Advertisement
zurückkehrten. Die Wagen donnerten und rasselten an uns vorüber, und der Boden erzitterte unter ihnen. Es war recht angenehm, zu wissen, daß wir also die Luft rein finden würden, wenn wir Navaho Point erreichten.
Herr Tillotson machte mich auf die in diesem Urwald vorherrschenden Bäume aufmerksam. Es waren die Gelbkiefer (~Pinus ponderosa~), die Douglastanne (~Pseudotsuga taxifolia~), der Utahwacholder (~Juniperus utahiensis~) und die Färbereiche (~Quercus tinctoria~). Eine halbe Stunde, ehe man am Ziel ist, hört die Gelbkiefer auf, und die Nußkiefer (~Pinus edulis~) herrscht vor. Die Gelbkiefer zeigt sich jedoch wieder in einer Senke, wo die lockere Erdschicht mächtiger ist; denn dieser Baum beansprucht mehr Erde als die andern.
Der Weg läuft in so scharfen Biegungen, daß man bisweilen nach Westen fährt. Hier und da sind „Tanks“ angelegt, Teiche zum Ansammeln des Regenwassers für das im Wald weidende Vieh, das sonst verdursten würde. Wir lassen Lipan Point zur Linken und sind um 3⁄46 Uhr am Ziel.
Zwischen den Bäumen auf dem nach Norden vorspringenden Kap Navaho Point oder Desert View sind etwa hundert Schritt vom Rande des Abgrundes entfernt drei Unterkunftshütten errichtet. Die östlichste von ihnen ist an ihren beiden Schmalseiten mit Veranden versehen, die von Drahtnetzen umschlossen werden, und enthält den Speiseraum und die Küche. In der Küche befinden sich ein kleiner Herd und wandfeste Schränke mit einigen Vorräten wie Tee, Zucker, Kaffee, Marmelade und Keks, eine Wasserleitung, Eimer, Kannen, Schöpfkellen, Teller, Schüsseln, Tassen usw. aus emailliertem Blech.
Die westlichste Hütte besteht aus einem einzigen Raum mit Veranda. Das Zimmer ist mit Bett, Kommode, Waschgestell, einigen Rohrstühlen und einem eisernen Ofen ausgestattet. Von der gleichen Art ist die mittlere Hütte. Ein paar kleinere Reisegesellschaften können also an dem Ort übernachten. Doch jetzt war keine Menschenseele in Navaho Point, kein Wächter oder Diener, nicht einmal ein Indianer oder ein Neger. Den letzten Besuchern waren wir unterwegs begegnet; keiner von ihnen hatte Lust gehabt, hier über Nacht zu bleiben. Ich würde also mutterseelenallein in der Wildnis sein, fern von El Tovar, dem äußersten Vorposten der Zivilisation.
Tillotson öffnete die beiden Hütten, die ich benutzen wollte, und zeigte mir, wo ich alles finden konnte. Nachdem wir Gepäck und Proviant abgeladen und in meine Schlafhütte gebracht hatten, sagte er mir Lebewohl und verschwand mit seinem Auto im Wald. Ich trug ein paar Stühle an den Rand des Kaps und begann einige Umrißskizzen zu zeichnen und zu kolorieren. Es muß schnell gehen, denn die Schatten werden mit jeder Minute länger, und das Farbenspiel wechselt ständig. Die ganze von Norden nach Süden laufende Felswand der Palisaden, die die denkbar schärfste Grenze gegen die Painted Desert im Osten bildet -- eine viel gewaltigere Grenze als die Chinesische Mauer in den Tagen ihres Glanzes -- und an deren Westfuß der Colorado fließt, ist jetzt bei Sonnenuntergang in leuchtend rotes Licht getaucht. Fast alles andere liegt im Schatten. Im Talgrund ist noch das sich schlängelnde silberne Band des Flusses zu unterscheiden.
Die Sonne steht am Horizont in der westlichen Verlängerung des Gran Cañon und geht in Feuergluten unter. Da verblaßt die rote Beleuchtung auf den „Palisaden der Wüste“, und alle Farben schmelzen zu einem ziemlich tonlosen Violett und Grau zusammen. Auch diese Beleuchtung versuchte ich in einer schnellen Skizze festzuhalten, wobei ich mehr die Stimmung als die Einzelheiten der Topographie berücksichtigte. Nach einer Weile verwischen sich die Einzelheiten mehr und mehr, die bei Tageslicht so scharf hervortretenden Formen verschwimmen, und nur die großen Züge machen sich in verschiedenen kräftig beschatteten Feldern geltend. Über dem westlichen Horizont lag noch eine Zeitlang ein starker Widerschein der sinkenden Sonne, und über der Erde schwebte wie eine lange gerade Brücke eine Wolke.
Nur ein Meter von meinem Aussichtspunkt entfernt gähnte die schwindelnde Tiefe. Ein undurchdringlicher Nebel scheint dort unten zu herrschen. Nur der Nordrand des Cañon ist noch scharf gezeichnet, und das Flußbett hebt sich als hellerer Streifen von seiner Umgebung ab. Aber die Dämmerung wird dichter, und der Vorhang der Nacht senkt sich vor die großartige Skulptur. Hinter mir rings um die Hütten wird der Wald dunkel, der Mond steht hoch am Himmel, und die Fichten ragen wie Spukgestalten mit ausgestreckten Armen in die Höhe, sie werfen rabenschwarze Schatten auf die hellen Kalksteinflächen. Die leichte, ungleichmäßige Abendbrise, die in den Baumkronen gerauscht und das Kap umbraust hat, ist eingeschlafen; es ist grabesstill am Rand des Gran Cañon.
Die Stimmung ist wunderbar, ihre Erhabenheit unbeschreibbar. Das Gefühl des Schwindels verschwindet -- man sieht jetzt ja nicht, wie tief es bis zur Talsohle ist. Ich sitze immer noch da und lausche und habe die Empfindung, als erwartete ich, daß etwas geschehen werde. Aber kein Laut stört die Stille. Doch was ist das? Ach, nur eine Schleiereule. Vergebens warte ich darauf, zu hören, daß ein Stein sich löst und den Steilhang hinunterstürzt. Aber in dieser Nacht stehen die Mauern des Cañon fest, nichts fällt hinab. Ich meinte sicher zu sein, daß die Heulwölfe, die Cojote der Painted Desert, an den Waldrand kommen und klagen und heulen würden. Aber vergebens warte ich auch auf sie. Vielleicht wittern sie, daß sich ein Mensch in der Wildnis niedergelassen hat, und halten sich daher fern.
Bright Angel Point.]
Es ist ein recht ungewöhnliches und eigenartiges Gefühl, ganz allein zu sein, nicht einmal einen Hund als Gesellschaft zu haben und zu wissen, daß es bis zum nächsten Menschen vierzig, fünfzig Kilometer sind. Nachdem ich jetzt beobachtet hatte, wie die Nacht den Gran Cañon in ihre Obhut nahm, hatte ich nichts weiter zu tun, als im Küchenherd Feuer zu machen, Teewasser aufzusetzen und in meiner Hütte die schönen Sachen aufzutischen, die Herr Petrosa in meinen Korb gepackt hatte, belegte Brote, Brot, Butter und Käse, Huhn und Eier, eine Flasche Rotwein und eine Flasche Sahne, Apfelsinen, Pfirsiche und Pflaumen. Das Schweigen des Waldes und des Abgrundes umgab mich. Ich vermißte nicht die Signale der Lokomotive, das Ächzen des Motors oder das Brausen menschlicher Stimmen. Mein Zimmer hatte fünf Fenster mit Glasscheiben, und ich zog die Vorhänge auf, um den Mond hereinscheinen zu lassen. Die Tür zwischen Stube und Veranda durfte offenbleiben, die Außentür der Veranda dagegen war geschlossen, und die unternehmungslustigen Katzen hätten wohl vergeblich versucht, das Drahtnetz zu zerreißen. Das Dach ist doppelt; es besteht aus Schindeln und Sackleinwand und flattert und klatscht wie ein gewöhnliches Zelttuch, wenn ein nächtlicher Windstoß über die Gegend zieht.
Über die Wärme brauche ich mich nicht zu beklagen: es war ziemlich frisch, um 8 Uhr abends 12,2 Grad und um 11 Uhr 7,8. Nachdem ich mir mein Lager zurechtgemacht und aus der Küche Waschwasser geholt hatte, ging ich wieder auf das Kap hinaus, um einen Abschiedsblick auf die rätselhafte Urwelt zu werfen, die offen in der Nacht dalag. Dann legte ich mich hin, löschte die Lampe und lag im Mondschein noch eine Weile wach; nach wie vor lauschte ich vergeblich auf das Abendlied der Cojote.
Am andern Morgen um 1⁄26 Uhr war ich schon wieder draußen auf dem Kap. Gerade war die Sonne aufgegangen. Aber der rote Schein fehlte ganz, der am Abend vorher die Mauer der Palisaden gefärbt hatte; er wird wahrscheinlich von den in der Luft herumfliegenden feinen Staub- und Wasserdampfteilchen hervorgerufen. Jetzt war der Himmel vollkommen klar und blau, die roten Töne verschwunden. Im Westen war der Cañon herrlich beleuchtet, doch nicht in den warmen Tönen des Abends. Die Palisadenwand und der von Norden nach Süden strömende Teil des Colorado lagen in tiefem Schatten. Die Landschaft hatte ihr Aussehen völlig verändert. Aber die großen Linien waren stets dieselben, die vom Nordrand und Südrand vorspringenden Kaps, Hügelketten und Tempel waren vom Licht des Morgens übergossen. Das Thermometer zeigte 8,4 Grad; um 1⁄210 Uhr war die Temperatur auf 14 Grad gestiegen.
Nachdem ich in der Küche mein Frühstück eingenommen hatte, begab ich mich mit Zeichenblock, Wasserfarben und Wasser wieder auf das Kap hinaus und stellte meinen Stuhl in den Schatten einer Kiefer. Der Tag war strahlend klar, aber es wehte ziemlich frisch, und der Wind heulte in Schroffen und Vorsprüngen und in den Kronen der Bäume. Eine Schwalbe schießt an mir vorüber, knapp über der Erde; aber eine Sekunde später, nachdem sie den Felsrand hinter sich gelassen und über den Cañon hinausgesegelt ist, befindet sie sich plötzlich 1400 Meter über dem Erdboden. Sonst ist das Vogelleben wenigstens hier draußen auf dem Kap recht arm; auch die Insekten sind spärlich vertreten. Ein paar Fliegen summen in der Luft, und eine Libelle blitzt über dem Abgrund auf, kehrt aber um und fliegt in den Wald hinein. Die Schwalben wurden gegen Abend recht zahlreich und schienen Vergnügen daran zu finden, einander über die gähnende Tiefe hinauszujagen. Im übrigen stört mich nichts; keine Laute sind zu vernehmen, keine Stimmen zu hören, tiefster Sonntagsfrieden herrscht überall. Einsam sitze ich am Hochrand, vor mir und unter mir das großartigste Schauspiel, das es auf Erden gibt. Ich schaue nur und bewundere und kann mich nicht dazu bringen, mit Zeichnen zu beginnen. Man ertrinkt ja in diesem ungeheuren Reichtum an Einzelheiten, man kommt sich ungeschickt, lächerlich und verzagt vor und findet, daß die Aufgabe völlig unlösbar ist. Und nimmt man seine Zuflucht zu einer Kamera mit großen Platten und scharfen Linsen, dann erhält man zwar ein treues Bild dieser Hunderttausende dunkler senkrechter Furchen, die durch die Erosionskraft des Regens und die Verwitterung entstanden sind, und dieser wagerechten Schichten, Leisten, Stockwerke und von steilen Stufen unterbrochenen Mauern, die die Ablagerungen der geologischen Zeitalter erkennen lassen, aber die Farben fehlen und die Luft; die Perspektive, die Entfernungen und die ungeheuren Tiefen kommen auf einer Photographie nicht zur Geltung.
Mit Todesverachtung beginne ich endlich ein Aquarell. Der ganze Cañon ist von Sonne überflutet. Die Schatten machen sich wenig geltend. Sie sind sonst eine Hilfe, denn sie verbergen die Einzelheiten gewisser Felder. Ich versuche, alle Nebensächlichkeiten auszuschließen und mich an die großen Linien zu halten, aber bald finde ich, daß ich mich trotzdem in allzu viele Kleinigkeiten verliere und daß die Zeit nur zu schnell entflieht. Und ohne Einzelzüge fehlt dem Cañonbild doch viel von seinem eigenartigen Reiz. Diese zahllosen hervortretenden, sonnenbeleuchteten Säulen zwischen den senkrechten Erosionsrinnen gleichen riesigen, in verschiedenen Stockwerken übereinanderliegenden Galerien einer Kathedrale von übermenschlichen, phantastischen Maßen, ihrer unermeßlichen Anzahl gegenüber fühlt man sich machtlos. Dennoch arbeite ich drauflos; aber das Ergebnis ist jämmerlich. Gestern abend, als die letzten Minuten einander jagten und die ganze Landschaft rot war oder in Schatten lag, gelang mir die unbeschreibliche Stimmung besser.
Im Osten fallen die senkrechten Mauern meines Kaps in eine kleinere Einbuchtung ab, einen Seitencañon ohne Namen, an dessen gegenüberliegendem Rand die Mauer der Palisaden einschwenkt und in die eingekerbte Linie des Südrandes übergeht. Auf der Hochfläche östlich der Palisaden schimmern schwach gewellte grüne Felder, die Wiesen gleichen; wahrscheinlich sind es Sträucher, Präriepflanzen, vielleicht Unterholz, das sich infolge der Entfernung nur durch sein Grün geltend macht. Ein tafelförmiger Berg ist auch in dieser Richtung zu sehen. Im Osten und Nordosten breitet sich Painted Desert, die Bunte Wüste, aus, auf deren „Mesas“ die Hopi-Indianer ihre Dörfer erbaut haben. Diese Wüste nimmt die ganze Nordostecke des Staates Arizona ein und erstreckt sich auch in die Nachbarstaaten Utah, Colorado und Neumexiko hinein. Ihre Westgrenze ist der Cañon des Colorado; von hier zieht sie sich, so will es dem Auge scheinen, ins Unendliche; sie schillert in den leichtesten, entzückendsten Farbtönen und Übergängen, in Gelbgrau und Rot, in Rosa und Hellgrün, in Blau und Violett. Flache Bodenwellen und einige platte, tafelförmige Anhöhen sind in immer helleren Tönungen bis in eine verschwindende Ferne zu sehen; man kann nicht immer entscheiden, ob ihre Umrißlinien der Erde angehören oder nur Dunstbänke sind oder dünne Wolkenschleier am Horizont. Diese Wüste, so ungleich den asiatischen Mustern mit ihrem eintönigen Graugelb und ihren ewigen Flugsandfeldern, übt wie diese einen geheimnisvollen Zauber aus, und ich muß meine Sehnsucht bekämpfen, ein, zwei Wochen in ihrem Innern zuzubringen.
Ein sehr charakteristischer, scharf hervortretender Zug in dem mir am nächsten liegenden Teil der Painted Desert ist die dunkle Linie, die den Cañon des Kleinen Colorado bezeichnet. Dieser linke Nebenfluß des Colorado entspringt auf dem Coloradohochland und fließt in fast gerader Linie nach Nordosten, um sich mit dem Hauptstrom zu vereinigen, kurz bevor dieser sein scharfes Knie nach Westen macht. Da sich der Beschauer auf Navaho Point fast in derselben Höhe befindet wie die allgemeine Oberfläche der Painted Desert, ist es klar, daß die ganze Tiefe des Korridors des Kleinen Colorado seinen Blicken verborgen bleiben muß. Das einzige, was er sieht, ist der oberste Rand des rechten Ufers, der ebenso senkrecht und scharf gezeichnet ist wie der „Rim“ an den Seiten des Großen Cañon. Daß man überhaupt etwas von diesem rechten Rand erblickt, beruht darauf, daß er höher ist als der linke.
Cañon. (Nord 30° Ost.)]
Vertieft man sich in die Aussicht von Navaho Point, dann ist man sich klar: dies ist doch das Großartigste, was ich bisher vom Gran Cañon gesehen. Allerdings: denselben Eindruck hatte ich vorher bei Grand View gehabt. Man tut wohl am besten, gar keine Vergleiche anzustellen, sondern einfach zu gestehen, daß jeder dieser Aussichtspunkte uns eine Welt unvergleichlicher, ungeahnter Schönheit schenkt. Von El Tovar aus beim satten Purpurglanz des Sonnenuntergangs gesehen, sind die Pagoden und Türme am Nordrand vielleicht das prächtigste all der Schauspiele, denen man hier beiwohnen darf. Aber Navaho Point beschert uns nicht nur den Anblick der roten Pracht der Abendbeleuchtung auf den Palisaden, sondern hat auch den Vorzug, daß wir das Tal des Colorado sowohl nach Norden im Marble Cañon beherrschen wie nach Westen, wo er seine Stromrinne in den Granit eingesägt hat. Denn Navaho Point liegt gerade im Knie, wo der Fluß seinen Lauf ändert und nach Westen fließt, nachdem er eben noch von Norden nach Süden strömte. Von Nordnordosten kommend, wälzt er sich durch den Marble Cañon und beschreibt unmittelbar oberhalb und unterhalb der Mündung des Kleinen Colorado nur sehr unbedeutende Bogen. Gerade unter Comanche Point hat er sich in Mäanderwindungen eingeschnitten, deren erste auf einigen Skizzen von mir deutlich erkennbar ist. Mit Hilfe des Fernglases sehe ich, wie sich die Wassermassen ungestüm vorwärts wälzen, aber kein Laut ihres Tosens dringt an das Ohr. Das Wasser selbst und die Kiesbänke an den Ufern haben die gleiche graue Färbung wie die Tontohänge. An ein paar Stellen des Ufersaums sind schmale grüne Vegetationsbänder zu sehen. Im Nordwesten und Westen wird der Fluß und der weiter stromab beginnende Granitkorridor von einem mächtigen Ausläufer der Felswand des Südrandes verdeckt. Links von der Pyramide dieses Ausläufers wird ein Stück der Granitschlucht als ungeheurer, klaffender Spalt sichtbar, mit Seitentälern, die gleich dunklen Keilen die Tontohänge durchschneiden. Von hier aus gesehen, erscheinen diese Abhänge nicht besonders steil, und bei der Beleuchtung, die um Mittag herrscht, schimmern sie grau mit einem Stich ins Grüne. Über der Tontoformation erheben sich die gewöhnlichen, leicht erkennbaren Schichten, der Redwall mit seinen senkrechten Abstürzen, die steilen Hänge der Supaischichten und die Coconino- und Kaibabablagerungen in etwas unbestimmten, trüben Farbtönen, in denen jedoch das Rot überwiegt. Gerade unter mir in Westsüdwest zieht sich ein kleiner Seitencañon hin, der Tanner Cañon. Auf seiner Sohle schlängelt sich ein graues Band -- ich kann nicht erkennen, ob es nur Geröll ist oder ob auch ein Bächlein in dieser Furche hinabfließt.
Das gewaltige Tal streckt sich nach Westnordwesten und scheint ganz hinten in der Ferne in Dunst und Nebel überzugehen. Aber es weht auch eine recht frische Brise, und die Luft ist nicht klar.
Schaue ich nach Nordwesten, dann erblicke ich zuerst unmittelbar vor mir den der Supaiformation angehörenden Ausläufer, der die beiden Erhebungen Escalante Butte und Cardenas Butte trägt, die erstere mit Resten von Coconinosandstein auf ihrem Gipfel. Dahinter liegt der Colorado in der Tiefe und jenseits des Flusses mehrere der obengenannten Tempel und Pyramiden, die sich auf Ausläufern des Walhallaplateaus erheben. Diese herrliche Gegend sollte ich bald näher kennenlernen.
Hinter der Reihe von „Tempeln“, die nach Apollo, Venus, Jupiter und Juno benannt sind, zu einem sehr unregelmäßigen Ausläufer des Walhallaplateaus gehören und ihre Wurzel in der Nähe des Cape Final haben, erheben sich zwei Pyramiden, die Siegfried Pyre und Gunther Castle heißen und auf einigen meiner Skizzen in verschiedenen Beleuchtungen zu sehen sind.
