a) Gl. Thyreoidea.

Die Schilddrüse entsteht im wesentlichen aus einer medianen Wucherung der ventralen Schlundwand und bietet anfangs das Bild einer tubulösen zusammengesetzten, netzförmigen Drüse; ihr am Foramen coecum der Zunge mündender Ausführungsgang (~Ductus thyreoglossus~) obliteriert jedoch schon frühzeitig in embryonaler Zeit und bildet sich bis auf einzelne Reste zurück; auch das Netz der Drüsenröhrchen, die anfangs nicht hohl sind, zerschnürt sich in kurze Stücke. (Siehe auch S. 87).

Beim erwachsenen Menschen besteht die Schilddrüse aus länglichrunden, beiderseits blind endenden »Follikeln«, das sind Schläuche von sehr verschiedenem (40-120 μ) Durchmesser, welche durch lockeres, mit elastischen Fasern durchsetztes Bindegewebe zu Läppchen miteinander verbunden werden. Eine Membrana propria fehlt. Die Follikel sind mit einer einfachen Lage bald zylindrischer, bald kubischer, bald platter Epithelzellen ausgekleidet, die beim Menschen Körnchen von Fett und azidophiler Substanz enthalten; diese Körnchen faßt man als Vorstufen des Sekretes auf. Das Lumen der Follikel ist mit einer homogenen, zähen Masse, der ~kolloiden Substanz~, die jene Körnchen und Vakuolen enthält, gefüllt. Die Vakuolen sind teils Kunstprodukte, teils enthalten sie Fett oder Muzin.

Früher galt die kolloide Substanz für ein Charakteristikum der Schilddrüse; seitdem aber dem Kolloid ähnliche Massen auch in der Hypophyse (S. 282) gefunden worden sind, und da auch in den Blut- und Lymphgefäßen des Halses das geronnene Blutplasma dem Kolloid sehr ähnlich sehen kann, verliert dieses Merkmal seinen diagnostischen Wert. Auch ist es noch nicht sicher, daß das »Kolloid« als das spezifische Sekret aufzufassen ist. Auf welchen Wegen das von der Schilddrüse gelieferte Sekret abfließt, ist noch dunkel. Es ist beobachtet worden, daß an den Knotenpunkten des Schlußleistennetzes die Kittsubstanz überall fehlt; vielleicht handelt es sich hier um ein Auseinanderweichen der Epithelzellen zum Zwecke des Sekretabflusses zu den Lymphwegen. Möglicherweise wird das Sekret auch von den Blutgefäßen aufgenommen.

Die sehr zahlreichen ~Blutgefäße~ lösen sich in ein die Schläuche umspinnendes Netz von Kapillaren auf, welche dicht unter dem Epithel liegen. Die kleinen Schilddrüsenarterien besitzen normalerweise vorkommende Verdickungen der Intima und der Media, sogenannte »Knospen«. Die ebenfalls zahlreichen ~Lymphgefäße~ bilden ein zwischen den Schläuchen gelegenes Netzwerk. Die ~Nerven~ verlaufen mit den Blutgefäßverzweigungen und bilden vorzugsweise diese, zum Teil auch die Drüsenschläuche umspinnende Geflechte. Ein Eindringen von Endzweigen in das Epithel ist nicht beobachtet.

Ein Läppchen aus einem feinen Durchschnitte der Schilddrüse eines erwachsenen Menschen. 220mal vergrößert. Man beachte den verschiedenen Durchmesser der Schläuche. Technik Nr. 111, S. 290.]

Der Mechanismus der Schilddrüsenwirkung ist noch nicht aufgeklärt, wenngleich wir heute wissen, daß die Schilddrüse zu den lebensnotwendigen Organen gehört. Umfangreiche Erkrankungen dieses Organes rufen schwere Stoffwechselstörungen hervor, die den ganzen Körper beeinflussen. Bei wachsenden Organismen äußert sich der Mangel der Schilddrüsenfunktion z. B. in einem mangelhaften Wachstum besonders der Röhrenknochen, mangelhafter Ausbildung der Intelligenz usw. (Kretinismus). Zu lebhafte Schilddrüsenfunktion macht sich in mannigfachen, schweren Störungen des vegetativen Nervensystems geltend, die, mit anderen Erscheinungen verknüpft, das Bild der Basedowschen Krankheit hervorrufen. Alle diese und viele experimentelle Erfahrungen sprechen dafür, daß normalerweise von der Schilddrüse eine Substanz produziert wird, die im Haushalt des Körpers eine wichtige, regulierende Funktion ausübt.

b) Glandulae parathyreoideae.

