-- Er ist auch kein übler Dichter; allein aus allen seinen Producten schimmert ein Geist hervor, der Originalität affectiren will, nach neuen Einfällen hascht, und seinen Entzweck immer nur halb erreicht. Er lebt mit den ersten Köpfen Deutschlands in Verbindung, und in diesem Strahlenkreise kann es leicht seyn, daß er sich größer träumt, als er wirklich ist. -- Als Gulliver von Brobdingnak nach Hause kam, bückte er sich unter seiner Hausthür, weil er glaubte, er sey unter den Riesen um zwey Köpfe größer geworden.

Ulm.

Diese Stadt unterhält schon seit der Reformation mit ziemlichem Aufwand eine Stadtmusik, worunter sich oft gute Leute ausgezeichnet haben. Der Choralgesang ist daselbst sehr gut besetzt, und in der Figuralmusik herrscht ein solider Geschmack. Die _Orgel_ im stolzen _Münster_, vielleicht der schönsten Kirche Deutschlands, hat drey Manual, und sechzig Register: ihr Ton ist dick, und durchbraußt alle Tempelgewölbe. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde diese Orgel von einem weit berühmten Organisten gespielt, Nahmens _Schneider_, dessen Nachkommen noch jetzt als sehr gute Musiker in Deutschland blühen. Seine Stücke sind mit ausnehmender Gründlichkeit gesetzt, und könnten noch heute auf jeder Orgel mit Beyfall vorgetragen werden. Er selbst spielte stark, und war sonderlich Meister im Pedal. Sein Nachfolger _Walter_, ist bereits oben in der sächsischen Schule geschildert worden. Auf ihn folgte der jetzige Organist _Martin_, der alles dem Studium, äußerst wenig aber der Natur zu danken hat.

Die _Privatconcerte_, welche zuweilen in Ulm angestellt werden, wollen nicht viel sagen: denn ob man gleich oft sehr gute Stücke wählt; so verunglückt doch meistens die Ausführung. Die Nachkommen des eben erwähnten Schneider's nennen sich jetzt, vielleicht weil es vornehmer klingen soll, _Sartorius_, worunter ein sehr gründlicher Violinist ist, der sich in der Manheimerschule bildete, und vor den größten Höfen und Städten Deutschlands mit Beyfall hören ließ. Sein Strich ist gigantisch, und sein Ton schneidend und dick. Schade, daß er kein Trillo hat, sondern statt dessen nur Mordenten hintändelt. Der vortreffliche _Kleinknecht_, dessen Charakter oben unter dem Artikel Anspach gezeichnet worden, ist ebenfalls ein Ulmer; und _Nißle_, einer unsrer größten Waldhornisten, stammt aus der Ulmischen Stadt Geißlingen.

Charaktere berühmter Tonkünstler.

_Ehrenberg_, Hofmusikus in Dessau. Wir haben ein paar Sammlungen _Lieder_ von ihm, die er aus den besten Dichtern gewählt, und mit Geschmack in Musik gesetzt hat. Die schwermüthigen Stücke gelingen ihm sonderlich gut, und niemand würde fähiger seyn, Höltys Geist in Musik zu übersetzen, als dieser Ehrenberg. -- Grabgedanken, Todesahndungen, Geistererscheinungen, mit einem Wort: _Ossians Manier_ in Musik übergetragen, ist sein Charakter.

_Friedel._ Es sind dieß zwey Brüder, die sich beyde als _Geiger_ rühmlichst ausgezeichnet. Sie haben Geschwindigkeit und Schönheit des Vortrags: und spielen besonders das Flagiolet mit ausnehmender Stärke. -- Mehrere Violinisten haben sich nach diesen Friedels gebildet, so daß sie fast eine Schule stifteten. Schade, daß diese trefflichen Köpfe so tief in Liederlichkeit versanken, daß man sie nicht mit Ehren in gute Gesellschaft einführen konnte. Beyde setzten ungemein schöne Stücke für die Violine: ihre Compositionen sind