In einer wichtigen Hinsicht hat der Bogen des Colorado, oberhalb dessen wir uns jetzt befinden, ein ganz anderes Aussehen als die übrigen Teile des „Innern Cañons“, die wir von andern Aussichtspunkten und von der Mündung des Hermit Creek aus gesehen haben. Hier im Osten ist das Tal offener und breiter, im Westen dagegen ist es eingeengt wie ein schmaler Korridor. Das beruht darauf, daß der Fluß beim Austritt aus dem Marble Cañon durch die weicheren Schichten der Unkarformation fließt, während er weiter stromab, ungefähr 10 Kilometer unterhalb Navaho Point, seine Rinne in den Granit einzusägen beginnt. Die Hänge der Unkargruppe, durch die sich der Strom hindurchgeschnitten hat, bestehen aus rotem Schiefer und grauem und braunem Sandstein, spielen aber meist ins Rote. Die schwarzen Felsbänder, die hier und da die Unkarhügel unterbrechen, bestehen aus Diabas, der in flüssigem Zustand aus dem Innern der Erde emporgepreßt worden ist und sich zwischen die sedimentären Schichten hineingezwängt hat.
Auf meinen Skizzen von Navaho Point aus, die die prächtige Felsenmauer der Palisaden darstellen, tritt Comanche Point hervor, besonders auf der Bleistiftzeichnung (S. 127), wo dank der Abendbeleuchtung und der scharfen Schatten das Relief kräftiger zur Geltung kommt.
Die Stunden schritten vorwärts, und die Schatten im Tal wurden nur allzu schnell länger. Wie angewurzelt saß ich am Rand dieses riesigen Grabes, in dessen Schoß unzählige Jahrtausende hinabgesunken und dann, dank der Erosion des Colorado, wiederauferstanden waren von den Toten. Und dieses Grab ist zugleich ein Monument des scheinbar so launischen Spiels der Naturkräfte, eine Stadt von Denkmälern, Tempeln und Türmen, eine Bibliothek von Urkunden der Geschichte der Erde. Einsam sitze ich hier und hänge meinen Träumen nach und mache verzweifelte Versuche, in Farben und Federstrichen das Wesentliche in meinem Skizzenbuch festzuhalten.
In der Tiefe der Colorado.]
Plötzlich stört ein Lärm im Wald den Frieden. Es ist 3 Uhr. In schweren Autoomnibussen kommen Menschen angerollt, Herren, Damen und Kinder, Großkaufleute, Kontoristen, Lehrer, Lehrerinnen und Erzieherinnen, junge Eheleute, mit einem Wort Touristen. Ihre Art und Weise, sich zu benehmen, ist nicht sehr fein; sie stellen sich gerade hinter meinen Stuhl und betrachten meine armseligen Skizzen mit größerer Aufmerksamkeit und Neugier, als sie dem Cañon widmen, den sie gar nicht verstehen. Es ist recht spaßhaft, unfreiwillig ihrem geistreichen Gespräch zu lauschen. „Was ist das Graue dort unten? Ist das ein Weg?“ -- „Nein, das ist der Fluß.“ -- „Welcher Fluß?“ -- „Der Colorado.“ -- „Ach, das ist der Colorado. Wie interessant!“ Zum Glück blieben sie nicht viel länger als eine Stunde, und ich war froh, als ich das Rattern der Autoomnibusse verhallen hörte und Schweigen wieder den Wald erfüllte.
Übrigens hörte ich auf meinen Streifzügen manche sonderbare Äußerungen über den Gran Cañon. Eine, die mir gerade einfällt, lautete: „Dieses Tal ist die Hölle ohne Feuer und Schwefel, von der man den Deckel weggenommen hat.“ Ja, Dante hätte neue Gedanken erhalten, wenn er den Gran Cañon gesehen hätte, obgleich das von einem Zeitgenossen Marco Polos wohl etwas viel verlangt ist. Meister Doré hätte sich hier an einer Architektur weiden können, die seine kühnsten Phantasien weit übertraf.
Stunde um Stunde verrinnt, und bald ist der Tag verstrichen, wieder eine Sekunde in der Ewigkeit. Um 6 Uhr esse ich in der Küche mein Mittagbrot; in aller Eile, um nicht das Schönste des abendlichen Schauspiels zu versäumen. Die Sonne sinkt, die Bergwände beginnen wieder wie Rubine zu glühen. Es ist, als würde die Erdrinde durch das flüssige Magma von innen erhitzt und als würden die hohen Felsenmauern des Cañon bald weich werden, zusammensinken und schmelzen. Im Tal des Colorado liegt es wie ein Nebelschleier. Ich unterscheide gerade noch den vorher von schwarzen Schatten bedeckten Marble Cañon. Im Westen, wo die Sonne den Horizont berührt, sind die Berge farblos; höchstens kann man sagen, daß die entferntesten als leicht graublaue Wandschirme in der Ferne hervortreten. Die Mauern und Ausläufer des Cañon erscheinen in immer dunkleren Tönungen, je näher sie meinem Standort liegen, und die Partie unter meinem Kap ist bereits pechschwarz.
Der Wind rauscht ununterbrochen. Die Dämmerung senkt sich herab. Ich warte darauf, das Ächzen des Automobilmotors im Walde zu hören. Es war verabredet, daß ich heute abend nach Sonnenuntergang abgeholt werden sollte. Doch alles blieb still. Ich traf daher meine Vorbereitungen für eine neue Nacht, holte Wasser in meinen Schlafraum und war gerade damit beschäftigt, meine Petroleumlampe zu füllen, als ein gelles Hupensignal das Schweigen durchschnitt und ein Whiteauto vorfuhr. Meine Sachen wurden im Wagen verstaut, dann fuhren wir nach El Tovar zurück. Die Scheinwerfer warfen ihre weißen Lichtkegel auf den Weg, und der Mond beleuchtete die Landschaft. Am Wegrand tauchten einmal ein paar Stachelschweine auf, und ein andermal hätten wir beinah eine Kuh überfahren. In El Tovar leuchteten die elektrischen Lampen wie in einer Stadt. Die Zivilisation, zu der ich zurückkehrte, erschien mir recht armselig im Vergleich mit der Stimmung, die an meinem Wallfahrtsort geherrscht hatte, am Rande der Wüste.
[1] Diese Zahl gab man mir in El Tovar, und der Kraftwagenführer bestätigte sie. Nach Dartons Buch beträgt die Entfernung nur 20 engl. Meilen (32 Kilometer), aber nach der Karte ist sie mindestens 25 engl. Meilen (40 Kilometer).
[2] Spanisch geschrieben Navajo.
Neuntes Kapitel.
Nach Havasupai Point.
Den 23. Juni benutzte ich dazu, kleinere Streifzüge am Rand entlang zu unternehmen und Skizzen zu zeichnen. Als ich am Vormittag an dem großen, im Freien errichteten Käfig der Luchse vorüberging, waren die unglücklichen Gefangenen aus dem Wald nicht zu sehen; sie scheuten das starke Sonnenlicht und hielten sich in ihrem künstlichen Bau verborgen. Am Nachmittag sah ich mir wieder den Tanz der Indianer an und verfolgte wehmütig Joo Secakukus gewohnte Sprünge vor den weißen Zuschauern. Die Indianer waren bei diesen Gelegenheiten mit all ihrer barbarisch malerischen Pracht geschmückt und trugen bunte Federn in der Stirnbinde, Halsbänder und Armreifen, hagebuttenrote Mäntel ohne Ärmel, Bogen und Pfeile. Aber sie sind Gefangene, wie die Luchse, und das unsichtbare Gitter, das ihr Leben und Treiben umgibt, läßt sie ebensowenig durch wie die Eisenstangen des großen Käfigs die Luchse. Sie sind ein sterbendes Volk mit einer Vergangenheit voller Freiheit und Wildmarkpoesie; das ganze Leben ist für sie ein Sonnenuntergang ohne Hoffnung auf einen neuen Morgen.
von Point Royal aus.]
Als es dämmerte, ging ich wieder zu den Luchsen. Jetzt, in der Stunde der Schatten, waren sie erwacht, jetzt weiteten sich ihre Pupillen, und von den nackten Ästen des Baumes, der in der Mitte des Gefängnisses stand, konnten sie ihre Blicke nach Süden in die dunklen Verstecke des Waldes schweifen lassen, wo sie einst Rehe, Kälber, Schafe und Hasen gejagt hatten. Nun mußten sie von Fleisch leben, aus dem schon die Wärme geflohen war, die aus den pulsierenden Schlägen des Lebens und des Blutes stammte. Eins der Tiere mit Backenbart und langen Pinselhaaren an den Ohrenspitzen, mit Mienen voll unauslöschlichen Hasses und unbezähmbarer Wildheit und Grausamkeit, saß am Gitter, unbeweglich wie eine Bildsäule, als lauere es auf ein Opfer und sei fertig zum Sprung. Als ich näher trat, um den Gefangenen zu betrachten, fuhr er wie von einer Schlange gestochen auf, schlug die Tatzen um ein paar Gitterstäbe, zog die Oberlippe hoch, sperrte den Rachen auf und fauchte mit unheilkündender Kraft, als wollte er am liebsten seine Hauzähne in meine Kehle senken. Ich fuhr zusammen und trat unwillkürlich einen Schritt zurück. Meine Rache beschränkte sich darauf, daß ich oberhalb des Kopfes der kleinen wütenden Bestien mit dem Stock an die Eisenstange schlug. Pfeilschnell sprang das Tier zu einem der obersten Äste des Baumes hinauf, und seine Augen glühten wie feurige Kohlen, als wollte es mich mit seinen haßerfüllten Blicken durchbohren. Es ist verwunderlich, daß ein Tier von so viel Haß erfüllt sein kann. Aber vielleicht ist es auch nicht einmal so wunderlich -- der Luchs kennt seine gefährlichsten Feinde und wahrt sein Recht zu leben.
Etwas östlich von El Tovar auf dem Weg nach Grandeur und Yavapai Point teilt sich der Fußweg längs des Randes in zwei Steige, die in zwei verschiedenen Stockwerken laufen. Der obere führt zwischen Bäumen hin; auf ihm kann man getrost und sicher lustwandeln. Der untere folgt einem Absatz, einer schmalen, unregelmäßigen Stufe, und geht am äußersten Rande des Abgrundes bergauf und bergab. Hier muß man bei jedem Schritt achtgeben und wissen, wohin man den Fuß setzt, sonst kann der Spaziergang recht kurz werden, oder wenn man lieber will, sehr lang, denn wenn man ungeschickt ist und ausgleitet, geht es in die Ewigkeit. Selbst hier wachsen Bäume, Kiefern, Wacholder und Eichen; bisweilen haben sie ein paar Meter unterhalb des Pfades in Spalten und Rissen festen Fuß gefaßt. Dann ragen nur ihre Kronen über die weiße Kalksteinkante empor, und man wandelt wie in einer schmalen Galerie mit der senkrechten nackten Felswand auf der Innenseite und einer unregelmäßigen Reihe von Säulen auf der Außenseite. Von diesem Säulengang aus hat man eine großartige Aussicht auf die wunderbare Welt des Gran Cañon in den bloßgelegten Eingeweiden der Erde. Alle zehn Schritt wechselt das Bild, und immer wieder macht man bei neuen staunenerregenden Ausblicken halt.
Selbstverständlich bleibt die Fernsicht über die ganze Talniederung unverändert, und das Bild des Labyrinths der jetzt bei Sonnenuntergang kupferroten Tempel und Pagoden mit ihren hellen Zinnen aus Kalkstein wird von so geringen Änderungen des Gesichtswinkels nicht merklich beeinflußt. Der Vordergrund dagegen, der Rand mit seinen Vorsprüngen, Kaps und bisweilen freistehenden Pfeilern wandelt sich und gibt dem roten Hintergrund in der Talschlucht einen ständig wechselnden Rahmen. Immer wieder bleibt man stehen voll Staunen, Entzücken und Bewunderung. Ich mache auch hier und da Rast, um eine Skizze zu zeichnen. Mich in Farben zu versuchen, dazu reicht die Abendstunde nicht. +Wie+ ich das Bild haben möchte, sehe ich genau, aber ich kann nicht, und die Zeit reicht nicht. Jetzt, da der Purpurglanz verblaßt ist, würde ich die Pyramiden und Tempel mit der Farbe einer frischgeputzten Kupferkanne decken, aber nicht blank und glänzend wie diese, sondern matt. Ich wünschte, ich könnte die Aussicht auf Osiris-, Schiva-, Isis- und Buddha-Tempel in einer Reihe von Bildern darstellen mit dem sterbenden Licht der Abendröte auf den Steilhängen. Während der zwei Stunden vor dem Sonnenuntergang müßte in jeder Viertelstunde ein Bild gemalt werden. Das würde eine Reihe geben, in der jedes Bild von den übrigen verschieden wäre. Man würde dann sehen, wie die prächtige rote Beleuchtung anfangs beträchtliche Felder der Hänge und Abstürze färbt, wie diese Lichtfelder dann allmählich an Umfang und Glanz abnehmen und wie sie unmittelbar nach dem Sonnenuntergang völlig erlöschen. So würde man finden, daß um 7 Uhr nachmittags sieben Zehntel des Tales unter Schatten verborgen sind. Und wo die Schattenfelder sich ausbreiten, verschwinden die Einzelheiten. Aber je mächtiger die Schatten werden, desto schärfer zeichnen sich die noch von der Sonne beleuchteten Teile ab. Wie dunkel die Schatten auch sind, so spielt ihr Farbton doch stets ins Bläuliche. Über dem Ganzen wölbt sich ein merkwürdig hellblauer Himmel, und im Vordergrund unter meinen Füßen erhebt das „Kriegsschiff“ seinen dunklen Rumpf wie ein für immer verankertes Gespensterschiff.
Sechs Stunden lang streifte ich einsam am Rand entlang. Als die Dämmerung ihre Fittiche über den Gran Cañon breitete, schlug ich den sichern Waldweg ein, auf dem sich jetzt kein Lebewesen blicken ließ, und kehrte nach El Tovar zurück, um den Abend in der Gesellschaft des Herrn Harvey, des Obersten Crosby, des Herrn Clarkson und des jungen Architekten Shaw zu verbringen. Auch heute sprachen wir über die brennende Frage, die uns schon mehrmals beschäftigt hatte, über das neue Hotel. Ich äußerte meine persönliche Meinung unumwunden -- die Amerikaner haben die ungewöhnliche, sehr sympathische Eigenschaft, mit Vergnügen und Aufmerksamkeit die Ansichten anderer Menschen anzuhören, auch wenn diese ihrer eignen Auffassung gerade entgegengesetzt sind. Ich erzählte, daß ich in Chicago im Bureau der Santa-Fé-Gesellschaft eines Tags die bescheidene Bitte aussprach, im Hotel in El Tovar ein Zimmer zu erhalten, von dessen Fenster ich freie Aussicht auf den Cañon hätte. Ich würde dann zu jeder beliebigen Tageszeit eine schnelle Skizze zeichnen oder einen flüchtigen Beleuchtungseffekt festhalten können und meine Zeichen- und Malutensilien stets bei der Hand haben; ich könnte im Schlafrock den Sonnenaufgang bewundern und könnte mitten in der Nacht das zauberhafte Spiel des Mondscheins auf den Zinnen der Tempel schauen. Doch als ich nach El Tovar kam, fand ich, daß es ein solches Zimmer nicht gab. Ein halbes Jahr vorher hatte ich in San Remo im Grand Hotel gewohnt, wo wenigstens jede Wohnung ihren eignen kleinen Balkon mit Aussicht aufs Meer hatte. Denn gerade das Meer will man vor Augen haben, wenn man San Remo aufsucht, um sich zu erholen. Und was ist das Meer im Vergleich zum Gran Cañon! Das Meer mit seiner Unendlichkeit ist stets fesselnd, und man wird nicht müde, es zu sehen. Aber es nimmt sich doch in allen Küstenstädten ziemlich gleich aus. Der Gran Cañon dagegen ist einzigartig, und wenn man wie die meisten Touristen nur für einen oder zwei Tage hierherkommt, will man sich seine Schönheit möglichst nachhaltig einprägen. Wir waren, glaube ich, in diesem Punkt ziemlich einig, und ich gebe mich der frohen Hoffnung hin, wenn ich das nächste Mal den Gran Cañon besuche -- falls daraus jemals etwas wird --, in einem Zimmer wohnen zu können, wie ich es mir gedacht habe.
Wir saßen noch eine Zeitlang im Vortragssaal und hörten im Rundfunk Gesang und Musik von Los Angeles und Kansas City. Es kam mir etwas banal vor, war aber doch merkwürdig, hier mitten in der erhabenen Stille der Wildnis.
Mein nächster Ausflug galt dem Teil des Südrandes, der westlich von El Tovar liegt. Im großen ganzen geht der Weg erst nach Westsüdwesten, dann nach Nordwesten und Norden und schließlich nach Osten. Den Rand selbst berührt man erst, wenn man das Ziel, Havasupai Point, fast erreicht hat. Die ganze Reihe von Kaps, die auf dieser Strecke in den Cañon hinausragen, bleibt in beträchtlicher Entfernung zur Rechten und ist von unserm Weg aus nicht sichtbar.
In diesen westlichen Regionen beschreibt der Fluß in seiner Granitschlucht (Granite Gorge) gewaltige Krümmungen. Auf dem Havasupai-Kap hat man den Colorado im Osten, Norden und Westen. Man befindet sich auf einer Halbinsel, deren Nordrand die jahrmillionenlange Erosion bis aufs äußerste zerfressen und zernagt hat. Westlich dieser Halbinsel macht der Fluß einen plötzlichen scharfen Bogen nach Süden um den Rücken, der Marcos Terrace, herum, die auf dem Nordufer vom Powellplateau vorspringt. Südlich davon schneidet eine mächtige, Aztec Amphitheater genannte Einbuchtung tief in den Südrand ein. Noch weiter im Westen fließt der Colorado eine Strecke nach Nordosten, ehe er in gewaltigen Krümmungen nach Westen und Süden biegt, um erst die Grenze zwischen Arizona und Nevada und dann zwischen Arizona und Kalifornien zu bilden und schließlich auf mexikanischem Gebiet in den Golf von Kalifornien zu münden. Im Imperial Valley, nahe der Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko, hatte ich später Gelegenheit, den Fluß wiederzusehen, einen der merkwürdigsten auf Erden.
Colorado aufwärts.]
Besser hätte ich den Mittsommertag nicht feiern können als durch diesen unvergeßlichen Ausflug nach Havasupai Point. Herr West, einer der prächtigen Führer von der Verwaltung des Nationalparks, fuhr mich in einem kleinen Fordauto die 45 Kilometer, die uns von unserm Ziel trennten. Wir hatten einen entzückenden Tag. Ich segnete unsern kleinen Fordwagen und seinen großen Vater Henry; denn daß das Auto dieses Stückchen überstand, war ein Wunder. Mit Recht sagt N. H. Darton in seinem obengenannten Buch: „Leider ..... sind diese Punkte (Havasupai und seine Umgebung) von Straßen und Pfaden ziemlich entfernt und deshalb nicht bequem zu besuchen.“
Anfangs geht es noch, aber später ist der Weg schrecklich, ein Waldpfad, auf dem das Auto schlingernd und schleudernd über Wurzeln und Reisig rollt und in tiefen, unangenehmen Radspuren stößt und schüttert. Der Wald besteht zum größten Teil aus Kiefern; majestätische Stille herrscht zwischen den hohen dunklen Stämmen. Dann lichtet sich der Wald und hört auf, und es folgt Prärie mit Büschen und Rasenhöckern. Hier muß man sich bisweilen festhalten, um nicht hinauszupurzeln! Und dabei fuhr Herr West ebenso vorsichtig wie geschickt. Am schlimmsten war es, als wir über Felsen fuhren, die aus den lockern Erdschichten emporragten und wo man jeden Augenblick befürchten mußte, daß einem im scharfkantigen Schutt ein Reifen zerschnitten wurde.
Ein Reh setzte in leichten Sprüngen über das Gelände, und an einigen Büschen faulenzte eine Herde von sieben verwilderten Eseln. Sie spitzten die Ohren, betrachteten uns unverwandt und standen unbeweglich, solange wir fuhren. Aber als wir einmal hielten, stoben sie in wilder Flucht davon, um an einem entferntern Ort wieder haltzumachen und uns von neuem zu beobachten -- ganz wie die Wildesel in Tibet, wenn eine Karawane daherzieht.
Wir fuhren an einer Hütte vorüber, wo ein Pferdebesitzer sein Hauptquartier hat, schaukelten zwischen Black Bush und Sage Brush[3] vorwärts und erreichten schließlich einen sehr schönen Wacholderwald. Die Wacholder waren so groß wie Bäume, und wirkungsvoll hoben sich ihre schwarzen Stämme von dem frischen tiefen Grün der Nadelkronen ab, ein prächtiges Bild, zumal der Boden ziegelrot war. Nach zweieinviertel Stunden waren wir glücklich bei Baß Camp, wo ein paar Hütten stehen und einige Männer im Dienste des Nationalparks beschäftigt waren. Von diesem Punkt hatten wir nur noch zwanzig Minuten bis Havasupai Point.
