernster Vezir belächelte tadelnd das Spiel. Es war nicht des Belächelns werth, sagte der Kalif; in solcher Weise, so dachte ich eben soll eine auswendige Stiege schneckenartig an dem Minare der Moschee emporlaufen, welche ich erbauen lasse. Und der Herrscher führte wirklich den Gedanken aus, den ein Zufall ihm an die Hand gegeben. Die Taylunmoschee wurde schon im Jahre 879 n. Chr. mithin 90 Jahre vor der Begründung der eigentlichen Stadt erbaut. In der Nähe derselben stund ein, nun verfallenes Kastell. Vom Minaret der Taylunmoschee hat man den vollständigsten Ueberblick über die Stadt.

[18] Den Gräueln der Blutrache ist übrigens, wenigstens in Aegypten unter der jetzigen Regierung ein ziemlich kräftiger Einhalt gethan worden.

[19] Ueberhaupt zeigen die Welihs bei solcher Gelegenheit nicht selten ihre Capriçen. So wollte einer sich schlechterdings nicht auf den Todtenacker vor dem Bah el Nusr hinaustragen lassen. Die Bahre machte sich beim Thore so schwer, daß sie nicht zu ertragen war. Da winkt einer der Träger seinen Gefährten sie sollten sie niedersetzen, geht mit ihnen etwas bei Seite, daß der Welih nicht hören kann was man spricht, und verabredet sich mit den Andern, man wolle sich stellen als trüge man den Heiligen wieder in die Stadt hinein, wolle aber, um ihn in der Richtung irre zu machen, mit der Bahre mehrere Male im Kreise gehen. Die List gelingt; der Welih wird irre, man nimmt dann noch einmal einen rechten Anlauf und bringt ihn so glücklich zum Thore hinaus.

[20] Jener Ali Bey war einer der Mochtesibs oder Polizeiofficianten, welche den Alleinhandel der Regierung mit verschiednen Gegenständen zu bewahren und zu beaufsichtigen hatten. Ihm lag die Bewahrung des Monopols mit dem Leinwandhandel ob. Wenn dann irgend ein Bewohner der Stadt oder Landschaft gefunden wurde, der auf eigne Rechnung an seinem eignen Webstuhle Leinwand webte, oder diese verkaufte, ließ er die Leinwand mit Theer oder Pech bestreichen, den Unglücklichen darein wickeln und an einem Baumast aufgehängt lebendig verbrennen.

[21] In einem Kloster an einem der Natronseen soll sich noch ein koptisch-arabisches Wörterbuch finden.

[22] Nach langem Gebet und hochgespanntem Erwarten der Versammlung erscheint als Wandbild, einmal früher, andre Male später die h. Jungfrau (Sette minna) in rothem, St. Georg (Mar Girgis) in grünem, die h. Gemiana in weißem, St. Macarius in schwarzem Gewande. Einer meiner Freunde war Augenzeuge dieses »Schattenspiels an der Wand,« konnte aber die (physikalischen) Kunstgriffe, die es hervorrufen, auf keine Weise entdecken.

[23] Weil Turteltauben in seinem Zelte genistet, ließ Amru dasselbe nicht abbrechen; um das stehen gebliebene Zelt baute sich Altkairo an.

[24] Die gegliederte Tamariske (+Tamarix articulata+) gedeiht da in der mittleren Höhe der Cypressen; mit ihr die schönsten Arten der Parkinsonien, Gleditschien und Poincianen; mit hohem Interesse betrachtet man die altberühmte Persäa (+Cordia myxa+).

[25] Das Zuckerrohr wird in Aegypten in der Mitte des März gepflanzt und im Januar geschnitten. Die Sprossen die im zweiten Jahre aus der Wurzel hervorkommen schossen nicht so hoch auf als die des ersten Jahres; obgleich aber der Zucker den sie geben an Quantität geringer ausfällt, ist er dagegen an Qualität desto besser.

[26] +Ardea bubalus.+

[27] Sie mag jenes jüngere On gewesen seyn, welches nach Josephus (+B. J. VII+, 37) der Hohepriester Onias erbaute.

[28] Der geschickte Aufseher und Pfleger des Gartens ist Herr ~Figari~.

[29] +~Wilkinson~ Topographie of Thebes and general view of Egypt, p. 316 and 509.+ Dieser treffliche Forscher setzt die Regierung jenes Pharao zwischen 1740 bis 1696 vor Christo, die Ankunft Josephs auf 1706, so daß die Wirksamkeit des letzteren mehr in die Regierungszeit der beiden Nachfolger (vermuthlichen Söhne) Osirtesens +I.+ fiel, Amumgari +I.+ und +II.+ davon der erstere bis 1686, der andre bis 1651 regierte, wo Osirtesen +II.+ den Thron bestieg.

[30] Vormals wuchsen hier auch Balsamstauden.