Die an der Rückfläche der seitlichen Schilddrüsenlappen gelegenen, gewöhnlich in der Vierzahl vorhandenen »Epithelkörperchen« stammen in ihren epithelialen Anteilen vom Epithel der dritten und vierten Schlundtasche ab; sie besitzen im allgemeinen keine Drüsenähnlichkeit mehr und sind im Bau wie in der Funktion als von der Schilddrüse völlig verschiedene Organe zu betrachten, wenngleich sie beim Menschen in innigster Lagebeziehung mit jener stehen.

Die Epithelkörperchen bestehen aus Nestern und Strängen von Epithelzellen (Fig. 182), die von spärlichem, Blutgefäße führendem Bindegewebe umgeben werden; dieses Bindegewebe bildet an der Oberfläche des Organes eine dünne Kapsel.

Aus einem Schnitt durch eine Gl. parathyreoïdea des Menschen. 520mal vergrößert. Technik Nr. 112, S. 290.]

Unter den Epithelzellen finden sich vereinzelt oder gruppenweise sogenannte oxyphile (d. h. eosinfärbbare) Zellen, wahrscheinlich bestimmte Funktions- oder Degenerationsphasen der »Hauptzellen«, die selbst durch ein sehr substanzarmes Zytoplasma ausgezeichnet sind.

Gelegentlich umschließen auch die Epithelzellen der Parathyreoideae kleine, mit einer kolloidähnlichen Masse erfüllte, Hohlräume; dies Verhalten hat, neben anderen Befunden die heute nur mehr wenig vertretene Ansicht entstehen lassen, daß die Epithelkörperchen nur andere Funktionsstadien des Schilddrüsengewebes seien. Gegen diese Ansicht spricht einmal die andersartige Entstehung, dann das histologische Verhalten, vor allem aber die Funktion.

Die Entfernung der Epithelkörperchen, die heute bei allen umfänglicheren Schilddrüsenoperationen vermieden wird, verursacht schwere Krämpfe (Tetanie).

c) Thymus.

Der Thymus entsteht paarig aus dem Epithel der 3. Viszeralspalte als eine anfänglich hohle, später solide Ausstülpung, die, von ihrem Mutterboden sich abschnürend, verästelte Sprossen, Läppchen treibt. Schon im 4. Fetalmonat ist der Thymus ein gelappter Körper, der von lockerem, fibrillärem Bindegewebe, dem Träger der größeren Blut- und Lymphgefäße, umgeben wird. Durchschnitte von Thymusläppchen zeigen eine dunklere ~Rindensubstanz~ (Fig. 183), welche aus einem durch sternförmige Epithelzellen gebildeten Netz besteht, in dessen Maschen viele, sehr zytoplasmaarme Lymphozyten liegen.

Die Lymphozyten werden von manchen Autoren für umgewandelte Epithelzellen gehalten; doch sprechen alle neueren Forschungsergebnisse für die oben dargestellte, von den meisten Autoren heute geteilte Ansicht. Trotzdem ist der Thymus nicht zu den echten lymphatischen Organen zu zählen, da ihm ein wichtiges Merkmal derselben, die Keimzentren, fehlt; auch ist das den Lymphozyten als Aufenthalt dienende Retikulum nicht ein dem retikulären Gewebe der Lymphknoten entsprechendes Gewebe, sondern epithelialer Herkunft.

Die zentrale Partie des Thymus, die ~Marksubstanz~, ist heller, nicht immer scharf von der Rinde getrennt und besteht zum Teil aus ähnlichen Zellen wie die Rinde, zum Teil aus größeren, entweder einzelnen sternförmigen, oder in Gruppen beisammenliegenden, typischen Epithelzellen. Beide Substanzen werden frühzeitig von Blutgefäßen durchwachsen, in deren Begleitung zarte Züge von Bindegewebe und Leukozyten -- auch eosinophile Zellen (S. 95) befinden sich unter diesen -- eindringen. Etwa im 5. Fetalmonat entstehen in der Marksubstanz die »~Hassal~schen Körperchen«, Gruppen konzentrisch zusammengeballter Epithelzellen, von denen die zentralsten chromatinarme Kerne (Zeichen baldigen Absterbens) enthalten. Die Körperchen sind anfangs klein (10-12 μ) und nur in geringer Anzahl vorhanden, nehmen aber rasch an Größe zu (- 180 μ), während immerzu neue entstehen, so daß das Thymusmark des Neugeborenen sehr viele ~Hassal~sche Körperchen verschiedenster Größe enthält (Fig. 185).

Stück eines Schnittes durch den Thymus eines 5monatigen menschl. Fetus. 50mal vergrößert. Technik Nr. 113, S. 290.]