In der Nähe des Kaps war der Boden ziemlich hart und eben. Wir fuhren bis auf die Spitze hinaus. Wenn man hier in voller Fahrt ankommt und am Motor oder Steuerrad etwas nicht in Ordnung ist, hat man alle Aussicht, über den Rand in den Luftraum hinauszurollen, um einige Sekunden zwischen Himmel und Erde zu schweben und 1000 Meter tiefer in einen Scherbenhaufen verwandelt zu werden. Aber Herr West stoppte im rechten Augenblick und stellte den Fordwagen in den Schatten eines Wacholders. Er nahm eins der Autopolster und legte es auf die äußerste Spitze des Kaps, und ich ließ mich hier mitten in der Sonnenglut nieder. Die Steine waren so warm, daß man sie nicht berühren konnte, und das Kissen roch fast wie angesengt.
Havasupai Point liegt 2028 Meter über dem Meeresspiegel; die Aussicht ist überwältigend, so ungeheuer sind die Maße und so kühn und wunderlich bizarr die Linien.
Es war fast 3⁄41 Uhr, als wir unser Ziel erreichten. Ich hatte also knapp viereinhalb Stunden zur Verfügung, denn spätestens um 5 Uhr mußten wir die Rückfahrt antreten. Im Dunkeln ist es ganz unmöglich, den Weg zu finden, ja selbst bei Tageslicht fährt man auf einzelnen Strecken nach dem Gefühl, wo einem das Gelände gerade fahrbar zu sein scheint. Ich wußte ja nicht, ob ich jemals in meinem Leben an diesen Platz zurückkommen würde, und die fliehenden Stunden mußten darum ausgenutzt werden. Die erste halbe Stunde kommt man nicht aus dem Staunen. Man ist benommen von diesem Anblick und schaut und schaut. Es ist zu viel auf einmal. Nach allen Richtungen, außer nach Südwesten, ist die Aussicht überwältigend. Man wird still und stellt keine Fragen. Für den Augenblick interessiert es mich nicht im geringsten, wie alle diese Pyramiden, Rücken und Abgründe auf der Karte heißen. Mir ist, als stünde ich vor dem Hochaltar der heiligsten Kirche der Erde. Ich vergesse fast zu atmen und ringe nach Luft. Ich brauche Zeit, mich zu sammeln und meine Eindrücke und Begriffe von Raum und Entfernungen, von Maßen und Neigungswinkeln, von Farben und Formen zu ordnen. Ich erblicke den Fluß unten in der Granitschlucht und habe eine Stütze für die Orientierung.
Dann richte ich meine Aufmerksamkeit auf die nächste Umgebung. Ich stehe auf einem Kap, das wie ein Bugspriet nach Nordosten vorspringt und das auf allen Seiten, im Westen, Norden, Osten und Süden, von bodenlosen Abgründen umgeben ist, nur in Südwesten hängt es mit der breiten, vom Colorado umflossenen Halbinsel zusammen. Auch auf Havasupai Point befindet man sich wie auf einem Sprungbrett, das in den leeren Raum hinausragt. Von dem Fluß selbst sind beträchtliche Strecken zu sehen, die sich als schmales graues Band abheben, und hier und da erkennt man deutlich die Stromschnellen. Nach Osten, d.❁h. in die Gegenden, die ich schon kannte, reicht der Blick bis zu der wohl 50 Kilometer entfernten Mauer der Palisaden. Dieser prächtige Hintergrund ist in schwachen leichten Tönungen wie durch ein offnes Tor zu sehen, dessen Pfeiler von scharf gezeichneten, jäh abstürzenden Kaps des Nord- und des Südrandes gebildet werden. In mein Tagebuch schrieb ich zum fünftenmal: Dieser Punkt bietet doch die schönste Aussicht im Gran Cañon! Sie übertrifft alles, was ich bisher gesehen habe. In der Zeit, die ich am Rio Colorado schon zugebracht hatte, hatten sich meine Eindrücke von diesem märchenhaft herausgemeißelten Teil der Erdrinde im Crescendo gesteigert, und ich nahm als feststehend an, daß Havasupai Point ein Höhepunkt sein werde, der nicht mehr überboten werden konnte.
Nachdem ich mich von dem ersten Erstaunen erholt hatte, nahm ich Zeichenblock und Bleistifte hervor. Zu irgendwelchen farbigen Versuchen reichten die armseligen vier Stunden nicht. Ich begann eine Skizze der Landschaft im Westen. Sie zeigt einen nahen Ausläufer des Südrandes, der in Westnordwesten in den Fossil Mountain übergeht. Dieses Bild gibt eine recht klare Vorstellung von dem bei allen Tempeln und Pagoden wiederkehrenden Wechsel zwischen steilen Absätzen und senkrechten Wänden und von den vorspringenden Leisten, die deutlich die horizontale Lagerung der Schichten verraten. Man läßt den Blick an diesen Steilhängen hinuntergleiten und sieht, wie sie bis in schwindelnde Tiefen unmittelbar unter unsern Füßen hinabreichen. Hinter diesen pyramidenförmigen Gipfeln sieht man den überall im Gran Cañon gleichen Hintergrund mit seiner Schichtenfolge in verschiedenen Farbtönen.
Nachdem ich mich mit meiner ersten Zeichnung fast zwei Stunden lang abgemüht habe, beginne ich die nächste, indem ich mich weiter nach rechts wende und die Richtung Nord 20° West in die Mitte des Blockes nehme. Im Vordergrund der Skizze (S. 147) ist die Spitze eines Ausläufers zu sehen, der wohl zum Fossil Mountain gehört und auf seiner Ostseite eine Reihe von vier einander recht ähnlichen senkrechten Partien zeigt. Da sie aus der in dichtem Schatten liegenden Mauer vorspringen, von der sie ein Teil sind, werden sie scharf von der Sonne beleuchtet und heben sich von dem schwarzen Hintergrund grell ab. Sie gleichen den Pfeilern eines riesigen Bauwerks. Ein übermenschlicher Baumeister hat die Zeichnung dazu entworfen. In ihrer dekorativen Schönheit und Größe sind sie grenzenlos phantastisch, und man fragt sich, ob man vor einem archäologischen Rätsel steht. Ist es möglich, daß die Natur selbst diese regelmäßigen wandfesten Säulen hat formen und modellieren können? Wie ich mit dem Bleistift ihren Umrißlinien folge und die Schatten einzeichne, so wie ich sie sehe, kann ich mich nicht des Gedankens erwehren, daß dieses Detail auf der Skizze höchst unwahrscheinlich aussieht. Wenn jemand an der Richtigkeit der Darstellung zweifelt, kann er ja hinfahren und nachsehen. Die Reise ist äußerst bequem, und bis man den Gran Cañon erreicht hat, wird der schlechte Weg, den ich beschrieben habe, ohne Zweifel durch eine Zementstraße ersetzt worden sein.
Die hohe Partie, die auf meiner Zeichnung über und hinter den Pfeilern zu sehen ist, ist Grand Scenic Divide, und die Taltiefe diesseits seines Rückens ist der Serpentine Cañon. Noch weiter hinten erblickt man andere Teile der Einrahmung des Gran Cañon. Es ist jedoch nicht immer leicht herauszufinden, wie das, was man sieht, zusammenhängt, da bei gewissen Beleuchtungen die stets in gleicher Höhe liegenden Schichten zu scheinbar fortlaufenden Linien verschmelzen, während sie in Wirklichkeit verschiedenen Teilen angehören. Aus demselben Grund ist es nicht leicht zu bestimmen, wo der Colorado die Landschaft, die wir sehen, verläßt.
Jenseits des Flusses, im Nordwesten, hebt sich das mächtige Powellplateau ab mit einer Menge von Ausläufern nach Süden, Südwesten und Westen, im Osten begrenzt von dem tief eingeschnittenen Muav Cañon.
Schließlich hatte ich nur noch eine halbe Stunde zur Verfügung; sie wurde zum größten Teil zu einer Skizze der Aussicht nach Nord 30° Ost (S. 151) benutzt. In ihrem Vordergrund ist die Rinne des Flusses zu sehen, dahinter das Gewirr der Felsrücken und Seitencañons, die zum Shinumo Amphitheater gehören. Dieser ganze Teil des Gran Cañon lag jetzt in der Glut der Nachmittagssonne, und die Schatten hatten sich noch nicht der Hänge der Berge bemächtigt. Ohne diesen harmonischen Wechsel von Licht und Schatten tritt die rücksichtslos kühne Skulptur nicht hervor. Die Entfernung bis zu dem ganz hinten im Nordosten liegenden Nordrand, der auf meiner Skizze angedeutet ist, beträgt fast 17 Kilometer.
Da noch acht Minuten bis 5 Uhr fehlten, nahm ich ein neues Blatt vor und warf in aller Eile eine Umrißzeichnung der Landschaft im Osten (S. 155) aufs Papier. Es konnten freilich nur die großen Züge gegeben werden, ein flüchtiger Eindruck, eine Stütze fürs Gedächtnis.
Zum Schluß will ich einige Zeilen Dartons über die Geologie dieser Gegend anführen. Er sagt über das Powellplateau: „An dessen südöstlichem Ende liegt Dutton Point mit großen Steilhängen aus Kaibabkalkstein und grauem Coconinosandstein und darunter mit gewaltigen Stufen aus rotem Supaisandstein. Am Südrande des Powellplateaus liegt Wheeler und weiter nach Westen Ives Point, die überall dieselbe Schichtenfolge zeigen wie Dutton Point. Die Granitschlucht läuft jenseits dieser Kaps nach Westen weiter, hört aber auf, wenn der harte Granit schließlich an der großen Flußkrümmung südlich des Powellplateaus untertaucht und verschwindet. In der Tiefe des Shinumo Creeks und längs der Abhänge des Gran Cañon rechts und links der Mündung des genannten Creeks sieht man große Massen von dunklem Sandstein, Kalkstein und rotem Schiefer der Unkargruppe, die über dem Granit liegen. Die Unkarschichten sind infolge vieler Verwerfungen stark gefaltet und gebrochen.“
Während ich zeichnete, hatte Herr West Feuer gemacht, Kaffee gekocht und den Inhalt unseres Proviantbeutels aufgetischt. Im Schatten eines üppigen Wacholders nahmen wir unsern späten Lunch ein, mit Gebäck und Apfelsinen als Nachtisch. Schnell waren wir fertig, dann packten wir unsere Siebensachen wieder ins Auto und traten die Rückfahrt an -- durch einsamen Wald und Prärien.
[3] Professor Skottsberg teilt mir mit, daß Black Bush und Sage Brush die zwei wichtigsten charakteristischen Sträucher auf dem Coloradoplateau und den Cañonhängen sind: Black Bush, ~Coelogyne ramosissima~, ist eine Rosazee; Sage Brush, ~Artemisia tridentata~, ist eine Beifußart.
Zehntes Kapitel.
Nach Phantom Ranch am Nordufer des Colorado.
Ursprünglich war es meine Absicht gewesen, von El Tovar geradeswegs nach Los Angeles zu reisen. Allgemein sagte man mir, ich könnte mir den Nordrand des Gran Cañon recht gut schenken, da er sich an Naturschönheit mit dem Südrand nicht zu messen vermöge. Als Beweis führte man an, daß der Nordrand mit seiner höchst phantastisch eingeschnittenen und zernagten Umrißlinie und seinen ungemein malerischen Pyramiden und Tempel einen unvergleichlich schönern Anblick vom Süden aus gewähre als die Südseite; dieser fehlten von Norden gesehen die scharfen Einbuchtungen und freistehenden Türme und Tempel. Man wies auch darauf hin, welche Bedeutung die Beleuchtung habe. Da die Sonne im Süden steht, muß man vom Südrand aus seine Beobachtungen machen, wenn man die Wirkungen des Sonnenlichts auf die im Norden gelegenen riesenhaften Skulpturen sehen will. Von Norden aus zeigt die Mauer des Südrandes dagegen eigentlich einen fortlaufenden Schatten ohne Einzelheiten und ohne hervortretende Formen. Schließlich hob man auch hervor, der Nordrand sei im allgemeinen 300 Meter höher, so daß sich der Südrand, von der gegenüberliegenden Seite aus gesehen, weniger imposant ausnehme als umgekehrt.
Eines Tags lernte ich jedoch einen Herrn kennen, der selbst auf dem Nordrand gewesen war und der erklärte, die Aussichten, die man von dort aus genieße, seien das Großartigste, was der Gran Cañon an überwältigender Naturschönheit biete. Seiner Ansicht nach ist die Entscheidung über die Vorzüge der beiden Ränder nur eine Frage der Konkurrenz. Die Union Pacific Railway Co. soll nämlich die Absicht haben, eine Bahnlinie an den Nordrand des Gran Cañon zu bauen und dort ein prächtiges Hotel zu errichten, das nach Fertigstellung den Wettbewerb mit der Santa-Fé-Bahn und El Tovar aufnehmen werde. Ich für meinen Teil glaube freilich, daß, selbst wenn dieser Plan ins Werk gesetzt wird, die Santa-Fé-Gesellschaft und Ford Harvey ganz beruhigt sein können. Denn welche Vorzüge der Nordrand auch haben mag -- Vergleiche sind hier übrigens unmöglich --, so hat man den Gran Cañon gar nicht gesehen, wenn man nicht den Südrand in der Gegend von El Tovar und vor allem bei Navaho Point (Desert View) besucht hat. Nur von Süden aus sind die Tempel in Verkürzung und in der feuerroten Abendbeleuchtung zu sehen. Im Norden hat man zwar ihre ungeheuren Felsmassen viel näher, aber man beherrscht sie nicht alle auf einmal, und es entgeht einem die gleichmäßige tiefe Glut der Abendsonne auf ihren Hängen. Ich glaube daher nicht, daß ein Konkurrent im Norden eine Gefahr für die Entwicklung von El Tovar bedeuten könnte -- eher einen Vorteil.
Denkt man sich auf jeder Seite des Gran Cañon ein prächtiges Hotel, die beide mit magnetischer Kraft Massen von Touristen an sich ziehen würden, so entsteht die Frage, wie zwischen ihnen eine Verbindung quer über die Taltiefe herzustellen wäre. Eine Bahnlinie ist unmöglich. Aber eine Autostraße mit Tunneln und malerischen Galerien!
Eine solche würde es jedem, auch älteren Leuten, ermöglichen, den Gran Cañon gründlich zu sehen. Doch Automobile im Gran Cañon wären eine Geschmacklosigkeit, die den Zauber der Wildnis vernichten würde, eine Entheiligung, die den Tempelfrieden des Tales stören würde. In dieser Hinsicht teile ich die Auffassung Clarksons und, wie ich glaube, auch der andern Herren in El Tovar: meinetwegen mag man in und über dem Gran Cañon in Flugzeugen kreisen, die keine Wege brauchen und keine Spuren hinterlassen, aber nur keine Automobile! Wer sich nicht der Mühe unterziehen will, auf dem Rücken eines Maultiers die schmalen, steilen Pfade hinabzureiten, muß darauf verzichten, am Ufer des Flusses zu rasten.
Für mich war es freilich ein leichtes, meinen Entschluß zu fassen. Ich hatte mich in den Gran Cañon eingelebt und hinreichend viel von ihm gesehen, um mir klar zu sein, daß ich diese Gegend nicht verlassen +konnte+, ohne auch am Nordrand gewesen zu sein. Meine Freunde Crosby, Clarkson und Petrosa billigten meinen Plan und erleichterten seine Ausführung in jeder Weise. Ich wollte den Bright Angel Trail hinabreiten, über den Fluß und zum Camp des Nordrandes hinauf und einige Tage im „Lager“ bleiben, um dann mit dem Auto nach Salt Lake City zu fahren. Nach dieser Stadt wurde also mein ganzes schwereres Gepäck mit der Bahn geschickt, und ich nahm nur das unbedingt Notwendige in einer kleinen Tasche mit, vor allem Zeichen- und Malgerät. Meine ganzen Habseligkeiten hatten in einer Satteltasche meines Maultiers Platz. Man telephonierte an die Stationen im Norden und willfahrte gern meinem Wunsch, Sandy MacLean, den ich schon kannte, als Führer zu erhalten. Oberst Crosby gab mir alle Aufschlüsse, die ich brauchen konnte, und ein paar neue Kartenblätter.
(29. Juni).]
An den beiden letzten Abenden in El Tovar war ich draußen am Hochrand, um die wunderbare Stimmung zu genießen, die der Mondschein hervorrief. Eine ungestörte, fast unheimliche Stille lag über der Gegend. Nur hin und wieder hörte man das Rufen eines Nachtvogels. Die Kiefern ganz draußen am Rand werfen dunkle Schatten auf den Boden. Bisweilen ist hier oben nur der Schatten des Stammes zu sehen, während der Schatten der Krone über tausend Meter tiefer im Grunde des Tales den Boden trifft. Nur die nächsten Kaps und Vorsprünge heben sich in bleichem, bläulichem Licht ab. Aber vor ihnen gähnt der dunkle unbekannte Abgrund, in dem alle Einzelheiten wie unter einem Schleier verschwinden. Die herrschende feierliche Stimmung läßt sich mit Worten nicht beschreiben. Wie angewurzelt steht man am Rand. Es ist Nacht. Die Erde schläft. Unter mir öffnet sich das unermeßliche Grab, dessen Schlund vom Silberschein des Mondes erfüllt ist und doch in geheimnisvollem Dunst verschwindet.
Ich wollte in der Frühe des 27. Juni mit Sandy aufbrechen. Aber ehe die letzten Vorbereitungen getroffen und Mundvorrat und Gepäck auf unsere beiden Maultiere geladen waren, war ein großer Teil des Vormittags verstrichen. Zum Schluß wurde ich noch photographiert. Man wünschte durchaus, ich sollte mich dazu an den äußersten Rand eines Absturzes setzen, der fast 300 Meter maß; das Bild, das nach Haus geschickt wurde, zeigt auch, daß ich mich nicht unbedingt auf mein eigenes Gleichgewicht verließ, sondern mich mit beiden Händen aufstützte. Nachdem ich meinen Freunden Lebewohl gesagt hatte, brach ich endlich um 11 Uhr auf. Oberst Crosby begleitete mich zu Fuß bis zu dem Punkt am Rand, wo der Pfad in unzähligen Zickzackbiegungen steil hinabführt. Er beginnt unmittelbar westlich des Hotels. Im allgemeinen gilt er als steiler als der westlichere, nach Hermit Camp führende Pfad. Sicher ist, daß man in noch höherm Grade die Bewegungen des Maultiers zu parieren sucht, indem man sich nach hinten lehnt und auf den Rücken seines Reittiers zu liegen kommt. Auf den Hängen wachsen Laubbäume, vor allem Eichen, und Sträucher. Wir befinden uns noch im Schatten der fast senkrechten Kaibabmauer. Die Luft ist herrlich. Oben hatten wir um 10 Uhr 23,5 Grad gehabt.
Darton gibt in seinem Buch einen Überblick über die Schichten und Gesteine, an denen man auf diesem Weg vorüberkommt, und führt auch die Mächtigkeit der verschiedenen Ablagerungen an. Die oberste, der Kaibabkalkstein, auf dem 2093 Meter über dem Meer El Tovar erbaut ist, ist hier 206 Meter mächtig, und gewisse Lagen seiner weißen feinkörnigen Schichten, auf denen der Bright Angel Trail gebaut ist, sind reich an Abdrücken fossiler Muscheln und an Bruchstücken harten gelben Feuersteins.
Gerade da, wo dieser Kalkstein aufhört und man den 95 Meter mächtigen grauen Coconinosandstein betritt, ist ein kleiner kurzer Tunnel gesprengt. Die Grenze der beiden Formationen ist sehr deutlich. Am Tunnel kommt man auch an einer gewaltigen Verwerfung vorüber. Der Teil der Cañonmauer, der westlich der Verwerfungslinie liegt, ist durch eine Hebung der Erdrinde 43 Meter über den östlichen emporgehoben worden. Der Tunnel selbst verläuft daher ganz im Coconinosandstein. Übrigens liegt der Bright Angel Trail zum größten Teil östlich der Verwerfungslinie; erst weiter unten, wo der Pfad die Ablagerungen der Tontogruppe betritt, führt er westlich davon. Unmittelbar ehe man die östliche Mündung des Tunnels erreicht, sieht man sehr deutlich die Schichtung des Kalksteins und Sandsteins in ihrem gegenseitigen Verhältnis und zur genannten mächtigen Spalte, in der die Bruchflächen der Erdrinde aneinander abgeglitten sind. Lockeres Material des Verwerfungsgebietes ist hinuntergestürzt und hat einen Schuttkegel gebildet, ohne den es unmöglich gewesen wäre, einen Pfad anzulegen und an dem sonst unübersteigbaren Hindernis vorüberzukommen, das die senkrechte Coconinomauer im Gran Cañon überall bietet.