[31] Gerade in der Zeit, in welcher wir in Aegypten verweilten, klagte man über die gesteigerten Lebenspreise. Im Mittel kostet der ägyptische Scheffel (Ardebb), der 2 Metzen 7 Achtel, 21⁄2 Mäßel Wiener oder 3 Scheffel 5 Metzen Berliner Maß entspricht, vom Waizen gegen 50 Piaster das heißt 5 Gulden Münze; Gerste 28, Bohnen 30, Moorhirse (Dura) 30, Linsen 64 Piaster. Das Rotl (1 Pfund 21⁄3 Unze englisch Gewicht) Butter kostet 2, Brod 1⁄4, Käse 1⁄2, Milch 1⁄4, Zucker 3, Kaffee 7, gutes Oel 5, Lammfleisch 11⁄4, Rindfleisch 1, ein Huhn 11⁄2, das Duzend Eier im Frühling 1⁄2 oder 3⁄4 Piaster (einer zu 6 Kr. Münze).

[32] Waizen (Kumh) wird in der Mitte des Novembers gesäet und reift Anfang Aprils, Gerste zum Theil schon Ende Februars oder Anfang März. Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichern, Lupinen, Faseln, Klee, Safflor, Salat, Flachs, Tabak, Rübsamen werden ebenfalls im November oder gegen Ende Oktobers gesäet; Mohn, Hanf, Kümmel, Coriander, Melonen, Kürbisse, Gurken im December; Reis, Zuckerrohr, Baumwolle, Indigo säet oder pflanzt man im März oder April; der Reis reift in 7 Monaten; einige Arten von Dura (+Holcus Sorghum+) säet man, wenn der Nil die Felder noch befeuchtet, zur Zeit der höchsten Stromschwelle. Die Zeit des Reifens der Baumfrüchte ist für die Maulbeere und Sevilla-Orangen der Januar; für die Früchte des +Rhamnus nabeca+ der März, die Aprikosen reifen im Mai, Aepfel und Birnen, Johannisbrot, Pflaumen und Weintrauben im Juni, Sykomorusfeigen vom April bis September.

[33] Doch heißt jetzt das südliche Dorf Menschi a Daschu und ist das Daschur unsrer Karten.

[34] In 25 Jahren von 365 vollen Tagen sind 309 synodische Monate (bis auf eine Stunde genau) enthalten, so daß nach 25 Jahren die Neu- und Vollmonde wieder auf dieselben Tage des Jahres fallen.

[35] +Hirundo caspica.+

[36] Nach Wilkinsons Vermuthung.

[37] Ähnliche Züge beschreibt übrigens Ammianus Marcellinus (+L. XXII.+) schon an den alten Aegyptern.

[38] Dieser türkische Gouverneur, Abu Daud, von dessen Grausamkeiten noch jetzt das Volk erzählt, kam einmal des Abends an dem Kornhause des Ortes vorüber und fand da zwei arme Fellahs schlafend am Boden liegen. Er läßt sie wecken, fragt was sie hier machten, der eine erzählt er habe 130 Ardebs Getraide als Abgabe seines Dorfes gebracht und sey erst spät mit dem Abladen fertig geworden, der andre berichtet daß er 60 Ardebs hergeführt und abgeladen habe. Warum brachtest du nur 60 und jener 130? fragt der Gouverneur. Herr, erwiedert der Bauer, dieser wohnt in einem weiter abgelegenen Dorfe und kommt jede Woche nur einmal, ich, der ich aus der Nachbarschaft bin, führe fast täglich Getraide herein, kann daher auf einmal nicht so viel bringen. Der Türke, ohne die Entschuldigung zu beachten, befiehlt dem Nachrichter, der ihn beständig begleitete, er solle den Bauer hängen und dies geschieht an dem Aste des nächsten Baumes. Am andern Morgen geht der Gouverneur wieder am Kornhauße vorbei und sieht, daß da so eben ein Bauer eine sehr große Menge Getraide (160 Ardebs) ablädt. Er fragt den Nachrichter wer und woher der Fellah sey, jener antwortet es ist derselbe den du gestern hängen ließest. »Wie, fragte der Türke, ist er von den Todten erstanden?« -- »Du befahlst mir nicht, sagte der Andre, ihn zu tödten (muwet), sondern nur zu hängen, ich hieng ihn so, daß seine Fußspitzen am Boden waren. -- Gut, murmelte der Türke, ein andermal wenn ich jemand strafe will ich mir diese Arabische Wortfeinheit merken, -- nimm dich in Acht vor Abu Daud.