~Hassal~sche Körperchen aus einem Thymusschnitt von einem 23jährigen Hingerichteten. 360mal vergrößert. Technik Nr. 113, S. 290.]

Stück eines Schnittes durch den Thymus eines neugeborenen Menschen. 50mal vergrößert. Technik Nr. 113, S. 290.]

Um diese Zeit ist der Thymus zu einem stattlichen Körper herangewachsen, der durch stärkere Züge mit elastischen Fasern untermengten Bindegewebes in 4-11 mm große Läppchen geteilt wird, die wieder durch feinere Bindegewebszüge in kleinere, 1 qmm große Läppchen getrennt werden und durch die Marksubstanz, die sich streckenweise später zu einem immer dünner werdenden Strang, dem »~Markstrang~« auszieht, miteinander in Verbindung stehen (Fig. 186). Der feinere Bau des Thymus des Neugeborenen zeigt in der Rindensubstanz das gleiche Bild wie früher; die epithelialen Teile bilden vorwiegend das Retikulum; sie werden an der Grenze der Marksubstanz zu größeren Elementen, die das Material zu den Hassalschen Körperchen liefern, die auch nach der Geburt noch an Zahl und Größe (- 0,3 mm) zunehmen und nun deutliche Spuren inneren Zerfalles (zugrunde gehende Kerne, kernlose Schüppchen, eindringende Lymphozyten) zeigen. Als zweiter Hauptbestandteil kommen, in der Rinde zahlreicher als im Mark, die eingewanderten Lymphozyten hinzu, die sich besonders in der Rinde lebhaft vermehren. Teilweise bilden sie sich auch zu Plasmazellen (s. S. 95) um. Da das Mark viel weniger Mitosen enthält -- sie fehlen völlig in den Hassalschen Körperchen -- als die Rinde, so darf man annehmen, daß die Rinde des Thymus die Produktions-, das Mark die Wachstums- und Degenerationszone der Thymussubstanz darstellt.

Querschnitt durch ein Thymusstück eines 1-3/4jährigen Kindes. 21mal vergrößert. Technik Nr. 113, S. 290.]

Die zu sehr wechselnden Zeiten einsetzende »Rückbildung« des Thymus besteht zum Teil darin, daß in dem interlobulären Bindegewebe sich ansehnliche Mengen von Fettgewebe bilden, wodurch die Läppchen auseinandergesprengt werden. Dadurch geht der Thymus als zusammenhängender Körper verloren; von den isolierten Läppchen verfällt ein Teil der Rückbildung, sie verschwinden schließlich völlig, d. h. sie werden zu größeren, den Markzellen gleichen Elementen, während das Mark selbst weiterem Untergang und der Abfuhr durch weiße Blutzellen entgegen geht. Ein anderer Teil der Läppchen aber erhält sich bis ins hohe Alter; dabei kann sich die peripherste Schicht der Rindensubstanz zu einer einfachen oder mehrfachen Lage typischer Epithelzellen umgestalten.

Die ~Arterien~ verlaufen zwischen Rinde und Mark und speisen Kapillaren, die größtenteils in der Rinde, zum kleineren Teile im Marke gelegen sind. Die daraus sich sammelnden ~Venen~ verlaufen teils im Mark, teils münden sie in große, zwischen den Läppchen verlaufende Venenstämmchen. Die vielen ~Lymphgefäße~ sammeln sich aus weiten, dicht an der Oberfläche der Läppchen gelegenen Lymphräumen zu großen, im interlobulären Bindegewebe gelegenen Stämmchen, die weiterhin als klappenführende Gefäße neben den größeren Blutgefäßen hinziehen. Die ~Nerven~ enden im wesentlichen an den Blutgefäßen, nur äußerst spärliche Fäserchen dringen frei endend in das Mark.

Die Aufgabe des Thymus im Organismus ist noch nicht völlig geklärt; jedenfalls ist die Drüse in der Zeit bis zur beginnenden Altersinvolution bei der Regulierung des Knochenwachstums, der Entwicklung der Keimdrüsen und der Regulation der Funktionen des Nervensystems stark beteiligt. In diesen Beziehungen machen sich bei Tieren die schwersten Störungen geltend, wenn der Thymus entfernt wird; doch sind zum Teil bei verschiedenen Tierarten die Ergebnisse solcher Versuche noch nicht eindeutig. Vor allem wissen wir noch nicht, ob die Bedeutung des Thymus in der Produktion eines spezifischen Sekretes besteht oder darin, daß giftige Stoffwechselprodukte im Thymus gebunden und zerstört werden.