Auf der ganzen Strecke von El Tovar bis hinunter zur Brücke und über den Colorado bewegt man sich im großen und ganzen nach Nordosten, während der Pfad zahllose kleine scharfe Krümmungen macht.
Der Übergang vom Coconino zu der roten Supaiformation, die hier eine Mächtigkeit von 340 Meter hat, ist sehr schroff. Die amerikanischen Geologen haben gefunden, daß Schichten von hartem Sandstein mit solchen von weichem Schiefer abwechseln; das hat zur Folge gehabt, daß die Kräfte des Luftmeers Terrassen und Tische herausgemeißelt haben, die immer rot und oft von prächtiger architektonischer Wirkung sind. Diese Struktur tritt an dem „Kriegsschiff“, das unmittelbar westlich unseres Weges seinen Rumpf erhebt, und an mehreren andern Steilhängen in unserer Nähe besonders schön hervor.
Südwestlich vom Rastplatz, 29. Juni, 101⁄2 Uhr.]
Dann folgen die Felsen des Redwall mit einer Mächtigkeit von 170 Meter. Darton weist auf eine allgemein vorkommende Erscheinung hin, die man vor allem bemerkt, wenn man die Riesenmauern des Gran Cañon in Farben wiederzugeben sucht. Die senkrechten Abstürze des Redwall sind nämlich von dem Schlamm, den das Regenwasser von den darüberliegenden roten Schiefern mit sich führt, in verschiedenen Schattierungen rot gefärbt, während der Kalkstein selbst im Bruch hellgrau ist. Die rote Farbe ist also eine Folgeerscheinung, die aber zu dem Namen Redwall Anlaß gegeben hat.
Auf Metallschildern, die die Geologische Landesuntersuchung hat anbringen lassen, sind die absoluten Höhen angegeben. Auch hier erfährt man also von Zeit zu Zeit, wie tief man unter den Hochrand hinabgestiegen ist. Bei der Höhenzahl 3876 Fuß (1181 Meter) über dem Meer soll Platin gefunden werden, wie mir Sandy erzählt. Der Weg dorthin trägt den bezeichnenden Namen „Jakobsleiter“; er ist in der Tat halsbrecherisch.
Die Ablagerungen der Tontogruppe, auf denen wir uns jetzt befinden, sind 245 Meter mächtig. Der Indian Garden, wohin es von der Höhenmarke 3876 nur noch einige Minuten sind, liegt also im Tonto. Der Seitencañon, dem wir die ganze Zeit gefolgt sind, heißt Garden Creek.
Unser heutiger Ritt maß fast 20 Kilometer, und wir waren fünf Stunden unterwegs. Aber wir rasteten auch mehrere Male, um zu zeichnen, und gönnten uns im Indian Garden eine herrliche Ruhestunde. Die Temperatur betrug hier um 1 Uhr 35 und in der Sonne 46 Grad. Der Indian Garden ist eine kleine prächtige Oase in dieser sonnendurchglühten Steinwüste. Hier treten lebenspendende Quellen zutage und bilden einen munter plätschernden Bach mit klarem, lauwarmem Wasser von 23,6 Grad. Wie Darton berichtet, benutzten die Indianer es zur Bewässerung ihrer Getreidefelder, mehrere hundert Jahre vor der Ankunft des weißen Mannes. Mit Weinranken überwachsene Weiden und ein üppiger Pflanzenwuchs bilden ein kühle, feuchte Laube, durch die der Quellbach fließt. Ungern verläßt man den angenehmen Schatten, um sich wieder der Sonnenglut auszusetzen. Die zu El Tovar gehörenden Häuser am Anfang des Bright Angel Trail sehen von hier unten wie kleine Punkte aus.
Auf dem harten Sandsteingrund der Tontoplattform führt unser Weg entlang, nachdem wir den Indian Garden und seinen Creek verlassen haben. Wir reiten eine Strecke nach Osten und haben Isis und Buddha Temple zu unserer Linken und Brahma und Zoroaster Temple halb links vor uns. Den Tonto Trail, dessen Anfang wir bei Hermit Camp sahen, lassen wir links liegen. Hoch oben auf den Hängen unterhalb des Südrandes erblicken wir eine Reiterschar. Infolge der Entfernung sieht es aus, als bewege sie sich nicht von der Stelle. Yavapai und Yaki Point schweben hoch über uns als scharf gezeichnete Vorsprünge. Wir kommen an zwei Grotten vorüber, die in einer senkrechten Felswand etwas über dem Boden liegen; in ihnen haben vor Zeiten Höhlenbewohner gehaust. Eine kleine Herde verwilderter Esel (Burros) kreuzt kaum 100 Meter vor uns den Pfad und verschwindet zwischen den Hügeln in einer hellgrauen Staubwolke. In der Ferne ist eine zweite Herde zu sehen. Ich betrachtete sie nicht mit derselben Aufmerksamkeit und Bewunderung wie ihre wilden Stammesgenossen in Tibet. Sie sind wie wir selbst Fremdlinge in dieser erhabenen Natur; nur ein Zufall hat sie hierhergeführt. Büsche, die in Erosionsfurchen und Schluchten wachsen, und die vertrockneten Grashöcker auf den Hängen geben ihnen Nahrung.
Wir betreten nun den Pipe Creek, mit dem sich weiter unten der Garden Creek vereinigt. Hier steht noch eine grün angestrichene Hütte aus der Zeit, als Phantom Ranch, unser nächstes Ziel, erbaut wurde. Nach kurzer Frühstücksrast kommen wir an Burro Spring und seinem kleinen Rinnsal vorüber, und eine halbe Stunde später hebt sich in der Tiefe unter uns jenseits des Flusses Phantom Ranch ab. Eine Tafel gibt an, daß wir bis zur Brücke über den Colorado noch zwei Meilen (3,2 Kilometer) haben. Kurz darauf treten alle die Felsen und Vorsprünge zurück, die bisher die Aussicht auf den Fluß verdeckten. Die Landschaft in ihrer dunklen engen Wildheit wird jetzt wieder überwältigend, und auf halsbrecherischen Abhängen steigen wir in die Granitschlucht hinab, die hier 421 Meter tief ist. Schon von der Tontoplattform hatten wir eine prächtige Aussicht auf die Rinne, aber jetzt stehen wir an ihrem Rand, und alle Einzelheiten treten hervor. Je tiefer wir hinabkommen, desto stärker wird das Tosen der Stromschnellen. Die Hängebrücke über den Fluß erscheint schmal wie ein Streichholz, und ihr ebenso schmaler Schatten liegt als schwarzer Strich auf dem grauen Wasser.
Während des ganzen Abstiegs hatten wir, ebenso wie von El Tovar aus, vorzügliche Aussicht auf das Tal, das von Nordosten kommend in den Gran Cañon mündet und Bright Angel Creek heißt. Dies Tal wollten wir am nächsten Tag hinaufreiten. Seine untern Teile schneiden in Granit und Gneis ein, während die mittlern Regionen durch die Gesteine der Unkargruppe führen. Im Nordwesten, nördlich des Colorado, wie im Osten, südlich des Flusses, tritt die Unkarformation an mehreren Stellen zutage.
Nordwestlich vom Rastplatz, 29. Juni, 101⁄2 Uhr.]
Der Rio Colorado ist hier 90 Meter breit und 71⁄2 bis 101⁄2 Meter tief. Am südlichen Brückenkopf rasten wir im Felsschatten, und ich zeichne eine Skizze (S. 161), während Sandy die Maultiere hinüberführt. Die Brücke ist 128 Meter lang, 11⁄2 Meter breit und mit Bohlen belegt. An den Seiten ist sie mit Drahtnetz geschützt, so daß man ganz beruhigt sein kann, selbst wenn die Maultiere scheuen. Dagegen kann es gefährlich sein, sie bei starkem Wind zu überschreiten. Wie Sandy erzählt, geriet einmal die Brücke bei einem schrecklichen Sturm in so heftige Schwingung, daß sie sich überschlug. Seitdem ist sie mit Hilfe von eisernen, an den Seiten angebrachten Kabeln besser verankert worden. Wir befinden uns hier 762 Meter über dem Meer und sind somit von El Tovar 1331 Meter hinabgestiegen.
Nach Überschreiten der Brücke reitet man ein Stück auf einem Gesims am rechten, nördlichen Ufer, unmittelbar über den sich dahinwälzenden Wassermassen. Dann verläßt man den schwindelerregenden Pfad, kreuzt einen Flugsandgürtel, auf dem Büsche wachsen, und erreicht schließlich den Punkt, wo der Bright Angel Creek in die Rinne des Colorado, die Granite Gorge, mündet. In dem Seitental fließt ein Bach, an dessen Westufer der Pfad zu der gemütlichen Unterkunftsstation Phantom Ranch hinaufführt. Hier sind hübsche Steinhütten erbaut; jede hat zwei kleine Veranden, zum Schutze gegen Insekten mit feinen Drahtnetzen versehen. Ebenso wie in Hermit Camp sind Küche und Speiseraum in einer besondern Hütte untergebracht, in der sich die Gäste zu bestimmten Zeiten versammeln.
Vom Sonnenuntergang sah ich heute abend nicht viel. Phantom Ranch liegt auf dem Grunde dieser tief eingeschnittenen Talschlucht, und man ist wie in einem Korridor eingeschlossen. Nur die Zinne des südlichen Cañonrandes rings um Yavapai Point wird von der sinkenden Sonne vergoldet, und auf den höchsten Kämmen, die den Bright Angel Creek umrahmen, blitzt hier und da ein goldner Streifen. Bald erlöschen sie, und schnell bricht dann die Dämmerung herein, hier unten in der Tiefe viel früher als auf den offnen Weiten von El Tovar.
Meine Hütte hat nur ein einziges Zimmer, das Schlafgemach mit indianischen Matten auf dem Fußboden, und ein Kämmerchen, in dem man sich durch eine herrliche Dusche erfrischen kann. Da es um 1⁄210 Uhr auf der Veranda, wo mein Bett stand, noch 34,6 Grad hatte, besprengte ich Fußboden, Dach und Gitter mit Wasser und erreichte dadurch, daß die Temperatur auf 28,6 Grad sank. Langsam steigt der Mond am Himmel empor. Während die Bergwand der rechten Talseite fast bis zum Fuß hinab beleuchtet ist, liegt die linke in dichtem Schatten. Es dauerte noch eine Weile, ehe der Mond sich über ihrem Kamm blicken ließ. Der Gesang der Grillen und das Murmeln des Baches sind die einzigen Laute, die die Stille der Nacht stören. Ich hatte erwartet, daß des Nachts ein kühler Bergwind ins Tal wehen würde, aber der herrschende Luftzug vermochte kaum die Blätter zum Rascheln zu bringen. Die Hitze des Tages bleibt im Tal drückend liegen, und die von der Sonne erhitzten Berghänge strahlen während der Nacht ihre Wärme aus. Trotz der eigenartigen Schönheit der Gegend und der Gemütlichkeit und Behaglichkeit in Phantom Ranch kann man sich nicht des Gefühls erwehren, als säße man in einem geschlossenen Wagen, und man sehnt sich nach weiten Horizonten. Ich beschloß daher, die nächste Nacht an einem höhern Punkte des Tals zuzubringen.
Am 28. Juni waren es um 5 Uhr morgens 25, um 10 Uhr 30,1 und um 11 Uhr 31,2 Grad.
Ganz in der Nähe der Stelle, wo der Bright Angel Creek in den Colorado mündet, ist auf einem Hügel eine kleine Hütte errichtet. Hier wohnt das ganze Jahr hindurch, einsam wie ein Eremit, ein Mann, der täglich den Wasserstand des Flusses und jeden zweiten Tag die Wassermenge mißt und telegraphisch nach Imperial Valley und Denver meldet. Seine einfache Wohnung erhält ihr Wasser durch eine Rohrleitung, die von einem Punkt oberhalb Phantom Ranch ausgeht, aber seine Mahlzeiten nimmt der Beobachter im Speisezimmer zusammen mit den Touristen ein. Er heißt J. W. Johnson und sein Titel lautet U. S. T. S. Recorder Grand Canyon, Chief Hydraulic Engineer U. S. Geological Survey, Washington, D. C. (Beobachter am Gran Cañon im Telegraphischen Staatsdienst, Wasserschutz-Oberingenieur der Geologischen Landesuntersuchung). Ich lernte also Herrn Johnson kennen und erhielt von ihm folgende Aufschlüsse.
Angel Cañon.
Aussicht nach Nord 25° Ost (29. Juni).]
Die Messungen werden von einem Korb aus vorgenommen, der auf einem neben der Brücke gespannten Kabel auf Rollen läuft. Das Kabel ist in zwanzig Abschnitte mit 15 Fuß (4,6 Meter) Zwischenraum eingeteilt; denn der Fluß hat hier eine Breite von 300 Fuß (91,5 Meter). Die Stromgeschwindigkeit in zwei verschiedenen Tiefen und die Flußtiefe werden also an neunzehn Punkten gemessen. Die mittlere Tiefe betrug jetzt etwas mehr als 9 Meter. Im Winterhalbjahr (September bis März) erreicht die Wassermenge ihren Tiefpunkt mit 153 Kubikmeter in der Sekunde, die bei dem Gefälle etwa 5400 Pferdestärken entsprechen. Bei meinem Besuch belief sich die Wassermenge auf 1740 Kubikmeter, und der Wasserstand war 4,9 Meter über Normal. Am 4. Juni hatte er 8,05 Meter und im Jahr 1921 9,75 Meter betragen. Am 4. Juni war die Wassermenge fast doppelt so groß gewesen wie heute am 28. Juni, nämlich 3400 Kubikmeter in der Sekunde. Die Stromgeschwindigkeit hatte an jenem Tag im Durchschnitt 2,13 Meter in der Sekunde erreicht. Die höchste Geschwindigkeit ist 3,35 Meter, die geringste 0,46 Meter in der Sekunde. Am Tage vor meiner Ankunft war die Wassermenge um 85 Kubikmeter geringer als am 28. Juni, und der Bright Angel Creek führte nur 0,86 Kubikmeter Wasser in der Sekunde. Das Wasser des Bright Angel Cañon stammt aus vier Quellen.
Im Jahr 1923 wollte E. L. Kolb zum drittenmal das Wagestück unternehmen, im Boot den Colorado hinabzufahren. Er war der Leiter einer Gruppe von zehn Topographen mit vier Booten. 1922 hatten sie ihre Messungen und kartographischen Arbeiten am Green River in Utah begonnen. Sie hatten zwei Monate gearbeitet und wollten jetzt in den nächsten drei Monaten nach Needles in Kalifornien hinunterfahren. In El Tovar hatte ich darüber einen interessanten, durch Karten und Bilder besonders gut erläuterten Vortrag von Herrn Kolb selbst gehört. Der erste, der sich durch eine solche Bootfahrt berühmt machte, war, wie schon erwähnt, Powell im Jahr 1869. Bei einer so tollkühnen Fahrt, auf der man ständig Gefahr läuft, in den Stromschnellen zermahlen zu werden, braucht man noch nötiger als sonst die Kraft seiner beiden Arme. Powell hatte nur einen Arm, aber er führte sein Wagnis trotzdem glücklich durch.
Man berechnet, daß jährlich an 300 Millionen Tonnen Schlamm in den Golf von Kalifornien geführt werden. In der Imperial Valley genannten Gegend, die auf der Grenze von Arizona und Kalifornien nicht weit von der Mündung des Colorado liegt, ist im Lauf von unübersehbaren Zeiten durch die Anschwemmungen des Flusses ein überaus fruchtbarer Boden entstanden. Aber da der Colorado in seiner Rinne durch sie hindurchfließt, ist das Gebiet selbst ohne Wasser und daher ganz wüst und öde. Später hat man sich den Fluß zunutze gemacht, Kanäle gegraben und ein Bewässerungsnetz angelegt, durch das viele Tausende Quadratkilometer der Wüste entrissen wurden. Vor einigen Jahren noch war diese Wildnis wertlos. Seitdem aber der Boden unermeßlichen Ertrag an Baumwolle und Früchten liefert, muß man bis zu zweitausend Dollar für einen Acre (40,5 Ar) bezahlen.
Im Interesse dieser Bewässerung macht Herr Johnson seine Beobachtungen und telegraphiert täglich nach Yuma, dem Hauptort im Imperial Valley. Man weiß daher volle sieben Tage vorher, welche Wassermenge man zu erwarten hat, und kann danach seine Vorkehrungen treffen. Später hatte ich Gelegenheit, in Begleitung eines der größten kalifornischen Grundbesitzer, der besonders im Imperial Valley begütert war, des Herrn Harry Chandler, diese merkwürdige Gegend zu besuchen.
Elftes Kapitel.
Durch den Bright Angel Cañon zum Nordrand hinauf.
Ich hatte in Phantom Ranch zu bleiben gedacht, um zu sehen, wie Herr Johnson seine Messungen machte, aber am Nachmittag erhielt Sandy den telephonischen Bescheid, wir müßten uns beeilen, da die Maultiere in El Tovar gebraucht würden. Obgleich es schon 2 Uhr war, machten wir uns also zu einem kürzeren Ritt fertig, zehn Kilometer aufwärts zu den Altar Falls, wo wir die Nacht verbringen wollten. Bei Phantom Ranch betrug die Temperatur um diese Zeit 36,1 Grad, um 3 Uhr, ein Stück weiter aufwärts im Bright Angel Cañon 39,6 und im Bach 22,8. Das Tal war schmal wie ein Korridor. An einer Stelle schrumpft es zu einem nur 6 Meter breiten Hohlweg zusammen. Hier und da wachsen Weiden und Büsche. Der Pfad ist recht schlecht, aber den Maultieren ist jedes Gelände recht. Das Tal ist von dem Brausen des tosenden Baches erfüllt, und in weißschäumenden kleinen Fällen und Stromschnellen zwängt sich das sonst klargrüne Wasser zwischen Steinen und Blöcken hindurch. Nicht weniger als sechsundachtzigmal mußten wir das Bächlein überschreiten.
Ab und zu ist der Nordrand zu sehen, die Zinne des Plateaus, in das der Fluß sich eingesägt hat. Dann weitet sich das Tal mehr und mehr. An einigen Stellen wachsen Pappeln; sie stehen meistens einzeln und tragen oft üppige Laubkronen. In einer kleinen Talweitung, wo mehrere Bäume einen Hain bildeten, machten wir auf einem schattigen Sandhügel kurze Rast. Die Temperatur war auf 37,8 Grad gefallen. Wir stiegen ja auch bergauf, im ganzen etwa 370 Meter.
Schließlich bogen wir in ein kleines Seitental zur Linken ein und erreichten bald die Altar Falls, wo wir uns 1160 Meter über dem Meer befanden. Das Seitental ähnelt einer Nische oder Tasche in dem roten, zur Unkargruppe gehörenden Gestein. Im innersten Teil dieser Nische hat der Quellbach in ihre senkrechte Hinterwand eine Kerbe eingeschnitten, und über deren Kante stürzt das Wasser in einem frei fallenden Strahl hinunter. Rauschend und spritzend schlägt es an einen sehr steilen, 24 Meter hohen Kegel aus Kalksinter, der an einen Altar erinnert, und fließt an seinen üppig bemoosten Seiten hinunter. Zischend peitscht das Wasser das Moos, und schießt dann in das kleine Becken hinab, das am Fuße des Kegels entstanden ist. Auch zu beiden Seiten sickern kleine Rinnsale hervor und bahnen sich einen Weg durch Kies und Moos, wo graue nasse dunkelbraune Tausendfüßler umhereilen. Unmittelbar unter dem Fall hatte das Wasser um 6 Uhr nachmittags eine Temperatur von 18 Grad. Von den 860 Sekundenlitern des Bright Angel Creek stammt nur ein geringer Teil von den Altar Falls. Die Höhe des Wasserfalls beträgt 35 Meter.