[39] Der Wüthrich der dies that war der verstorbene Defterdar Mohammed Bey. Ein Bauer im Distrikt Menufieh hatte 60 Reiyals (gegen 18 Gulden rhein.) Abgaben zu zahlen und besaß nichts als eine Milchkuh, die ihn und die Seinen ernährte und welche 120 Reiyals werth war. Der Nazir als Steuereinnehmer fordert die andern Bauern des Ortes auf die Kuh zu kaufen und da keiner dieß will, läßt er den Metzger kommen, die Kuh schlachten und in sechzig Theile theilen, welche sechzig der wohlhabendsten Bauern das Stück um einen Reiyal (18 Kreuzer) kaufen müssen. Der arme Mann läuft zum Defterdar, klagt diesem seine Noth, dieser läßt den Nazir, den Metzger und die Käufer des Kuhfleisches rufen. Der Kadi hatte geurtheilt die That des Nazirs sey eine Gewaltthat gewesen. Der Defterdar fragt den Metzger warum er die Kuh des armen Mannes geschlachtet, die Bauern warum sie das Fleisch gekauft hätten. Diese antworten: der Nazir ist gar gestreng, hätten wir ihm nicht seinen Willen gethan, er hätte unsre Hütten niederreißen und uns schlagen lassen; ich that, fügte der Metzger hinzu, was der Nazir, als meine Obrigkeit, mir befohlen. -- So wirst du auch thun was ich dir befehle? fragt der Defterdar. -- Unbedingt, sagt der Metzger. Wohlan, befiehlt der Defterdar, schlachte den Nazir. Der Metzger verrichtet dieß mit denselben Gebräuchen wie, nach den Geboten des Islam, ein Ochs geschlachtet wird, sagt bis Millah (in Gottes Namen) u. s. w. und schneidet dem Nazir den Kopf ab. Hierauf läßt der Defterdar den Körper in sechzig Stücke theilen, davon jeder Käufer des Kuhfleisches eines, und zwar um zwei Reiyals nehmen muß, diese 120 Reiyals bekommt der arme Mann für seine Kuh; der Metzger, wie dieß auch beim Schlachtvieh die Sitte ist, erhält als Schlächterlohn den Kopf des Steuereinnehmers. +Lane account etc. Vol. I. p.+ 153.

[40] +Ibis sanctus+, eine Thierart, welche jetzt eben so wie das Krokodil und der Hippopodamus aus Mittel- und Unterägypten verschwunden ist, und nur noch in den Gegenden des obersten Nillaufes gefunden wird.

[41] Ein Erdbeben in solcher Stärke wie sie in Syrien und Kleinasien öfter sich ereignen, würde wahrscheinlich manche dieser baufälligen Pyramiden zusammenstürzen. Solche Erdbeben kämen jedoch, so weit die Geschichte weiß, kaum in diesem Lande vor, sondern nur Erdstöße. Doch erzählt ~Tegg~ in s. +Dictionary of Chronology+, daß am 2ten Nov. 1754(?) in Kairo zwei Drittel der Häußer durch eine Erschütterung eingestürzt, und dabei 40000 Menschen zu Grunde gegangen seyen.

[42] Seit unsrer Abreise aus Aegypten ist bereits wieder ein viel höher gelegenes Innengemach entdeckt worden, in welchem man das hieroglyphische Namenszeichen des Pharao Saophis fand.

[43] Uebrigens wollte noch Lord Munster Gebeine eines Stieres in dem Sarkophag bemerkt haben, die freilich auch später hineingebracht seyn konnten.

[44] Abgesehen von einer andren, kühneren Zeitrechnung, auf deren Ergebnisse im ersten Band dieser Reise S. 491 hingedeutet war, welche aus Bunsens und Lepsius noch nicht öffentlich mitgetheilten Forschungen ihre weitre Begründung erwartet, läßt sich nach ~Wilkinsons~ bescheidnen Angaben die Zeit dieses Pharao Saophis auf das zweite Jahrhundert des dritten Jahrtausends (2123) vor Christo hinanstellen.

[45] Nach den neueren Messungen der Engländer 460 P. F.

[46] Nach +Herodot II+, 125 1600 Silbertalente.

[47] Nach andern Schätzungen des Werthes der damaligen Silbertalente gar nur anderthalb Millionen Thaler.

[48] +Iris Sisyrinchium.+ Sie hat zwei Zwiebeln übereinander stehen, davon die obere, weisliche von Kindern wie von Erwachsnen aufgesucht und gegessen wird.

[49] S. 138.

[50] So heißt der heilige Berg bei Medina, welcher nebst dem nachbarlichen Thale Mina, wohin der Aberglaube der Mohamedaner die Scene von Ismaëls (statt Isaaks) Opferung verlegt, das letzte Ziel der Pilgerschaft ist.

[51] Schon in Palästina erfuhr ich die Nachricht von ihrem Tod.

[52] Wobei ich dann freilich Lanes Schilderungen ganz überaus treu und treffend erfand.

[53] Vor einiger Zeit berichteten die Zeitungen, daß Mrs. Holyday von Mehemed Ali zum Unterricht seiner Töchter bestimmt und berufen sey.

[54] M. vergl. den ersten Band dieser Reise.

[55] Ihr Titel ist: der Zug der Israëliten aus Aegypten nach Kanaan. Ein Versuch von Karl von Raumer. Leipzig bei Brockhaus 1837.

[56] Beide, das in Aegypten sogenannte Dromedar und gemeine Kamel, sind übrigens nur ein und dieselbe Art des einhöckrigen (+Camelus Dromedarius+).

[57] M. v. S. 331.

[58] Hier und weiterhin die +Fagonia latifolia+, +glutinosa+, +mollis arabica+ u. a.

[59] Namentlich das einkörnige Pfriemenkraut (+Spartium monospermum+) mit weißgraulichen Zweigen und wohlriechenden Blüthen, auch die +Zilla myagrioides+ und das +Trichodesma africanum+, so wie die schon erwähnten Tragant- (+Astragalus+) und mehrere Wegerigarten (+Plantago argentea+ und +bellidifolia+).