Für ein Freiluftlager kann man sich keinen angenehmern Platz wünschen. Nur dreißig oder vierzig Schritt unterhalb des Falls bestand der Boden aus rotem Sand. Hier wuchsen vereinzelte Pappeln und einige Sträucher. Unmittelbar am Fuß der senkrechten, zum Teil überhängenden Felswand grub mein braver Cowboy eine Vertiefung in den Sand für mein Bett. Er hatte nämlich Decken, Laken und Kissen mitgenommen. Die Maultiere wurden angebunden. Wasser hatten wir ganz in der Nähe, und Brennstoff gab es im Überfluß. Bald kochte es in den Töpfen, und die Eßvorräte, die wir von Phantom Ranch mitgenommen hatten, wurden auf dem Sande aufgetischt. Um 8 Uhr waren es 27 Grad in der Luft. Der Abend war herrlich, still und klar. Die Dämmerung wurde dichter. Am flammenden Lagerfeuer nahmen wir unsere Mahlzeit ein. Kaffee und Pfeifen erhöhten die Gemütlichkeit, und dann gingen wir zeitig zur Ruhe. Ich lag noch bis Mitternacht wach, genoß die wunderbare Stimmung und lauschte dem Rauschen des Falles und dem Murmeln des Baches, das von einem ganzen Konzert von Fröschen und Grillen begleitet war. Mit den Augen folgte ich der Bahn der Sterne über den schmalen Streifen Himmel, der zwischen den Felsgraten zu sehen war. Das kleine Seitental der Altar Falls läuft von Nordwesten nach Südosten. Die Sterne verschwanden nacheinander hinter der hohen Bergwand südwestlich des Lagers, die der Mondschein mit seinem Silber übergoß. Schließlich stieg der Vollmond über den Rand der Felsenmauer im Nordosten empor. Ich schlief eine Weile, und als ich wieder für einen Augenblick erwachte, hatte auch der Mond den dunkelblauen Raum zwischen den Felsenzinnen überschritten.
Juli).
Die waldbewachsene Erhebung links ist McClellan Point.]
Am 29. Juni betrug die Temperatur um 7 Uhr 22,2 Grad in der Luft und 16,7 im Bach. Wir frühstückten, packten unsere Sachen und setzten unsern Ritt den Bright Angel Creek hinauf fort, indem wir wie gestern wiederholt den Bach kreuzten. Der Weg ist schlecht, aber die Touristen verirren sich ja auch selten zum Nordrand; in diesem Jahr war es nur ein paarmal vorgekommen. Bei einer kleinen von links kommenden Schlucht mit einem verschwindend kleinen Bächlein, das mein Begleiter Wall Creek nennt, befinden wir uns 1190 Meter über dem Meer. Von hier sieht man mit Hilfe des Fernglases El Tovar und den Rauch einer Lokomotive. Kurz vor 10 Uhr sind es 39,6 Grad, die größte Wärme, die ich im Gran Cañon ablas; offenbar war diese Zahl durch die Ausstrahlung der Bergwände beeinflußt, denn oben in freierem Gelände stieg die Temperatur nicht so hoch.
Man verläßt nun den Talboden und steigt sehr steil eine Bergschulter hinan, nach Manzanita empor. Der Name ist nach Sandy mexikanisch und bedeutet „kleine Orange“; dieser Strauch kommt nämlich hier vor. Auf den Hängen der andern Talseite wachsen Kiefern und Wacholder. Der Weg führt meistens durch dickichtartige Gebüsche mit harten Zweigen. Nachdem wir die Höhe erreicht haben, geht es wieder Hals über Kopf zum Bach hinab. Von links kommt ein kleiner Bach und bildet schöne Fälle auf den Felsenplatten. Jetzt steht Wacholder- und Kiefernwald auch auf unserer Seite.
Bei Roaring Springs sind wir kaum 1200 Meter von Bright Angel Point entfernt, dessen gewaltige Mauern im Westsüdwesten fast senkrecht über uns emporragen. Trotzdem haben wir noch 51⁄2 Stunden bis dorthin, denn wir müssen mehrere Kilometer den Bright Angel Cañon hinauf nach Nordosten reiten, ehe wir an eine Stelle kommen, wo das Gelände auf das Hochland hinaufzusteigen erlaubt; dann müssen wir ebensoweit nach Südwesten reiten, um das Lager am Bright Angel Point zu erreichen.
Von rechts kommt ein kleiner Nebenfluß, der sich in schäumenden Fällen über bewachsene Abhänge hinabstürzt. Wir befinden uns in 1420 Meter Höhe. Das Wasser in unserm brausenden Gießbach hat eine Temperatur von 12,3 Grad und fühlt sich eiskalt an. Die Vegetation ist üppig; rote Felsrücken und Mauern ragen aus dem Grün empor und rufen mit ihren frischen lebendigen Farben prächtige Wirkungen hervor.
Um 1⁄211 Uhr gönnen wir den Maultieren und uns selbst eine halbstündige Rast; ich benutze sie dazu, ein paar flüchtige Skizzen zu zeichnen. Die Landschaft ist berückend schön. Hier ist es warm und herrlich -- wie gern wäre ich auch hier länger geblieben; aber wir mußten uns beeilen, denn die Maultiere wurden in El Tovar gebraucht. Wir haben den Bach überschritten und befinden uns auf seinem rechten Ufer, nachdem wir bisher den ganzen Tag auf dem linken geritten waren.
Jetzt geht es im Zickzack die ungemein steilen Hänge der rechten Talseite hinan, nach links und nach rechts, bergauf und bergab, in unzähligen Windungen. Bisweilen ist der Pfad nur handbreit und läuft am Rande des Abgrunds entlang. Das Maultier braucht nur einen Fehltritt zu tun! Am schlimmsten ist es da, wo der schmale Pfad sich nach dem Tal zu neigt und die äußere Kante weich ist. Einmal gab der Boden unter der Last meines Maultiers nach; es glitt mit dem äußern rechten Vorderfuß aus, parierte aber gut, indem es sich auf das Knie des innern Beines fallen ließ und sich wieder erheben konnte, ehe es das Gleichgewicht verlor. Aber „Sparkplug“, wie es heißt, ist auch ein erstklassiges Reittier, und ich fühle mich auf seinem Rücken ganz sicher. Hier und da liegen runde Blöcke und hohe Steinstufen mitten auf dem Pfad; die Zickzackwindungen sind nur ein paar Meter lang, das Maultier klettert und springt den Pfad hinauf, und man macht sich so geschmeidig wie möglich, um seinen Bewegungen zu folgen und sie zu erleichtern. Wenn es bergauf geht, läßt man es sich noch gefallen, aber wenn es solche Treppen Hals über Kopf hinabgeht, ist einem nicht ganz wohl zumute. In der Tiefe breitet sich das üppige Grün wie ein orientalischer Teppich zwischen den roten Bergwänden aus, man sieht den dunkel malachitgrünen Bach und seinen schneeweißen Schaum und lauscht seinem Brausen.
Wieder kommen wir lange Strecken durch herrlichsten Nadel- und Laubwald und durch dichte Gebüsche. Wenn man unter überhängenden Felsmauern reitet und vorstehende Blöcke über sich hat, fragt man sich, ob man vorbeikommen wird, ehe der Block sich löst und niederstürzt, um sich in donnernden rollenden Sprüngen zu seinen Vorgängern an den Ufern und im Bett des Baches zu gesellen. Zu den geringeren Unannehmlichkeiten, die man nicht weiter beachtet, gehören die Erfahrungen, die man macht, wenn dornige Zweige des Dickichts, durch die der Pfad sich hindurchschlängelt, einem die Beinkleider zerreißen.
So reiten wir bergauf und bergab, aber im großen ganzen nähern wir uns dem Plateaurand. Der Pfad ist rot, die Wacholderstämme schwarz; ihre Nadelkronen dunkelgrün. Auch dadurch unterscheidet sich der Nordrand des Gran Cañon vom Südrand, daß er viel reicher an Vegetation ist. An manchen Stellen ist der Wald im Bright Angel Cañon geradezu üppig.
(1. Juli).]
Am Ufer eines kleinen Bachs, der von der rechten Talseite kommt, steht ein einsames Zelt. Hier hausen Arbeiter, die die schlimmsten Schäden des Weges auszubessern haben. An manchen Stellen ist der Pfad recht lebensgefährlich, an andern leidlich. Aber wunderbar ist stets die Landschaft, und zwischen den Stämmen der Bäume öffnen sich die herrlichsten Ausblicke. Man reitet wie durch natürliche Säulengänge und man weiß nicht recht, soll man lieber dem Selbsterhaltungstrieb folgen oder den mit jeder Minute wechselnden Landschaftsbildern seine Aufmerksamkeit schenken.
Gleich nach Mittag rasten wir eine Weile am Rande der kleinen Quelle Trough Spring, wo die Lufttemperatur auf 33,6 Grad gesunken ist. Man beginnt zu merken, daß man sich weiteren Horizonten nähert und nicht mehr in enge Hohlwege eingesperrt ist. Von Roaring Springs an folgen wir ständig den Hängen der rechten Talseite, gewöhnlich in bedeutender Höhe über dem Talboden, doch nicht höher, als daß wir stets das Brausen des Baches hören können.
Auf der linken Seite eines kleinen Seitentals reiten wir immer höher hinauf durch Wald von Eichen und Birken mit pechschwarzen Stämmen, durch Dickichte von Sträuchern und Disteln und weiter oben durch herrlichen Wald von Gelbkiefern und Fichten. Von Zeit zu Zeit machen wir im tiefsten Schatten kurze Rastpausen, damit die Maultiere verschnaufen können. Wenn wir unsere Blicke durch den Bright Angel Cañon hinabschweifen lassen, sehen wir zur Linken seines offenen Mündungstores den Brahma- und den Zoroastertempel, die sich als hohe imposante Pyramiden gegen den hellern Hintergrund des Südrandes abheben. Dagegen erscheint der nördliche Cañonrand, zu dessen Zinnen wir hinaufstreben, nicht mehr so gewaltig wie unten von der Taltiefe aus.
Als der Pfad gerade schmal und tückisch ist, kommt uns eine Maultierkarawane entgegen. Zum Glück haben ihre Führer uns rechtzeitig gesehen und warten an einer breitern Stelle, wo wir an ihnen vorbei können, ohne in die Tiefe hinuntergestoßen zu werden. Fichten, Kiefern und Wacholder bilden auf den Hängen ganze Armeen. Jenseits des Tales, im Osten, ungefähr in der gleichen Höhe, die wir erreicht haben, tritt die Grenze zwischen dem roten Coconino und dem weißgrauen Kaibab außerordentlich scharf hervor. Ein paar aufgescheuchte Rehe flüchten in leichten Sprüngen durch den Wald. Am Rande eines Abgrunds bleiben sie stehen und betrachten uns eine Zeitlang, mit aufgerichteten Lauschern, unbeweglich wie Bildsäulen, um schließlich wie Schatten zu verschwinden.
Kurz nach 2 Uhr nehmen wir die letzte Schwelle und kommen schließlich auf die fast ebene Fläche des Kaibabplateaus hinauf. In einem Nadelwald, zwischen dessen Bäumen auch die eine oder andere Zitterpappel ihre Laubkrone erhebt, machen wir zum Frühstück Rast, am Rande eines jener ausgeschachteten, mit Dämmen umgebenen „Tanks“, die den Zweck haben, Regenwasser für das Vieh zu sammeln. Die Temperatur ist angenehm, 29,5 Grad.
Bis zur North Rim Rancher Station und Vaughan Jensens Camp hatten wir noch einige Kilometer durch den herrlichsten Tannenwald zu reiten. Jensen war daheim, und sein Auto stand bereit. Er war ein großer starker Mann, der Sohn dänischer Auswanderer, deren Muttersprache er jedoch nie gelernt hatte. Nun hatte Sandy mich guten Händen anvertraut. Nachdem ich ihm gedankt und die Hand geschüttelt hatte, kehrte er um; er wollte heute noch den langen Weg nach Phantom Ranch hinunter zurücklegen. Jensen und ich stiegen ins Auto, fuhren an Bright Angel Spring (wo das Wasser nur 10 Grad maß) vorüber und hatten dann nur noch kaum 5 Kilometer nach Wylie Way Camp, der einzigen Touristenstation am Nordrand.
Hier stehen fünfzehn viereckige Zelte mit Holzgerippe und Bretterfußboden; sie sind mit Bett, Tisch, Stuhl und Waschgestell ausgestattet. Der Leiter des Lagers, Herr McKee, wohnt mit Frau und Sohn in einem größern Zelt, neben dem die Küche und das Speisezelt aufgeschlagen sind. Da ich mir den Sonnenuntergang dieses ersten Abends am Nordrande nicht entgehen lassen wollte, begaben wir uns, Herr Jensen und ich, auf den Bright Angel Point hinaus, den ich im Laufe des Tages von unten gesehen hatte. Man muß ein gutes Stück auf dem Grat des schmalen, senkrecht aufragenden Ausläufers gehen, vor dessen äußerstem Kap sich ein Pfeiler aus Kaibabkalkstein erhebt. Dieser Pfeiler, der zum Teil freisteht und mit dem festen Felsen durch eine kleine, über schwindelnder Tiefe schwebende Holzbrücke verbunden ist, trägt den Namen Bright Angel Point. Seine Zinne mißt nur wenige Meter im Durchmesser und besteht aus zwei Absätzen, deren oberer eine einem Rundsofa ähnliche natürliche Bank bildet. Hier liest man die Höhenzahl der Geologischen Landesuntersuchung 8153 Fuß (2485 Meter). Es darf einem nicht schwindlig werden, wenn man sich auf dieser winzigen Fläche aufhält, die wie eine kleine Insel, eine Schäre, aus dem Luftmeer emporragt und von deren Rand die Seiten der Kalkpfeiler Hunderte von Metern senkrecht in die Tiefe abfallen. Es ist, als stünde man auf dem Kapitell einer riesigen Säule. Ich hielt mich an die Steinbank und war froh, daß ich nicht zu stehen brauchte; denn man hat überall nur ein oder zwei Meter bis zum Rand des Abgrunds. Doch Jensen schien dies nicht im geringsten zu stören. Denn als er mir die Landschaft erklärte, stellte er sich in des Wortes wahrster Bedeutung auf den äußersten Rand, so daß die Zehenspitzen überragten. Ich fuhr zusammen und fühlte, wie kalte Schauer mich überliefen, sagte aber nichts. Gerade, ruhig und gelassen stand er da, als stünde er mitten in einem Saal; er zeigte auf die verschiedenen Tempel und Täler, ließ seine Blicke am Horizont entlang schweifen und schien die ungeheuere Tiefe nicht einmal zu merken, die er gerade unter sich hatte. Wer Lust dazu hat, kann es ja versuchen, sich auf den äußersten Rand eines Gesimses zu stellen, das von dem Dach eines vier- oder fünfstöckigen Hauses vorspringt, unbeweglich da zu stehen und über benachbarte Hausdächer hin zu blicken, unbekümmert um die Straße, die unter ihm gähnt. Der Unterschied ist nur der, daß die Höhe der senkrechten Wand des Bright Angel Point zehnmal größer ist.
(Wischnutempel).]
Wenn wir auf den Grund des Bright Angel Cañon in der Gegend der Altar Falls schauen, die in der Luftlinie keine 4 Kilometer entfernt sind, dann beträgt der Höhenunterschied 1326 Meter. So viel, viereinhalb Eiffeltürme übereinander, waren wir auf unserm heutigen Ritt gestiegen. Den ganzen Weg, den wir von Altar Falls an zurückgelegt hatten, kann man mit dem Blick in die Tiefe verfolgen, selbst wenn der Pfad im Gelände verschwindet oder unter Grün verborgen ist.
Der vorspringende Teil des Kaibabplateaus, auf dessen äußerstem Kap wir stehen, wird im Nordosten von dem Seitental, an dessen Mündung wir bei Roaring Springs vorbeigekommen waren, im Südwesten von dem Seitental The Transept begrenzt. Im Süden thronen Deva- und Brahmatempel mit ihren hellen sonnenbeleuchteten Zinnen, die sich scharf von dem in leichteren Tönen hervortretenden Südrand abzeichnen, mit ihren scharfen Schatten und ihren ziegelroten Steilhängen.
Eine Abendstunde auf der Plattform dieser Säule bietet fürwahr seelische Erschütterungen, die man nie vergißt. Ganz abgesehen von meiner Angst, zu sehen, wie Herr Jensen im nächsten Augenblick das Gleichgewicht verlor und über den Kalksteinrand verschwand, rang ich nach Atem beim Anblick dieser Landschaft, die aller Worte und aller unbeholfenen Versuche mit Feder und Pinsel spottet. Man fühlt sich überwältigt und verstummt. Was hat es für einen Zweck, zu reden, wenn der Sprache die Mittel fehlen, den Gefühlen Ausdruck zu geben, die man empfindet. Es ist am besten, demütig einzugestehen, daß man, gemessen mit den Maßen dieser märchenhaften Landschaft, nicht viel mehr ist als ein Sandkorn, das die Strömung des Colorado zum Meer hinabführt.
Auch in topographischer Hinsicht ist diese Aussicht belehrend und orientierend. Wenn man von El Tovar oder von andern Punkten des Südrandes aus alle diese pyramidenförmigen Tempel sieht, schaut man sie in der Verkürzung; sie verdecken sich und bilden ein einziges unentwirrbares Durcheinander, ein Labyrinth senkrechter oder steiler, höchst phantastisch herausgemeißelter Berge. Aber hier vom Nordrand aus sieht man deutlich, wie die Tempel sich auf dem Rücken ein und desselben nach Süden vorspringenden Ausläufers des Kaibabplateaus erheben. Auf meinem jetzigen Aussichtspunkt befand ich mich weit nördlich vom Deva-, Brahma- und Zoroastertempel und sah sie etwas von der Seite, aber auch in Verkürzung, in einer ganz andern Anordnung als von Süden. Die Begriffe klären sich, und den Hauptbahnen der Erosion zu folgen wird leichter. Man hat unmittelbar unter sich Täler zweiter Ordnung wie den Bright Angel Cañon und noch näher Täler dritter Ordnung wie The Transept. Man kann verfolgen, wie das Nagen und Fressen der Erosion aus den festen Gesteinsmassen Schritt für Schritt Gebilde in immer geringeren Größenordnungen schafft, bis zu den allerkleinsten Einschnitten hinunter, die das Regenwasser seit unermeßlichen Zeiten gegraben hat. Steter Tropfen höhlt den Stein!
Der Ausläufer des Kaibabplateaus, zu dem die eben genannten Tempel gehören, ragt also wie eine ungeheure Trennungsmauer zwischen dem Gran Cañon und seinem Seitental, dem Bright Angel Cañon, auf. Dieser beherrschende Zug tritt auch sehr deutlich auf meinem Aquarell (siehe Titelbild) hervor. Die Beleuchtung war überaus günstig. Es ging auf den Abend zu. Der Südrand und seine ganze Mauer lagen zum größten Teil im Schatten. Aber infolge der Entfernung von etwa 16 Kilometer und unzähliger Lichtblinke aus den tieferen Teilen des Cañon zeigten sich selbst die geschlossenen Schattenfelder in zarten grauvioletten Tönungen, während die Schatten auf den Westseiten der Tempel und in den Spalten der Abhänge dunkel, fast schwarz aussahen. Hier und da wurden vorspringende Teile des südlichen Cañonrandes von den Sonnenstrahlen getroffen und bildeten senkrechte Lichtfelder von prächtigster Wirkung. Am schönsten von allem war jedoch der Rücken mit den Tempeln. Ihre hohen zerklüfteten Kuppeln aus Kaibabkalkstein leuchteten hell gelbgrau mit einem Schimmer von Rosa, die Coconino- und Supaischichten unter ihnen dagegen waren intensiv ziegelrot. In der Tiefe unter uns lagen bereits dunkle Schatten auf dem gewundenen Weg, den wir im Lauf des Tages zurückgelegt hatten, aber auf meinem Bild werden die schwindelnden Abgründe von dem dichten Grün meiner nächsten Umgebung verdeckt.
In Süd 65° Ost eine Krümmung des Colorado.]
Herr Jensen weckte mich aus den Träumen und Gedanken, denen ich nachhing. In El Tovar hatte man mir erzählt, auf den Weiden und in den Wäldern des Nordrandes ästen 40000 Rehe, und als ich mich bei Herrn Jensen auf dem Wege von seinem Kamp danach erkundigte, hatte er mir erwidert, diese Zahl komme der Wahrheit allerdings nahe und ich könne mich an Rehen satt sehen, wenn ich gegen Sonnenuntergang achtgäbe. Daran anknüpfend, machte er den Vorschlag, wir könnten noch eine Spazierfahrt machen und die schönen Tiere aufsuchen. Die Rehe bringen jetzt im Sommer den ganzen Tag in den Verstecken des Waldes zu und treten gerade bei Sonnenuntergang auf das offene Gelände hinaus, um dort die ganze Nacht hindurch zu äsen -- sei es, weil der Wald am Tage kühler und nicht so voller blutsaugender Insekten ist, oder weil sie sich bei Tageslicht leichter hüten können vor ihren auf den Bäumen lauernden Feinden aus dem Katzengeschlecht als in der Nacht, wo sie sich auf freiem, offenem Gelände sicherer fühlen.
Wir hatten 26 Kilometer bis zu dem sogenannten V. T. Park („Viti“-Park)[4] zu fahren, wo der Weg aus dem Walde tritt, um sich durch langgestreckte Gürtel Wiesenland zu schlängeln. Die Sonne war untergegangen, und die Dämmerung breitete sich allmählich über die Erde. Aber der Himmel war klar, und es war noch hell genug, um deutlich zu sehen. Wir fuhren auf die Wiese hinaus. Ein paar Rehe sprangen in anmutigen elastischen Sätzen über das Gras dahin. „Warten Sie nur,“ sagte Herr Jensen, „es werden bald mehr!“
Kurz darauf zählte ich eine Anzahl von 85 Stück, und wohl sechs ebenso große Bestände waren gleichzeitig in Sehweite, außerdem viele einzelne Rehe oder Paare. Sie waren nicht gerade sehr scheu. Als das Auto an ihren Weideplätzen vorüberratterte, schauten sie auf, betrachteten uns genau und folgten mit dem Kopf unsern Bewegungen; erst als wir ganz nahe waren, wandten sie sich und traten in den Schatten des Waldes. Dieses schöne entzückende Schauspiel wiederholte sich mehrere Male. Die meisten Rehe waren links vom Weg in der Nähe des Waldrandes. Einmal hatten wir ein Rudel von 20 Stück rechts vom Weg, wo der Wiesengürtel ganz schmal und der Wald sehr nahe war. Statt in diesen zu trollen, beschlossen sie, nach dem Wald im Westen zu flüchten; um dorthin zu kommen, mußten sie den Weg vor uns kreuzen. Sie zogen nicht paarweise, sondern fast im Gänsemarsch. Die letzten, die sich nicht sonderlich beeilten, veranlaßten mich, Herrn Jensen am Ärmel zu fassen, denn sie waren keine fünf Meter vor uns, und wir fuhren ziemlich schnell. Aber ihr Wagnis glückte, und sie gesellten sich mit heiler Haut zu ihren Gefährten.
Als die Dämmerung allzu dicht wurde, kehrten wir nach Wylie Way Camp zurück. Inzwischen war es dunkel geworden, aber auf einem offenen Platz vor den Zelten hatte man ein gewaltiges Feuer angezündet und Stühle ringsherum gestellt.
Von Salt Lake City waren einige Touristen in eigenen Autos angekommen, und Thomas McKee, der Wirt des Lagers, war gerade dabei, ihnen vom Gran Cañon zu erzählen. Mit seiner Frau, seinem Sohn und einigen Dienern verbringt er im Wylie Way Camp jedes Jahr die vier Monate der Saison, Anfang Juni bis Anfang Oktober, und hat dabei sein gutes Auskommen. Die fünfzehn Zelte nebst vier neuen eben aufgeschlagenen werden im Oktober zusammengepackt und den Winter über gut aufbewahrt. Während der kalten Jahreszeit wohnt die Familie McKee in Pasadena in Kalifornien, sie sehnt sich aber stets nach dem Gran Cañon zurück.
McKee erzählte, der Panamakanal habe den Eisenbahnlinien dieser Gegend Abbruch getan. Die Seefracht ist nämlich 25-30 vom Hundert billiger. Die Dampfschiffe ziehen Güter und auch Reisende vom Landweg ab. Das kalifornische Obst z.❁B. wird jetzt im Kühlraum durch den Panamakanal nach New York und Europa verfrachtet, während es früher stets auf dem Schienenweg quer durch den Erdteil versandt wurde. Die Eisenbahnen tun daher, was sie können, um durch Entfaltung der vorhandenen Lockmittel den Strom der Reisenden an ihre Linien zu ziehen. Die vorzüglichste Lockspeise ist natürlich der Gran Cañon.
In Herrn McKee lernte ich einen ungewöhnlich tüchtigen, kenntnisreichen und liebenswürdigen Mann kennen, und die Tage, die ich in seiner Gesellschaft verbrachte, gehören zu meinen besten Erinnerungen an Amerika. Er ist Naturforscher und Schriftsteller und schreibt in verschiedenen Zeitschriften über Menschen und Tiere, besonders über den Puma, den Berglöwen, und über die Hunderasse, die man abgerichtet hat, dieses Katzentier aufzuspüren. Auch mir erzählte er allerlei von ihm. Die Pumas, die ihre Jagdgründe am Nordrande des Gran Cañon haben, sind fett und plump und strengen sich nicht übermäßig an. Aber gleichwohl sind sie blutdürstig, und wenn sie in großer Anzahl getötet werden, merkt man binnen kurzem, wie der Rehbestand zunimmt. Hier in der Gegend heißen sie Kuguare. Ihre Höhlen haben sie auf den Nordhängen des Gran Cañon; des Nachts kommen sie in den Wald hinauf. Sie lauern auf den Bäumen und springen auf vorüberziehende Rehe hinunter. Vor einigen Tagen hatte ein Puma nur ein paar hundert Meter von Wylie Way Camp ein Reh erbeutet, wie Haut und Knochen verrieten, die man eines Morgens fand. Wenn der Puma ein Reh erlegt hat, frißt er sich satt und deckt den Rest mit Laub und Zweigen zu oder gräbt ihn ein, um nach zwei Tagen zurückzukommen. Ist das Fleisch inzwischen verdorben, dann rührt er es nicht an; er lauert lieber einem neuen Opfer auf. Glückt ihm dies nicht, dann nimmt er auch mit Fleisch vorlieb, das schon einen kleinen Stich hat. Heulwölfe, Wildkatzen und Luchse folgen seiner Spur, um sich an dem, was er von seiner Beute übriggelassen hat, gütlich zu tun; sie selbst wagen sich nur an junge Tiere. In Gegenden, wo es viele Rehe gibt, tötet der Puma jeden zweiten Tag ein Tier; er frißt nur die besten Stücke und säuft das Blut.
Uncle Jim, ein großer berühmter „Löwentöter“, wurde seinerzeit von der Regierung angestellt und erhielt den Auftrag, zum Schutze der Rehe möglichst viele Raubtiere zu vernichten. Fünfundzwanzig Jahre lang verfolgte er den Puma und erlegte in den Wäldern des Walhallaplateaus 1500 Stück, davon etwa 1100 in der Gegend von Wylie Way Camp. Dabei zog er eine besondere Hunderasse auf, die eigens auf den Puma abgerichtet war, dessen Wegen auf den Felsenhängen und in den Wäldern folgte und ihn auf Bäume hinaufjagte, wo er leicht geschossen werden konnte. Der Hund, der der Stammvater dieses Geschlechts von Pumatötern war, hatte allein 607 Pumas aufgespürt, aber als er der Fährte des 608. folgte, wagte er sich zu weit auf einen vereisten Felsabhang hinaus, verlor den Halt und stürzte in die Tiefe. Doch der Puma, der den Jagdeifer seines Verfolgers zu so verhängnisvoller Unvorsichtigkeit entflammt hatte, mußte auch sein Leben lassen. Einmal kam Präsident Theodor Roosevelt nach dem Walhallaplateau, um unter Uncle Jims Leitung Pumas zu jagen. Der Präsident war von der erfolgreichen Jagd so entzückt, daß er zur Erinnerung daran Uncle Jim ein Jagdgewehr mit goldenem Namensschild schenkte. Der Alte bezog ein Gehalt von der Regierung und erhielt auch von Farmern und Viehbesitzern Bezahlung für seinen Ausrottungskrieg gegen die raubgierigen Katzen.
Ja, McKee konnte Geschichten von Tieren und Menschen erzählen! Eine von ihnen hatte eine Hütte zum Schauplatz, an der ich später auf dem Weg nach Salt Lake City vorüberkam, den V. T. Ranch im V. T. Park. Hier hatte sich achtzehn Monate vor meinem Besuch folgende dramatische Szene abgespielt.
In einer Stadt im südlichen Arizona hatte ein Mann einige Wertpapiere gestohlen und war nach Norden geflohen, um den Gran Cañon zu überschreiten und sich nach Utah zu begeben, wo er allen Spähern und Polizisten entgehen zu können glaubte. Auf dem Weg durch den Cañon gelang es ihm, einen verwilderten Esel zu fangen, der wieder so gut wie zahm geworden war. Auf diesem ritt er zum Nordrand hinauf, wo hoher Schnee lag. Schließlich erreichte er die Hütte des V. T. Ranch und ging mit seinem Esel hinein. Keine Menschenseele war in der Gegend, aber die Farmer hatten bei ihrem Aufbruch einen erheblichen Vorrat an Kartoffeln zurückgelassen.
Nachdem der Flüchtling einige Tage hier zugebracht hatte, erhielt er unerwarteten Besuch. Ein anderer Abenteurer war von Utah aufgebrochen und eines Tages in dem weiter nördlich gelegenen Hof des Pumajägers Uncle Jim aufgetaucht. Er erklärte, er habe die Absicht, nach Süden über den Gran Cañon zu gehen, um in Arizona bessergelohnte Arbeit zu suchen. Uncle Jim warnte ihn und sagte, bis zum nördlichen Cañonrand liege hoher Schnee. Aber der Mann versicherte, er sei an Wald, Wildnis und Schnee gewöhnt und werde auch hier schon durchzukommen wissen.
Er brach also auf und watete durch den Schnee nach Süden. Nachts hatte er keinen Schutz und war dem Erfrieren nahe. Völlig erschöpft erreichte er schließlich den V. T. Ranch und sah aus dem Schornstein der Hütte Rauch aufsteigen. Er ging an die Tür und klopfte an. Der Dieb öffnete die Tür ein wenig, hielt seine Axt drohend erhoben und erklärte, er werde den Ankömmling töten, wenn er sich nicht entferne. „Hier ist nur für einen Nahrung, nicht für zwei!“
Der andere bat und flehte um Einlaß; er war ganz entkräftet vor Kälte, hatte sich mehrere Zehen erfroren, konnte keinen Schritt weiter und hatte es nötig, sich in der warmen Hütte auszuruhen. Der Dieb blieb unerbittlich, kein Mensch dürfe über die Schwelle, erklärte er, und wieder hob er drohend die Axt. Da packte den Ankömmling die Wut, er zog sein Messer, riß die Tür auf und zischte: „Gut, dann soll es wenigstens einen Kampf auf Leben und Tod geben.“
Nun wich der Dieb zurück und wurde kleinlaut. Es hing an einem Haar, daß sie mit ihren Waffen aufeinander losgingen. Eine Zeitlang lebten sie auf Kriegsfuß. Sie mißtrauten und fürchteten einander, beobachteten sich und schielten sich gegenseitig verstohlen an, und keiner wagte, dem andern den Rücken zu kehren. In der Nacht hatte der eine seine Axt, der andere sein Messer zur Hand. Tag und Nacht fiel Schnee, immer höher wurden die Schneewehen. Sie sahen ein, daß es unmöglich war, die Hütte zu verlassen, solange das Schneewetter anhielt, daß die Wartezeit -- es war noch nicht einmal Neujahr -- lang und hart werden konnte und daß sie einander brauchen und helfen konnten; darum schlossen sie Frieden und legten Axt und Messer beiseite.
Als der Kartoffelvorrat zu Ende war, schlachteten sie den Esel und hatten nun für lange Zeit Fleisch. Mitte Dezember 1921 hatten sie sich in der Hütte getroffen und vier Monate mußten sie dort bleiben. Es schneite noch immer, und die Schneewehen türmten sich fast vier Meter hoch.
Im März fertigten sie Schneeschuhe an, dann brachen sie mit ihrem letzten Fleischvorrat nach Norden auf. Der Mann aus Utah, der sich die Füße erfroren und seine Zehen verloren hatte, war schlimm daran, er konnte sich ohne die Hilfe des Diebes nicht vorwärts bewegen. Sie kamen daher durch die ungeheuren Schneewehen nur langsam vorwärts und hatten bald nur noch ein kleines Stück Fleisch übrig. Als sie einmal den losen Schnee weggeschaufelt und sich hingelegt hatten, um zu schlafen, benutzte der Dieb die Gelegenheit, sobald der andere fest eingeschlummert war, und machte sich mit dem Fleisch und den Stücken einer Plane aus der Hütte davon. Er nahm als sicher an, daß sein Gefährte in der Einsamkeit umkommen werde.
Schon am folgenden Tag erreichte er den Hof Uncle Jims und log diesem eine Geschichte vor, die glaubhaft scheinen konnte. Dabei beging er jedoch die eine und andere Unvorsichtigkeit, die Uncle Jim und seine Leute Verdacht schöpfen ließen, daß nicht alles richtig sei und daß ein Mann fehle.
Am Abend trat plötzlich der Gefährte ein, und als er den Dieb erblickte, der ihn so verräterisch im Stich gelassen hatte, zog er das Messer und stürzte sich auf ihn; er hätte ihn getötet, wenn ihn die Anwesenden nicht daran gehindert hätten.
Während der Nacht wurden die beiden in getrennten Räumen untergebracht und bewacht. Am Morgen wollte der Dieb durch den Schnee nach der Stadt Hurricane weiter. Er ließ sich von den andern nicht abschrecken, die ihn vor dem 120 Kilometer langen Weg warnten und ihm rieten, lieber nach Fredonia zu gehen, das nur 22 Kilometer entfernt sei. Er machte sich also auf den Weg nach Hurricane, erreichte aber nie sein Ziel. Obwohl ein Jahr seitdem verflossen ist, hat niemand etwas von ihm vernommen. Wahrscheinlich ist er in der Kälte umgekommen und dann von Heulwölfen aufgefressen worden.
Der andere wurde in das Krankenhaus St. George in der Südwestecke von Utah gebracht, dem nächsten Ort, wo er richtige Hilfe erhalten konnte. Die Füße mußten ihm abgenommen werden, und freundliche Menschen nahmen sich seiner an.
Wir saßen am prasselnden Feuer und plauderten und sahen zu, wie die sprühenden Funken zum mondhellen Himmel emporwirbelten. Mit Herrn Jensen besprach ich den Plan eines zweitägigen Ausfluges nach Cape Royal.
Den ganzen folgenden Tag, 30. Juni, benutzte ich dazu, einige Skizzen und flüchtige Aquarelle hinzuwerfen, von denen ich zwei wiedergebe (S. 128 und S. 144). Auf dem einen sieht man den Deva- und Brahmatempel und einen Schimmer des Zoroastertempels, während das Kap Obi Point, von dem ihr Sockelrücken ausgeht, von Bäumen verdeckt wird. Das zweite Bild zeigt die Aussicht nach Norden und Nordnordosten auf das kleine Seitental und im Hintergrund einen Teil der innersten Regionen des Bright Angel Cañon. Die ganze Landschaft schimmert hier in Grün und Rot. Das Grün der Vegetation herrscht auf den Höhen vor, das Rot breitet sich nach der Tiefe zu aus. Der Kaibabkalkstein bildet senkrechte, ins Violette spielende Wälle. Es ist eine farbensatte, seltsame Landschaft, die recht unwahrscheinlich aussieht.
Am folgenden Morgen weckten mich Autogeratter und Stimmen; es war ungewöhnlich lebhaft am Wylie Way Camp. In dem einen Auto kamen Touristen angefahren, die auf das Kap hinausgingen und die Aussicht bewunderten, um auf dem gleichen Wege zurückzukehren. Die Insassen des zweiten waren drei Männer aus dem Volk, unter ihnen ein älterer Mann, voller Scherze und heiterer Einfälle. Ohne weiteres begann er von der bevorstehenden Präsidentenwahl zu sprechen und war der Überzeugung, daß Ford vom Volk gewählt werden würde. Er selbst wolle ihm gern seine Stimme geben, wenn Ford ihm als Gegengabe ein Auto schenke. „Manche Leute benutzen solche Methoden bei der Präsidentenwahl,“ sagte er, „aber vielleicht ist Ford doch nicht aus +dem+ Holz.“
Mit dem jungen Robert McKee wanderte ich durch den Wald nach dem anderthalb Kilometer entfernten nordöstlichen Rand des tief eingeschnittenen kleinen Seitencañons The Transept. Vom Rand aus kletterten wir eine steile Steinrinne zwischen zwei Kalksteinfelsen hinab und balancierten dann vorsichtig auf einem sehr schmalen Gesims vorwärts, wo wir den Abgrund zur Rechten und die Felswand zur Linken hatten. Zum Glück war dieser schwindlige Steg über die jähe Tiefe nicht lang, und ehe ich mich dessen versah, standen wir am Eingang einer Grotte, in der Höhlenbewohner, „Cliffdweller“, gehaust hatten. Wir traten in die kühle Dämmerung ein. Der Boden stieg recht steil zum innersten, höchsten Teil der Grotte an, der vom äußern Teil durch eine Mauer aus Steinen, Holzstücken und Mörtel abgetrennt war. Es sah aus, als sei der äußere Raum die eigentliche Wohnstätte, der innere vielleicht eine Vorratskammer gewesen. Als der junge McKee vor einiger Zeit diese Höhlenwohnung entdeckte, fand er Scherben von Tongefäßen, die er auflas. Deutlich konnte man noch sehen, wo die Feuerstätte gewesen war; nach den Spuren zu urteilen, kann es nicht besonders lange hergewesen sein, daß die Grotte bewohnt wurde. Von der Plattform vor der Höhle aus zeichnete ich eine Skizze des Ausläufers, der im Süden den Cañon The Transept begrenzt und dessen innerer höchster Teil Oza Butte heißt, während der äußere, eine kegelförmige Höhe, den Namen McClellan Point hat (S. 197). Zwischen Ausläufer und Grotte gähnt der schwindelnde Abgrund.
Im Laufe des Tags segelten weiße Wolken über Arizona hin. Es konnten die ersten Herolde der Regenzeit sein, obwohl diese gewöhnlich erst um den 20. Juli beginnt. Sie bringt einen oder zwei heftige Regenschauer am Tag. Die Luft wird dadurch abgekühlt, und der Regen ist besonders für das Vieh willkommen, das in den dürren Wäldern weidet. Alle Zisternen füllen sich mit Wasser, auf längere Zeit hinaus braucht man nicht zu fürchten, daß die Herden durch Durst gelichtet werden.
Über die Wärme konnte man sich in Wylie Way Camp nicht beklagen. Um Mitternacht sank die Temperatur auf 19,2 Grad. Aber Wylie Way Camp liegt auch bedeutend höher als der Südrand, nämlich 2515 Meter über dem Meer.
[4] Auf meine Frage, was die beiden Buchstaben bedeuteten, erhielt ich die Antwort, sie seien ursprünglich nur ein Brandzeichen gewesen, durch das ein Viehbesitzer seine Tiere von denen seiner Nachbarn unterscheiden wollte; man habe diese beiden Buchstaben gewählt, weil sie leicht einzubrennen seien.
Zwölftes Kapitel.
Ausflug nach Cape Royal.
Der 2. Juli war ein herrlicher Tag. Als wir um 1⁄211 Uhr aufbrachen, stand kein Wölkchen am Himmel, und die Temperatur betrug nur 25 Grad. Es galt, den obersten Teil des Bright Angel Cañon zu umgehen und das ganze Walhallaplateau zu queren, den südöstlichen Block des Kaibabplateaus, mit dem es durch einen schmalen Hals zusammenhängt. Wir mußten also nach Norden, Osten, Südosten und Süden steuern, um unser Ziel zu erreichen, Cape Royal, das südlichste Kap des Walhallaplateaus, nordwestlich von Navaho Point.
Zuerst fuhren wir im Auto. Kurz hinter Jensens Station bestiegen wir einen Herrn Jensen gehörenden „Tallihoe“, einen hohen Holzwagen mit großen Rädern, der von zwei prächtigen Maultieren gezogen wurde. Der Kutscher Ernest Apling und ein Cowboy, Fuller, kutschierten dieses abenteuerliche Gefährt. Beide waren „Breakers“, Bereiter, und gehörten zu jenem frischen Schlag Freiluftmenschen, deren ganzes Leben darin besteht, sich in Wald und Wildnis herumzutummeln. Jetzt sollte auch ich die Waldluft in tiefen Zügen einatmen und dabei dem Gran Cañon neue Bilder abgewinnen.