[60] Die scheinbar fortrückende Bewegung der Sonne auf der jährlichen Bahn am Himmel durchmißt eben so wie die des Kamels auf der Erdoberfläche in zwölf Stunden reichlich einen halben Grad.

[61] Die Kamele selber, wenn man sie, um auf- und absteigen zu können, während des Marsches zum Niederknieen nöthigt, erheben, als wenn ihnen wunder was zu leid geschähe, ein Erbarmen erregendes Gebrüll.

[62] Eine Ueberlieferung, welche bis nahe zu unsrer Zeit gekommen, nennt einen Vorsprung der Hügelkette von Torrah, herüber nach dem Thale von Bessatin, den Merawat Musa (Standort des Moses).

[63] +Voyage de l'Arabie petrée.+

[64] Ps. 23, V. 4.

[65] 2. Mos. 15, V. 8.

[66] Im Winter mag auch, wegen der hier starken Regenzeit ein bedeutender Strom des Gewässers von Felsenstufe zu Felsenstufe herabstürzen.

[67] Ich führe hier nur die Arten an, welche, so viel wir bei unserm kurzen Aufenthalte urtheilen konnten, wirklich lebend, nicht bloß als gestrandetes, leeres Gehäuße bei Suez vorkommen. Im feuchten Sande die +Arytene+ oder +Aspergillum vagina+, im Meere selber +Tellina rugosa+, +Cardium retusum+, +Tridacna gigas+ und +squamata+, +Strombus accipitrinus+, +Cypraea moneta+; +Nerita polita+, +albicilla+; +Natica mammillaris+; +Turritella imbricata+ und +Terebra caerulea+, +Buccinum arcularia+; der schöne +Murex crassispinosus+, +Tornatella Ceramia+, +Triton anus+; +Cerithium fasciatum+, +nodosum+ und +tuberculatum+; +Conus Virgo+. Die Landschnecken waren seit den zwei letzten Tagreisen ganz verschwunden, erst am Sinai fanden wir wieder welche; von Fischen, die wir freilich nur auf einen Blick zu sehen bekamen, unterschieden wir +Julis purpureus+.

[68] Sesostris hatte den Bau des Kanales Hero begonnen, Psammetich +II.+ und Darius ihn fortgesetzt, die Ptolemäer vollendet. An seinem vormaligen Ufer lassen Erdwälle und die vom Sand bedeckten Schutthaufen den Standort mancher frühern Stadt errathen, unter andrem den von Heroopolis, welches Champollion für das Avaris der Hirtenkönige hält.

[69] Wenn ich mich recht erinnere +Cyperus junciformis+ und +conglomeratus+. Auch eigentliche Gräser, namentlich ein +Crypsis+ blühten hier. Die gesammleten Exemplare sind mir zu Grunde gegangen.

[70] Bei Howara und etwas weiter südwärts: +Lepidium Draba+; +Matthiola tricuspidata+; +Farsetia aegyptiaca+; +Diplotanis pendula+. -- Auch eine +Frankenia+ von unbestimmter Art wurde hier gesammelt. Die +Nitraria tridentata+ (das +Peganum retusum+ des Forskal), welches in den heißesten, dürresten Monaten des Jahres die Wanderer durch diese Wüste durch seine Beeren erquickt, war noch nicht in Blüthe.

[71] +Lotus arabicus+, +Deverra tortuosa+; +Ochradenus baccatus+, +Cleome brachycarpa+ u. a.

[72] +~Scarites~ subterraneus+; +~Pimelia~ longipes+, +villosa+, +unicolor+, +alutacea+, +grossa+? und +muricata+. Diese Hauptkäfer der Wüste zwischen Suez und Tor wurden meist hier gefunden.

[73] Unter andren schöne Exemplare der Pharaos-Kräuselschnecke (+Monodonta Pharaonis+).

[74] Wahrscheinlich doch in Gneis, nicht wie unsre Kupferschiefer in einer Art von Zechstein, der über dem rothen Sandsteine liegt.

[75] Was wir sahen waren Stücke von +Sargassum vulgare+, +crispum+ und +angustifolium+, sowie von +Chondria obtusa+ und +Solenia compressa+. finden sich hier und an der nördlichen Küste: +~Sargassum~ dentifolium+, +aquifolium+, +latifolium+ und +turbinatum+; +~Cystoseira~ Myrica+, +triquetra+, +trinodis+; +~Sphaerococcus~ musciformis+; +~Chondria~ papillosa+; +~Liagora~ viscida+; +~Ulva~ reticulata+; +~Caulerpa~ clavifera+. M. v. die +Enumération des plantes recueillies par M. Bove, par M. J. Decaisne+.

[76] +Caranx Sansun+; +Mugil crenilabris+ und die +Sciaena Samara+ des Forskal (+Holocentrus Samara</f) nach Rüppel). Die hier gefundnen Conchylien waren unter andrem +Cypraea Tigris+, +Columbella mendicaria+; +Murex inflatus+ und +crassispinosus+; +Triton anus+, +rubecula+, +tripus+, +lambas+ u. a. +Pyrula lineata+; +Dolium perdix+, +Fusus colus+. -- +Arca foliata+, +Avicula margaritifera+, +Chama gryphoides+, +Ostrea crista galli+, mehrere Cytheräen u. a. -- Von Käfern einen noch unbestimmten +Dromius+ so wie +Tentyria glabra+, +Acidia hispida+ und mehrere Arten von Pimelien.