Anfangs war der Weg leidlich, aber wir hatten von unsern 22 Kilometern erst wenige zurückgelegt, als es auf einem Weg, der aus Erde, Sand und Kalkstein bestand, Hals über Kopf einen greulichen Abhang hinunterging, in tiefen Radspuren, mit schrecklichen Stößen und Sprüngen und jähen Wendungen. Man wurde hin- und hergeschleudert, streifte an Baumstämme, man glaubte, man bleibe in Hohlwegen stecken, und bewunderte die Maultiere, die ihre ganze Kraft aufbieten mußten, damit der schwere, hohe Wagen nicht in die Tiefe rollte. Und dabei bremste Ernest, was er konnte. Doch wir kamen glücklich in eine Bodensenke hinunter und fuhren durch schönen Wald zur Neal-Pferdeweide mit ihrem Wiesenland. Viele Bäume, die von Insekten heimgesucht worden waren, waren ganz abgestorben oder nahe daran. Ein gewaltiger Nadelbaum war umgestürzt und hatte sich quer über den Weg gelegt; als wir ihn umgingen, mußte mancher junge Baum sich unter unserm Wagen beugen. Eine wunderbare Stimmung herrschte in diesem Wald, der der Zerstörungssucht des Menschen trotzt, aber doch wohl einmal seine Kronen wird senken müssen, wenn die Eisenbahn von Norden bis an den Nordrand des Gran Cañon geführt wird. Der Weg, den wir benutzten, war nicht alt. Er war erst im Jahr 1922 angelegt worden. Und weshalb? Der Präsident der Union Pacific Railway Co., Herr Adams, besuchte damals Wylie Way Camp und unternahm einen Ausflug nach Cape Royal, um zu untersuchen, was hier in der Art wie in El Tovar ausgeführt werden könne. Sein Plan war vermutlich, eine Bahn bis an den Nordrand zu legen und in der Nähe des Cape Royal ein Touristenhotel zu errichten. Herr Adams hatte zum Reiten keine Lust. Daher mußte in aller Eile ein Weg gebaut werden; er wurde auch danach. Jetzt hatten auch wir Nutzen davon und konnten bequem Mundvorräte, Wasser und Betten mitnehmen.
In der Mitte (Nord 74° Ost) die Mündung des Kleinen Colorado; links davon Chuar Butte, rechts Cape Solitude.]
Wir sind oben auf dem Kamm des schmalen Halses, der das Walhallaplateau mit dem nördlichen Hochland verbindet. Eine großartige Aussicht öffnet sich nach Osten auf den Teil des Gran Cañon, wo der Colorado im Marble Cañon von Norden nach Süden fließt. Jenseits des Marble Cañon breiten sich die flachen Bodenwellen der Painted Desert bis in die fernste Ferne aus; dort liegt auch das Schutzgebiet der Navaho-Indianer.
Ich war ganz erstaunt, als uns mitten in diesem wilden Wald aus Fichten, Kiefern und vereinzelten Espen ein Zaun mit geschlossenem Gatter aufhielt. Er hat den Zweck, die Pferde am Ausreißen zu hindern.
Ein Stück weiter erreichten wir den Greenland Lake, einen kleinen Tümpel in dem eingezäunten Wald. Hier steht eine Hütte, in der Salz für die Pferde aufbewahrt wird. Auch für die Rehe richtet man im Freien Salzlecken ein. Ein Reh stand gerade da und äugte uns neugierig an, ehe es pfeilschnell zwischen den Bäumen flüchtig wurde.
Bei Broad Hollow befanden wir uns in der Nähe des Randes. Wir rasteten im Schatten, um die Aussicht auf den Gran Cañon und Point Harris in Nordnordwesten zu genießen, den höchsten Punkt des ganzen Randes. Wieder fesseln unsere Aufmerksamkeit die zarten leuchtenden Farbtöne der „Bunten Wüste“. Herr McKee, der diese unvergleichlichen Bilder schon so oft gesehen hat, wird ihrer nicht satt; er sagt, sie zeigten sich fast stets in neuen Farben; jedesmal entdecke man neue Einzelheiten und gewinne sie immer von neuem lieb.
Um 1⁄22 Uhr zeigt mein Thermometer 29,4 Grad. Nördlich von Point Harris werden in einem Tal 85 Bisons gehegt. In der Wildnis gen Westen leben an tausend wilde Pferde, die Nachkommen verwilderter Ausreißer aus der spanischen Zeit. Sie sind sehr scheu und können nur mit Hilfe umfassender Korrale oder Einzäunungen eingefangen werden; man jagt sie in diese hinein, um sie mit dem Lasso zu fesseln. Wie McKee erzählt, sind sie nicht schwer zu zähmen, und wenn man sie gut behandelt, sind sie sehr zutunlich und lenksam. Sie scheinen fast dankbar dafür zu sein, daß man sich ihrer annimmt, und führen jede Arbeit aus, die man von ihnen verlangt.
Nach fünfstündiger Fahrt erreichten wir das Ziel, eine von Cape Royal ein gutes Kilometer entfernte Quelle. Hier schlugen wir ganz in der Nähe des Randes das Lager auf, ließen die Maultiere auf die Weide und machten ein herrliches Feuer an. Die Tiere bekamen Glocken umgehängt, damit wir sie immer hören konnten. Während ich in der Gegend umherstreifte, bereiteten die andern das Essen und machten unsere einfachen Freiluftbetten zurecht -- denn das Zelt, das wir mitgenommen hatten, verschmähten wir; man schläft besser unter freiem Himmel.
Drei Stunden lang saß ich auf einem Kap und malte. Das Farbenspiel war hier anders, als ich es von Süden gesehen hatte. Die Sonne beleuchtete das linke, östliche Ufer des Colorado, und die Bergwände und Böschungen schimmerten in Graugelb, Violett, Lila, Ziegelrot, Rubinrot und wieder Violett, alles in leichten, zarten, traumhaften Farbtönen, nicht sattleuchtend wie vom Südrand aus. Auch hier überwältigt die Landschaft durch ihre Schönheit und ihre unbeschreibliche Erhabenheit, und mein Bild -- wenn ich meinen Versuch so nennen darf -- gibt nur einen flüchtigen Begriff von der Wirklichkeit. Nachdem die Sonne untergegangen ist, verblassen die reinen Farben; senkrechte Felswände und abschüssige Hänge treten in dunkelvioletten, verschwommenen Tönungen hervor, die Einzelheiten verschmelzen, alles liegt im Schatten, und hellviolett steigt die Nacht über den Horizont der Wüste empor.
Als ich in unser Lager zwischen hochstämmigen Kiefern zurückkehrte, brannte das Feuer hellodernd; bei seinem Schein aßen wir und tranken Tee. Bis der Mond um 11 Uhr aufging, waren wir auf und plauderten. Im Geist sah ich wieder einen ganzen Aufzug von Pumas, die sich von den Bäumen auf die Rücken wilder Pferde stürzen und ihnen mit ihren Zähnen die Hälse aufreißen, von Luchsen, Wildkatzen und Rehen, Heulwölfen, Klapperschlangen, Taranteln und Skorpionen. Ernest hatte einen unerschöpflichen Vorrat an Jagdgeschichten. Schließlich hatten wir aber genug, und jeder kroch in sein Nest. Noch lange lag ich wach und sah das Feuer verblassen und den Mond zwischen den Kronen der Nadelbäume dahinsegeln. Das einzige, was die Stille unterbrach, war das Rauschen des Südwestwindes in den Bäumen und das Klingen der Glocken der Maultiere.
Nachdem wir am 3. Juli zeitig gefrühstückt hatten, gingen wir zum nächsten Kap und rollten einige Kalksteinblöcke die Abhänge hinab. Das war knabenhaft und unnötig, aber sehr lustig. Der Block drehte sich ein paarmal und sprang über den Rand, senkrecht fiel er die Felswand hinunter und schlug auf dem nächsten Hangabsatz auf, und aus der Tiefe erklang ein Dröhnen wie von entferntem Donner. Die Pumas in ihren Höhlen dort unten in den unzugänglichen Schluchten wunderten sich wohl, was los sein mochte.
Dann gingen wir auf das lange schmale Vorgebirge hinaus, das wie ein Finger nach Süden zeigt. Seine äußerste Spitze, Cape Royal, ist sicher einer der berühmtesten und großartigsten Punkte des Gran Cañon. Um das Kap zu erreichen, muß man eine ziemlich tiefe Einsenkung überschreiten, einen Graben, der allmählich die mächtige Säule des Cape Royal in eine vom Walhallaplateau abgesonderte Insel verwandelt. Zwischen lichten Bäumen und Büschen steigt man auf Geröll und Gras etwa 200 Meter steil hinab, um dann aus dem tiefsten Teil der Rinne ebenso steil hinaufzuklimmen zu der Zinne dieses kleinen inselartigen Plateaus, das mit harten, hinderlichen Sträuchern und Nußkiefern bewachsen ist. Nach halbstündigem Klettern machten wir ungefähr auf halbem Weg ein Weilchen halt an der Wurzel eines höchst eigenartigen, vom Rand nach Nordnordosten vorspringenden Ausläufers. Er bildete einen Wandschirm aus sehr dünnem Kalkstein, dessen Nordende senkrecht abgeschnitten und dessen oberer Teil mit einem rechteckigen Fenster versehen war (S. 220). Auf dem Steilhang unter dem Fenster wuchsen lichtstehende Nadelbäume von der schönen Pyramidenform der Fichte. Die Mauer war so regelmäßig geformt, daß man glauben konnte, sie sei von Menschenhänden errichtet. Aber sie war zu mächtig, ihre Maße waren ungeheuer. McKee machte den Vorschlag, auf ihren Kamm hinauszugehen, doch ich widerstand hartnäckig seinen Lockungen. Denn an einer Stelle nahe der Wurzel war die ebene Fläche dieses Fußsteigs wenig mehr als ein Meter breit, und zu beiden Seiten gähnten 200 und 250 Meter tiefe, senkrechte Abgründe. Wenn man seiner nicht ganz sicher ist, tut man klug daran, auf einen solchen Spaziergang zu verzichten.
Auf dem äußersten Vorsprung des Cape Royal richteten wir uns so bequem wie möglich ein und blieben dort fast den ganzen Tag. Auch hier erfüllt einen ein Gefühl der Beklemmung angesichts der großartigen Schönheit der Landschaft, und ohne weiteres gesteht man sein Unvermögen ein, diese staunenerregenden Bilder, diese in allen Schattierungen schillernden Farben und diese großartige Architektur im Bild wiederzugeben. Nach Westen ist der Cañon bis Havasupai Point und noch weiter hinaus von der Sonne beleuchtet; die hohe Wand des Südrandes dagegen liegt im Schatten. El Tovar ist leicht zu erkennen an einer Rauchsäule, die von einer Lokomotive aufsteigt. Desert View im Südosten kann man ungefähr bestimmen, und im Osten sieht man wieder in äußerst starker Verkürzung die „Bunte Wüste“, deren berühmtes Farbenspiel zwar entzückend, aber kaum so eigenartig ist, wie das Gerücht behauptet hat. In der Ferne löst sich alles in Dunst und Nebel auf.
Ich nehme meinen Zeichenblock vor und beginne eine Skizze der Aussicht nach Westen, die der Zoroaster- und Brahmatempel beherrschen. Links von ihnen ahnt man die tiefe Riesenfurche des Colorado, während das Felsenkap rechts im Vordergrund unser nächster Nachbar unter den nach Süden vorspringenden Kaps des Walhallaplateaus ist. Wie ganz anders nehmen sich die Tempel von hier, von der Seite gesehen, aus! Aber, ich wiederhole es, in Linien wie in Farben bieten sie einen schönern Anblick, wenn man sie bei Abendbeleuchtung von El Tovar aus betrachtet.
Von seltsamer Schönheit und überwältigender Mächtigkeit ist auch das isolierte massige Felseneiland Wotans Thron. Seine Kaibab-, Coconino- und Supaischichten folgen aufeinander in senkrechten Wällen und steilen Hängen. Hinter dem gewaltigen Block zeigt sich in leichten Farbtönen die Mauer des Südrandes. Wotans Thron gleicht einem Sarkophag auf seinem Katafalk.
In Süd 15° Ost sehen wir den Wischnutempel und einen Teil des Rückens, dessen höchster Punkt er ist (S. 205). Auf der Südseite des Tals zeichnet sich die Grenzmauer zwischen Zuni und Papago Point ab. Über dem Südrand in einer Entfernung von 100 Kilometer ragt der 3887 Meter hohe, gewölbte Gipfel des San-Francisco-Gebirges empor.
Die nächste Skizze zeigt die Landschaft im Südosten mit dem Seitental Unkar Creek im Vordergrund und in der Tiefe eine Biegung des Rio Colorado (S. 209). Die Steilhänge zur Linken sind die letzten Abdachungen des Apollo-, Venus- und Jupitertempels. Dem Beschauer gerade gegenüber, jenseits des Flusses, liegt Navaho Point oder Desert View, wo ich übernachtet hatte.
Cape Royal liegt in gerader Linie nur 13 Kilometer im Südosten von Wylie Way Camp, aber unser Weg war fast 23 Kilometer lang. An dem gewaltigen Bogen, den man machen muß, sind vor allem der Bright Angel Cañon und der Clear Creek schuld, die in Gestalt zweier tiefer, nach Nordosten gerichteter Kerben in den Block des Walhallaplateaus einschneiden.
Ein Tag am Cape Royal gehört zu den herrlichsten Erinnerungen, die man vom Gran Cañon mitnehmen kann. Beim Licht des Morgens sieht man die Mauer der Palisaden im Schatten und die westlichen Regionen scharf beleuchtet; grell heben sie sich ab von der infolge der Entfernung leicht in Dunst gehüllten Welt des Hintergrunds. Im Laufe der Stunden verändern die Schatten ihre Umrisse, die Vorsprünge und Erker der Palisaden werden immer mehr von der Sonne getroffen, und ihre dunklen Spalten schrumpfen zu immer schmaleren Linien zusammen, um schließlich ganz zu verschwinden. Gleichzeitig werden die Schattenfelder unter dem Südrand größer. Das Schönste ist die Nachmittagsbeleuchtung über dem Land im Osten, nicht so sehr der Formen und Umrißlinien wegen als der Farben. Die Schatten, die sonst stets wichtig sind, damit die Formen sich kräftig herausheben, machen sich dann nur wenig geltend, da sie auf der Rückseite der Tempel liegen und die Sonnenstrahlen in die Spalten der Palisaden eindringen. Fast alles, was man im Osten erblickt, ist von Sonne überflutet und prangt in hellen, bunten, feinen, vornehmen Farben, unter denen Rot, Violett, Grün und Gelb vorherrschten.
Mein letztes Bild vom Cape Royal ist ein matter Versuch, der Phantasie wenigstens eine schwache Stütze zu geben. Denn der Versuch, nur mit Worten einen Begriff vom Gran Cañon zu geben, ist völlig hoffnungslos, das habe ich schon mehrere Male betont. Ganz links erblicken wir die Spitze des Cape Final und die Südhänge des Walhallaplateaus zwischen den beiden berühmten Kaps. In der Ferne sieht man Jupiter-, Venus- und Apollotempel, hinter ihnen die Palisaden. Über ihrer Mauerkrone ist in der gewohnten starken Verkürzung ein Schimmer der Bunten Wüste zu sehen. Den Vordergrund beherrscht der Unkar Creek, der im Süden vom Wischnutempel begrenzt wird.
Im Vorhergehenden habe ich schon die große Ungleichheit hervorgehoben, die zwischen der Gestalt und dem Verlauf des Süd- und Nordrandes herrscht und die darin besteht, daß der Südrand wenig eingeschnitten, der Nordrand dagegen von der Erosion in der phantastischsten Weise angegriffen ist. Eine Reihe von Seitentälern von der Art des Bright Angel Cañon haben ihre Rinnen tief ins nördliche Tafelland eingeschnitten. Wir haben gesehen, wie dem Walhallaplateau in einer, geologisch gesprochen, sehr nahen Zukunft das Schicksal bevorsteht, völlig abgeschnitten und in einen freistehenden Block verwandelt zu werden, der infolge der von allen Seiten arbeitenden Erosion mit der Zeit die Form der jetzigen Tempel annehmen wird. Der Staatsgeologe N. H. Darton hat in seinem Buch eine sehr einfache Erklärung der Ursachen dieser Ungleichheit des südlichen und nördlichen Cañonrandes gegeben. Der erstere liegt über 300 Meter höher als der letztere, da der Kaibabkalkstein allmählich nach Süden abfällt. Als der Fluß seine Rinne durch die Schichten schnitt, lag der Nordrand notwendigerweise höher als der Südrand. In den höheren Regionen sind die Niederschläge reichlicher. Die Regenfluten strömen nach Süden und stürzen die Hänge des nördlichen Cañonrandes hinab, um sich mit dem Colorado zu vereinigen; es liegt auf der Hand, daß ihre den Boden angreifende Kraft hier unvergleichlich größer sein mußte als im Süden, wo die Regenbäche ihre Quellen im Randgebiet haben und dann nach Süden fließen, vom Cañon weg.
Eine kurze Lunchpause unterbrach meine Arbeit. McKee hatte, während ich zeichnete, Tee gekocht und unsere Vorräte unter einer knorrigen Kiefer auf dem äußersten Vorsprung aufgetischt; in ihrem Schatten nahmen wir unsere Mahlzeit ein. Dann zeichnete ich weiter und hörte erst bei Sonnenuntergang auf. Als der Tag verstrichen war, die rote Pracht erlosch und die Farben verblichen, traten wir eiligst den Rückweg in unser Lager unter den Fichten an. Beim prasselnden Feuer aßen wir unser Abendbrot; dann wurden wieder haarsträubende Geschichten von Klapperschlangen und andern ungemütlichen Tieren erzählt, und schließlich krochen wir in unsere Freiluftbetten.
Am 4. Juli standen wir früh auf, aber es dauerte stundenlang, bis die Maultiere wiedergefunden wurden. Erst gegen Mittag konnten wir aufbrechen.
Wir wollten zunächst in die Nähe des Cape Final; aber dorthin führte nicht die Spur eines Weges. Ernest saß auf der vordern Querbank und kutschierte, und ich saß auf der hintern Bank. Auf dem Rand, kaum zwei Meter vom Abgrund, war der Boden am ebensten. Man hatte die gähnende Tiefe unmittelbar unter sich zur Rechten. Ich war auf alles gefaßt und gab gespannt acht, um mich im Fall einer Katastrophe durch einen Sprung retten zu können; ich fühlte mich erst dann wieder beruhigt, als Ernest vom Rand abbog. Aber jetzt mußten wir einen schrecklich steilen Hang hinab in eine vom Wasser ausgearbeitete Rinne hinunterfahren, die quer vor unserm Weg lag. Das Bremsen half nicht viel, und die Maultiere konnten den Wagen nicht halten, wie sehr der Kutscher auch die Zügel anzog. Sie gaben nach, der Wagen kam ins Rollen und sprang und schwankte über die Unebenheiten des Bodens. Zwischen den Bäumen hindurch zu fahren war nichts weniger als leicht. Ehe wir uns dessen versahen, fuhren wir schnurstracks auf einen jungen Baum los, der im Wege stand. Ich nahm als selbstverständlich an, wir würden umkippen, und sprang ab, um nicht durch einen Beinbruch in der Wildnis festgehalten zu werden. Aber der Wagen stürzte nicht um, und nun standen wir da, ein Maultier rechts und eins links vom Baum.
Nachdem wir unsere Equipage wieder flottgemacht hatten, fuhren wir weiter und fischten McKee auf, der vorausgegangen war. An einem Punkt nicht weit von Cape Final rasteten wir, um auch diese Aussicht eine Weile zu genießen; sie erinnert im wesentlichsten an die von Cape Royal. Eine Strecke weiter nördlich machten wir wieder halt, in der Nähe von Fair View, so daß ich Gelegenheit hatte, wenigstens ein flüchtiges Bild der ungeheuren, von Wasser, Wetter und Wind ungemein malerisch herausgemeißelten Felsmassen zu zeichnen, die hier in wild-romantischen Wänden zur Tiefe abfallen.
Dies war die letzte Stunde beschaulicher Betrachtung, die ich einer Gran-Cañon-Landschaft widmete, denn der Tag neigte sich seinem Ende zu, und Wylie Way Camp würden wir erst in der Dunkelheit erreichen. Es wurde mir schwer, mich loszureißen. Aber es mußte sein, und ich tat es mit dem Gefühl, daß ich den Gran Cañon noch ein zweites Mal besuchen müsse. Hätte es etwas geholfen, einige Münzen in die Tiefe zu werfen wie in die Fontana di Trevi in Rom, ich hätte es getan. Aber Rom ist von Menschen erbaut, der Gran Cañon von Gott, und da helfen keine Bestechungen.
Zum letztenmal suchte ich darum meinem Gedächtnis das Bild dieser wunderbaren Welt der Erhabenheit, der Einsamkeit und des Schweigens einzuprägen -- eines Landes, wo keine Vegetation die Nacktheit der Felsen verhüllt und wo die Farbe der Gesteine zu ihrem Recht kommt, bald von Schatten gedämpft, bald von der Sonne in roten Tönen gesteigert; einer Landschaft, die man in der Tiefe unter sich hat, nicht über sich zwischen den Wolken wie den Himalaja und andere Gebirge. Sie gleicht einer Matrize oder Gießform, die die Talsenke des Gran Cañon darstellt und groß genug ist, eine ganze Gebirgskette von 1600 Meter Höhe, 16 Kilometer Breite und 349 Kilometer Länge aufzunehmen. Diese Gebirgskette ist im Laufe von Jahrmillionen zerrieben worden und liegt jetzt in den Anschwemmungen des Colorado und auf dem Meeresboden ausgebreitet.