[77] Die Mannatamariske, aus welcher im Sommer der Sinaitische Manna hervorträufelt, von dem ich später reden werde, wächst hier ganz besonders hoch und dickstämmig. Wir schätzten die Höhe bei einigen über 20 Fuß.

[78] In dem Bächlein hatten meine jungen Freunde Arten von +Elaphrus+, +Dyticus+, +Colymbetes+, +Gyrinus+ und andre Wasserkäfer gefunden so wie eine +Notonecta+ und +Nepa+.

[79] Getrockneten Aprikosen.

[80] In weiteren Sinne wird unter dem Namen Horeb in der heiligen Schrift offenbar die ganze Gebirgswüste der Umgegend des Sinai verstanden.

[81] 1. Kön. C. 19.

[82] 2. Mos. 17, V. 8.

[83] Ebendas. V. 15.

[84] 2. Mos. 19, V. 12.

[85] Ebendas. V. 16.

[86] 2. Mos. C. 33, V. 19-23. C. 34, V. 5-7.

[87] M. v. ~K. v. Raumers~ Zug der Israëliten aus Aegypten nach Kanaan.

[88] ~Bove~ nennt sie +Phlomis aurea+, auf Arabisch »Ovarvar.«

[89] Noch im vorigen Jahrhundert gab es unter ihnen einzelne treugebliebene Familien; 1750 wurde die letzte Christin dieses Stammes, eine alte Mutter, im Klostergarten begraben.

[90] Dem Burkhardt müssen seine Dschebalye, welche ihm zu Führern dienten, einen andern Stein gezeigt haben, der nicht hohl war. Jener, auf welchen uns der alte Prior aufmerksam machte, stimmte ganz mit der Beschreibung mancher früheren Reisenden überein.

[91] ~J. L. Burkhardts~ Reisen, in der deutschen Uebersetzung herausg. v. Gesenius Bd. +II.+, in der Tafel der Inschrift-Copien Nr. 15-22.

[92] Bald nach unsrer Zurückkehr ins Vaterland erhielten wir die Nachricht von seinem Tode.

[93] Röm. 1, V. 22 und 23.

[94] 1. Mos. 1, V. 26.

[95] Die Naturgeschichte des Sinai wie die von Palästina hat ein so hohes eigenthümliches Interesse, daß ich mir das Ausführlichere darüber, für welches hier kein Raum wäre, an einen andern Ort verspare. Ein wesentliches Verdienst um die Beschreibung und Bestimmung unsrer Sinaitischen Pflanzen und Thiere haben sich meine Freunde und Kollegen, die Herren Zuccarini und Andr. Wagner erworben, wie dies schon aus ihrem Bericht darüber in den Münchner gelehrten Anzeigen hervorgeht. Von Pflanzen blühten übrigens, als wir am Sinai waren, nur sehr wenige. Namentlich, außer den schon genannten die +Dactylis memphitica+, +Gagea reticulata+, +Rumex vesicarius+, +Artemisia judaica+, +Leyssera discoidea+, +Santolina fragrantissima+, +Seriola n. sp.? Lindenbergia sinaica+, +Lamium amplexicaule+ (auf culitivirtem Boden), +Stachys affinis+, +Sisymbrium Irio+, +Tamarix mannifera+, +Anchusa Milleri+, +Asperugo procumbens+, +Omphalodes intermedia+, +Daemia cordata+, +Reseda canescens+ und +pruinosa+, +Reaumuria vermiculata+, +Fumaria parviflora+, +Hypecoum pendulum+, +Cleome trinervia+, +Aërva tomentosa+, +Malva Honbezey+, +Fagonia inc. sp.+; +Zygophyllum coccineum+, +Astragalus Fresenii+, +Genista monosperma+.

[96] Der +Helix+ den wir am Sinai fanden (+H. Rüppelii+) schien uns doch keine eigne Art zu bilden, sondern zum +H. desertorum+ zu gehören; auf dem Sinaigipfel trafen wir in Menge eine noch nicht genau bestimmte Art von +Coccinella+.

[97] Uebrigens außer manchen schon am Sinai gefundenen vier Arten von Farn, einige schöne Arten von +Astragalus+, +Linaria+, +Lotus+, +Cynosurus echinatus+ und mitten unter den außereuropäischen Gewächsen der auch bei uns einheimische +Bromus tectorum+.

[98] Solche dichtgeschaarte Züge von Vögeln, sind hier in der Wüste wie in den nordöstlicheren Gegenden am Euphrat im Frühling etwas sehr Gewöhnliches. Von der Gegend von Kumah erzählt ~v. Hammer~ (in s. Gesch. des Osmanischen Reiches, der zweiten Ausgabe 1. Bd. S. 724) nachdem er Andres erwähnt hat, wodurch die Gegend im Morgenlande berühmt ist: »Noch berühmter aber, wiewohl Europäischen Reisenden bisher unbekannt, ist das hier jährlich im Frühlinge unter Regengüssen sich erneuernde Wunder des Aegyptischen Wachtelfluges. Eine Wolke von Wachteln oder andern kleinen, denselben ähnlichen Vögeln verfinstert die Gegend rund umher und die Einwohner machen dieselben in Essig ein, als Nahrungs- und Handelsartikel (Dschihannuma S. 423; Seadeddin +IV+ Bl. 662).«

[99] ~Burkhardt~ vermutet, daß Hadhra das Hazeroth sey, wohin Israëls Heere kamen, als sie von der Stätte der Lustgräber ausgezogen waren (nach 4. Mos. 11, V. 35).

[100] Reisen, d. Ueb. S. 661, 662.

[101] Unter andern wurde auch hier im Meere ein Thier gesehen, freilich aber nicht gefangen, das der Beschreibung nach ganz einer Wasserschlange mit plattem Schwanze glich.

[102] 1. Kön. 9, V. 26; C. 22, V. 49; 2. Chron. 8, V. 17.

[103] Sie steht der +Hyalea tricuspidata+ wenigstens ganz nahe. Außer dieser fanden sich in dieser reichen Küstengegend namentlich +~Conus~ Magus+, +Virgo+, +tesselatus+, +stercus muscarum+, +vulpinus+, +amaria+, +nussatellina+; +~Dolium~ pomum+; zwei noch näher zu untersuchende Arten von +Cerithium+; +~Triton~ rubecula+, +tripus+, +clavator+, +lambus+, +anus+ und einige noch weiter zu untersuchende Spezies; +Ranella granifera+; eine +Phasianella+; +~Trochus~ magus+, +virgatus+, +nodosus+ und eine noch weitrer Bestimmung bedürfende Art; +~Turbo~ argyrostomus+, +muricatus+ und eine noch nicht genug erkannte Spezies; +~Planaxes~ sulcata+; +~Monodonta~ Pharaonis+ und eine noch zu bestimmende Art; +Cypraea arabica+, +talpa+, +mus+, +carneola+, +erosa+; +~Pterocera~ lambis+; +~Strombus~ lineatus+, +gibberulus+, +accipitrinus+, +floridus+, +auris Dianae+; mehrere Arten von +Haliotis+, +Capulus+, +Patella+, +Fissurella+ und +Balanus+; +Pinna saccata+; eine noch näher zu bestimmende +Mactra+; +~Tellina~ rugosa+, +scobinata+, +incarnata+ und noch eine Art; +Lucina edentula+; +~Cytherea~ pectinata+, +rugifera+, +muscaria+, +arabica+ und noch zwei Arten; +~Capsa~ rugosa+; +~Cardium~ retusum+; +~Tridacna~ gigas+ und +squamata+; +~Lima~ glacialis+; Arten von +Pecten+ und +Plicatula+; +~Mytilus~ exustus+; +~Arca~ foliata+; +~Avicula~ margaritifera+ und noch eine Spezies; +~Chama~ gryphoides+, +~Spondylus~ gaederopus+; +~Ostrea~ crista galli+. -- Unter den hier gefundenen Insekten zeichnet sich eine wahrscheinlich neue Art vom +~Graphipterus~+ aus; an Pflanzen fanden wir, außer den bereits genannten und außer den schon meist bei Tor gefunden Tangarten die +~Aristida~ ciliata+; +~Lavandula~ pubescens+; +~Dioclea~ hispidissima+, ein noch näher zu bestimmendes +Echium+; +Heliotropium arbainense+, +~Trichodesma~ nov. spec.+; +Cleome chrysantha+; +~Cassia~ obovata+; +~Trigonella~ microcarpa+.

[104] +Turdus melanocephalus.+

[105] Diese alte Sitte (m. v. 4. Mos. 12, V. 14) sahen wir unsre Beduinen öfters gegen ihre Kamele ausüben, wenn diese ihnen nicht schnell genug giengen.

[106] Im sechsten Abschnitt seiner schon öfter angeführten Schrift: Der Zug der Israëliten aus Aegypten nach Kanaan.

[107] Namentlich zwei Arten von +Pterocles+.

[108] Prof. ~Andreas Wagner~ hat das von uns mitgebrachte Exemplar als eine neue Art erkannt und beschrieben, unter dem Namen +Corvus infumatus+.

[109] 2. Kön. 14, V. 7.

[110] Als eines der beklagenswerteren Begegnisse unsrer Reise betrachte ich es, daß wir gerade aus dieser reichen Gegend des Wadi Musa gar keine getrockneten Pflanzen mitgebracht haben. Bei der Eile unsers Aufbruches von der Lagerstätte hatten wir Alle, als wäre es Verabredung gewesen, vergessen uns mit einem Apparat zum Einlegen zu versorgen; die Blumen, welche ich frisch mit nach Petra brachte, und, als ich heimwärts vorausging, einem Beduinen zum Hineinlegen in eine Art von Futtersack übergab, waren, zugleich mit einem Stück meiner Kleidung, verloren gegangen.

[111] ~Jerem.~ 49 V. 16; so wie ~Obadja~ V. 3 und 4.

[112] An diesen Bäumen fand sich der von Zuccarini benannte, bisher noch unbeschriebene +Loranthus Acaciae+.