Nimmt man vom Gran Cañon Abschied, dann erwägt man erneut, welcher Seite man den Preis der Schönheit geben soll, dem Südrand oder dem Nordrand. Das einzig Richtige ist natürlich, beide zu besuchen. Aber nur ein sehr geringer Teil des Touristenstroms nimmt sich die Zeit dazu. Wer nur einen oder zwei Tage dem Gran Cañon opfern kann, hat keine Wahl; er muß sich mit dem Südrand begnügen. Von hier aus hat er die großartige Aussicht auf die Tempel, die er in der Verkürzung sieht, und den brennenden Glanz der Abendröte auf ihren Westhängen. Von der Tiefe und der Länge der Täler zwischen den Tempeln erhält er keinen klaren Begriff, es sei denn, daß er noch einige Tage opfert und den Nordrand aufsucht.
Das Schönste, was ich vom Nordrand aus erblickte, war das Farbenspiel in der zweiten oder dritten Nachmittagsstunde. Denn diese Farben sind prächtig, aber leicht und zart, nicht stark oder schreiend, sie sind wie ein Traumspiel, wie ein Rosengarten, wie rosa, violette oder hellgrüne Gewänder junger Mädchen in einem Ballsaal, wie Wolken, von der Morgenröte beleuchtet. Dank ihnen erscheint diese ganze Landschaft so leicht und luftig, daß es aussieht, als könne der erste Windhauch sie hinwegblasen. Und dabei sind es schwere, harte Steinmassen, die allein die Zeit bezwingt, das Wasser und die Verwitterung!
Wir fuhren weiter durch den wegelosen Wald, und bald lagen die letzten Bilder des Gran Cañon hinter uns. Nach einer Weile kamen wir wieder auf den schlechten Weg, den wir vor zwei Tagen gefahren waren.
Die Dämmerung war schon dicht, als wir das Auto erreichten. Die Lampen wurden angezündet, und wir sausten durch den schlummernden Wald der Rehe nach dem Zeltlager von Wylie Way Camp.
Register.
Albuquerque, Stadt 47. 48. 49. 51.
d’Albuquerque, Alfonso 49.
Altar Falls 194. 195. 196. 206.
Arizona 18. 48. 53. 54. 149. 221.
Arizona Divide 54.
Arkansas, Fluß 33. 39.
~Artemisia tridentata~ 167.
Asbest 91.
Ayer, Edward E. 84. 85.
Basalt 90.
Basalt Cliffs 90.
Birchfield, Carleton 16. 17. 58. 60. 86. 99. 124.
Birken 202.
Bisons 227, s. a. Büffel.
Black Bush 167.
Brahmatempel 75. 95. 202. 207. 220.
Bright Angel Cañon (Creek) 75. 92. 95. 186. 189. 190. 192. 194. 195. 196. 198. 200. 206. 208. 220. 232.
Bright Angel Point 198. 204. 206.
Bright Angel Spring 204.
Bright Angel Trail 178 ff. 181. 182. 185.
Brögger, Professor 15.
Bryn 99. 124.
Buddha Temple 72. 74.
Büffel 43.
Bunte Wüste s. Painted Desert.
Burros s. Esel.
Cañonbildungen 81.
Cañon Diablo 53.
Cape Final 94. 153. 236. 237.
Cape Royal 72. 79. 88. 94. 95. 224. 227. 230. 231. 232. 233.
Cape Solitude 90. 92.
Cardenas, Konquistador 18. 39.
Cathedral Spire 112.
Cathedral Stairs 106. 132.
Chandler, Harry 193.
Cheopspyramide 74.
Chicago 15. 32. 38.
Chuar-Gruppe 23.
Clarkson, R. Hunter 17. 33. 34. 35. 36. 40. 41. 42. 48. 178.
Clear Creek 94. 95.
Cliffdweller 221.
Coconinoplateau 70. 86. 91.
Coconinosandstein 70. 71. 72. 74. 75. 76. 78. 91. 94. 100. 102. 174. 181. 182.
Coconinoschichten 152. 153. 203. 208. 231.
Cojote (Heulwolf) 43. 144. 145.
~Coelogyne ramosissima~ 167.
Colorado, Rio 28. 29. 62. 63. 64. 65. 68. 69. 70. 71. 74. 79. 80. 102. 125. 128. 142. 146. 149. 150. 152. 153. 154. 156. 164. 166. 170. 172. 182. 188. 190. 193. 226. 231. 234; Bett 23. 24; Brücke 79. 186. 188; Dauer der Erosion 23; Entdeckung 18. 19; Flußfahrten 19. 192; Gesteinstransport 23; Name 89; Rinne 63. 81; Schlucht 186; Stromschnellen 128; Uferwände 128; Unterlauf, Regulierung 20; Wasser 126; Wassermessungen 190. 192.
Coloradohochland 53. 64. 70. 150.
Comanche Point 92. 154.
Cope Butte 107.
Coronado, Konquistador 18.
Coronado Butte 92.
„Creek“ 91.
Crosby, Oberst 17. 58. 59. 133. 178. 180. 181.
Davis, W. M. 20. 21.
Darton 69. 137. 166. 174. 181. 184. 185. 234; Werk über Gran Cañon 20.
Denudation, die große 22. 71.
Desert Facade 90.
Desert View (Navaho Point) 22. 92. 137. 141. 177.
Devatempel 75. 95. 207. 220.
Devon 22.
Diabas 154.
Douglastanne 140.
Dutton, C. E. 15. 20. 21.
van Dyke, John C. 20.
Eichen 181. 202.
Eiszeit 21.
El Tovar 22. 31. 56. 70. 86. 113. 130. 133. 141. 157. 177. 180. 181. 182. 185. 188. 189. 192. 194. 198. 231; Aussicht 96. 97. 150; Automobilverkehr 134; Besucher 97. 98; Hotel 57. 58. 84. 97. 163. 164, altes 135, neues 134; Konkurrenz 177; Lage 62; Meereshöhe 181; Zweigbahn nach 55-57.
Erosion 23. 63. 88. 89. 102. 112. 128. 154. 164. 208. 234.
Esel, verwilderte 122. 124. 130. 167. 185.
Fair View 237.
Färbereiche 140.
Flagstaff, Stadt und Bahnhof 54.
Ford, Henry 220. 221.
Gelbkiefer 140. 202.
Glorietapaß 47.
Gneis 22. 186.
Gran Cañon 53. 55. 56; erster Anblick 56. 57; geologischer Aufbau 70. 94. 174; Aussicht vom Nordrand 207; Aussichtspunkte 86. 177; Automobilverkehr 178; Beleuchtung 25. 27. 28; Besucher 25. 66. 84. 97. 98. 99. 110. 130. 133. 140. 141. 154. 156. 177. 212. 220. 238; bildliche Darstellungen 30. 31. 42; Denudation 21; Eisenbahn am Nordrand 225; Entdeckung und erste Besucher 18. 19; Entstehung 84; geologische Erforschung 18; Formen 26. 68. 81. 148. 149. 171. 172; Gemälde 137; Geologie 20; geologische Geschichte 22; Gesteine 90; Hotelbau 177. 224; Karten 69; Klima in geologischer Zeit 21. 22; Namengebung 95; im Nebel 142; Nordrand 60. 63. 64. 65. 68. 78. 81. 104. 170. 174. 176. 177. 178. 194. 200. 204. 214. 233. 234. 238; im Regen 133; Schichten 64; Schichtenfolgen 23. 72. 75. 76. 91. 92. 94. 100. 181; Südrand 60. 63. 64. 65. 68. 81. 91. 138. 164. 170. 176. 177. 200. 202. 208. 233. 234. 238; größte Wärme 198; Werke darüber 15. 19. 20. 25. 69; Zweigbahn an den Nordrand 177.
Grand View, Gasthaus 86. 138; Aussicht 150.
Grand View Point 86. 88. 90. 91. 92.
Grand Wash 23.
Granit 22. 23. 63. 71. 72. 74. 75. 76. 90. 106. 150. 154. 174. 186.
Granite Gorge 23. 63.
Granitkorridor 71.
Granitschlucht 152. 174. 186. 188.
Greenland Lake 226.
Harvey, Ford 17. 36. 37. 38. 134; Hotel in Albuquerque 48, in El Tovar 48.
Harvey, Fred 36.
Havasupai 22.
Havasupai Cañon 55.
Havasupai Point 78. 79. 164. 166. 168. 231; Aussicht 170 ff.
Hearst, W. R. 138.
Hermit Basin 102. 128.
Hermit Cabins 79. 80. 91. 104. 107.
Hermit Camp 100. 106. 107. 108. 110. 112. 130. 132. 181. 185.
Hermit Creek 23. 102. 104. 107. 108. 110. 114. 125. 126. 153.
Hermit Falls 128.
Hermit Peak 112. 113. 130.
Hermit Rapids 80.
Hermit Rest 133.
Hermit Rim Road 79.
Hermit Trail 99. 100. 102.
Heulwolf 43. 144. 214.
Högbom, Professor 15.
Höhlenbewohner 185. 221.
Hopi-Indianer 71. 113. 149. 158; Haus 113; Kleidung 114; Tänze 113. 114. 116. 158.
Hopi Point 60. 69. 70. 71. 72. 74. 75. 76. 81. 88. 136.
Horseshoe Mesa 91.
Hufeisenberg 91.
Hunderasse zur Pumajagd 214. 215.
Imperial Valley 166. 193; Bewässerungsnetz 193.
Indianer 43. 44. 51. 185; Brüderschaft 121. 122; Lieder 116. 117. 118. 122; Tänze 116. 117. 118.
Indian Garden 91. 130. 184. 185.
Isleta 49. 50.
Jensen 203. 204. 206. 207. 210. 220.
Joo Secakuku 113. 114. 116. 117. 118. 121. 122. 134. 158.
~Juniperus utahiensis~ 140.
Kaibabkalkstein 22. 70. 71. 72. 75. 76. 78. 86. 91. 92. 94. 95. 100. 102. 174. 181. 203. 204. 208. 220. 234.
Kaibabplateau 70. 72. 75. 90. 94. 203. 206. 208. 224.
Kaibabschichten 152. 231.
Kalkstein 22. 64. 72. 89. 90. 103. 106. 174. 182. 230.
Kambrium 75.
Kansas, Staat 34. 37. 38.
Kansas City 32. 33. 34. 38. 44.
Kathedralstufen 107. 112.
Kemp, Edw. 17. 58. 60. 86. 99. 124.
Kiefern 53. 57. 102. 160. 166. 198. 226.
Klapperschlangen 111.
Kleiner Colorado 23. 24. 90. 150. 152.
Kolb, Brüder 19; Ellsworth L. 19. 134. 192.
„Kriegsschiff“ 97. 182.
Kuguar 214.
Kupfer 91.
Landwirtschaftliche Maschinen 38.
Las Vegas 46.
Leede, Professor 124. 130.
Los Angeles 38.
Lowell-Sternwarte 54.
Luchse 158. 159. 214.
Mac Lean, Sandy, Führer 17. 99. 100. 180. 184. 188. 194. 203.
Marble Cañon 26. 90. 150. 152. 153. 156. 226.
Maricopa Point 60. 62. 97.
Maultiere 17. 100. 107. 130. 181. 194. 199. 200. 203. 224. 227. 236.
McKee 17. 204. 212. 215. 221. 226. 227. 230. 234. 237.
Meeresmollusken 24.
Mesa 45. 149.
Mesa Eremita 112.
Mexiko 18.
Minotto J., Graf 16.
Mississippi 32. 33. 41.
Missouri 32. 34.
Mohave Point 60. 79.
Nationalpark 37. 138. 167.
Navaho-Indianer 49. 138. 226.
Navaho Point 79. 92. 137. 140. 141. 152. 154. 177. 232; Unterkunftshütten 137. 141. 145.
Neumayr, Professor 24.
Neumexiko 39. 41. 43. 45. 51. 52.
Nußkiefer 140. 230.
Obi Point 95. 220.
Obst, kalifornisches 212.
Osiristempel 76. 78.
Painted Desert (Bunte Wüste) 69. 71. 90. 142. 144. 149. 150. 226. 231. 233; Grenze 149.
Palisaden 26. 69. 71. 90. 92. 142. 145. 146. 149. 150. 154. 170. 232. 233.
Panamakanal, Einfluß auf Verkehr 212.
Petroleum 38. 137.
Petrosa, Victor 17. 58. 59. 137. 178.
Pferde, wilde 227.
Pferdezuchtland 47.
Phantom Ranch, Unterkunftshütten 186. 188. 189. 190. 194. 204.
Pima Point 60. 79. 99. 112.
~Pinus edulis~ 140.
~Pinus ponderosa~ 140.
Platin 184.
Pliozän 22. 24.
Point Harris 226.
Poquett, Herr und Frau 108. 111. 130.
Powell, J. W. Major 19. 20. 21. 134. 192; Bootfahrt 62.
Powell Memorial 62.
Powell Plateau 78. 164. 172. 174.
Präriehund 140.
Präriewolf 43.
~Pseudotsuga taxifolia~ 140.
„Pueblos“ 46.
Pueblo-Indianer 50.
Puma 43. 214. 215.
Quarzit 74. 90.
~Quercus tinctoria~ 140.
Raton, Stadt 43.
Ratonpaß 40. 41.
Raubtiere 214.
Redwall, Felsband 22. 94; Name 184; Formation 91. 92; Kalkstein 72. 74. 75. 76. 78. 100. 106; Schicht 182. 184.
Regenzeit 26. 221. 222.
Rehe 203. 210. 211. 214. 226.
Rio Colorado s. Colorado.
Rio Grande del Norte 41. 47. 50. 52.
Roaring Springs 198. 202. 206.
Sage Brush 167.
Salt Lake City 178. 212. 215.
San-Francisco-Gebirge 54. 56. 232.
Sangre de Cristo 45.
Santa-Fé, Eisenbahn 16. 17. 33. 35. 36. 177.
Santa-Fé, Stadt 44. 47.
Santa Maria Spring 103. 132.
Sandstein 64. 74. 100. 154. 174. 182. 185; (Kambrium) 75; roter 72. 102. 103.
Schafzucht 44.
Schiefer 71. 72. 74. 76. 90. 100. 154. 174. 182. 184.
Schivatempel 76. 78.
Silur 22.
Simpson, William H. 16. 17. 58.
Skorpione 111.
Skottsberg, Prof. 167.
Stachelschwein 140. 157.
Steinkohlenformation 22. 23. 70. 72.
Supaiformation 76. 78. 91. 100. 102. 153.
Supaigruppe 72. 75. 76. 94.
Supaischichten 152. 174. 210. 231.
„Tempel“ 63. 68. 153. 207. 208. 231. 238.
Teppiche, indianische 48.
Tierwelt 43. 125. 138. 140. 146.
Tillotson, Führer 17. 138. 140. 141.
Tontoformation 71. 91. 92. 94. 132. 152.
Tontogruppe 22. 72. 74. 75. 76. 90. 100. 106. 182. 184. 185. 186.
Tontoschiefer 107.
Tonto Trail 132. 185.
Tovar, Konquistador 18. 80.
Transept-Cañon 207. 208. 221.
Trinidad 39. 40.
Überschwemmungen 33. 34. 37. 38. 41.
Uncle Jim, Löwentöter 214. 215. 216. 219.
Union Pacific Railway Co. 177. 225.
Unkargruppe 23. 71. 74. 76. 90. 153. 154. 174. 186. 188. 195.
Utahwacholder 140.
Vegetation 22. 40. 53. 102. 103. 149. 185. 194. 195. 198. 199. 200.
Versteinerungen 181.
V. T. Ranch 210. 215. 216.
Wacholder 40. 46. 53. 57. 102. 160. 167. 198. 200.
Wald 26. 46. 53. 54. 57. 86. 102. 103. 138. 140. 166. 181. 198. 200. 202. 203. 225. 226.
Waldarbeiter 54.
Waldbäume 140. 160.
Walhallaplateau 94. 95. 153. 215. 224. 226. 230. 231. 233. 234.
West, Führer 17.
Wildkatzen 214.
Winslow 52.
Williams 53. 54. 55.
Wind 100. 103. 104. 188.
Wischnutempel 72. 94. 232.
Wotans Thron 72. 94. 231. 232.
Wylie Way Camp 22. 204. 211. 212. 215. 220. 222. 232. 239.
Yavapai Point 62.
Yuma 193.
Zigeuner 45.
Zitterpappeln 195. 226.
Zoroastertempel 75. 95. 202. 207. 220.
VERLAG F. A. BROCKHAUS / LEIPZIG
Sven Hedins Werke
Hauptwerke, reich mit Abbildungen und Karten ausgestattet
Durch Asiens Wüsten. 2 Bände. Lwdb. M. 30.--
Zu Land nach Indien. 2 Bände. Lwdb. M. 32.--
Ein Volk in Waffen. Lwdb. M. 11.--
Bagdad–Babylon–Ninive. Lwdb. M. 15.--
Mount Everest. Halblwdb. M. 6.--
Von Peking nach Moskau. Lwdb. M. 15.--
Im Herzen von Asien. 2 Bände. Lwdb. M. 32.--
Transhimalaja. 3 Bände. Lwdb. je M. 16.--
Nach Osten. Lwdb. M. 11.--
Jerusalem. Lwdb. M. 15.--
Verwehte Spuren. Lwdb. M. 15.--
Illustrierte Jugendschriften
=Von Pol zu Pol.= 3 Bde. I: Rund um Asien. II: Vom Nordpol zum Äquator. III: Durch Amerika zum Südpol. Jeder Band, Lwdb. M. 5.--
=Abenteuer in Tibet.= Lwdb. M. 12.--
Sven Hedins erste Dichtung:
=Tsangpo Lamas Wallfahrt.= Bd. 1. Die Pilger. Bd. 2. Die Nomaden. Jeder Band, Lwdb. M. 6.50
Kleine Schriften
Persien und Mesopotamien. Geh. M. 1.60
Ossendowski und die Wahrheit. Geh. M. 2.--
Alma Hedin
=Arbeitsfreude.= Was wir von Amerika lernen können. (An Stelle eines Vorworts: Sven Hedin, Der 9. November. Ein Gruß an das Deutsche Volk.) Lwdb. M. 3.40
=Mein Bruder Sven.= Nach Briefen und Erinnerungen.
Mit 61 Abbildungen. Lwdb. M. 15.--. +Volksausgabe+: Mit 17 Abbildungen. Geh. M. 3.30, Lwdb. M. 5.--
~VERLAG F. A. BROCKHAUS / LEIPZIG~
Sven Hedins Werke
Gekürzte Volks- und Jugendausgaben mit zahlreichen Abbildungen und Karten
*
Abenteuer in Tibet. Band 1 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
Transhimalaja. (Neue Abenteuer in Tibet.) Band 2 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
Durch Asiens Wüsten. Band 7 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
Zu Land nach Indien. Band 8 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
General Prschewalskij in Innerasien. Band 19 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
Meine erste Reise. Band 20 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
An der Schwelle Innerasiens. Band 23 der Sammlung „Reisen und Abenteuer“ Halb-Lwdb. M. 2.80, Lwdb. M. 3.50
*
Ein Volk in Waffen. Geb. M. 3.--
Bagdad–Babylon–Ninive. Geh. --.20
Nach Osten. Geb. M. 3.--
Jerusalem. Geh. M. --.20
~VERLAG F. A. BROCKHAUS / LEIPZIG~
~G. I. FINCH~
Der Kampf um den Everest
Deutsch von Walter Schmidkunz
Mit 88 Abbildungen, 1 Anstiegsskizze und 2 Karten
In Ganzleinen gebunden M. 11.--
~G. WINTHROP YOUNG~
Die Schule der Berge
Deutsch von Willy Rickmer Rickmers
Mit 39 Einschaltbildern und 19 Abbildungen im Text
In Ganzleinen gebunden M. 16.--
~HENRY HOEK~
Wetter, Wolken, Wind
Ein Buch für jedermann
Mit 31 Einschaltbildern
In Halbleinen gebunden M. 9.--
~CARL STÖRMER~
Aus den Tiefen des Weltenraums bis ins Innere der Atome
Mit 65 Abbildungen
In Halbleinen gebunden M. 6.--
F. A. Brockhaus, Leipzig.
Advertisement