[113] +Tulipa Clusiana+, +Gessneriana+ und +maleolens+.

[114] Namentlich der +Pteranthus echinatus+, +Crassocephalum flavum+, +Gnaphalium sanguineum+, +Statice aegyptiaca+, +Anemone coronaria+, +Ranunculus hullatus+ und +naiaticus+, +Roemeria hybrida+, ein +Linum+ mit gelber Blüthe von noch näher zu bestimmender Art u. f.

[115] Sollte hier vielleicht die Stätte von Ether oder Jathir zu suchen seyn? der vormaligen Priesterstadt, die zu Eusebius' Zeiten von Christen bewohnt war? M. s. ~K. v. Raumers~ Palästina, 2te Aufl. S. 188. -- Jos. 15, V. 42; 19, V. 7; 21, V. 14; 1. Chron. 6, V. 57; 1. Sam. 30, V. 26, 27.

[116] Wahrscheinlich stund hier in der Nähe, gegen den Gebirgspaß hin, welchen wir bald nachher betraten, Malatha oder Molada, die Südstadt Judas (Jos. 15, V. 26), welche nach dem Exil von Söhnen Judas bewohnt ward (Nehem. 11, V. 25, 26). M. v. ~K. v. Raumer~ a. a. O. S. 212.

[117] Außer den noch unbestimmten Arten der eben genannten Monocotyledonen und der +Salvia Sibthorpii+, +Reseda mediterranea+ u. f. fanden wir +Bromus rubens+, +Carrichtera Vella+, +Teucrium Polium+, +Trifolium stellatum+ und eine +Vicia+ so wie eine +Bryonia+ von unbestimmter Art.

[118] Uebrigens ist dieselbe Sage auch eine altchristliche. M. v. die Uebersetzung der Vulgata von Josua 14, V. 15 und Hieronymus zu Matth. 27. Bei Hebron wurde auch und wird noch jetzt der +ager damascenus+ gezeigt, aus dessen rother Erde Adam geschaffen seyn sollte. M. v. K. v. Raumer a. a. O. S. 198.

[119] Dieses jedoch nicht nach der Tradition der hiesigen Israëliten, von welcher ich nachher reden will.

[120] M. v. K. v. ~Raumers~ Palästina. 2te Aufl. S. 199 in der Anmerkung.

[121] Namentlich mehrere wahrscheinlich neue Arten von +Iris+, +Gladiolus+, +Orchis+, +Arum+, +Aristolochia+, +Salvia+, +Scrofularia+, +Anchusa+, +Rubia+ und +Silene+; von den schon bekannten +Emex spinosa+; +Crassocephalum flavum+, +Gnaphalium sanguineum+, +Linaria halepensis+, +Ajuga tridactylites+, +Lamium tomentosum+, +Cynoglossum cheirifolium+, +Anemone coronaria+, +Ranunculus bullatus+, +Malcolmia littorea+, +Pistacia Lentiscus+ und +Terebinthus+, +Trifolium clypeatum+.

[122] 1. Kön. 19, V. 12.

[123] +Vit. Constant.+ 3. M. v. Raumer a. a. O. S. 198.

[124] K. v. ~Raumers~ Palästina S. 200.

[125] Von ihm, so wie von dieser ganzen Gegend, reden wir später noch einmal.

[126] 1. Mos. 22, V. 4-8.

[127] Schon der Name Jerusalem sollte diese Stadt als Wohnstätte des Friedens bezeichnen.

[128] Der kleine Grundriß von Jerusalem, welcher den dritten Band dieser Reise begleiten soll, wird auch dieses anschaulich machen.

[129] ~K. v. Raumer~ a. a. O. S. 356 und 357 besonders die Note 237 der 2ten Ausg.

[130] Nach Hieronymus (+ep. ad Paulin. Ed. Vallars. I+, 321). +Rufini hist. eccles. I+, 7. -- ~M. v. Raumer~ a. a. O. S. 297.

[131] +Theodoret I+, 18; ~Raumer~ in der Anm. 60+a+.

[132] Ebr. 13, V. 13.

[133] Hiervon spreche ich weiter unten.

[134] 1. Mos. 2, V. 17.

[135] Jesaj. 63, V. 3, 5.

[136] Jesaj. 53, V. 5 und 11.

[137] 1. Mos. 28, V. 17.

[138] Apostelgesch. 1, V. 11.

[139] Die Höhe des Morija beträgt 2280; die des Berges Sion beim Cönaculum 2381, die beim Lateinischen Kloster 2475, die der Auffahrtskirche 2530 und des Oelberggipfels 2556 Par. Fuß. Das Kidronbette liegt um 416 Fuß niedriger (2140 Fuß).

[140] Von der auffallend tiefen Lage des todten Meeres, unter dem Niveau des Mittelmeeres, werden wir später (im 3ten Bande) sprechen.

[141] Uebrigens wird, wie uns der Pater Vicar sagte von Vielen gerade umkehrt das Grabmahl mit rundlicher Spitze für das des Josaphat gehalten, andrer Ungewißheiten nicht zu gedenken. M. v. Raumer S. 303.

[142] Sacharja 14, V. 2-9; vergl. Hesek. 43, V. 2.

[143] Joël 3, V. 7, 19 u. f.

[144] Apostelgesch. 1, V. 11.

[145] Matth. 27, V. 8; Apostelgesch. 1, V. 19.

[146] Schon nach Willermi Tyrii +historia belli sacri+ 795. Doch führt bereits Quaresmius, der in den ersten Jahrzehenden des 17ten Jahrhunderts als Quardian des heiligen Grabes in Jerusalem lebte, die Verschiedenheit der Sagen über den Geburtsort der Maria an (+Elucidatio terrae sanctae historica; Antwerp. 1639. Vol. II+, 104) und unser Führer that dasselbe. ~M. v. Raumers~ Palästina S. 291.

[147] Ebr. 11, V. 19.

[148] Ps. 48, V. 3.

[149] Esai. 28, V. 16; Röm. 9, V. 33; 1. Petr. 2, V. 6.

[150] Matth. 12, V. 6.

[151] Palästina, 2te Auflage S. 284.

[152] Fr. Wilkens Geschichte der Kreuzzüge +I.+ S. 280.

[153] Am 13ten Juni, fünf Tage nach der Ankunft des christlichen Heeres vor den Mauern Jerusalems.

[154] Man werfe nur einen einzigen Blick in den Spiegel den uns die Geschichte der Kreuzzüge, wie sie damals Lebende uns beschrieben, vorhält.

[155] Jacob. 3, V. 13-18.

[156] Leider zeigt sich dieß noch fortwährend als Folge des Zankes und Neides der verschiedenen in Jerusalem lebenden christlichen Gemeinschaften.

[157] Galat. 5, V. 22.

[158] Die Messung hat an manchen Stellen große Schwierigkeit, da man in sehr ungleicher Ferne von der Mauer bleiben muß.

[159] Nehem. 3. M. v. Raumer a. a. O. S. 284. 285.

[160] M. v. Raumer S. 351.

[161] Einen Theil der Aussicht, den man an der Südseite der Stadt genießt, giebt der Maler H. Bernatz unter den von ihm öffentlich mitgetheilten Abbildungen.

[162] H. Bernatz weilte drei Tage und Nächte in der Grabeskirche und nahm alle Theile derselben, mit dem Maßstabe messend und mit architektonischer Genauigkeit auf.

[163] M. s. ~Wilken~ a. a. O. +VI.+ S. 635.

[164] Nach ~Raumer~ a. a. O. S. 314.

[165] In ganz Palästina leben jetzt gegen 30000 Israëliten.

[166] +Letters on Egypt, Edom and the Holy Land, by Lord Lindsay. Lond. 1838+, in einem beurtheilenden Auszug in dem +Quarterly Review Nr. CXXV. December 1838. p.+ 166-192.

[167] A. a. O. S. 180.

[168] Ebendas. S. 181.

[169] Cant. 3, V. 6.

[170] M. v. Scholz Reise, S. 215.

[171] Apostelgesch. 1, V. 14.

[172] Joh. 11, V. 22 und 27.

[173] Man steigt zuerst 17 Stufen steil hinunter zu einer Art von größerer Kammer, von hier noch sieben sehr steile und beschwerliche, zu einer zweiten kleineren.

[174] Joh. 11, V. 25.

[175] Joh. 11, V. 3 und 5.

[176] M. s. seinen +Summer-Ramble in Syria II.+ 181.

[177] +Strabo XVI+, 2, 40. +Tacit. Histor. V+, 12. +Dio Cass. LXVI+, 4; +Joseph. VI.+ 8, 5. +VII+, 2, 1. ~v. Raumer~ a. a. O. S. 332.

[178] +Itinerar. hierosol.+ (vom Jahr 333) 590; +Quarsmm. elucidat. T. II+, 285-293; 713-718. ~v. Raumer~ a. a. O.

[179] +Joseph.+ a. a. O.

[180] +Aristeas de legis divinae translatione p.+ 112. ~v. Raumer~ a. a. O.

[181] Ebendas.

[182] 1. Sam. 14, V. 4.

[183] Ebendas. V. 16.

[184] v. Raumer Palästina S. 169.

[185] Apostelgesch. C. 12, V. 7-10.

[186] Dieses merkwürdige Festhalten der Bekenner des Islams an einer Ueberlieferung, die ihnen aus der Geschichte des Salomonischen Tempels, nach 1. Kön. 8, V. 30-50 zugekommen scheint, ist auch der Grund, aus welchem die Türken so eifersüchtig darüber wachen, daß kein Christ oder Jude die Moschee des Omar betrete. Sie glauben, daß, wie jedes andre Gebet, so auch das des Juden oder Christen, hier im Sakhara-Tempel Erhörung finden werde, und fürchten dann die Feinde des Islams möchten darum bitten, daß ihnen Jerusalem mit seinem Tempel wieder eingeräumt werde.

[187] Luc. 7, V. 37-50.

[188] M. v. Raumer Pal. S. 371 Note 18.

[189] Ueber diese von Josephus, in seinen jüdischen Alterthümern erzählte Begebenheit vergleiche man die Bemerkungen von Raumer a. a. O. S. 369 u. f.

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